Deutschlands Top-Kämpfer Nick „The Sergeant“ Hein (34) hat für die UFC Fight Night zugesagt. Am 22. Juli steigt er in der Barclaycard Arena im Leichtgewicht gegen den Dänen Damir Hadzovic (31) in den Käfig. Hein: „Die Flagge auf den Schultern zu tragen und vor den eigenen Fans das Beste zu geben: Das ist der Traum jedes Fighters.“
Vom Polizisten zum UFC-Fighter
Elf Jahre arbeitete er als Bundespolizist am Kölner Hauptbahnhof, dann kündigte er seinen Posten auf Lebenszeit und wurde UFC-Fighter. Der Ex-Judoka arbeitete früher am Kölner Hauptbahnhof, galt als Deutschlands härtester Polizist. Jetzt konzentriert er sich seit vier Jahren auf seine Karriere als Profi-Kampfsportler.
Die Anfänge im MMA
Nick Hein: Mein erster Kontakt mit Mixed Martial Arts war eine Videokassette von UFC 1, die ich in die Hand gedrückt bekommen habe. UFC 1 war die erste Veranstaltung des MMA und wenn ich ehrlich bin, war ich einfach nur geschockt. Damals kämpften reine Judoka gegen reine Boxer und es gab noch keine Mischform der Stile. Leider stellen sich viele den Sport auch heute noch so vor. Ich war absolut geflasht und habe mir aber gleich gedacht, dass ich das auch könnte. Ich habe aber neun Jahre gebraucht, bis ich mit dem MMA angefangen habe. In dieser Zeit hat sich der Sport aber sehr weiterentwickelt.
Der Weg in die UFC
Seit 2014 ist mit „Sergeant” Nick Hein ein weiterer Deutscher Teil der UFC, die am 20. Juni in Berlin zur UFC Fightnight in der O2 Arena einlädt. Für Hein ist Hamburg der siebte UFC-Kampf. Seine Bilanz: vier Siege, zwei Niederlagen. Die letzte erst vor zwei Monaten in Brasilien. Da wurde er durch einen Rear Naked Choke (einen Judo-Würgegriff) zum Abklopfen gezwungen.
Hein lässig: "Ja, ich habe meinen letzten Kampf verloren.
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Kampfstil und Verletzungen
Ich bin jemand, der sehr stark von seiner Physis lebt. Ich habe durch meinen Judo-Background nicht so viel Zeit gehabt ein großer Philigrantechniker zu werden, lebe jedoch von meiner Explosivität. Ich werfe die Leute gerne und schlage viel. Ich habe deutlich mehr Verletzungen in meiner Judo-Karriere gehabt. Das einseitige Kämpfen ist etwas, das bei mir stark auf die Knie gegangen ist. Jetzt, im MMA, hat man durch die verschiedenen Stile auch unterschiedliche Belastungen. Dadurch können aber auch die ganze Bandbreite an Verletzungen auftreten. Ich hatte eine gebrochene Nase oder hatte nach dem einen oder anderen Kampf mal einen Cut über dem Auge.
Die Rolle in der UFC
Ich mache das sehr gerne, ich kämpfe sehr gerne auf heimischem Boden, weil du einfach entspannter kämpfst. Dann hast du auch den Vorteil der Fans im Rücken - da bin ich schon sehr neugierig auf das Wochenende. Wenn man diesen Rückhalt spürt, das kann einem wirklich nochmal einen richtigen Schub geben. 5000 Leute, die hinter einem stehen, die können einen schon motivieren.
MMA in Deutschland
MMA ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten weltweit. Außerhalb des Octagons ist der ehemalige Judoka nicht der typische MMA-Fighter. Für die Polizei ging er noch bis vor Kurzem im Kölner Bahnhofsviertel auf Streife und spielt als einer der Hauptcharaktere in der ZDF Neo-Produktion Diese Kaminskis einen von drei Brüdern, die ein Bestattungsunternehmen leiten.
Potenzial und Vorurteile
Das Potenzial ist riesig. In Amerika hat MMA dem Boxen schon längst den Rang abgelaufen. Deutschland ist sehr Sport- und Kampfsportbegeistert, das sieht man schon an der langen Boxtradition, die es in diesem Land gibt. MMA wurde in den Anfängen falsch beworben. In Amerika musste MMA erst einmal eine Daseinsberechtigung finden. Man hat mit dem Schock-Faktor versucht, Werbung zu machen. Dieses Image hat sich leider bis heute gehalten. Mixed Martial Arts ist eine hochprofessionelle Sportart, in der alles geregelt ist. Von der Octagon Größe bis hin zur medizinischen Versorgung bei den Events. Es ist eine richtige Sportart und das sollten die Leute akzeptieren.
Viele denken, wir wären nur Schläger und würden ohne Regeln kämpfen. Sie sprechen MMA den Status eines Sportes ab. Das ist etwas, was ich sehr schade finde, weil es einfach nicht so ist. Es motiviert mich aber auch, in den nächsten Jahren Überzeugungsarbeit zu leisten.
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Die körperliche und psychische Belastung
Ich kann natürlich nur von mir selbst sprechen, aber im Vergleich zur Judo-Nationalmannschaft ist es schon ein extremer Schritt. Was ich damals gemacht habe, ist nicht annähernd zu vergleichen, mit dem was ich jetzt mache. Das gilt für die Intensität, das gilt aber auch dafür, wie das alles durchdacht ist. Ich hatte beispielsweise früher überhaupt keine Ahnung von Diät. Ich bin jetzt als Profi auf einem ganz anderen Niveau, als ich es jemals im Judo in der Nationalmannschaft war. Dazu kommt, dass ich jetzt Profi-Sportler bin. Das heißt, ich mache das wirklich jeden Tag, von morgens bis abends.
Nick Hein nach der Polizei
Nick „The Sergeant“ Hein - für seinen Käfig-Traum kündigte er bei der Polizei. Er war Beamter auf Lebenszeit, hatte bei der Bundespolizei einen sicheren Job. Doch Leidenschaft und Herz siegten über vermeintliche Vernunft. Nach elf Jahren als Bundespolizist am Kölner Hauptbahnhof kündigte Hein. Der Käfig-Kämpfer gibt alles für seinen Traum - ein Leben als UFC-Fighter.
Hein zu BILD: „Ich bin kein Polizist mehr, habe offiziell gekündigt. Ich war gerne Bundespolizist, habe in den elf Jahren einiges erlebt.“ Und weiter: „Es war nicht einfach, die Uniform nach elf Jahren abzulegen.“
Die Entscheidung für die UFC
Der Ehemann und Vater eines kleinen Jungen entscheidet sich gegen den sicheren Job, kann sich dabei auf den Rückhalt seiner Frau verlassen. Nicht ganz so begeistert war Heins Mutter von seiner Entscheidung. Hein: „Meine Mutter hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und mich gefragt: 'Im Ernst, mein Junge?'“
Vertragsverlängerung und zukünftige Kämpfe
Wenige Wochen nach seinem vierten UFC-Sieg unterschrieb der deutsche UFC-Star Nick Hein für vier weitere Kämpfe bei der weltweit führenden MMA-Organisation. Ex-Polizist Nick Hein (14-2) setzte kürzlich seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag über vier Kämpfe.
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Wann Deutschlands populärster UFC-Fighter ins Octagon zurückkehrt, steht noch nicht fest. Eine naheliegende Möglichkeit ist das nächste Europa-Event, die UFC Fight Night in London, die am 18. März 2017 stattfindet.
Zuletzt kämpfte Hein bei der UFC Fight Night in Hamburg. Gegen den Koreaner Tae Hyun Bang feierte der 32 Jahre alte Leichtgewichtler im September seinen vierten Sieg im dritten UFC-Kampf.
Nick Hein als Persönlichkeit
Nick Hein gilt als gradliniger und sehr sympathischer Athlet. Nicht umsonst beschloss er seinen Job bei der Bundespolizei zu kündigen, um sich voll und ganz auf das MMA und die UFC zu konzentrieren. Die Sozialen Medien werden durch Hein regelmäßig mit interessanten Inhalten gefüttert.
Aufgrund seiner polarisierenden Art und Weise ist er ein gern gesehener Gast in unterschiedlichsten Talkshows, in denen er als ehemaliger Polizist seine Erfahrungen einbringen kann.
UFC-Debüt in Berlin
"Sergeant" Nick Hein schnappte sich nach seiner gelungenen Premiere sofort das Mikro und schrie den 10.000 Zuschauern in Berlin zu: "Gebt mir ein U, gebt mir ein F, gebt mit C." Gemeinsam brüllten alle: U-F-C. Damit hatte der nette Polizist aus Köln seinen Auftrag erfüllt. In erster Linie sollte der frühere Spitzen-Judoka als Stimmungsmacher und Botschafter eines hierzulande sehr umstrittenen Kampfsports dienen. In zweiter Linie sollte Hein noch einen guten Kampf abliefern - und tat dies auch mit Bravour.
"Das war meine persönliche Mondlandung, meine olympische Medaille", bejubelte Hein seinen Sieg im ersten Kampf in der in den USA und Asien populären UFC. 2008 hatte der Blondschopf als Judoka die Teilnahme an Olympia in Peking verpasst, nun gelang ihm eine persönliche Wiedergutmachung.
