Kickboxer (1989), in Deutschland als Karate Tiger 3 - Der Kickboxer bekannt, war Jean-Claude Van Dammes Durchbruch und gilt als Genre-Klassiker des Kampfsportfilms.
Im Jahr 2016 erfuhr die Geschichte eine Neuinterpretation mit dem Remake Kickboxer: Die Vergeltung, in dem Jean-Claude Van Damme in einer neuen Rolle zum Franchise zurückkehrte.
Eigentlich sollte Kickboxer: Die Vergeltung bereits 2014 mit Stephen Fung als Regisseur und Alain Moussi, Georges St-Pierre, Dave Bautista, Scott Adkins und Tony Jaa in den Hauptrollen umgesetzt werden. Doch Fung verließ das Projekt und Scott Adkins sowie Tony Jaa sagten ebenfalls ab.
So übernahm John Stockwell die Regie, während Jean-Claude Van Damme als erfahrener Kickboxlehrer gecastet wurde.
Die Story vom Original haben Dimitri Logothetis und Jim MCGrath mit leichten Modifizierungen und Veränderungen übernommen, der Grundkern der Geschichte ist so gesehen gleich geblieben, es agieren nur andere Schauspieler.
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Der amerikanische Kickbox Champion Eric Sloane (Darren Shahlavi) wird von der Fight Promoterin Marcia (Gina Carano) mit einem fetten Batzen Geld dazu geködert, in Thailand gegen den ungeschlagenen Muay Thai Fighter Tong Po (Dave Bautista) einen "inoffiziellen" Kampf zu bestreiten.
Gegen die Warnungen seines Bruder Kurt (Alain Moussi) nimmt er die Herausforderung an und wird vor dessen Augen von Tong Po im Ring brutal ermordet. Kurt rast vor Rachegelüsten.
Er sucht Durand (Jean-Claude Van Damme, „Enemies Closer“), den Muay Thai-Trainer von Eric auf, um sich von ihm für einen weiteren Kampf gegen Tong Po ausbilden zu lassen.
Kampfszenen und Choreografie
Die am höchsten gewichteten Bewertungspunkte für einen Martial-Arts Film sind natürlich seine Kampfsequenzen und die gibt es in hoher Anzahl mit zufriedenstellender Qualität zu bestaunen.
Die Bewegungsabläufe bzw. Choreografien wirken flüssig und blitzsauber einstudiert.
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Ein entscheidendes Manko ist jedoch die Kameraführung, die mir persönlich etwas zu hektisch ist und im Kontaktmoment in vielen Einstellungen leicht abblendet, so dass die Treffer nicht so druckvoll erscheinen wie bei Mark DiSalles Inszenierung Ende der 1980er Jahre, was sich zwangsläufig auch auf den Härtegrad auswirkt, der bis auf ein paar wenige Szenen moderat ausgefallen ist.
Der gleiche Eindruck festigt sich auch bei der Betrachtung des Showdowns: Der Fight Moussi vs. Bautista ist ja ganz nett anzusehen, da beide auch ein paar interessante Moves im Repertoire haben, mit dem legendären Duell Van Damme gegen Michel Qissi verglichen, stinkt John Stockwells neue Interpretation aber gewaltig ab, auch wegen der gerade eben beschriebenen, fehlenden Durchschlagskraft und den neuen Kontrahenten, dessen kämpferische Klasse nicht ganz mit den Fähigkeiten ihrer Vorbilder mithalten kann.
Training und Jean-Claude Van Damme
Was das Original zusätzlich noch auszeichnete, waren die im Gedächtnis bleibenden, ausgiebigen Trainingssessions, mit exotischen Methoden wie zum Beispiel das Palmenumkicken bis das Schienbein blutet.
Die Übungseinheiten in Kickboxer: Die Vergeltung erhalten vor allem durch den Trainer Durand, alias Jean-Claude Van Damme ihre besondere Würze.
Der Belgier gibt als gealterter, aber immer noch topfiter Übungsleiter eine hervorragende, charismatisch vorgetragene Performance ab.
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Van Damme, der in seinen jungen Jahren wegen seinem Milchbubi Face von seiner Ausstrahlung her oft teilnahmslos und gelangweilt aussah, hat durch die Zeichen der Zeit richtig markante Gesichtszüge erhalten, was sich zusammen mit seiner überlegten Rhetorik äußerst positiv auf sein Schauspiel auswirkt.
Außerdem bekommt er einige Gelegenheiten, um seine immer noch erhabenen Kampfsportfähigkeiten zu präsentieren, was phasenweise dazu führt, dass er dem etwas blassen Alain Moussi ein wenig die Show stiehlt.
Die Trainingsdisziplinen sind schweißtreibend und abwechslungsreich und decken ein breites Spektrum ab: Kraft und Ausdauer, sowie Technik und mentale Stärke sind behandelte Themenfelder.
Extravagante Inhalte wie Kokosnüsse mit dem Ellenbogen knacken werden ebenfalls geboten, auch wenn diese bei weitem nicht so beeindruckend und erinnerungswürdig ausgefallen sind, wie bei den Lektionen, die Kurt im berühmten Erstling lernen musste.
Nebenhandlungen und Optik
Punkte sammeln kann das Remake hingegen bei den Nebenhandlungen, die bei weitem nicht so anstrengend und unnötig breitgetreten sind, wie noch beim 1989er Original.
Es gibt keine überflüssige, homoerotische Tanzeinlage, kein dämliches Besäufnis an der Bar und auch keine parallel betriebene Entführungsstory, welche die Haupthandlung ausbremsen könnte.
Die Liebesgeschichte zwischen Kurt (Alain Moussi) und der Polizistin Liu (Sara Malakul Lane) nimmt glücklicherweise nicht viel Platz weg und der Aufhänger mit den illegalen Kämpfen und der Polizeikorruption sorgt für angenehme Abwechslung.
Insgesamt leistet sich Kickboxer: Die Vergeltung weniger Längen, weil die Handlung geradliniger und ohne zusätzlichen Balast verläuft.
Auch im Bereich der Optik muss sich John Stockwells Kickboxer Version nicht verstecken: Die exotischen Orte in Thailand fängt er in wunderschönen, glänzenden und beeindruckenden Bildern ein und die verwendeten Kulissen können ebenfalls überzeugen.
Bild- und Tonqualität der Blu-Ray
Hier müssen die hellen Außenaufnahmen und die düsteren Bilder (zum Beispiel im Inneren des Tempels) voneinander abgegrenzt werden.
Während die gut beleuchteten Aufnahmen ziemlich scharf und detailreich sind, geht bei den dunkleren Shots aufgrund einer nicht idealen Kontrastierung doch einiges verloren.
Die Farbgebung ist ordentlich, wobei das Geschehen zeitweise aufgrund eines recht radikalen Grünfilters etwas kränklich erscheint.
Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton können zumeist gefallen.
Die Dialoge sind klar im Vordergrund.
Der Score und Hintergrundgeräusche wie das jubelnde Kampf-Publikum wurden sauber und ziemlich präzise abgemischt und auf die Boxen verteilt.
Fazit
Kickboxer - Die Vergeltung ist am Ende des Tages ein kurzweiliger, befriedigender Kampfsportfilm, den man ruhigen Gewissens als Martial-Arts Sympathisant konsumieren kann, das Original wird aber meiner Meinung nach nicht übertroffen, hier bleibt man zusammengefasst leicht dahinter.
