König der Welt: Die Geschichte von Karat

Karat ist ohne Frage ein Schwergewicht im Ostrock. Die Berliner Band feiert 2025 ihr 50-jähriges Bestehen. Nach der Gründung 1975 und dem ersten Konzert in Heidenau bei Dresden nahm die Karriere der Musiker um Bassist und Bandgründer Henning Protzmann schnell Fahrt auf.

Am 22. Februar 1975 feierte Karat im sächsischen Pirna Bühnen-Premiere. In der Besetzung Henning Protzmann (Bass), Ulrich Pexa (Gitarre), Hans-Joachim Neumann (Gesang), Konrad Burkert (Schlagzeug), Ulrich Swillms (Keyboard) und Herbert Dreilich (Gesang, Gitarre) erspielte sich die Band schnell eine wachsende Fangemeinde.

Im Juni 1976 stießen Bernd Römer und Michael Schwandt (für Pexa und Burkert) zu Karat, ein Jahr später wird Herbert Dreilich nach dem Ausscheiden von Hans-Joachim Neumann alleiniger Sänger.

Der Durchbruch mit "König der Welt" und "Über sieben Brücken"

1978 gewinnt Karat mit den Titeln „König der Welt" und „Über sieben Brücken" den Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden. Der Durchbruch ist geschafft. Mit den Titeln „König der Welt“ und „Über sieben Brücken mußt du gehn“ gelang Karat 1978 der endgültige Durchbruch. Die Single schafft es in der DDR-Jahreshitparade auf Platz 2 - hinter «König der Welt», ebenfalls eine Ballade von Karat.

Keyboarder Ulrich „Ed“ Swillms war der kreative Kopf der Band von Beginn an und hat alle die Songs, die bis in die heutige Zeit alle Live-Konzerte der Band bestimmenden Titel komponiert. Angefangen beim „König der Welt“, selbstverständlich „Über sieben Brücken“, der immer noch hoch aktuelle „Blaue Planet“ und „Jede Stunde“.

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Im gleichen Jahr erschien die Aufnahme des DDR-Fernsehens auf Amiga, dem Popmusik-Label der staatlichen Plattenfirma VEB Deutsche Schallplatten, als A-Seite einer Single.

Ihre Musik ist publikumsnah und inhaltlich anspruchsvoll. Teilweise Pop und Schlager, hauptsächlich aber Deutsch-Rock mit klassischen Elementen.

Ed Swillms komponierte die meisten Songs basierend auf seiner Prägung durch sein Studium in Cello und Klavier, in dem er mit klassischer Musik in Berührung kam.

Nach dem Erfolg ihres zweiten Albums „Über sieben Brücken“ durfte die Band 1979 kommerziell in West-Berlin auftreten. Wegen ihrer Erfolge durfte die Band ab 1979 auch "im Westen" auftreten und räumte hier ebenso ab: Für das Album "Der blaue Planet" gab es eine Goldene Schallplatte, ihr Konzert 1982 in der Berliner Waldbühne war ausverkauft, und sie waren als einzige Ost-Band zu Gast bei "Wetten, dass …?". Mehrere ihrer Alben erschienen sowohl bei Amiga in der DDR als auch bei Teldec in der Bundesrepublik.

Als erste DDR-Band darf Karat ab 1979 alle Platten in Ost und West herausbringen. Sie werden millionenfach gekauft und sind eine wertvolle Devisen-Quelle für den sozialistischen Staat: 80 Prozent der Einnahmen durch Schallplatten und Konzerte im Westen flossen in die Staatskasse der DDR, wie Claudius Dreilich berichtet.

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In den Folgejahren etablierte sich Karat durch Alben wie „Albatros", „Schwanenkönig" oder „Der blaue Planet" als Spitzenband deutschsprachiger Rockmusik.

Nach einer Tour durch viele Länder stellte sie 1980 ihr neues, lyrisches Album „Schwanenkönig“ vor, das zeitgleich in Ost- und Westdeutschland veröffentlicht wurde. Das Album ist eine Mischung aus Elektrogitarren-Rock und Synthesizer/Elektro-Pop. Das Lied „Schwanenkönig“ ist eine Anspielung auf die aus dem Ballett stammende Symbolik des sterbenden Schwans, ein Symbol für ein Sterben in Anmut.

1982 kommt mit „Der Blaue Planet“ der größte Erfolg der Bandgeschichte in die Läden. 1982 wird das Album «Der blaue Planet» ein Riesenerfolg. Die Single «Jede Stunde / Falscher Glanz» erklimmt die Top Ten in der BRD. Karat tritt in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auf, schafft es dort mit «Jede Stunde» auf den zweiten Platz. Auch bei «Wetten, dass..?» singen die DDR-Balladenkönige. Moderator Frank Elstner bezeichnet sie als «Diamant der Popgruppen der DDR».

Zahlreiche Auslandstourneen, zwei Goldene Schallplatten in der BRD, die Goldene Europa 1986 und weltweit mehr als 10 Millionen verkaufte Alben zeugen von der außerordentlichen Strahlkraft und Popularität der Band weit über die Grenzen ihrer Heimat hinaus.

Karat in der DDR: Zwischen Anpassung und künstlerischer Freiheit

Wie vielen Künstler*innen in der DDR, hatte auch die Gruppe KARAT mit der Bürokratie zu kämpfen. Es wurde darauf geachtet, dass sie auch im Sinne des Sozialismus unterwegs waren. Vieles, was gesagt werden musste, konnte nur verschlüsselt gesungen werden. So geht es bei dem Lied „Albatros“ sicher nicht nur um diesen Seevogel. Das Lied trifft einen Nerv der DDR-Jugend und ihrer Sehnsucht nach Freiheit.

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KARAT verstand sich nicht als politische Band im Auftrag der Partei, war aber auch nie Opposition. Sie waren und sind auf Themen konzentriert, die alle angehen. Lieder allein werden die Welt nicht veränderen, aber sie tragen zum Nachdenken bei und das ist bei der Gruppe KARAT garantiert.

Die Wendezeit und der Verlust von Herbert Dreilich

Als Karat 15 Jahre alt ist, verschwindet die DDR. Im Jahr der politischen Wende 1989 gelang ihnen mit der zusammen mit Peter Maffay als Duett aufgenommenen Version von "Über sieben Brücken musst du gehn" nochmal ein Riesenerfolg, bevor es auch um Karat still wurde. Dann fiel die Mauer - und allen DDR-Bands liefen die Fans weg. In den 90ern ging es langsam wieder bergauf.

Nach dem frühen Tod von Sänger Herbert Dreilich 2004 war es ein Glücksfall, dass dessen Sohn Claudius eine nahezu identische Stimme besitzt und 2005 an die Stelle seines Vaters trat.

2003 erscheint das hoch gelobte Album „Licht und Schatten". Als sei dieser Titel ein Omen, erlebt die Band nun den dunkelsten Teil ihrer Geschichte. Im Sommer 2003 wird bei Herbert Dreilich zunächst ein Magengeschwür, dann Leberkrebs diagnostiziert. Alle Vorhaben zum 30-jährigen Jubiläum werden abgesagt. Als Dreilich am 12. Dezember 2004 im Alter von 62 Jahren seinem Krebsleiden erliegt, scheint Karat für immer verstummt.

2004 dann die Hiobsbotschaft: Sänger Herbert Dreilich erkrankt schwer und stirbt im Dezember im Alter von 62 Jahren an seiner Krebserkrankung, und sein Sohn Claudius steht vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens: Manager in Shanghai werden oder Sänger von KARAT.

Im März 2004 gibt das Karat-Management bekannt, dass Dreilich an Leberkrebs erkrankt ist. Am Ende des gleichen Jahres stirbt er - mit 62 Jahren. Für die verbliebenen Musiker folgt bald der nächste Schock: Dreilichs Witwe untersagt ihnen, den Bandnamen weiterzuverwenden. Der Sänger hatte sich 1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte an der Marke Karat gesichert. Die Band nennt sich deshalb ab 2006 «K...!». 2007 schließlich unterliegt die Witwe vor Gericht. Karat heißt wieder Karat.

Gitarrist Bernd Römer schildert später: «Wir waren echt fertig, wir saßen mit zitternden Knien im Gerichtssaal.»

Claudius Dreilich übernimmt das Mikrofon

"Das ist ein Zufallsprodukt gewesen", erinnert sich Claudius: „Das war zum 25-jährigen Jubiläum von KARAT in der Berliner Wuhlheide. Da wurden die Kinder der Kollegen gefragt, ob wir die Band nicht überraschen wollen und einen Song von KARAT spielen. Ich sollte dann die Abendstimmung singen. Und ich fing an zu singen, doch da war Ruhe im Publikum. Ich dachte, da habe ich irgendwas falsch gemacht. Zum Glück merkte das ein Redakteur hinter der Bühne und sagte zu meinem Vater: Du musst da jetzt rausgehen und die zweite Stimme singen, denn die denken sonst alle, der tut nur so. Schon als Kind wohnte Claudius Konzerten der Rockband bei.

Zurück ins Jahr 2004: Als sein Vater an Krebs erkrankt, bekommt Claudius Dreilich einen Anruf von der Band. Er wird gefragt, ob er als Sänger einspringen kann. Der Musiker-Sohn hatte eigentlich eine andere Karriere eingeschlagen, Ausbildungen als Hotelkaufmann und Einzelhandelskaufmann absolviert. Er arbeitete bei Ikea, eröffnete die Filiale in Moskau mit. Als sein Vater an Krebs erkrankt, bekommt Claudius Dreilich einen Anruf von der Band - er sollte übernehmen.

Sechs Monate lang habe er sich dann nicht entscheiden können, welcher Weg der Richtige ist. «Ich bin ja mit Karat aufgewachsen und hab diese Musik geliebt», schildert er. Andererseits habe er mit seinem damaligen Job wirtschaftlich auf festen Füßen gestanden. Schließlich habe er beim damaligen Karat-Schlagzeuger Rat gesucht. «Er sagte mir: "Du wirst immer zu Karat gehören. Aber wenn Du es nicht machst, steht künftig ein anderer auf der Bühne"». Dann entschied Claudius Dreilich, dessen Stimme der seines Vaters verblüffend ähnelt: «Ich muss es wenigstens versuchen.»

Claudius Dreilich, der seit mittlerweile 20 Jahren Teil von KARAT ist, erklärt: „Es hat sich letztlich für die Band immer nur in eine Richtung entwickelt, und das ist die, die wir wollen: Nämlich nach vorne.

Insgesamt sind bis heute 15 Studio-Alben erschienen, sieben davon in der DDR. Aus dieser Fülle von Songs eine Auswahl zu treffen, ist schwierig: Musikalisch hat die Band mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen - sicher auch beeinflusst von der über die Jahre immer mal wieder wechselnden Besetzung.

Typisch für Karat sind Keyboards, satter Gitarrensound und kraftvolle Drums, die Texte sind berührend poetisch, manchmal philosophisch, auch politisch und manchmal auch von überraschender Leichtigkeit.

Karat heute: Jubiläum und neue Musik

Wie schon des Öfteren, blicken die Mitglieder der Band auch im 50. Jahr nach vorne. Anstatt eines großen Best-of-Albums gibt es zum Jubiläum ein weiteres, das 16. Studioalbum. Dennoch, auf „Hohe Himmel“, so der Titel, klingen auch die Wurzeln der Band durch.

„Wir haben hier stark mit alten Soundelementen gearbeitet. Aber trotzdem, glaube ich, dass wir es auch geschafft haben, im Jetzt zu sein“, sagt der Sänger Claudius Dreilich. „Wir wollten nicht zurückgucken, weil wir immer nach vorne gucken - da muss man sich ein bisschen orientieren. Deswegen ist es ein Album, was vielleicht die Leute in dieser Art und Weise erst mal überrascht.

Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erscheint das neue Album «Hohe Himmel». Dreilich beschreibt die Gemeinsamkeit der neuen Songs so: «Es geht einzig und alleine um den Menschen. Um die Schattenseiten und die Sonnenseiten.» Und es gilt weiterhin: «Wir arbeiten viel mit Metaphern und zynischen Andeutungen. Von Kultband über Edel- bis Ostrocker: Es gibt viele Schubladen, in die diese Formation gesteckt wurde. Das Schöne daran ist, dass sich Karat diesen Einengungen nie ergeben hat.

Karat hat im Laufe der Jahre mehrere Besetzungswechsel erlebt. Die Musik und die Texte von KARAT treffen auf ein Lebensgefühl und erreichen die Leute: Ihre Songs begleiten viele Menschen schon ihr Leben lang und wecken Erinnerungen. Aber auch junge Leute entdecken die Musik von KARAT für sich und füllen die Konzertsäle. Musik als Kraftspender in schwierigen Zeiten.

Die politischen Entwicklungen auf der Welt, aber auch in Deutschland gehen nicht spurlos an den Rockern vorbei, gibt Bernd Römer zu: „Wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir Menschen sind.

Die Songs der Gruppe KARAT sind auch in Rügen bei den Störtebeker-Festspielen 2025 präsent. „Albatros“ beispielsweise ist für mich eine der schönsten Balladen gegen Unterdrückung und der Sehnsucht nach Freiheit.

Die Bandmitglieder sind ein streitbares Völkchen und ringen gemeinsam um den richten Sound, die passende Liedzeile. „KARAT ist man nicht nur auf der Bühne. KARAT muss man leben.“ (Adele Walter, Managerin)

Die Bandmitglieder bleiben aktiv und neugierig und stehen mitten im Leben. „Die Konstante bei KARAT ist die ständige Veränderung!“ so ein Mitglied der Band beim Blick zurück auf 50 Jahre und behaupten selbstbewusst von sich und ihrer Musik: „Wir waren gestern da. Wir sind heute da.

Für die Fans überraschend startete Karat mit einer neuen Bandbesetzung ins Jahr 2023. Zwei langjährige Musiker sind seitdem nicht mehr dabei.

Sänger Claudius Dreilich (Mitte), Jahrgang 1970, ist das jüngste Bandmitglied - aber unterdessen schon seit 20 Jahren dabei. Aus der Anfangs-Ära ist noch Gitarrist Bernd Römer dabei. Er stieß 1976 zu Karat. Komplettiert wird die aktuelle Band von Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung. Die Musiker sind 49 bis 72 Jahre alt.

50 Jahre Karat, das heißt auch: Es gibt ein neues Album samt ausgiebiger Jubiläumstour. Bis Dezember sind bundesweit knapp 60 Konzerte terminiert - unter anderem in der Hamburger Elbphilharmonie und der Dortmunder Westfalenhalle. Am Samstag (22.2.) wird das Quintett 50 Jahre alt - und feiert das mit einem Jubiläumskonzert in Berlin. «Wir werden neue Songs vorstellen und alte Songs würdigen», sagt Sänger Claudius Dreilich der Deutschen Presse-Agentur. Es ist aber kein einziger jener Musiker mehr dabei, die einst beim ersten Karat-Konzert auf der Bühne standen.