Köln trauert um "Karate Jacky" Franzen

Mit einem letzten Gruß nahmen Dutzende Menschen in Köln Abschied von der Milieugröße Jakob Franzen, genannt "Karate Jacky". Anfang April starb Jakob Franzen alias "Karate Jacky". Der Tod des ehemaligen Türstehers und Bodyguards löste in Köln ein großes Echo an Anteilnahme aus. Schließlich verliert die Domstadt mit Franzen eine der letzten Größen des ehemaligen "Miljös", das Köln trotz - oder gerade wegen - seiner Anrüchigkeit maßgeblich prägte.

Aus einem Lautsprecher tönt "Eye Of The Tiger" über den Westfriedhof in Köln-Vogelsang, während sich rund 200 Trauergäste um eine festlich geschmückte Grabstätte versammeln. Unter der bestmöglichen Einhaltung der Corona-Regeln und der Überwachung durch das Ordnungsamt wollen sie Abschied von dem Kölner Urgestein Jakob Franzen nehmen, der unter seinem Alias "Karate Jacky" zur lokalen Legende geworden ist.

Jakob Franzen alias "Karate Jacky" wurde am 1. April 2021 tot in seiner Wohnung aufgefunden. Dort hatte Franzen in den vergangenen Jahren gelebt. Zur genauen Todesursache könne die Polizei noch keine Angaben machen, heißt es weiter.

In den 80er Jahren gehörte Franzen zu den berühmtesten Persönlichkeiten des "Miljös", wie die einstige Rotlichtszene der Domstadt bis heute genannt wird. Zu einer Zeit, in der Köln als kriminellste Stadt Deutschlands noch den Beinamen "Chicago am Rhein" trug, arbeitete der gelernte Maschinenschlosser als Türsteher und Personenschützer in Kölns Halbwelt, seine Kampffertigkeiten brachten ihm bald den Namen "Karate Jacky" ein.

Der sogenannte Weltmeister der Straße besaß den schwarzen Gürtel in drei asiatischen Kampfkünsten, war Auswahlkämpfer des Deutschen Judoverbandes und sogar für den Deutschen Olympiakader nominiert - bis ihm die Nominierung auf Grund seiner Nähe zum "Miljö" wieder entzogen wurde. Auf der Straße aber brachte seine körperliche Fitness dem jungen Kampfsportler schnell einen Ruf ein, der bis heute nachhallt.

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Allerdings war er auf der Straße auch gefürchtet und saß im Gefängnis. Für kurze Zeit führten ihn seine halbseidenen Wege ins Gefängnis, zuletzt lebte er mittellos im Annoheim in der Südstadt, einer Unterkunft für Obdachlose. Nicht weil er keine Freunde oder Familienangehörige gehabt hätte, die sich um ihn kümmern wollten: Franzen wollte keine Hilfe haben. Am 1. April starb er in seinem Zimmer des Wohnheimes eines natürlichen Todes. Er wurde 60 Jahre alt.

Die Zahl der Menschen, die ihm auf dem Westfriedhof die letzte Ehre erweisen, zeugt dabei noch einmal von dem großen Rückhalt und der Beliebtheit "Karate Jackys". So sind auch viele ehemalige Wegbegleiter zu Franzens Begräbnis erschienen, die ihn noch aus der gemeinsamen Zeit im "Miljö" kennen. Bei seinem Begräbnis auf dem Westfriedhof hielt sein enger Freund „Tünn“ eine emotionale Grabrede.

Laut Medienbericht ist die Rotlichtgröße "Karate Jacky" in Köln gestorben. Jakob Franzen, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, wohnte zuletzt in einem Obdachlosenheim in der Südstadt. Das erfuhr "Express" aus dem persönlichen Umfeld der ehemaligen Rotlichtgröße. Die Todesursache sei bisher noch unklar. Er wohnte zuletzt seit Jahren in der Obdachlosenunterkunft in der Annostraße und wurde dort am Donnerstagmorgen leblos aufgefunden.

"Wir sind alle geschockt, er war sehr beliebt. Ich kannte ihn viele Jahre und habe es immer genossen, wenn er Anekdoten von früher erzählt hat. Es ist eine traurige Nachricht vor Ostern", wird Jürgen Oberhoff von der Pforte vom Annoheim zitiert.

Milieu-Kenner Roland Bebak, der Karate Jacky ebenfalls seit Jahrzehnten gut kannte, gegenüber "Express": "Köln verliert ein weiteres Original.

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In den vergangenen Jahren lebte Franzen in einer Obdachlosen-Unterkunft in der Annostraße, bevor er im April 2021 ziemlich überraschend im Alter von 60 Jahren verstarb.

Zur berüchtigten Zeit Kölns als „Chicago am Rhein“ Jahren in den 1970er und 1980er Jahren hatte sich Franzen vor allem als kompromissloser Türsteher im Rotlichtmilieu einen Namen gemacht, ließ die kriminelle Vergangenheit dann aber letztlich hinter sicht. Jüngeren Kölnerinnen und Kölnern wurde er vor allem durch die Videos bekannt, die sein guter Freund „Der lange Tünn“ von und mit ihm aufnahm. Jacky hatte zu allem und jedem eine Meinung, vertrat diese auf seine ganze eigene Art.

„Ich kann das noch gar nicht fassen, weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Er war einer meiner besten Freunde, ein super Kerl. Der Jacky war fit, ist jeden Tag Fahrrad gefahren, hat keinen Alkohol getrunken und keine Drogen genommen. Janz Kölle ist traurig, weil der Jacky in ganz Köln beliebt war“, erklärt die einstige Milieu-Größe.

„Das tut mir so leid. Ich habe ihn hier auf deiner Seite immer sehr gerne gesehen. Er war einfach ein besonderer Typ Mensch (auch wenn ich ihn nicht persönlich kannte), er war klasse. Herzliches Beileid“, schreibt eine Userin.

Um „Karate Jacky“ einen würdigen Abschied zu bereiten, haben seine Weggefährten eine Spendenaktion gestartet.

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Auf express.de erinnern wir zum Jahreswechsel mit Episoden an die wilde und oft kriminelle Vergangenheit, die als Chicago am Rhein zu Köln gehörte, aber nicht verklärt werden darf.

Diesmal veröffentlichen wir Anekdoten von Ex-Türsteher Jakob Franzen aus dem oben erwähnten Buch von Roland Bebak. Das Interview mit „Karate Jacky“, wie der Kampfsportler seit jeher genannt wird.

Sie galten in den 80er Jahren im Milieu als Weltmeister der Straße - wie fing das denn alles von klein auf an?

Ganz einfach: Das fing in Kalk an, ich hab da Gerüstbauer gekannt, die haben mir die Hände geküsst. Ich kannte die ganzen Italiener und Türken. Und wenns da läpsch wurdest, war 'ne Schlägerei. Da bin ich immer als Sieger rausgegangen - immer.

Ja. Meine Mutter hat auch gern hingelangt, die ist unter acht Brüdern groß geworden.

Ich hab eine Ausbildung vom Sozialdienst Katholischer Männer gekriegt als Maschinenschlosser. Die hab ich dann bei der Bundesbahn abgeschlossen. Aber ich habe immer weiter Sport getrieben. Wahrscheinlich damals unbewusst, weil es die einzige Möglichkeit war, sich abzureagieren oder sich lieb zu halten oder nett zu halten.

Ich hab im Endeffekt nur trainiert. Das, was sie wahrscheinlich damals in mich reingesteuert haben, hab ich abreagiert.

Ja, Milieu - ich war in Kalk und dann bin ich in die Stadt. Ich hab in Kalk gearbeitet für 70 DM am Wochenende. In einer Teenie-Disco für einen Türken. Der Mustafa, der hatte überall Immobilien, der war auch Türsteher.

Dann kam das ganze Theater Richtung Stadt und da hab ich damals für den Schiemer gearbeitet. Die Disco hieß Lufthansa damals. Da hab ich das erste Mal richtig Geld verdient. So 200 DM an einem Abend. Das war damals viel Geld. Die Lufthansa-Gesellschaft hat damals die Räume vermietet am Rhein unten im Keller. Da hab ich 'ne riesige Disco gemacht und da hab ich meine erste Frau kennengelernt, die Tamara.

Also erst hab ich für den Schiemer gearbeitet. Und dann wurde ich durch Hörensagen weiterempfohlen. Glucke war mal früher Taxifahrer, Schnelldienstfahrer. Ein unbeholfener, kleiner pummeliger Mann, und der hatte nicht viel zu sagen.

Der Mann ist also so, wie ich das weiß, von vielen Leuten bedroht worden. Ich hab nachher fünf Läden für den gemacht und dann hab ich von der Glucke im Monat 5000 DM gekriegt. Nicht viel.

Ich hatte im Endeffekt ja die ganze Bewachung, ich hatte die ganzen Läden und ich war 24 und das ging ja dann privat nachher auch weiter.

Ich hab ja verdient und die Schüsse, die ich kennengelernt habe, die waren ja meistens aus dem Puff.

Im Knast war‘s Tutti.

Was heißt Geldeintreiber, das kann man nicht sagen. Wir haben alles bezahlt gekriegt, weil ich mitgefahren bin. Der Chef hat gesagt: He, der hat 5 Mill verloren, fahr ens grad mit hin und dann wars das ja schon.

Heute leben sie im Annoheim in der Südstadt. Wie viele Zähne haben Sie verloren in der Milieu-Zeit?

Alle im Endeffekt. Das ging bom bom bom - und dann wollten Sie mir Implantate reinsetzen, aber ich lass mir doch keine Implantate machen.

Ich hab die jetzt alle sozusagen geschliffen gekriegt. Und ein paar raus und jetzt ist das erst mal sauber.

Beginn der 60er Jahre galt Köln als die kriminellste Metropole schlechthin. Die Unterwelt gab sich einen Namen: das „Miljö“.

Es erinnert sich Keddy: Wer ein starker Junge war, das war der ‚Karate Jacky‘. Das war aber eher ein Sportsmann gewesen. Ich erinnere mich, wie wir mal zusammen im Müngersdorfer Stadion waren.

„Bist du wirklich so stark? Was hast du denn drauf? Zeig doch mal“, provozierten sie den Jacky. Zwar nur aus Spaß, aber sie deuten ihm schon einen Spruch rein. Jacky sagte: „Jung hör doch auf, bitte lass“. Aber die hörten einfach nicht auf.

Jedenfalls sagte Jacky dann: „Ich lege mich mal auf den Bauch und du kannst deine Kampfstellung über mir einnehmen.“ Dann hat der Eine sein Knie drauf gesetzt und den Kopf in den Schwitzkasten genommen. „Wenn du fertig bist, sagst du jetzt“, sagte Jacky. Der Typ, nachdem er ihn richtig eingeknotet hatte, sagte: „Jetzt“.

Es dauerte Sekunden - und der Typ ist durch die Luft geflogen. Ich war ja nun dabei und ich konnte nicht fassen, wie jemand so muskulös, schnell und stark sein kann. Wie der den Kerl durch die Luft gefeuert hat. Der war immerhin ja auch gut trainiert damals.

Eines Samstagnachmittags war ich mal bei einem Kampf vom Jacky. Da hatte mich ein Freund eingeladen. Es kam die Nationalmannschaft aus Wolfsburg vom Judo. Ich bin mitgegangen und war durch Zufall vor dem Kampf da in der Umkleide der Wolfsburger. Da habe ich dann gehört: „Dieser Jacky ist so ein berüchtigter Kölner von den Ringen, der muss stark sein, da sind wir mal alle gespannt.“

Dann kam der Kampf von ihm gegen den amtierenden Europameister, einen 100-Kilo-Bullen. Die Leute haben auf den Stühlen gestanden, so imponiert waren die von der Leistung vom Jacky.