Karate, Küsse, Blonde Katzen: Ein Rückblick auf den Kultfilm der 70er

In den 70er Jahren versuchten die Shaw Brothers, durch Koproduktionen zu expandieren. Ein bekanntes Beispiel ist „Die sieben goldenen Vampire“ mit den britischen Hammer Studios. Eine ungewöhnlichere Kooperation ist die zwischen den Shaw Brothers und der Rapid-Film von Wolf C. Hartwig, bekannt für die "Schulmädchenreport"-Reihe. Daraus entstand „Karate, Küsse, blonde Katzen“, oft auf „Karate-Schulmädchen“ reduziert.

Die Rapid-Film hatte seit Mitte der 60er einige „Hongkong-Filme“ realisiert, darunter „Heißer Hafen Hongkong“ (1962) und „Die jungen Tiger von Hongkong“ (1969). Die Verbindung zu den „Schulmädchenreport“-Filmen besteht in Nacktheit, albernem Humor und einer schmierigen Synchro.

China, Ende der Qing-Dynastie: Fünf Engländerinnen - Dawn, Anna, Brenda, Karen und Celia - werden auf ihrer Schifffahrt nach Australien von chinesischen Piraten im südchinesischen Meer aufgegriffen. Piraten-Kapitän One-Eyed Dragon übergibt die Europäerinnen dem Ober-Boss Chao, der die Damen zu Liebesdienerinnen "ausbilden" lassen will. Dies übernimmt Ko Mei-Mei, die einst von den Piraten entführt wurde, als ihr Bruder Ko Pao die Bande verließ.

Ko Mei-Mei bildet die Damen insgeheim in KungFu und im Schwertkampf aus. Nachdem die Frauen verkauft wurden, können sie sich befreien und in ein verlassenes Küsten-Dorf entweichen. Chao und seine Männer wollen die Frauen zurückbringen, doch die englischen Girls sind tapfer, allen voran Dawn, die sich in Ko Pao verliebt hat.

Unter strahlend blauem Himmel, am Meer oder in den Studios der Shaw Brothers, wird eine simple Story erzählt. Action, alberne Verbal-Erotik und zotige Sprüche stehen im Vordergrund. Die seichte Sexploitation-Story wird flüssig erzählt und mündet in Action ala Eastern. Die Deutschen waren für die Softcore-Porno-Elemente zuständig, und die Shaw Brothers für die Action und die Eastern-Atmosphäre im "alten China".

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Die europiden Darstellerinnen geben sich pseudo-taff oder ängstlich-verstört und wirken oft lächerlich. Sonja Jeannine ist hinsichtlich der Action die beste der europiden Akteurinnen und zeigt Technik und Körperbeherrschung. Die attraktivste Darstellerin im Film ist Lau Wai-Ling. Yue Hua ist der Held, der den chaotischen Freibeutern die Stirn bietet und für die besten KungFu-Fightszenen sorgt.

Neben Zoten, Verbal-Erotik, chaotisch-überdrehten Piraten mit durchgeknalltem Boss, nackten Tatsachen und Sexploitation-Andeutungen, wird noch gefightet. "The Bod Squad", seichte, flotte und lustig-amüsante Unterhaltung.

Fünf britische Mädchen werden von chinesischen Piraten gekidnappt und an den Hof des Verbrecherbosses Chao gebracht. Dieser unterweist sie in seinem Palast in diversen Liebestechniken, um sie später als Prostituierte verkaufen zu können, wobei die Mädchen sich der andauernden Annäherungen von Chaos Männer erwehren müssen. Durch den kampferprobten Einheimischen Ko Pao und seiner Schwester Ko Mei Mei werden sie aber auch in Schwertkampftechniken und Kung Fu unterrichtet. Nach ihrem Verkauf können sich die Mädchen ihrer jeweiligen Ersteigerer erwehren und fliehen. Chao lässt sie suchen; die mittlerweile zu perfekten Kämpferinnen gewordenen Engländerinnen setzen sich jedoch am Ende gegen alle anderen Kämpfer durch.

Besetzung

Schauspieler Rolle
Yueh Hua Ko Pao
Lau Wai-Ling Ko Mei Mei
Wang Hsieh Piratenanführer Chao
Sonja Jeannine Dawn
Diana Drube Anna
Gillian Bray Brenda
Tamara Elliot Karen
Deborah Ralls Celia

Ein bleibenden Eindruck hinterlässt Ti Hua Ko als lesbische Tiao Tao Fu. Kuei Chih-Hung hat in den 80ern einige der beeindruckendsten und finstersten Horrorfilme der Shaw Brothers gedreht. Tatsächlich fügen sich aber die von Hofbauer und Kuei Chih-Hung gedrehten Szenen erstaunlicherweise zu einem Ganzen, ohne dass allzu große Brüche sichtbar werden.

Die Nummer 12 der Shaw Brothers Collector’s Edition war bereits in einer schönen DVD-Auflage von Camera Obscura erhältlich. Hier nun liegt der Film erstmalig in HD vor. Wie die Camera-Obscura-DVD soll auch diese Fassung leicht in der Handlung geschnitten sein.

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Als Tonspur kann man nur die deutsche Synchronfassung auswählen. Schade, eine Version in Mandarin wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen.

KARATE, KÜSSE, BLONDE KATZEN ist ein echtes Juwel der Bahnhofskino-Ära. SCHULMÄDCHEN-REPORT-Schöpfer Ernst Hofbauer und Hongkong-Wunderkind Kuei Chih-Hung beschworen in dieser deutsch-chinesischen Shaw-Brothers-Wundertüte bereits im Jahr 1974 den modernen Geist internationaler Völkerverständigung.

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