Darsteller: Mickey Rourke, Evan Rachel Wood, Mark Margolis, Marisa Tomei, Todd Barry, Wass M. Der Film "The Wrestler" von Darren Aronofsky aus dem Jahr 2008 ist nicht nur für Fans der seltsamen Mischung aus Show und Sport sehenswert, denn es handelt sich um eine ernstzunehmende Charakterstudie über einen einsamen älteren Mann, der nach einem Herzinfarkt vor den Scherben seines Lebens steht.
Einblick in die Welt des Wrestlings
Auf der einen Seite gibt der Film einen Einblick in die Wrestler-Szene - ebenso in das Leben einer Frau, die Mutter und Stripperin ist ( gut und sexy gespielt von Marisa Tomei ! ) und einer lesbischen Tochter, fuer die der Vater nie da war. Gestern Abend verliess ich das Kino schwerfällig und kurzatmig. Mehrmals musste ich mich vergewissern dass mit meiner Lunge alles in Ordnung, meine Gliedmassen nicht schwer wie Blei waren und auch mein Herz noch stark und regelmässig pochte.
Rourkes physische Präsenz wirkt beklemmend. Der schwere Atem, das angestrengte Sprechen alles scheint zu gross, zu schwer als stecke die fragile Figur in einem viel zu grossen, viel zu schweren Kostüm welches er er sein Leben lang mit sich herum tragen musste und welches nun endgültig zu schwer geworden ist. Dabei wird die Figur nie sentimental überzeichnet sondern bleibt stets echt und nachvollziehbar. Hat mich sehr berührt. Das Ganze. Siffige Sporthallen, traurige Nachtclubs und graue Vorstadtparkplätze. THE WRESTLER erzählt mehr über das Leben, die Berufsausübung und den Versuch, privates Glück zu finden, als man zunächst glaubt.
Mickey Rourke ist großartig und jede einzelne Sekunde präsent. Selten habe ich einen Film gesehen, der so physisch mit dem menschlichen Körper erzählt und doch eigentlich das Herz meint, das sich in eben diesem aufgespritzen, zur Schau gestellten Körper nach Zuneigung und Stolz sehnt. The Wrestler ist nämlich ganz großes Arthouse-Kino. Abseits von dem üblichen pathetischen Schrott, den man sonst so als "Filmkunst" serviert bekommt, ist man bei "The Wrestler" ganz nah (an der Realität) dran. Manchmal vielleicht sogar unangenehm nah..., weil der vorgesetzte Spiegel hässlich ist.
Natürlich meine ich damit nicht die traurig alternde Wrestling-Community, sondern gewisse Situationen lassen sich mit ein wenig Abstraktionsvermögen (und -willen) durchaus auch auf andere/eigene(?) Lebenssituationen übertragen. Mickey Rourke ist für mich eindeutig der eigentliche diesjährige Oscar-Gewinner (ohne Sean Penns Leistung schmälern zu wollen). Aber, dass die Academy sich mit gesellschafts- / sozialkritischen Filmen oftmals schwer tut, ist seit Fight Club hinlänglich bekannt. Toll, ist der ironische (und gleichzeitig bittere) Humor mit dem "The Ram" sein (selbstverursachtes?) Schicksal erträgt ("ein bisschen mehr... ein bisschen weniger")... und überragend ist auch das ENDE des Films - LANGE nicht mehr eine so geniale Auflösung eines Filmes gesehen!
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Die Geschichte von Randy "The Ram" Robinson
Randy „The Ram“ Robinson (Mickey Rourke) hat seine besten Tage längst hinter sich gelassen. War er in den 80er Jahren noch ein bekannter Wrestler mit großer Fangemeinde und eigenen Action-Figuren, ist er zwanzig Jahre später in einem heruntergekommenen Trailerpark angekommen. Neben seiner Arbeit als Wurstverkäufer in einem Supermarkt quält sich Randy auch hin und wieder für kleinere Veranstaltungen in den Ring.
Seine einzige Bezugsperson ist die Stripperin Cassidy (Marisa Tomei), die seine ständigen Avancen jedoch resolut abblockt. Als Randy nach einem besonders blutigen Kampf einen Herzinfarkt erleidet, scheint es mit seiner Karriere endgültig vorbei zu sein. In dieser Situation versucht er, den Kontakt mit der Stripperin Pam Cassidy (Marisa Tomei) auf das Leben außerhalb des Nachtklubs auszuweiten. Pam mag Randy zwar, hält sich jedoch an das Verbot privater Kontakte mit Gästen.
Stephanie (Evan Rachel Wood), die mit einer Afroamerikanerin zusammenlebt, wundert sich über das unvermittelte Auftauchen ihres Vaters. Als er ihr sagt, er habe einen Herzinfarkt erlitten, nimmt sie an, dass er von ihr erwartet, sie werde ihn pflegen. Ratsuchend wendet Randy sich wieder an Pam. Sie empfiehlt ihm, seiner Tochter etwas zu schenken. Nach dem Einkauf lässt sie sich zögernd auf ein Bier einladen.
Randy erfährt, dass sie einen neunjährigen Sohn hat und mit der Arbeit im Nachtklub aufhören will, sobald sie genügend Geld gespart hat, um in einer Gegend, in der es eine bessere Schule gibt, eine Eigentumswohnung kaufen zu können. Bei seinem nächsten Besuch im Nachtklub erklärt sie ihm, nicht die Frau zu sein, für die er sie hält. Er kenne sie als Stripperin, aber sie führe auch ein Leben als Mutter. Hier sei er ein Gast, und sie lasse sich auf keine privaten Beziehungen mit Gästen ein.
Es gelingt Randy, seine Tochter davon zu überzeugen, dass er sich bemüht, seine Fehler wiedergutzumachen. Schließlich nimmt sie sogar eine Einladung in ein Restaurant an. Doch zur vereinbarten Zeit wartet sie vergeblich auf ihn, denn er betrinkt sich, lässt sich von einer Frau abschleppen und vergisst die Verabredung. Pam, die Randy liebt und weiß, dass er ihre Gefühle erwidert, bereut ihr Verhalten. Sie fährt zu ihm.
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Er steigt gerade ins Auto, um zu der Halle zu fahren, in der er auf den „Ayatollah“ treffen wird. Enttäuscht kehrt Pam in den Nachtklub zurück. Auf der Bühne wird ihr klar, dass Randy sich in Lebensgefahr bringt. Besorgt bricht sie ihre Darbietung ab und eilt zum Austragungsort. Randy kommt aus der Garderobe. Sein Kampf mit dem „Ayatollah“ wird ausgerufen.
Pam kann Randy nicht zurückhalten. Sie muss zusehen, wie er immer weiterkämpft, obwohl sowohl sein Gegner als auch der Ringrichter besorgt fragen, ob er sich nicht zu viel zumutet. Zwanzig Jahre später trainiert Randy zwar noch und steigt am Wochenende in den Ring, aber die Einnahmen reichen nicht zum Leben, obwohl er nur allein in einem Wohnwagen haust. Als Hilfskraft in einem Supermarkt verdient er während der Woche dazu. Ans Aufhören denkt er allerdings nicht, denn er weiß nicht, was er außer Wrestling machen könnte.
Das offene Ende und seine Interpretationen
Auf der Bühne wird ihr klar, dass Randy sich in Lebensgefahr bringt. Besorgt bricht sie ihre Darbietung ab und eilt zum Austragungsort. Randy kommt aus der Garderobe. Sein Kampf mit dem „Ayatollah“ wird ausgerufen. Pam kann Randy nicht zurückhalten. Sie muss zusehen, wie er immer weiterkämpft, obwohl sowohl sein Gegner als auch der Ringrichter besorgt fragen, ob er sich nicht zu viel zumutet. Am Ende steigt er auf die Seile der Ringecke, um seinen Finishing-Move, den „Ram Jam“ (eine Art Flying-Elbow-Drop mit beiden Armen) anzusetzen. Kurz nach dem Sprung blendet die Kamera ab.
Das Ende ist doch klar wie Wodka: Mickey fühlt bereits den kommenden Herzkasper, steigt aber trotzdem auf's oberste Seil, um seinen Finishing Move zu zeigen. Er hat nichts anderes gelernt, er kann nichts anderes, und die Wrestling-Fans im Film lieben nur seine Show sowie sein Alter Ego. Das offene Filmende beim 20jährigen Jubiläumsrückkampf zwischen 'The Ram' und Ayatollah sieht Aronofsky eher als tragischen Schlusspunkt. Auf die Frage eines Slashfilm-Interviewers, ob der herzkranke Showkämpfer bei seinem Risikosprung sterbe, fragt der Regisseur pointiert zurück: „Wenn nicht jetzt, wann dann?
Mickey Rourke's beeindruckendes Comeback
Mit „The Wrestler“ ist Mickey Rourke ein großartiges Comeback gelungen. Nach seinem Abstieg als Filmschauspieler hatte er sich in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre als Profiboxer versucht. Zur Vorbereitung auf die Rolle unterzog er sich drei Monate lang einem harten Körpertraining und legte mehr als 15 Kilo Muskelmasse zu. Er spielt Randy Robinson nicht nur, sondern geht in der Rolle auf, wirkt überzeugend und verleiht dem Charakter des Wrestlers eine facettenreiche Tiefe.
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Randy ?The Ram? Robinson und sein Darsteller Mickey Rourke scheinen eins zu sein. Und das ist das Faszinierende. Keine Ahnung, was zwischen "Angel Heart" und "The Wrestler" mit Rourkes Körper passiert ist. "The Wrestler" wäre aber nicht so großartig wie er nun mal ist, wenn es bei der bloßen Freakshow bliebe. Jeder Schlag, den Randy einstecken musste ? Show oder nicht ?, tat mir beim Zusehen weh. Man fühlt mit, man leidet mit, ohne dass die Geschichte in rührseligen Kitsch abdriftet. Rourke ist großartig.
Rourke legt hier einen Seelenstriptease hin, vor dem ich größten Respekt habe. Wann hat man zuletzt menschliche Abgründe so unprätentiös geschildert bekommen wie hier? Kleinste, banale Handlungen - wie etwa ein Mann, der sich unter eine Sonnenbank legt - erzeugen schon Mitleid. Übertragen auf "The Wrestler" heißt das: Mickey Rourkes wegen lohnt es sich, diesen Film anzusehen. Ich mochte ihn eigentlich nie besonders (außer in seiner kleinen Rolle in Penns "Das Versprechen"), hier aber ist er einfach grandios und hat den Oscar verdientermaßen "errungen". Sehr lohnend ist auch das Interview mit ihm auf der DVD, in dem er einige sehr erhellende Einblicke in seine Sicht der Rolle gibt.
