Wie funktioniert WWE wirklich? Ein Blick hinter die Kulissen des Wrestling

Wrestling zählt in den USA zu den beliebtesten Sportarten und Unterhaltungsprogrammen. Auch in Deutschland gibt es die Möglichkeit, Wrestlingshows aus den USA im Fernsehen zu verfolgen. Doch was steckt wirklich hinter der Fassade? Ist Wrestling einfach nur Show oder steckt hinter der Fassade doch eine Sportart, die mit anderen Kampfsportarten vergleichbar ist?

Was ist Wrestling?

„Wrestling“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt nichts anderes als „Ringen“ und zählt zur Rubrik der Schaukampfsportarten. Besonders in Japan, USA und Mexiko zählt Wrestling zu den beliebten Sportarten.

World Wrestling Entertainment - Die größte Wrestling-Liga der Welt

Die WWE ist die einzige weltweit agierende Wrestling-Organisation. Sie wurde 1952 gegründet (damals noch unter dem Namen Capitol Wrestling Federation), 1963 in WWWF umbenannt, bevor sie 1979 in WWF (World Wrestling Federation) umbenannt wurde. Seit 1999 ist die WWE auch an der New Yorker Börse.

Wie viel Echtheit steckt im Wrestling?

Wrestling charakterisiert sich unter anderem durch seinen Showcharakter, weswegen oft die Frage aufkommt: Wie viel Echtheit steckt wirklich dahinter?

Bestimmung des Siegers eines Kampfs

Verglichen mit anderen Kampfsportarten wird hier der Sieger eines Kampfs bereits im Vorfeld festgelegt. Demnach gewinnt nicht der beste Kämpfer, sondern der beste athletische Entertainer. Rund um die Bestimmung des Siegers ist zusätzlich ein sogenanntes Kreativteam für das Storytelling zuständig.

Lesen Sie auch: Judo verstehen

Wrestlingshow gleicht TV-Drehbuch

Für jede große WWE-Show wird ein Skript verfasst, in dem der Ablauf der Show detailliert festgelegt wird. Dazu zählen die Kämpfe, die Sieger der Kämpfe, Verlauf der Interviews, Promo-Segmente sowie abseits des Rings stattfindende Prügeleien.

Musical mit Bodyslam: Wrestling wird oft mit der berühmt-berüchtigten Seifenoper verglichen. Die Kämpfe sind in komplexe Geschichten eingebunden, die im und außerhalb des Rings erzählt werden - über Kämpfe, Interviews, Backstage-Segmente. Dabei wird dem Zuschauer suggeriert, dass alles echt wäre. So verraten sich beste Freunde wegen einer Frau, zwei Brüder bekriegen sich oder mehrere Wrestler schließen sich zusammen um die WWE zu terrorisieren. Klassisches Schema: Gut gegen Böse! Es fehden zumeist ein „Guter“ (im Fachjargon „Babyface“) und ein Bösewicht („Heel“) gegeneinander. Am Ende gewinnt aber nicht immer der Gute!

Requisiten und Kostüme

Wer dachte, dass die Champions ihre bekannten Meisterschaftsgürtel behalten dürfen, der liegt falsch. Sie sind Requisiten, die nach der Show wieder abgegeben werden müssen. Zusätzlich ist auch eine Kostümschneiderin vor Ort, die zur Stelle ist, falls Storylines umgeschrieben werden oder ein Wrestler kurzfristig noch ein Outfit benötigt.

Kampf einstudiert wie eine Tanz-Choreografie

Die Durchführung der Kämpfe ist in erster Linie choreografiert. Wie viel Choreografie und wie viel Improvisation in einem Kampf steckt, hängt von der Wichtigkeit des Kampfs sowie der Erfahrung der beteiligten Wrestler ab. Je routinierter ein Wrestler, desto mehr Improvisation findet statt. Absolute Profis bekommen als Choreografie nur die Grundzüge. Demnach sind auch Kreativität und Spontanität gefragt.

Die Beteiligten besprechen vor den Matches den groben Ablauf: Wann bestimmte Aktionen gezeigt werden. Den Rest „besprechen“ die Wrestler während des Kampfes (möglichst leise, damit niemand im Publikum etwas hört). Niemand wird also überrascht, wenn ein Muskelberg plötzlich aus der Ringecke angeflogen kommt!

Lesen Sie auch: WWE 2K22 startet nicht: Lösungen

Vor den Kämpfen wird den Wrestlern verraten, wer am Ende den Ring als Sieger verlässt. Jedoch sind nur die wenigsten Kämpfe komplett choreografiert. Meistens wird den Beteiligten lediglich die End-Sequenz mitgeteilt, an welche sich die Teilnehmer strikt zu halten haben. Für den Rest sind die Wrestler selbst verantwortlich.

Das Reale am Wrestling

Trotz einstudierter Choreografie kann es zu Verletzungen kommen. Um ihnen vorzubeugen, ist absolute Top-Form gefragt. Das heißt: Zusätzlich zum Training sind Fitnessstudiobesuche ein Muss, auch vor einem Kampf. Die körperliche Belastung ist also genauso echt, wie sie aussieht. Im Training wird neben Kampftechniken auch intensiv das „Fallen“ geübt. Im Kampf später besteht die Kunst darin, die Moves brutal aussehen zu lassen, während im besten Fall keine ernsthaften Verletzungen zustande kommen - dennoch ist die Verletzungsgefahr nicht ausgeschlossen. Zusätzliches Risiko für Verletzungen ist der harte Ringboden, der gefährlich werden kann. Was im Fernsehen aussieht, wie weiche Landematten, ist in Wirklichkeit ein harter Boden, der lediglich ein bisschen mitschwingt.

Zwar sind beim Wrestling die Bewegungen gescriptet, der körperliche Einsatz ist aber echt. Ziel ist die beste Unterhaltung für die Zuschauer.

JA! Wenn der Zuschauer den Eindruck hat, dass ein Wrestler hart auf den Boden geflogen ist - dann ist er auch hart auf den Boden geflogen. Damit sich die körperlichen Schäden in Grenzen halten, ist eine gut ausgebildete Muskulatur nötig. Schläge und Tritte werden jedoch so ausgeführt, dass sich die Beteiligten nicht weh tun, bzw. versuchen sie es. Auch wenn die Wrestler die Aktionen beherrschen, kann es auch zu (teils schweren) Verletzungen kommen.

Falsch ausgeführte Aktionen können schnell zu lebensgefährlichen Verletzungen führen. Daher appellieren alle Wrestling-Organisationen dauerhaft, die Moves niemals nachzumachen, da zu einer perfekten und sicheren Ausführung, jahrelanges Training von Nöten ist. Der letzte schwere Unfall in einem WWE-Ring ereignete sich 1999. Darren Drozdov wurde bei einer Aktion so schwer verletzt, dass er seitdem querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt.

Lesen Sie auch: Wrestling erklärt: So läuft es wirklich ab

Neben dem Training ist das Vertrauen in den Gegner das Wichtigste. Nur wenn Beide die Aktion sauber ausführen, können Verletzungen minimiert werden. Dabei müssen sich die Kämpfer blind vertrauen können - auch wenn sie sich privat nicht leiden können.

Schauspiel und Unterhaltung

Um die Storylines glaubhaft rüber zu bringen, sind gute Schauspielkünste gefragt. Auch die Beliebtheit eines Wrestlers ist enorm wichtig. Egal ob Jubel oder Buhen, beide Reaktionen des Publikums sind essenzielle Träger der Shows.

Ein Wrestler muss nicht nur athletisch sein, sondern auch schauspielern können, um seine Rolle (das sogenannte „Gimmick“) glaubhaft darzustellen. Mit der Erhöhung des Showfaktors Ende der 80er Jahre wurden auch die Gimmicks immer verrückter und comic-hafter. So gab es Gefängniswärter, Clowns, Indianer und auch Müllmänner. Zu einem Gimmick gehört eine exklusive Einzugsmusik sowie oft auch eigene Sprüche (sogenannte „Catchphrases“), die nur von diesem Gimmick benutzt werden. Heutzutage legt die WWE mehr Wert auf Realismus.

Regeln und Match-Arten

JA. Diese sind jedoch von Match zu Match verschieden. In einem normalen Kampf dürfen keine Gegenstände benutzt werden und ein Wrestler darf sich nicht länger als neun Sekunden außerhalb des Ringes aufhalten. Aktionen in den Ringseilen, in die Haare greifen sowie Tiefschläge sind ebenfalls verboten und können zu einer Disqualifikation führen.

Im Grunde sind der Fantasie der Booker (so werden die „Drehbuch“-Autoren genannt) keine Grenzen gesetzt. Neben den normalen Matches gibt es jede Menge Sonderkämpfe:

  • Tag Team - Teams aus je zwei Wrestlern kämpfen gegeneinander
  • Käfig - das Spektakel findet in einem oben offenen Käfig statt
  • Hell In A Cell - ein viel größererer Käfig, der oben geschlossen ist
  • Table Match - wer zuerst seinen Gegner durch einen Tisch haut, gewinnt
  • Ladder Match - wer zuerst mittels einer Leiter den Titel (der unter der Hallendecke hängt) ergreift, gewinnt
  • Extreme Rules - keine Regeln, alles ist erlaubt
  • Triple Threat - drei Superstars kämpfen gegeneinander
  • Fatal 4 Way - vier Superstars hauen sich gegenseitig die Birne ein
  • TLC (Table/Ladder/Chairs) - Stühle, Tische und Leitern sind erlaubt
  • Lebendig begraben - wer seinen Gegner zuerst in ein offenes Grab werfen kann, gewinnt
  • Inferno Match - der Ring steht in Flammen

Die wichtigsten Figuren hinter den Kulissen

Vince McMahon (68) ist der Chef der WWE. Er kaufte 1983 die WWE von seinem Vater Vincent J. McMahon und baute zu einer weltweiten Unterhaltungs-Organisation um. Während er zunächst im Hintergrund die Fäden in der Hand hielt und lediglich als Kommentator auftritt, verlagerte sich seine Rolle Ende der 90er Jahre in den Ring, wo er als „böser Boss“ auftrat und eine lange Fehde mit „Stone Cold“ Steve Austin führte - dabei auch als Wrestler in Erscheinung trat und sogar den WWE-Titel erringen konnte. WWE-Boss Vince McMahon bekam 2008 seinen eigenen Stern auf dem „Walk Of Fame“ in Hollywood

Im März 2008 erhielt McMahon einen Stern auf dem berühmten „Hollywood Walk Of Fame.“ In den vergangenen Jahren hat Vince McMahon zunehmend Aufgaben an seinen Schwiegersohn Triple H abgeben. Dieser wurde Ende der 90er Jahre selber zu einem der größten Wrestler der Welt und steigt auch gelegentlich noch in den Ring.

Aktuelle Megastars der WWE

Nachdem The Rock und Steve Austin vor zehn Jahren die WWE verließen, wurde John Cena als DER Star der Liga aufgebaut. Gleichzeitig entwickelte die WWE ihre Ausrichtung wieder mehr in Richtung Familienunterhaltung (nachdem sie sich Ende der 90er Jahre primär an Erwachsene richtete), wodurch John Cena vor allem als Held für Kinder und das jüngere Publikum aufgebaut wurde - sehr zum Missfallen der älteren Fans, die ihn regelmäßig ausbuhen, während die Kinder (und Frauen) ihm euphorisch zujubeln. Daneben dominieren Stars wie CM Punk und Daniel Bryan das derzeitige Geschehen. Derzeitiger WWE-Champion ist jedoch Randy Orton!

Wrestlemania - Der Superbowl des Wrestlings

Einmal im Jahr trifft sich die Wrestling-Welt zu einem einzigartigen Event: Wrestlemania! Diese mehr als vierstündige Monster-Show ist das Highlight des Wrestling-Jahres. Die erste Ausgabe fand 1985 im weltberühmten New Yorker Madison Square Garden statt und sollte über das Schicksal der Firma entscheiden, da „Wrestlemania“ die erste Wrestling-Show war, die man nur im Pay-TV oder im Kino sehen konnte. Im Hauptkampf kämpfte Hulk Hogan zusammen mit Mr. T gegen Roddy Piper und Paul Orndorff.

Durch den Erfolg der Veranstaltung wurde die WWE endgültig zur größten und erfolgreichsten Organisation der USA. Als größter Moment der „Wrestlemania“-Geschichte gilt der Bodyslam von Hulk Hogan gegen Andre The Giant vor mehr als 90.000 Zuschauern in Detroit im Jahr 1987 („Wrestlemania 3“).

Wo kann man WWE-Shows sehen?

In Deutschland überträgt SKY die Shows der WWE. Die Großveranstaltungen werden live übertragen (gegen Extrakosten), genau wie „RAW.“ Die aufgezeichnete Show „Smackdown“ wird in Deutschland sogar früher ausgestrahlt als in den USA (aufgrund der Zeitverschiebung). Der Spartensender „Pro 7 Fun“ zeigt einmal pro Woche die Sendung „Superstars“, Eurosport zeigt Montags zwei Sendungen (mit aktuellen und alten Kämpfen).

WWE in Deutschland

Zweimal im Jahr tourt die WWE mit ihren Superstars auch durch Deutschland.

Zusammenfassung

Wrestling ist eine einzigartige Mischung aus Sport und Unterhaltung, die sowohl geskriptete Elemente als auch echte körperliche Anstrengungen beinhaltet. Die Faszination liegt in der Kombination aus athletischen Höchstleistungen, dramatischen Storylines und charismatischen Persönlichkeiten.

Aspekt Details
Echtheit Kämpfe sind geskriptet, aber Körpereinsatz und Verletzungen sind real
Sieg Sieger wird im Voraus festgelegt
Hauptfiguren Vince McMahon, Triple H, John Cena, The Rock
Veranstaltungen Wrestlemania, Summerslam, RAW, Smackdown
Übertragung Sky, Pro7 Fun, Eurosport