MMA: Was ist verboten? Ein umfassender Leitfaden zu Regeln und Vorschriften

MMA (Mixed Martial Arts) hat sich zu einem der populärsten Vollkontakt-Kampfsportarten entwickelt. Es vereint verschiedene Kampfkünste und erfordert von den Athleten Disziplin, Ausdauer und Selbstkontrolle. Obwohl MMA für seine spektakulären Kämpfe bekannt ist, gibt es klare Regeln und Vorschriften, die Fairness und Sicherheit gewährleisten.

Allgemeines für alle MMA-Wettkämpfe

Für die Teilnahme an MMA-Wettkämpfen sind bestimmte Voraussetzungen und Ausrüstungen erforderlich:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Nachweis einer Krankenversicherung
  • Einverständniserklärung (bei Minderjährigen unter 18 Jahren)
  • Shorts, Tiefschutz (für Männer) und Zahnschutz

Waage und Gewichtsklassen

Die offiziellen Gewichtsklassen sind in bestimmten Abständen aufgeteilt. Bei den MMA-Berlin-Turnieren werden aber die Gewichtslimits individuell vereinbart. Die Toleranzgrenze beim Wiegen ist 500g. Bei Titelkämpfen gibt es keine Toleranzgrenze. Ist ein Kämpfer über dem vereinbarten Gewichtslimit, hat er bis eine Stunde nach Ende der Waage Zeit, sein Gewicht zu erreichen. Falls der Wettkämpfer mehr als 500g bis zu 1000g über dem vereinbarten Limit liegt, kann der Wettkampf stattfinden, wenn sein Gegner damit einverstanden ist, aber der Wettkämpfer startet mit einem Minuspunkt. Dieser Minuspunkt wird auf der Masterscorecard in die erste Runde eingetragen. Sollte der Wettkämpfer über 1000g über dem Limit liegen, kann der Wettkampf nicht stattfinden.

Arztcheck und Regelbesprechung

Nach der Waage findet ein Arztcheck und eine Regelbesprechung statt. Bei der Regelbesprechung müssen ausser den Wettkämpfern auch der leitende Betreuer anwesend sein. Ein weiterer Arztcheck findet direkt nach dem Wettkampf statt.

Bluttest und Schwangerschaftstest

Für einen Kampf nach Pro-Regeln muss ein Bluttest (HIV, Hepatistis B&C nicht älter als ein Jahr) vorliegen. Wettkämpferinnen nach allen Regelwerken müssen außerdem nach der Waage einen Schwangerschaftstest machen.

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Betreuer

Pro Wettkämpfer sind 2 Betreuer in der Ecke zugelassen. Die Betreuer dürfen in das Wettkampfgeschehen nicht eingreifen. Sie dürfen Ringrichter auch nicht ablenken oder in irgendeiner Weise versuchen den Ringrichter zu beeinflussen. Keine Kommunikation mit dem Kämpfer, während der Geger in der neutralen Ecke ist. Die Betreuer müssen eine Trinkflasche mit Wasser und ein Handtuch bereithalten.

Bandagen / Tape

Beim Anlegen muss ein Offizieller anwesend sein. Ein Betreuer des Gegners hat das Recht anwesend zu sein. Die Hände dürfen unter dem Handschuhe bandagiert werden. Dazu darf ausschliesslich Mull und Tape in angemessener Menge und gleichmässig verteilt verwandt werden. Bandagierte Hände müssen vor dem Anziehen der Handschuhe von den Offiziellen überprüft werden. Sonstiges Tape ist generell nicht erlaubt. Bei Kämpfen nach Amateur-Regeln können die Wettkämpfer auch Stoffbandagen unterziehen oder ohne Bandagen kämpfen.

Kleidungsvorschrift und Körperhygiene

  • Kurze Hose (Kniegelenk sichtbar), Hosenbund muss fest geschnürt sein, keine Reisverschlüsse, Knöpfe, Taschen, keine rutschhemmenden Stellen
  • Freier Oberkörper für Männer, enges Shirt oder Top für Frauen, welches die Ellenbogen nicht bedeckt
  • Keine Schuhe, keine weitere Ausrüstung wie Knie-, Ellenbogen- oder Fusspads oder Ohrschützer
  • Zahnschutz & Tiefschutz (Tiefschutz und Brustschutz für Frauen optional)
  • Lange Haare müssen mit einem weichen Haargummi / -band zusammengehalten werden, keine harten Haarklammern etc.
  • keine harten Kontaktlinsen
  • kein Schmuck
  • Finger- und Fussnägel müssen kurz geschnitten sein
  • Minimales Auftragen von Vaseline im Gesicht wird von den Offiziellen vor dem Wettkampf gemacht. Ansonsten ist jedweder Gebrauch von Vaseline, Ölen und Cremes etc. (z.B. Thaiöl) verboten.

Unterbrechung bei Foul oder Verletzung

Sollte es eine Unterbrechung mit Trennung der Wettkämpfer wegen einer verbotenen Technik oder einer Arztpause geben, wird der Kampf in der gleichen Position wie zuvor fortgesetzt. Bei Tiefschlägen hat der Kämpfer bis zu 5 Minuten Zeit sich zu erholen. Bei anderen Verletzungen geht es sofort nach der Arztfreigabe weiter.

Tap out / aufgeben

Ein Wettkämpfer kann aufgeben, indem er:

  1. Seine Hand (oder ein sonstiges Körperteil) benutzt, um durch Abklopfen seine Aufgabe anzuzeigen.
  2. Sich verbal äußert, dass er aufgeben will oder solche Geräusche macht (wie Schreien vor Schmerzen), die den Ringrichter auf eine Aufgabe schließen lassen.

Nahrungsmittel

Während des Wettkampfs darf der Wettkämpfer nur Wasser zu sich nehmen. Am Tag des Wettkampfs sind auch Energydrinks, Cola, Kaffee, Coffeinbars und andere aufputschende Getränke oder Nahrungsmittel verboten.

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Punktrichter

Drei Punktrichter bewerten die einzelnen Runden nach den Unified rules. Die Amateur-Wettämpfe können auch ohne Punktrichter stattfinden. Dann endet ein Wettkampf automatisch unentschieden, wenn es zu keiner vorzeitigen Entscheidung kommt.

Regeln für die Pro-MMA-Wettkämpfe (entsprechen den Unified rules / UFC)

Die Kampfzeit beträgt 3 Runden zu je 5 Minuten mit jeweils 1 Minute Pause.

Erlaubte Techniken

  • Schläge mit der gepolsterten Fläche des Handschuhs, aber auch mit der Handinnenfläche und dem Handgelenk bzw. „Hammerfaust“ und auch Rückhandschläge im Stand und am Boden auch zum Kopf
  • Ellenbogenstösse sind auch am Boden zum Kopf erlaubt
  • Tritte und Kniestösse nur gegen einen stehenden Gegner zum Kopf. Ansonsten nur zum Körper
  • Gerade Angriffe auf Gelenke
  • Jede Art von Würger
  • Jeder Hebel des Ellenbogengelenks, des Schultergelenks, des Handgelenks, des Kniegelenks und des Fussgelenks
  • Alle Würfe (kein "Spiking" / Piledriver auf Nacken oder Kopf

Verbotene Techniken

Alle nicht „erlaubten Techniken“ - insbesondere folgende:

  • Tritte und Kniestösse zum Kopf, wenn der Gegner nicht "steht"
  • 12 zu 6 Ellenbogen
  • Stomps wenn der Gegner nicht "steht" (Axtkicks sind erlaubt, Stomps im Stand zu den Füssen auch)
  • Alle Angriffe auf die Wirbelsäule und den Hinterkopf
  • Headbutts (egal wohin)
  • Angriffe (Greifen oder Schläge) zum Unterleib und zum Kehlkopf / Hals (und der Brust bei Frauen)
  • Greifen in Nase, Mund, und Augen (und ggf. Cuts)
  • Ellbogen, Knie etc. auf Nase, Mund, und Augen drücken (und ggf. Cuts)
  • Greifen der Kleidung und der Handschuhe des Gegners (eigene Kleidung darf gegriffen werden)
  • Greifen des Cages
  • Ausstrecken der Finger in Richtung des Gegners
  • Wegdrehen / Weglaufen
  • Hebel der Finger- oder Zehgelenke
  • anderes unsportliches Verhalten (Beißen, Haare ziehen, Spucken, Schimpfwörter etc.)
  • Angriffe während eines Time out, nach dem Rundenende oder wenn der Gegner unter dem Schutz des Ringrichters ist

Zusätzliche Ausrüstung und Verbote für die Amateur-MMA-Wettkämpfe

  • Handschuhe mit dickem Polster
  • nicht 3 sondern nur 2 Runden Kampfzeit, die Pause bleibt bei einer Minute
  • Schläge zum Kopf nur mit der gepolsterten Fläche des Handschuhs (Ellenbogen, Schulter, Unterarm, Hammerfaust oder der Handinnenfläche sind nur zum Körper erlaubt)
  • Kniestösse zum Kopf sind ganz verboten (auch nicht im Stand)
  • Neck cranks und andere Hebel auf die Wirbelsäule

Unified Rules of MMA: Das Regelwerk im Detail

Die Regeln der Mixed Martial Arts unterscheiden sich von Organisation zu Organisation und Land zu Land. Die Unified Rules of MMA wurden allerdings weltweit akzeptiert und bilden damit eine Schnittmenge der Gewichtsklassen, Gewinnbedingungen und unerlaubten Aktionen während des Kampfes.

  • Ein Kampf umfasst 3 Runden à 5 Minuten. Titelkämpfe umfassen 5 Runden à 5 Minuten.
  • Um den Kampf zu gewinnen, sind Schläge mit dem Ellbogen, dem Knie sowie Tritte und drehende Rückhandfaustschläge erlaubt.
  • Männer und Frauen kämpfen barfuß. Männer mit freiem Oberkörper, Frauen mit eng anliegendem Oberteil. Die kurze Hose der Männer muss ohne Knöpfe und Reißverschlüsse sein.
  • Als Schutzausrüstung sind Zahnschutz, Tiefschutz und 110 Gramm schwere Faustschützer verpflichtend.

Effektives Schlagen und effektives Grappling haben höchste Priorität bei der Beurteilung einer Runde. Eine Möglichkeit zu siegen ist der Knock-Out (K.O.) oder der Technische K.O., der durch einen Ringrichter oder Ringarzt festgestellt wird. Die zweite Möglichkeit zu siegen ist die Aufgabe durch Abklopfen oder mündliche Aufgabe. Dies geschieht bei Hebeln und Würgegriffen oder wenn der Gegner zu stark ist. Ein Kampf kann durch beidseitige Disqualifikation oder K.O. aufgrund einer unbeabsichtigten unerlaubten Aktion als Unentschieden gewertet werden.

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Pro Runde vergeben die Ringrichter 10 Punkte an den Gewinner der Runde und 9 Punkte an den Verlierer. Eine 10-8-Runde wird nun vergeben, wenn ein Kämpfer seinen Gegner in einer Runde deutlich dominiert.

Weitere Regeln der Unified Rules of MMA

Es gibt insgesamt 31 Fouls wie unerlaubte Angriffe und unsportliches Verhalten, die verschiedene Strafen wie Verwarnung, Punktabzug oder die Disqualifikation bedeuten. Kniestöße und Tritte gegen den Kopf eines am Boden befindlichen Gegners sind unrechtmäßig. Schläge und Griffe an die Kehle und Greifen des Schlüsselbeins sind ebenfalls verboten. Das beabsichtigte Greifen des Rings oder Käfigs und das beabsichtigte Werfen des Gegners außerhalb des Rings oder Käfigs stellen einen Regelverstoß dar. Beleidigungen, Spucken, Kratzen, Kneifen, die Hose des Gegners festhalten, Angriffe während Pausen und Unterbrechungen gelten als Foul.

MMA Gewichtsklassen

Wie beim Boxen kennt man in den Unified Rules verschiedene Gewichtsklassen. Die UFC nutzt neun Gewichtsklassen, die beim Strohgewicht beginnen und beim Schwergewicht enden. Die UFC Frauenmeisterschaften finden ausschließlich in den Gewichtsklassen Stroh-, Fliegen-, Bantam- und Federgewicht sowie Weltergewicht statt. Hierbei ist das Strohgewicht ausschließlich den Damen vorbehalten.

Übersicht der MMA / UFC Gewichtsklassen

Gewichtsklasse KG
Atomweight / Atomgewicht 47,6 Kg
Strawweight / Strohgewicht 52,2 Kg
Flyweight / Fliegengewicht 56,7 Kg
Bantamweight / Bantamgewicht 61,2 Kg
Featherweight / Federgewicht 65,8 Kg
Lightweight / Leichtgewicht 70,3 Kg
Super Lightweight / Super Leichtgewicht 74,8 Kg
Welterweight / Weltergewicht 77,1 Kg
Super Welterweight / Super Weltergewicht 79,4 Kg
Middleweight / Mittelgewicht 83,9 Kg
Super Middleweight / Super Mittelgewicht 88,5 Kg
Light heavyweight / Halbschwergewicht 93,0 Kg
Cruiserweight / Cruisergewicht 102,1 Kg
Heavyweight / Schwergewicht 120,2 Kg
Super Heavyweight / Super Schwergewicht kein Limit

Info: Die MMA Gewichtsklassen beziehen sich jeweils auf das maximale Gewichts-Limit, um an der angegebenen UFC Gewichtsklasse teilnehmen zu dürfen.

MMA Kampftechniken beim UFC

In der MMA geht’s mächtig zur Sache. UFC Kämpfer aus verschiedenen Kampfsportarten treten gegeneinander an. Was ist im MMA verboten? Gekämpft wird im „Stand Up“, jeder Kampf beginnt dementsprechend im Stehen. Im Verlauf der UFC Kämpfe kommt es meistens zum Clinch, das bedeutet, dass sich beide Kämpfer mit Faustschlägen oder Tritten duellieren. Des Weiteren wird ebenfalls am Ground / Boden gekämpft. Eine Position, in der die meisten UFC Kämpfe durch K.O. beendet werden. Die Kombination verschiedener Sportarten macht die UFC besonders attraktiv.

MMA Begriffe

UFC steht für „Ultimate Fighting Championship” und hat seinen Hauptsitz in Nevada / USA. Ziel der Organisation ist die Durchführung von kommerziellen MMA-Kämpfen. Um Ihnen die UFC etwas näherzubringen, haben wir einige wichtige Begriffserklärungen bereit:

  • Submission: In der Submission nutzt ein Kämpfer bestimmte Griffe, um den Gegner kampfunfähig zu machen.
  • Knockout: Bei einem Knockout stoppt der Schiedsrichter den Kampf aufgrund Kampfunfähigkeit von einem der Kämpfer.
  • Takedown: Als Takedown wird eine Kampftechnik bezeichnet, die den gegnerischen Kämpfer zu Boden bringt.
  • Ground and Pound: Als Ground and Pound werden Schläge von oben herab bezeichnet, wenn der Gegner bereits auf dem Rücken liegt.
  • Judges: Als Judges werden die drei Punktrichter genannt, die neben dem Oktagon sitzen.
  • Decision (Unanimous & Split): Die Decision wird in Unanimous decision und in Split decision unterteilt.

Verbote im MMA

Im MMA gibt es klare Verbote, um die Sicherheit der Kämpfer zu gewährleisten:

  • Keine Angriffe auf Wirbelsäule, Hinterkopf oder Nieren.
  • Auch Angriffe auf Geschlechtsteile sind tabu.
  • Ebenso sind Kopfstöße, Schläge und Griffe an die Kehle bzw. Schlüsselbein verboten.
  • Als Foul gelten unter anderem Beleidigung, Spucken, Kratzen, Kneifen, Hose festhalten und Angriffe in der Pause.