Nick Hein: Vom Polizisten zum UFC-Fighter

Früher sorgte er am Kölner Hauptbahnhof für Ordnung, jetzt räumt er im Octagon auf: Nick Hein, auch bekannt als "The Sergeant", hat einen bemerkenswerten Karrierewechsel vollzogen.

Der Weg zum Käfig-Kämpfer

Nick Hein (30) galt als härtester Polizist Deutschlands. Elf Jahre lang arbeitete er als Bundespolizist am Kölner Hauptbahnhof. Doch Leidenschaft und Herz siegten über vermeintliche Vernunft.

Er war Beamter auf Lebenszeit und hatte bei der Bundespolizei einen sicheren Job. Nach elf Jahren als Bundespolizist am Kölner Hauptbahnhof kündigte Hein. Jetzt kann er sich voll auf seine Karriere im Käfig konzentrieren. Der Käfig-Kämpfer gibt alles für seinen Traum - ein Leben als UFC-Fighter.

Hein zu BILD: „Ich bin kein Polizist mehr, habe offiziell gekündigt. Ich war gerne Bundespolizist, habe in den elf Jahren einiges erlebt.“ Und weiter: „Es war nicht einfach, die Uniform nach elf Jahren abzulegen.“

Der Grund: Seine Leidenschaft stößt bei seinen Vorgesetzten auf wenig Verständnis. Laut Hein wollen sie ihm wegen Unwissenheit Mixed Martial Arts verbieten. Hein macht einen knallharten Schnitt, konzentriert sich nach der Kündigung nur noch auf seine Karriere in der UFC.

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Der Ehemann und Vater eines kleinen Jungen entscheidet sich gegen den sicheren Job, kann sich dabei auf den Rückhalt seiner Frau verlassen. Nicht ganz so begeistert war Heins Mutter von seiner Entscheidung. Hein: „Meine Mutter hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und mich gefragt: 'Im Ernst, mein Junge?'“

Die Anfänge im Judo

Seine Karriere als Kampfsportler begann zunächst im Judo. Hein: Ich war zehn Jahre lang Mitglied der Judo-Nationalmannschaft, bin Deutscher Meister und U23-Europameister geworden, und mein Ziel waren natürlich die Olympischen Spiele.

Als es dann darum ging, sich für Peking 2008 zu qualifizieren, hat Ole Bischof den Platz bekommen. Dazu kam ja noch, dass ich mir in der Vorbereitung das Bein gebrochen hatte. Ich war ziemlich am Boden.

Ich wollte natürlich nichts mehr von Olympia wissen, habe die Wettkämpfe erfolgreich ignoriert. Bis zum Tag des Finales. Da bin ich mit meinen Krücken dann doch zum Fernseher gehumpelt, und als ich einschaltete, sah ich, wie Ole Bischof die Goldmedaille holte. In dem Augenblick wurde mir bewusst, wie jemand anderes meinen Traum lebt. Das war der Wendepunkt. Danach ist die Flamme fürs Judo bei mir erloschen. Ich musste was Neues machen.

Das war meine zweite Leidenschaft, spätestens seit ich 2001 das erste Video mit UFC-Kämpfen zu sehen bekam. Ich legte die Kassette ein und war geschockt. Das erinnerte mich irgendwie an den Film „Bloodsport“, wo es auch ziemlich heftig zur Sache geht.

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Der Wechsel zur UFC

Die deutschen UFC-Kämpfer Dennis Siver, Pascal Krauss und Alan Omer bekommen Gesellschaft von einem weiteren Landsmann: Nick Hein (10-1) steht ab sofort bei der UFC unter Vertrag. Der 29 Jahre alte Kölner unterschrieb für sechs Kämpfe.

„Ende letzter Woche bekam ich einen Anruf von meinem Manager: ‚Nick, setz‘ dich ins Auto und komm‘ nach Berlin - ich hab‘ da was, das ich dir zeigen muss!‘“, sagte Hein gegenüber Groundandpound.de. „Wir arbeiten erst seit wenigen Monaten zusammen, von daher hätte ich nie im Leben gedacht, dass es so etwas Großes sein könnte. Als er mir dann erzählt hat, dass mich die UFC unter Vertrag nehmen möchte, konnte ich es gar nicht fassen! Meine Frau und ich lagen uns in den Armen und hatten Tränen in den Augen! Ich bin so glücklich und stolz, eine solche Chance zu bekommen und werde mich dafür zerreißen, die deutschen Farben würdig zu vertreten und eine gute Show im Octagon zu bieten.

Bereits wenige Kämpfe nach seinem Profidebüt im August 2009 spielte Hein in der nationalen Szene ganz oben mit. Seinen großen Durchbruch feierte er im vergangenen Jahr mit Siegen über den argentinischen BJJ- und Judo-Schwarzgurt Roberto Pastuch, den österreichischen Senkrechtstarter Tamirlan Dadaev und den tschetschenischen Ringer Musa Jangubaev.

Wenige Wochen nach seinem vierten UFC-Sieg unterschrieb der deutsche UFC-Star Nick Hein für vier weitere Kämpfe bei der weltweit führenden MMA-Organisation.

Training und Vorbereitung

Am 20. Juni steigt er bei der UFC-Fight-Night in Berlin wieder in den Octagon. Am Samstag gastiert der 31-Jährige mit der Ultimate-Fighting-Championship in Berlin und kämpft gegen den ungeschlagenen Polen Lukasz Sajewski. Dafür hat sich Hein einem monatelangen, ultraharten Training ausgesetzt.

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Hein war drei Monate in Thailand und habe dort im Tiger-Muay-Thai-Gym intensiv trainiert. Das ist momentan das beste Trainingscamp der Welt für MMA-Kämpfer.

Ein typischer Tag auf Phuket hatte bis zu vier Trainingseinheiten von jeweils zwei Stunden. Das war extrem hart. Schon morgens ist es auf der Insel sehr heiß, die Luftfeuchtigkeit haut dich um. Hochleistungssport zu betreiben ist dort eigentlich Wahnsinn. Manchmal habe ich mir gewünscht, ich wäre in Deutschland geblieben und hätte eine Runde Golf gespielt.

Zum Training gehörte auch, sich von zwei Leuten gleichzeitig mit Lederpolstern verprügeln zu lassen. Mit den Thai Pads schlägt man in hoher Frequenz auf den Bauch ein. So kann ich meine Muskeln stimulieren und gleichzeitig das Schmerzempfinden trainieren.

Herausforderungen und Ziele

Ernst wird es für Hein im Juni. Dann steigt er gegen den bisher unbesiegten Polen Lukasz Sajewski in den Octacon. Zum Interview in einem Berliner Drei-Sterne-Hotel kommt Nick Hein zu spät. Seine Augen sind gerötet, er hat schlecht geschlafen und nichts gegessen. Dennoch sprüht er vor Energie und redet anderthalb Stunden länger als geplant. Seine Frau Marie Suzuki, die er im Trainingslager in Japan kennenlernte, weicht ihm nicht von der Seite.

Es wird der wichtigste Kampf meines Lebens. Die UFC soll bald auch in Deutschland im TV übertragen werden, das könnte den Sport noch mal richtig pushen. Für mich persönlich ist der Kampf ohnehin existenziell.

Weil ich für diesen Sport meinen Job aufgegeben habe, ich bin Profi geworden und muss mich in Berlin vor eigenem Publikum durchsetzen. Ich will der beste MMA-Kämpfer werden, den Deutschland je gesehen hat. Für mich hängt alles an diesem Kampf.

Nick Hein als Kritiker der deutschen Polizei

Elf Jahre arbeitete Nick Hein als Bundespolizist, heute ist er Profi-Kampfsportler - und prominenter Kritiker der deutschen Polizei.

Der Ex-Polizist ist sich sicher: Die Polizeiausbildung sei „nicht annähernd der Realität auf der Straße gewachsen“. Gewalttäter würden sich in echten Kampfsportarten weiterbilden, dadurch würden die Beamten „mit dem Rücken zur Wand stehen“.

Nick Hein selbst bietet solche Fortbildungen ebenfalls an und poltert über das Verfahren gegen den Beamten: „Genau hier zeigt sich die eitrige Entzündung vieler Missstände bei der Polizei.“ Hein weiter: „Die Begründung der Bielefelder Polizei lässt einen nur verständnislos den Kopf schütteln.“

Deshalb bietet er nun eine verrückte Wette an: Er spendet 5000 Euro, wenn Polizeipräsidentin Giere und Polizeisprecher Ridder es schaffen, ihn festzunehmen. „Um zu demonstrieren, wie weltfremd und uninteressiert die Bielefelder Polizeiführung an ihren Beamten offensichtlich ist, die täglich ihren Kopf für uns hinhalten.“

Nick Hein im Boxclub Bad Neuenahr

Nick Hein, der erfolgreichste MMA-Sportler Deutschlands, bereitete sich in Bad Neuenahr für seinen nächsten Kampf der UFC am 3. September in Hamburg vor. Neben seinem Trainingscamp in Los Angeles, war auch der Boxclub im Ahrtal eine ausgewählte Trainingslocation des Kölners. „Hier im Boxsportclub finde ich alles, was ich für mein abwechslungsreiches Training benötige. Neben den vielen verschiedenen Möglichkeiten für den Kampfsport konnte ich auch die zahlreichen Geräte im Fitnessbereich nutzen. Ein außergewöhnlicher Club, mit einem sehr nettem Team und freundlichen Mitgliedern. Hier herrscht eine tolle Atmosphäre untereinander.“ zeigt sich Hein begeistert.

Der 1. Vorsitzende Thomas Knieps erklärte die Zusammenarbeit wie folgt: „Wir kennen Nick schon aus seiner Zeit im Judo und nach seinem Wechsel ins MMA ist der Kontakt noch etwas mehr geworden. Er ist ja nicht das erste Mal bei uns, diesmal ist es nur eine intensivere Vorbereitung auf seinen bevorstehenden Kampf. Der ehemalige Polizist dürfte dem ein oder anderen auch durch seine Auftritte in großen Fernsehformaten bekannt sein, denn er war oft als Gast in diversen Talkrunden, zum Beispiel Spiegel TV auf RTL, nach der „Kölner Silvesternacht“ und schilderte seine Meinung aus Sicht der Ordnungshüter.

Nick Hein gilt als gradliniger und sehr sympathischer Athlet. Nicht umsonst beschloss er seinen Job bei der Bundespolizei zu kündigen, um sich voll und ganz auf das MMA und die UFC zu konzentrieren.

Nick Hein über MMA

VICE Sports: Was war dein erster Berührungspunkt mit dem MMA?

Nick Hein: Mein erster Kontakt mit Mixed Martial Arts war eine Videokassette von UFC 1, die ich in die Hand gedrückt bekommen habe. UFC 1 war die erste Veranstaltung des MMA und wenn ich ehrlich bin, war ich einfach nur geschockt. Damals kämpften reine Judoka gegen reine Boxer und es gab noch keine Mischform der Stile. Da kämpfte dann ein „B.J.” Jaylor gegen einen Sumoringer. Leider stellen sich viele den Sport auch heute noch vor. Ich war absolut geflasht und habe mir aber gleich gedacht, dass ich das auch könnte.

Judo ist Teil des MMA. Doch ich musste am Anfang meiner Karriere schon so einige Umstellungen machen, um mich im MMA als Judoka bewähren zu können. Normalerweise sind Judoka sehr plattfüßig und haben einen tiefen Schwerpunkt, Boxer hingegen tänzeln um ihren Gegner herum.

Ich bin jemand, der sehr stark von seiner Physis lebt. Ich habe durch meinen Judo-Background nicht so viel Zeit gehabt ein großer Philigrantechniker zu werden, lebe jedoch von meiner Explosivität. Ich werfe die Leute gerne und schlage viel.

Das Potenzial ist riesig. In Amerika hat MMA dem Boxen schon längst den Rang abgelaufen. MMA ist der am schnellsten wachsende Sport der Welt! Deutschland ist sehr Sport- und Kampfsportbegeistert, das sieht man schon an der langen Boxtradition, die es in diesem Land gibt.

Viele denken, wir wären nur Schläger und würden ohne Regeln kämpfen. Sie sprechen MMA den Status eines Sportes ab. Das ist etwas, was ich sehr schade finde, weil es einfach nicht so ist. Es motiviert mich aber auch, in den nächsten Jahren Überzeugungsarbeit zu leisten.

Verletzungen und Ängste

Ich habe deutlich mehr Verletzungen in meiner Judo-Karriere gehabt. Das einseitige Kämpfen ist etwas, das bei mir stark auf die Knie gegangen ist. Jetzt, im MMA, hat man durch die verschiedenen Stile auch unterschiedliche Belastungen. Dadurch können aber auch die ganze Bandbreite an Verletzungen auftreten. Ich hatte eine gebrochene Nase oder hatte nach dem einen oder anderen Kampf mal einen Cut über dem Auge.

Es ist mehr ein Funktionieren als ein aktives Erleben. Man spürt die Schläge eigentlich genauso viel, wie in den anderen Kampfsportarten. Beim Judo bin ich damals teilweise auch durch die Luft geflogen und das Erste, was ich mir gedacht habe, war nicht „Aua”, sondern „Scheiße, jetzt habe ich den Kampf verloren.” Das liegt an der Schutzfunktion des Körpers. „Nebensächlichkeiten” wie Schmerz empfindet man am Anfang erstmal nicht. Man funktioniert einfach weiter.

Jeden Tag! Ich bin ja auch nur ein Mensch. Da kann es um meine Frau gehen oder um meinen Sohn, der sich beim Spielen im Kindergarten verletzen könnte. Und klar, auch vor dem Kampf habe ich Angst, denn ich weiß, da kommt jemand, der genauso hungrig ist wie ich und der eine sportliche Bedrohung darstellt. Eigentlich sehe ich das Gesicht meines nächsten Gegners jeden Tag vor mir. Aber genau diese Angst, ist die Motivation für mein Training.

Polizeialltag

Das Bild gegenüber der Polizei wird bei manchen nicht mehr mit Respekt verbunden. Da muss man sich manchmal schon zusammenreißen. Das geht aber nicht nur mir als MMA-Kämpfer so, sondern auch meinen Kollegen. Gerade wenn ich mit Personen zu tun hatte, die Alkohol getrunken hatten, sah man, wie sie dazu neigten, sich selbst zu überschätzen.

Es gab da so ein Typ, den wir festnehmen wollten. Als er festgestellt hatte, dass für ihn die Party nun zu Ende war, hat er sich geweigert und uns angegriffen. Er hat nach uns geschlagen und ich bin schön unter dem Schlag abgetaucht, habe ihn gepackt, und wie man so schön sagt, einen Takedown gemacht. Er ist also in einem Bogen durch die Luft geflogen und lag dann erst mal sehr erschrocken auf dem Boden. Als er später dann ein bisschen nüchterner war, meinte er nur zu mir: Das war nicht schlecht! Er war ein fairer Verlierer.