Die israelische Kampfkunst Krav Maga („Nahkampf“) wird immer beliebter. Ursprünglich in der israelischen Armee entwickelt, hat es sich zu einer der effektivsten Selbstverteidigungsmethoden entwickelt. Krav Maga wird von Privatpersonen, Polizei und Militär zur Verteidigung, Deeskalation und zum Nahkampf eingesetzt.
Ursprünge und Entwicklung
Krav Maga wurde vor 50 Jahren von dem jüdischen Athleten Imi Lichtenfeld entwickelt. Als Gewinner vieler Ringkampf- und Boxwettbewerbe wollte dieser eine Technik entwickeln, die vor allem zur Selbstverteidigung in besonders gefährlichen Situationen geeignet sei. Dies gelang ihm auch, indem er Teile einer Vielzahl von Kampfsportarten zusammenfügte.
Imrich Lichtenfeld (bzw. Imi Sde-Or, geb. 1910 in Budapest Ungarn; verst. 1998 in Netanja, Israel) war der Begründer des Selbstverteidigungssystems Krav Maga. Nach der Gründung des Staates Israel war Lichtenfeld Chefausbilder im Nahkampf der israelischen Armee (IDF = Israel Defense Forces). Lichtenfeld adaptierte nach seiner Zeit als Chefausbilder das militärische Krav Maga für Polizisten und Zivilisten unter Berücksichtigung der geänderten Rechtslage z.B. keine speziellen körperlichen Fähigkeiten wie z.B. Kraft, Beweglichkeit, etc.
Innerhalb der israelischen Sicherheitskräfte haben unterschiedliche Ausbilder Krav Maga ständig weiterentwickelt, indem Sie Ihre Erfahrungen aus den jeweiligen Einsatzzwecken und Erfordernissen eingebracht haben. Krav Maga ist somit kein fest definiertes Selbstverteidigungssystem, sondern unterliegt auch heute einem stetigen Wandel.
Merkmale und Prinzipien
Im Gegensatz zu traditionellen Kampfkünsten fokussiert Krav Maga auf reine Selbstverteidigung und verzichtet auf sportliche Wettkampfregeln. Krav Maga ist ein praxisorientiertes System, das auf realitätsnahe Bedrohungsszenarien ausgerichtet ist. Es integriert „Dirty Fight Techniken“, die in regulären Wettkämpfen verboten sind, wie Tritte zwischen die Beine oder gegen die Kniescheibe.
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Der Name kommt aus dem hebräischen und lässt sich einfach übersetzen: krav = Kampf; maga = Kontakt. Krav Maga integriert Elemente aus verschiedenen Kampfsportarten. Laut Eyal Yanilov, dem Hauptausbilder der Internationalen Krav Maga Schul, ist Krav Maga aggressiver als Judo oder Karate. Der Schwerpunkt bestehe darin, in der Lage zu sein sich selbst von Gefahren zu befreien, indem man die Schwachstellen des Gegners, etwa mit Tritten in die Hüften oder ähnlichem, angreife. Im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten sei es außerdem viel praktischer. Der Schüler lerne schon am ersten Trainingstag sich vor einem bewaffneten Angriff zu schützen.
»Das eigentliche Ziel ist es, sich selbst so schnell wie möglich zu befreien«, sagte Yanilov. Er war einer der besten Schüler Lichtenfelds. Yanilovs hat, nach eigenen Angaben, zusammen mit seinem Team schon Dutzende Gruppen weltweit trainiert. Sogar die schwedische Armee sowie Spezialleinheiten in Finnland, Polen und Australien befinden sich auf der Liste der von Yanilovs Team Ausgebildeten.
Da jeder Trainer diese Technik allerdings durch eigene Erfahrungen ergänzt, gibt es viele verschiedene Unterabteilungen. Die einzelnen Techniken werden individuell zusammengestellt. Deshalb ist es möglich, Größen- und Kraftunterschiede zwischen Kämpfern durch schnelle Reflexe oder ein vermeintlich unsportliches, aber in puncto Selbstverteidigung effektives Vorgehen auszugleichen.
Um Angreifer möglichst schnell zu stoppen, kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz. Die einzelnen Techniken werden gezielt gegen schmerzempfindliche Punkte des Gegners eingesetzt, also bspw. mit einem Tritt in die Weichteile oder Stiche mit den Fingern in die Augen.
Krav Maga richtet sich an Polizisten, Soldaten, Personenschützer und Zivilisten. »Ein Soldat lernt natürlich andere Techniken als ein Zivilist«, sagt Nakash. »Auf der Straße geht es eher darum, einen Messerangriff oder eine Vergewaltigung abzuwenden. Dazu sollen die Leute in der Lage sein, Kämpfen aus dem Weg zu gehen oder ihre Angreifer schnell und effektiv zu verletzen.« Ziel der Verteidigung sei es, die gefährliche Situation so schnell wie möglich zu verlassen. »Am besten, man rennt einfach weg, nachdem man den Angreifer verletzt hat.« Anders verhält es sich bei Polizisten oder Soldaten, die sollten Angreifer überwältigen können. »Man kann ja nicht immer gleich schießen«, räumt er schmunzelnd ein. Daher sei es wichtig, auch Entwaffung und Ähnliches zu üben.
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Krav Maga für verschiedene Zielgruppen
Militär
Wie bereits beschrieben, liegt die Zielsetzung des Krav Maga’s beim Militär bei militärischen Einsätzen und der Umgang bei Bedrohungen sowohl mit und ohne Waffen.
Sicherheitskräfte und Polizei
Bei Sicherheitskräften wie Personenschutz, Türstehern oder auch bei der Polizei, liegt die Ernsthaftigkeit im Vordergrund. Die Schwerpunkte liegen hierbei beim Personen- und Eigenschutz, Deeskalation, Einsatztaktik und entsprechenden Abführ- oder Kontrolltechniken.
Privatpersonen
Wie bereits angedeutet stehen hier die Mittel zur Selbstverteidigung, Gewaltprävention oder Deeskalation im Vordergrund. Auch der Einsatz von Alltagsgegenständen zur Selbstverteidigung (Regenschirm, Handy, Feuerzeug, etc.) wird geübt. Im privaten Bereich spielt natürlich der Spaß- und Fitnessfaktor bei Krav Maga eine zusätzliche Rolle.
Verbreitung und Popularität
Krav-Maga-Kurse gibt es inzwischen in den meisten Städten. In großen Kampfsport-Studios, Volkshochschulen und Universitäten zählen sie zunehmend zum Standardkursangebot, zudem haben sich auf Krav Maga spezialisierte Kampfsportschulen etabliert. Welche Techniken unterrichtet werden, hängt vom jeweiligen Kurs ab.
Die Kampfkunst war in den USA bis vor einigen Jahren noch relativ unbekannt. In den vergangenen zwei Jahren ist das Interesse gegenüber Krav Maga vor allem in Nordeuropa und den USA erheblich angestiegen. Denn Stars wie Kristanna Loken („Terminator 3“), Cameron Diaz oder Angelina Jolie haben sich mit Krav Maga auf so manche Rollen vorbereitet.
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Nakash-Boxing-Gym
Das Nakash-Boxing-Gym liegt an einer großen, heißen und viel befahrenen Straße in der Nähe des HaShalom-Bahnhofs in Tel Aviv. Im zweiten Stock eines Wohnhauses haben Itay Dannenberg und Ran Nakash ihre Kampfsportschule eröffnet. Die beiden kennen sich seit Kindertagen und haben beide in der israelischen Armee Krav Maga (Kontaktkampf) gelehrt. Dannenberg trainiert heutzutage die Bodyguards der Knesset, während Nakash Oberbefehlshaber und Chefausbilder der Israel Defense Forces (IDF) Krav Maga Instructional Division ist. Jeder Soldat und jede Soldatin lernt in der Armee die israelische Selbstverteidigung. Je nach ihrer Stellung in der IDF beherrschen sie unterschiedliche Niveaus und Techniken des Kampfsports. Aufmerksam beobachten.
