KARAT: Eine musikalische Reise durch die Zeit und Halle (Saale)

KARAT, eine Band mit einem besonderen Musikstil, begann ihren Siegeszug im Jahr 1975. Die Freundschaft zwischen den Puhdys und Karat, insbesondere zwischen einzelnen Bandmitgliedern, ist bekannt.

Die Anfänge und ersten Erfolge

1975 begannen KARAT ihren Siegeszug in der Besetzung Herbert Dreilich (Gesang, Gitarre), Henning Protzmann (Bass), Hans-Joachim Neumann (Gesang), Ulrich "Ed" Swillms (Keyboards), Ulrich Pexa (Gitarre) und Konrad Burkert (Schlagzeug). Nach den ersten vier Rundfunkaufnahmen gaben sie ihr Konzert-Debüt am 22. Februar in Pirna.

1976 wurde die Gruppe zum III. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst nach Karl-Marx-Stadt delegiert und errang eine Silbermedaille. Bernd Römer (Gitarre) und Michael Schwandt (Schlagzeug) ersetzten Ulrich Pexa und Konrad Burkert.

KARAT gewann 1977 die Goldmedaille der V. Leistungsschau der Unterhaltungskunst. Hans-Joachim Neumann musste zur Armee und schied aus.

Der Durchbruch und die 80er Jahre

1978 erschien die erste LP "Karat". Die Band spielte spezielle Konzerte für Jugendliche, die den Musikunterricht ergänzen sollten (Schülerkonzerte) und erhielt dafür den Kunstpreis der FDJ. KARAT errang den Grand Prix des Internationalen Schlagerfestivals "Dresden '78" (mit "König der Welt" und "Über sieben Brücken mußt du gehn").

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1979 erschien die zweite LP mit dem Titel "Über sieben Brücken". KARAT erhielt den Kunstpreis der DDR und den Interpretenpreis des Jugendmagazins "neues leben". Die zweite LP erschien über Teldec/Pool auch im Westen Deutschlands unter dem Titel "Albatros" mit leicht veränderter Tracklist.

1980 erschien die dritte LP "Schwanenkönig" (zeitgleich bei Teldec/Pool auch in der BRD). Der "neues leben"-Interpretenpreis ging erneut an KARAT.

1981 stieß Thomas Natschinski als Gastmusiker zur Band und teilte sich fortan die Arbeit an den Keyboards mit Ulrich "Ed" Swillms, der sich Auszeiten nehmen wollte, um komponieren zu können. In der BRD war das von Peter Maffay gecoverte Stück "Über sieben Brücken mußt Du gehn" ein Hit geworden.

1982 trat die vierte LP "Der blaue Planet" ins Rampenlicht. Sie wurde wiederum von Teldec/Pool übernommen und am 13. Mai 1983 mit GOLD ausgezeichnet. Auch Hans-Joachim "Neumi" Neumann erschien wieder auf der Bildfläche, mit neuer Band "Neumis Rock Circus" und neuer LP. Das Lied "Der Clown" wurde ein Hit, blieb jedoch der einzige.

1984 wurde das fünfte Album "Die sieben Wunder der Welt" in Ost und West veröffentlicht. Ab März kam Thomas Kurzhals als fester zweiter Tastenmann für "Dauergast" Thomas Natschinski. Am 14. des Monats wurde die LP "Albatros" mit Gold für über 250 000 verkaufte Exemplare ausgezeichnet. KARAT und ihr Textautor Norbert Kaiser wurden am 7. Oktober (Nationalfeiertag der DDR) mit dem Nationalpreis für Kunst und Literatur geehrt.

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10-jähriges Jubiläum und die Steintor-Aufnahmen

1985 feierten KARAT ihr 10-jähriges Bestehen und gingen auf ausgedehnte Tournee. Ein Konzertmitschnitt aus dem Steintor-Variete in Halle/Saale erschien wenig später auf der Doppel-LP "Auf dem Weg zu euch". Über Teldec/Pool wurde die Platte unter dem Titel "Karat live" veröffentlicht.

Ich war bei diesem Konzert dabei und freute mich riesig, als ich dann diese Doppel-LP in den Händen hielt. Einige Jahre später sah ich KARAT in Karsdorf (Saale/Unstrut Region) und dort hatte ich nach den Konzert wiedermal eine Unterhaltung mit Bernd Römer.

Nach den Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bestehen nahmen Bernd Römer, "Ed" Swillms und Herbert Dreilich an dem Projekt "Gitarreros" teil, an welchem auch viele andere Künstler aus der DDR beteiligt waren.

Spätere Jahre und der Tod von Herbert Dreilich

1986 erhielt KARAT die "Goldene Europa", überreicht von Peter Maffay. Um die Jahreswende erschien "Fünfte Jahreszeit", das sechste Studio-Album, das eine Menge namhafter Gäste präsentierte. Henning Protzmann, langjähriger Bassist und organisatorischer Kopf von KARAT, war nicht mehr mit von der Partie. Für ihn kam Christian Liebig. Auch Ed Swillms verließ die Gruppe nach Fertigstellung der Platte.

Erst 1989, nach knapp zweijähriger Stille, meldete sich KARAT mit neuer Platte "... im nächsten Frieden" zurück. Passend zur Wendezeit handelte es sich dabei um eine Ost/West-Ko-Produktion. Als Gast war diesmal Peter Maffay an Bord, der den "gemeinsamen" Hit "Über sieben Brücken" erstmals mit Herbert zusammen sang.

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1991 erschien die nächste KARAT-LP, die schlicht mit dem Bandnamen betitelt ist. Ansonsten wurde es eher ruhig um die Gruppe.

1992 tauchte die Band nur mit einem neuen Song in der Öffentlichkeit auf. "Kind" wurde als Maxi-Single veröffentlicht. Thomas Kurzhals wurde von Martin Becker an den Keyboards abgelöst.

1995 meldete sich Karat pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum mit einer CD "Die geschenkte Stunde" sowie einem großen Jubiläumskonzert auf der Trabrennbahn in Berlin-Karlshorst zurück. Zum Konzert kamen Gruppen wie die PUHDYS und CITY sowie Ute Freudenberg und Hans die Geige gratulieren und bereicherten es mit Gastauftritten.

1997 erlitt Herbert Dreilich einen Schlaganfall bei einem Konzert in Magdeburg. Die Fan-Gemeinde war schockiert und hoffte inständig auf seine baldige Genesung. Herbert überwand das Tief und kämpfte sich wieder ran.

1998 nahm er an der "Begegnungen-Tour" von Peter Maffay teil und sang dort mit ihm im Duett. Als die Single-Auskopplung "Der Ozean" erschien, war klar: Herbert war wieder da!

2000: 25 Jahre KARAT. Es erschien eine Best Of-CD mit dem Titel "Ich liebe jede Stunde", auf der ein paar neue Tracks enthalten sind und es gab ein Jubiläumskonzert in der Berliner Wuhlheide. Peter Maffay kam gratulieren und die Kinder der Bandmitglieder spielten für ihre Väter das Stück "Abendstimmung". Ebenfalls dabei waren die alten Weggefährten der Band, Mitbegründer Ulrich "Ed" Swillms und Henning Protzmann, außerdem Thomas Natschinski und Thomas Kurzhals. Das Konzert erschien im Frühjahr 2001 auf CD (mit weiteren neuen Titeln plus enhanced Track) und Video.

2003 Die Aufnahmen für das neue Album sind abgeschlossen und stehen am 14.04. als "Licht und Schatten", die erste Veröffentlichung auf dem Label ZYX Music, in den Läden. Karat erhält den Media-Control-Preis für das meistverkaufte Album einer DDR-Gruppe "Der blaue Planet". Ende August gibt eine Magenerkrankung Anlaß zur Sorge um Herbert Dreilich, der sich jedoch glücklicherweise erneut nicht auf die Knie zwingen läßt. Alle Konzerte des Restjahres, inklusive der von RTL präsentierten Ostival-Tour, die Karat zusammen mit den Puhdys und City durch die alten Bundesländer hätte führen sollen, müssen jedoch abgesagt werden.

2004: In einer Abschlußuntersuchung bei Herbert Leberkrebs diagnostiziert. Alle Karat-Aktivitäten werden daraufhin abgesagt. Der Sänger unterzieht sich einer Chemo-Therapie, doch es ist zu spät. Nach langem und intensivem Kampf stirbt Herbert Dreilich am 12. Dezember, kurz nach seinem 62. Geburtstag. Die Stimme von Karat ist für immer verstummt.

Neuanfang mit Claudius Dreilich

2005 stellte die Gruppe ihren Fans den neuen Sänger vor: Claudius Dreilich übernahm das Erbe seines Vaters. Am 2. April präsentierte sich die neue Besetzung im Rahmen der TV-Show "Willkommen bei Carmen Nebel" erstmals der Öffentlichkeit und hatte auch gleich einen neuen Titel im Gepäck: "Melancholie" wird zum Startschuß eines weiteren Kapitels in der Geschichte von Karat.

Sechs Tage später begann die "30-Jahre-Karat-Tour" in Erfurt. In drei ausverkauften Shows feierten die Fans euphorisch die Wiedergeburt "ihrer" Band. Kurz darauf veröffentlichte die BMG die erste Karat-DVD überhaupt. Enthalten ist eine "spezielle" Version des Videos "25 Jahre Karat" unter dem Titel "Das Jubiläumskonzert".

Die Fronten sind verhärtet, eine Einigung ist unmöglich und eine gerichtliche Auseinandersetzung unausweichlich geworden. Die Geschichte einer der größten und erfolgreichsten deutschen Bands nimmt damit ein unschönes und auch unwürdiges Ende.

Am 29. Dezember 2005 gaben KARAT in Rostock ihr letztes Konzert vor ausverkauftem Hause und riefen anschließend eine "neue" Band ins Leben: "K...!" wird die Gruppe von nun an heißen und ab dem ersten Januar 2006 ihren Weg weitergehen.

KARAT - Tour 2026

Die Berliner Kultband KARAT feierte 2025 ihr 50-jähriges Jubiläum. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken.

KARAT sind einen anderen, ihren eigenen Weg gegangen: Dem der permanenten Suche, der ständigen Bewegung und Selbstbefragung. Es hat in diesem fünf Jahrzehnte währenden Prozess einige Brüche gegeben.

Seit zwei Jahrzehnten steht sein Sohn an seiner Stelle. Er brachte die Skeptiker längst zum Schweigen und hat den Beweis angetreten, dass er seinem Vater nicht nur äußerlich ähnlich sieht, sondern auch dessen kreative Energie geerbt hat.

Über 50 Jahre KARAT sind zuallererst die etlichen, großen Hits - inzwischen allesamt gestandene Klassiker. Aber sie passen wunderbar ins Hier und Jetzt, weil sie im eigentlichen Sinne zeitlos sind: Hier wird nicht die Asche des Feuers angebetet, sondern dessen Glut weitergetragen.

KARAT sind fünf Dekaden deutsch-deutsche Musikgeschichte. Gleich im ersten Jahrzehnt entstehen etliche Meilensteine, in der BRD ehrt man sie mit Goldenen Schallplatten, sie sind Gast bei »Wetten dass...« und Peter Maffay feiert seinen bisher größten Hit mit dem Karat-Cover »Über sieben Brücken musst du gehn« - das alles war nicht nur höchst erfreulich, sondern eine Sensation - für eine Band aus dem Osten.

Eine neue Ära beginnt mit der vierten Dekade, denn mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben KARAT den Glücksfall, dass die Band den schweren Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet hat.

Auch in der bisher letzten Dekade befinden sich KARAT auf der Überholspur, so wird mit Universal Music ein neuer Vertriebspartner für die neuen Alben gefunden und selbst eine Pandemie kann diese Band nicht stoppen: KARAT melden sich mit Auto- und Hotelzimmer- sowie ca. 40 Konzerten mit eingeschränkter Zuschauerzahl aus der Covid19-Versenkung zurück.

40-jähriges Bandbestehen

In diesem Jahr feiern Karat das 40-jährige Bandbestehen, u.a. mit einem Album, einer ausgedehnten Tour und einem Jubiläumskonzert in der Waldbühne Berlin.

Bernd Römer: Oh ja, wir haben damals alle Tanzsäle in der DDR von Norden bis Süden bespielt. Fünf Stunden lang beim Jugendtanz bekannte internationale Stücke nachgespielt, wir hatten ja auch anfangs kein eigenes Material. Das kam aber irgendwann dazu.

Bernd Römer: Ja, wir haben Millionen Platten verkauft und das auch vor der Wende in Westdeutschland. Die DDR-Zeit ist inzwischen der geringere Abschnitt in der 40-jährigen Bandgeschichte. Trotzdem wird Karat heute noch vorwiegend als Ostrockband wahrgenommen.

Bernd Römer: Klar, wir kennen uns bestimmt schon, seit es Karat gibt. Die Konstellation mit Ingo erwies sich als doppelt gut, weil er einerseits einer der großen, anerkannten Produzenten in Deutschland ist und er uns eben aus dem FF kennt.

Claudius Dreilich: Nö, überhaupt nicht. Wir sind uns überraschenderweise immer ziemlich einig. Echte Konflikte gibt es eigentlich nicht, sicher auch weil ich mit Karat-Musik im wahrsten Sinne aufgewachsen bin. Wir hören zwar alle oft auch verschiedene Musik, sind aber sehr kompromissbereit bei unserem eigenen Schaffen. Außer in einem Punkt: Unsere Musik soll nie ihre Karat-Seele verlieren. Da passen wir alle fünf gleichermaßen auf.

Claudius Dreilich: Den habe ich nie gespürt, weil ich meinen Vater immer extrem geliebt habe. Er war und ist natürlich immer irgendwie präsent, aber nicht als Schatten. Wenn ich ihn im Kopf habe, dann denke ich: Vielleicht ist er gerade über dir und guckt zu. Sicher wurde ich anfangs auch mal von den Fans kritisch beäugt, aber ich habe von ihnen wohl auch eine Menge Bonuspunkte bekommen. Das machte es mir nicht so schwer. Der Tod meines Vaters war im Übrigen für die ganze Band eine Katastrophe.

Bernd Römer: Ed Swillms sagte mal, dass er eine ganze tolle, kaputte Version vom „Blauen Planet“ nachts im Radio gehört hätte. Wahrscheinlich gibt es nicht wenige Musiker, die uns auch auf ganz kuriose Weise gecovert haben.

Bernd Römer: Bei uns geht’s immer weiter, solange wir gesund sind. Wie groß unsere Motivation noch ist, hat sich ja bei der Produktion des Albums gezeigt. Und wenn wir mal unseren Rücktritt ankündigen, dann hören wir auch auf. Solange wir noch Ideen haben und die Leute uns mögen, sehen wir jedoch keinen Grund zum aufhören.

Back Ostrock-Legende Karat 50 Jahre Karat - Hits unterm hohen Himmel

Mit dem Tod von Sänger Herbert Dreilich schien das Schicksal von Karat besiegelt. Doch mit Sohn Claudius am Mikrofon schreibt Sachsen-Anhalts erfolgreichste Rockband zum 50.

Immer, wenn die Berliner Kultband Karat nach Halle kommt - das macht sie mehr oder weniger einmal im Jahr - reist deren Sänger ein paar Stunden früher als seine Kollegen an. Er schlendert dann durchs Paulusviertel, bleibt vor der Lessing-Grundschule, der damaligen Wilhelm-Koenen-Oberschule, stehen oder hängt vor dem Konservatorium seinen Gedanken nach. Schmunzelnd streift er den Bauernclub, den Turm oder den Volkspark.

Interview mit Henning Protzmann

Es gibt Leute, die schreiben Hits und werden dadurch unsterblich. Und dann gibt es die Leute, die Bands gründen, passende Musiker dazu holen, Muggen aufreißen, Plattenverträge aushandeln und überhaupt für die Rahmenbedingungen sorgen, damit die eben erwähnen Hitschreiber unsterblich werden können. So einer ist Henning Protzmann.

Ohne ihn hätte es auch KARAT nicht gegeben, die er 1974 nicht nur gegründet hat, sondern für die er lange Jahre der organisatorische Leiter - neudeutsch: Manager - war. Durch ihn wurde diese Band zum Export-Schlager.

Stolze sechs Dekaden steht der gebürtige Sachse also inzwischen auf der Bühne und wird dies im April dem Anlass entsprechend in Halle (Saale) feiern. Ein Konzert mit Gästen wird es sein, bei dem er mit seiner Gruppe PANTA RHEI auf der Bühne stehen wird.

Vor 20 Jahren machten wir zu Deinem 40-jährigen Bühnenjubiläum ein Interview, und kaum ein paar Tage später ist es nun schon das 60. Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch!

Als wir vor 20 Jahren gesprochen haben, gab es ein Festival in Woltersdorf, bei dem Du mit der Band JAZZIN' THE BLUES gespielt hast. Was ist eigentlich aus dieser Band geworden?

Das machte großen Spaß und ich bin ja auch ein von GÜNTER HÖRIG in Dresden ausgebildeter Swing-Musiker. Deshalb musste ich mich zu nichts zwingen und ich musste nichts spielen, was ich nicht gewollt hätte. Die Swing-Nummern von RAY CHARLES und anderen waren in mir drin.

Bei den Konzerten der "Blue Summer Night" hatte ich oft zwei Bläser dabei und ich dachte, ich könne auch mal wieder etwas mit Bläsern machen. Ein Dreier-Bläsersatz macht sich gut und so rief ich 2015 den Namen PANTA RHEI wieder ins Leben.