Nachdem männliche Funktionäre über Jahrzehnte versucht hatten, Judo zu einem «männlichen» Kampfsport zu verklären und Frauen nur Statistenrollen zu überlassen, haben sich die Frauen weltweit immer mehr Rechte erkämpft. Seit den Olympischen Spielen von 1992, die in Katalonien stattfanden, dürfen Frauen auch auf höchster Ebene an sportlichen Wettkämpfen im Judo teilnehmen.
Bekanntlich wird im Judo bei Wettkämpfen nach Gewichtsklassen getrennt gekämpft. Kraft ist physikalisch Masse mal Beschleunigung. Wenn eine Frau und ein Mann von annähernd gleichem Gewicht gegeneinander kämpfen, gibt daher nicht das Geschlecht, sondern die Schnelligkeit der Bewegung und die Qualität der eingesetzten Judo-Technik den Ausschlag für den Sieg.
Auf Vereinsebene kämpfen Frauen und Männer im Judo in ganz Deutschland täglich mit- und gegeneinander, und oft ist es dabei zu sehen, wie Frauen mit technischen sauber angesetzten Techniken Männer ihrer eigenen Gewichtsklasse besiegen.
Die Diskussion um gemischte Wettkämpfe
Die Trennung von Männern und Frauen bei Turnieren in Kampfsportarten ist aber nach wie vor eine der letzten Bastionen des Patriarchats. Längst gibt es Frauen, die sich mit Männern auch im Kampfsport messen können und messen wollen. Es ist daher endlich an der Zeit, gemischte Mann- und Frauschaften zuzulassen.
Es besteht kein Grund, es erfahrenen Kämpferinnen, die zur Zeit viel zu wenig Möglichkeiten haben, in eigenen Frauschaften mitzukämpfen, zu verwehren, auch in Männerligen mitzukämpfen. Den männlichen Judoka bricht kein Zacken aus der Krone, wenn sie hin und wieder in Liga-Kämpfen von technisch versierten weiblichen Judoka besiegt werden.
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Auf Vereinsebene ist es ohnehin gang und gäbe, daß Frauen und Männer im Randori miteinander kämpfen. Wieso sollte dies im Shiai ausgeschlossen sein? Siege von technisch guten Frauen über Männer in unseren Ligen würden zudem den Judo-Sport in Hessen populärer und für Frauen auch attraktiver machen.
Im übrigen würde diese Maßnahme voraussichtlich die Attraktivität der Liga-Kämpfe für das Publikum und auch die Kämpferinnen und Kämpfer erhöhen. Es gibt keinen trifftigen Grund, es Frauen zu verbieten, aus freien Stücken in den Ligen der Männer auf Landes- und Bezirksebene mitzukämpfen.
Entscheidung des Hessischen Judo-Verbandes
Auf der Mitgliederversammlung des Hessischen Judo-Verbandes vom 2. und 3. Juli 2016 wurde am 3. Juli 2016 folgender Antrag des 1. Delegierten des SC Budokan Maintal e. V. behandelt: «Die Mitgliederversammlung möge beschließen, daß in § 25 «Teilnahmeberechtigung» der Wettkampfordnung des Hessischen Judo-Verbandes e. V. die Zahl der Judoka in Hessen nimmt seit Jahren immer weiter ab.
Frauen haben praktisch keine Möglichkeiten, in eigenen Frauschaften auf Bezirks- oder Landesebene gegeneinander anzutreten. Dies ist der weiteren Entwicklung des Judo in Hessen nicht förderlich. In den letzten Jahrzehnten haben sich bis hin zu den Olympischen Spielen sportliche Leistungen der Männer und Frauen einander immer mehr angeglichen.
Bisher konnten Frauen in Hessen nicht in eigenen Frauschaften antreten. Wenn ein Verein eine neue Frauschaft an den Start bringt, nimmt sie sogleich an der Regionalliga teil, über der es nur noch die 1. und 2. Bundesliga der Frauen gibt. Bei den Männern gibt es dagegen aus Amateuren bestehende Mannschaften in der hessischen Bezirks-, Landes- und Oberliga. Nur der jeweilige Jahressieger der Oberliga kann in die Regionalliga aufsteigen.
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Da es Frauen nunmehr in Hessen gestattet ist, an den beiden unteren Ligen der Männer teilzunehmen, steht zu erwarten, daß es insbesondere in den untersten Gewichtsklassen (-60 kg und bis 66 kg) im nächsten Jahr eine entsprechende Beteiligung von Frauen geben wird. Da es in Hessen keine Frauschaften in der Bezirks-, Landes- und Oberliga gibt und nach aller Voraussicht auch nicht geben wird, hat der Erweiterungsantrag des SC Budokan Maintal e. V., auch Männer in nicht existiert habenden und nicht existierenden Frauschaften der Bezirks-, Landes- und Oberliga mitkämpfen zu lassen, bestenfalls eine humoristische Note.
Die hessischen Judoka dürfen sich nun darauf freuen, ob bereits bei der im vierten Quartal 2016 anstehenden Bezirksliga der Männer auch Frauen antreten wollen und werden. Es war eine kleine Abstimmung auf einer Mitgliederversammlung des Hessischen Judo-Verbandes, aber ein großer Schritt für die Emanzipation der Frauen im Kampfsport, der den Judo-Sport für Frauen voraussichtlich attraktiver machen und den falschen Mythos einer angeblich «natürlichen» körperlichen Überlegenheit der Männer über die Frauen durch Fakten endlich eindrucksvoll widerlegen wird.
Frauen im Kampfsport: Motivation und Akzeptanz
Warum gehen Frauen zum Kampfsport? Es gibt so viele Gründe zum Kampfsport zu gehen wie es Frauen gibt. Jede wird dafür wohl ihre eigenen Gründe haben. Wer ernsthaft trainiert, wird auch einiges erreichen. Wer dies nicht tut ... naja, dann wirds wohl auch nix. Es gibt übrigens auch Frauen denen es total egal ist, ob sie blaue Flecken, Kratzer, Schrammen oder sonstwas haben.
Ich habe zb noch nie in meinem Leben versucht einen blauen Fleck zu überschminken. Mein Training und meine Kampfkunst gehören zu meinem Leben dazu, genauso wie meine blauen Flecken usw. Wer das nicht verstehen kann, hält sich halt fern von mir. Aber das macht nix, es gibt ja auch genug Leute, die mit mir auf einer Wellenlänge sind.
Schon allein die Frage, warum Frauen zum Kampfsport gehen, impliziert, dass es "irgendwie seltsam" sein muss, dass Frauen zum Kampfsport gehen, weil sie doch so arm und klein und lieb und nett sind....ja, es gibt auch arme, kleine, liebe, nette Frauen, die Kampfsport böse und doof finden....und?
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Ich kann nicht für andere Frauen antworten sondern nur für mich selbst, und ich mache schlicht und einfach deshalb meinen Kampfsport (Hapkido) weils mir unheimlich taugt. So wie jemand vielleicht mit leidenschaft ein instrument spielt, so geh halt ich mit leidenschaft ins training. Ich finde es interessant, dass immer gefragt wird, ob die frauen die KK machen nicht angst um ihr aussehen haben.
Wird man als frau in diesen Kampfsportarten ernst genommen( keine Beleidigung!)? Der Trainer beim Muay Thai war ungefähr einen Kopf kleiner als ich, und wahrscheinlich 20kg leichter. Außerdem finde ich es für eine effektive Selbstverteidigung wesentlich sinnvoller, eine KK/KS zu betreiben, die mir meine Grenzen aufzeigt, an denen ich dann arbeiten kann. Und das ist in einer "Wir-haben-uns-alle-so-lieb"-KK/KS-Gruppe nicht möglich.
Ich glaube, dass jede frau ein dunkle seite in sich trägt. kämpfen, schreien, schlagen - das kann alles sehr befreiend sein. einige frauen schaffe es, diese seite auszuleben. sicherlich ist die tatsache, dass man sich selbst verteidigen lernt ein wichtiger grund, dass frau beweglicher wird, aktiver. ich leide schon sehr lange unter angst und panikanfällen. das tkd training tut mir ganz einfach gut.
Also...ich finde Frauen im Kampfsport nicht "unweiblich". Ich respektiere/ nehme jede/n ernst, der sein/ ihr Interesse ernsthaft verfolgt. Egal ob Mann oder Frau....wo soll da eigentlich das Problem sein? Ich verstehe diese Diskussionen eh nicht, wer was warum nicht oder doch machen sollte.
Gemischt-geschlechtliche Kämpfe im Grappling
Gemischt-geschlechtliche Kämpfe im Grappling sind ja hierzulande selten, aber ab und an kommt das mal vor. Wie findet ihr solche Kämpfe? Ich betreibe kein Grappling aber warum sollte man auf sowas verzichten? Der Punkt ist halt, wann trifft eine Frau mal auf einen Mann, der gleich schwer ist und dabei noch die gleiche Ratio an Körperfett und Muskelmasse besitzt. Eher selten und von daher sehe ich da schon ein Problem.
Eine 60 Kilo schwere Frau hat in der Regel weniger Kraft und Muskelmasse als ein 60 Kilo schwerer Mann, von daher ist es vom rein Körperlichen her, kein fairer Vergleich. Ausnahmen bestätigen die Regel, es gibt auch einen BJJ Blackbelt der über 50 ist und in der regulären Klasse bei den Mundials ziemlich gut war und nur knapp nach Punkten gegen (ich glaube) Xande Ribeiro verloren hat, nicht desto trotz werden das wohl die meisten 50 jährigen Blackbelts nicht schaffen.
In unserem Training wird immer schon gemischt trainiert und gesparrt. Finde ich ganz normal und für die Frauen in Bezug auf SV taugliches Training auch sehr wichtig gegen Männer zu kämpfen! Ich bin auch schon getappt worden von technisch versierten Frauen! Ist nicht schlimm! Auf Turnieren hatte ich gewichtsbedingt noch nicht das Vergnügen. Aber ich halte es grundsätzlich nicht für gut gemischte Wettkämpfe abzuhalten. Im Schnitt halte ich Männer für brutaler, robuster und kräftiger als Frauen. Das verträgt sich in einer so angespannten Turniersituation nicht.
Mmn ist es egal, will Frauen zwar nicht auf die gleiche Stufe wie behinderte und Krüppel stellen aber ist unter dem Strich ja ähnlich. Bis Dato hab ich noch keinen Sparringspartner gehabt (und auch im Turnier nicht, wenn auch nicht Grappling), der exakt gleich schwer, groß, alt, stark, robust, konditionell oder technisch gleich gut, erfahren, ... hmm ich finde gerade beim Grappling bietet sich Unabhängikeit von Geschlecht an, da hier Technik und Beweglichkeit doch schon stark ins Gewicht fallen. Gerade die Grundmobilität einer Frauen ist enorm.
Regeländerungen im Grappling
Nachdem Ende Oktober ein biologischer Mann bei einem Wettkampf heimlich und ohne Zustimmung seiner Gegnerin als Frau angetreten war, änderte die North American Grappling Association (NAGA), der größten Veranstalter für diese Art Kampfsport weltweit, seine Richtlinien: In Zukunft dürfen biologische Männer nur gegen Männer antreten.
Der Änderung der Richtlinien gingen zahlreiche Wettkämpfe voraus, in denen es geduldet worden war, dass Transfrauen gegen Frauen antraten - vorausgesetzt, sie waren damit einverstanden. Tom Gallicchio, Mitbesitzer eines Jiu-Jitsu-Sportclubs in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee, zeigte sich gegenüber Epoch Times empört, dass es so lange gedauert hat, bis die Organisation die Männer aus der Frauenkategorie verbannt hat.
Schon vorher hatte Gallicchio seine Geschäftsbeziehung mit dem Verband NAGA aufgegeben, da dieser Kämpfe zwischen Männern und Frauen zuließ. Für Frauen sei dies gefährlich; das könne er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, sagte Gallicchio.
Judo im Überblick
Judo ist ein Selbstverteidigungs-Sport aus Japan. Ziel ist es, den Wettkampf durch bewertete Griff- und Wurftechniken zu gewinnen. Ziel des Wettkampfes ist es, den Gegner innerhalb der Kampfzone (9 x 9 m) auf den Rücken zu werfen. Je nachdem wie erfolgreich ein Wurf war, bekommt der Judokämpfer eine Wertung: Ippon (höchste Punktzahl, der Kampf ist sofort gewonnen), Wazari (ein halbes Ippon, bei zwei Wazari ist der Kampf auch gewonnen), Yuko und Koka (mit diesen kleinen Wertungen - Yuko ist höher als Koka - kann man nicht vorzeitig gewinnen).
Erzielt keiner der Kämpfer vor Ablauf der Kampfzeit ein Ippon, gewinnt der Kämpfer, der die höchste Wertung gesammelt hat, ohne Rücksicht darauf, wieviele Wertungen insgesamt vorhanden sind. Beendet ist der Kampf auch durch Aufgabe, durch einen Festhaltegriff (25 Sekunden) oder wenn der Erfolg einer Würgetechnik oder eines Armhebels für den Kampfrichter klar ersichtlich ist. Die Wertung wird offen angezeigt. Die Kampfdauer beträgt maximal fünf Minuten, die "Kampfsprache" ist Japanisch.
Gewichtsklassen im Judo (Frauen):
- Superleicht (48 kg)
- Halbleicht (52 kg)
- Leicht (57 kg)
- Halbmittel (63 kg)
- Mittel (70 kg)
- Halbschwer (78 kg)
- Schwer (+78 kg)
Der moderne Kampfsport wurde von dem Japaner Dr. Jigaro Kano, langjähriges IOC-Mitglied, Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu-Jitsu entwickelt und erfreute sich bald auch in Europa großer Beliebtheit. Erstmals in Tokio 1964 olympische Sportart (nur für Männer), bei der Premiere mit den Gewichtsklassen 65 kg, 78 kg, 95 kg (Schwergewicht) und der Offenen Klasse. Die Frauen kämpfen seit Barcelona 1992 in ebenfalls sieben Gewichtsklassen um Medaillen.
