„Wenn ich überlegen müsste, wo ich diese Geschichte beginnen lassen sollte, dann wohl irgendwann im Sommer herum. Ja, im Sommer fing alles an und im Sommer sollte es enden.“
Die Welt von Hyria
In der Welt von Hyria verfügt jeder Mensch seit seiner Geburt über eine besondere Gabe, die Magie genannt wird. Der Umgang mit jener ist für die Hyrier so natürlich wie atmen.
Um diese zu meistern, benötigt man jedoch viel Geduld und eine langjährige Ausbildung. Die Magier Hyrias zaubern jedoch nicht mit Stäben, oder Sprüchen. Alles was sie dazu benötigen ist ihr Wille. Und auch, wenn Magie eine Vielzahl von wundersamen Möglichkeiten bietet, so hat sie doch ihre Grenzen.
Jeder Mensch verfügt über seine eigene, persönliche Form von Magie. Diese kann sich in Dingen äußern wie, der Beeinflussung von Gravitation, des Wetters, der Elemente oder gar in ganz abstrakten, formlosen Arten.
Zwar ist keine Form der Magie einzigartig, jedoch kann eine einzelne Person, mit wenigen Ausnahmen, nur auf ihre eigene Art der Magie zurückgreifen und nicht jeder entscheidet sich dafür, sein Leben voll und ganz der Magie zu widmen.
Lesen Sie auch: Schwingen live sehen
Darüber hinaus verfügen jene, die sich dennoch dazu entschließen sie zu meistern, über weitere Fähigkeiten. So leben Magier deutlich länger als gewöhnliche Menschen, sie sind schneller, stärker und resistenter gegenüber Verletzungen und Krankheiten.
Jene Magier, die das Glück haben, im Besitz einer Magie zu sein, die auch natürlich in der Welt vorkommt, vermögen es daraus eine Waffe, die ihre Seele wiederspiegelt, zu ziehen. Man nennt diese Ayarge. Allerding birgt Magie auch ihre Gefahren, aber dazu später mehr. Widmen wir uns doch erstmal der Geschichte.
Die Seyn
Alle sieben Jahre kann es dazu kommen, dass sich unter den Bewohner Hyrias sieben besondere Magier auffinden lassen, die Seyn genannt werden. Diese sind als einzige dazu befähigt, ihr Ayarg aus ihrer eigenen Magie zu ziehen, ebenso, wie sie die Einzigen sind, deren Ayarg die Form eines Schwertes annimmt.
Die ersten Seyn wurden 750 Jahre vor Beginn dieser Geschichte vom damaligen König Prinus versammelt. Dieser erkannte, dass die Magie der königlichen Familie eng mit der der Seyn verbunden war.
Schwörten diese dem Monarchen einen Eid, der mit einer besonderen Zeremonie verbunden ist, so können auch die Seyn die einzigartige Magie der Könige Hyrias wirken, sowie der König über jede Magie der Seyn verfügt, die ihm die Treue schworen. Seit jeher gelten die Seyn als die Beschützer des Königs und des Reiches.
Lesen Sie auch: Emmentalisches Schwingen – Rangliste
Sie halten Recht und Ordnung aufrecht und bestrafen jene, die dem Reich schaden wollen. Doch seit über 80 Jahren konnte kein Regent mehr einen Seyn unter sich vereidigen, was das Reich immer angreifbarer machte und die Regierung sich nur noch mit Mühe aufrecht hält.
Ein Lichtblick bleibt jedoch, das jüngste Heptat, jene Seyn die zu einer Generation gehören, besteht aus sieben jungen Menschen, die noch keine Pläne für ihre Zukunft geschmiedet haben und der Krone den Ausblick gewährt, zu ihrem alten Glanz zurück zu finden.
Hyria im Umbruch
Hyria im Jahr 997 - Die Bewohner Hyrias besitzen die besondere Gabe der Magie, einer Macht die ihnen seit der Geburt gewährt ist und den gesamten Alltag des Reiches bestimmt. 200 Jahre des Friedens ließen das Land aufblühen. Doch birgt dies auch seine Schattenseiten.
Der Fortschritt der Technik scheint die Magie immer weiter zu verdrängen und mit ihr den Platz der Magier in der Gesellschaft. Das Könighaus scheint der allgemeinen Unruhe im Volk nicht mehr Herr werden zu können und die ersten Rufe nach einer Demokratisierung werden laut.
Zu allem Übel tritt König Heras nach langer Regentschaft zurück und überlässt seiner gerade erst volljährig gewordenen Tochter den Thron, die sich nun allein damit konfrontiert sieht die Monarchie und damit die Ordnung im Reich aufrechtzuerhalten und den internen Machtkämpfen Einhalt zu gebieten.
Lesen Sie auch: Livestream: Schwägalp Schwinget
Doch während das gesamte Reich besorgt auf die fragile Regierung schaut, liegt der Blick der Prinzessin in der Ferne. Das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit scheint der junge Curitas Zamarell zu sein.
Dieser gehört zu jenen Auserwählten, die man Seyn nennt, eine Gruppe von Magiern deren Schicksal seit jeher eng mit dem der Königsfamilie verknüpft war. Doch seit über 80 Jahren schloss sich kein Seyn mehr der Krone an und ohne sie fehlt der Monarchie ihr wichtigster Stabilitätsfaktor.
Umso mehr hofft Prinzessin Zarah Curitas für sich zu gewinnen, doch dieser ist alles andere als entschlossen ihr einen lebenslangen Eid zu schwören.
Der Abschied des Königs
„Ich bitte euch um noch ein paar Jahre, zumindest bis zum Ende des Jahrzehnts! Lasst das Volk sich darauf vorbereiten, das kommt alles viel zu plötzlich!“ Nichts von alledem kam plötzlich, im Gegenteil, viel mehr wussten alle Männer und Frauen im Raum seit langer Zeit, dass dieser Moment unvermeidlich war.
Sie alle wussten es, wollten es jedoch nicht wahrhaben. Zu langsam, schleichend kam dieser Tag, zu einfach und bequem war es, ihn nicht zu bemerken und nun, da der Moment fassbar war blieb den Anwesenden nichts Anderes übrig als überrascht zu tun.
Der alte König hatte alle seine Minister und Berater im Thronsaal versammelt, auf dessen schwarzen Granitboden sich die späte Nachmittagssonne spiegelte. Eigentlich war dieser zu dunkel, als dass sich die Sonne, die durch die hohen Fenster schien, wirklich darin spiegeln konnte, doch hatte man die Böden mit aller Sorgfältigkeit die ein Mensch aufbringen konnte solange poliert, bis der Granit mehr einem Spiegel glich als dem rauen Stein der er war.
Und nun war die Oberfläche so glattpoliert und geschliffen, dass wenn der König nach unten blickte, sich selbst reflektieren sah. Ehe sich die Leute versahen nannte man den Thronsaal schon Spiegelsaal.
Viele bedeutende Männer standen einst auf demselben Boden wie der König es nun tat, viele bedeutende Reden, die viele bedeutende Taten nach sich zogen, wurden hier gehalten, unzählige Verhandlungen wurden hier verhandelt, Versprechen versprochen, Verkündigungen verkündet.
Und der König sollte nun eine weitere hinzufügen. Unbedeutend in Angesicht aller Ereignisse die sich im Spiegelsaal zugetragen haben, für die Frauen und Männer die der König versammelt hatte, sollte es jedoch die wichtigste Kundgebung ihres Lebens werden.
Der Monarch musste bei diesem Gedanken unweigerlich lächeln, keiner der hier versammelten war ein Magier, war nicht mit dem langen Leben gesegnet mit dem der König es war und so schienen ihm all diese Leute doch wie Kinder und er war ihr vergreister Großvater.
Ihnen allen blieben noch 20 vielleicht 30 Jahre ihres Lebens und doch war es dieser Moment, der ihr restliches Leben prägen sollte. „Denkt an ihre Hoheit die Prinzessin, hach das junge Ding hat noch keine zwei Füße vor das Schloss gesetzt, es mangelt ihr schlicht an Erfahrung!“
„Die Welt ist im Wandel meine liebe Dame, das war sie immer, das wird sie immer sein. Erfahrung ist nur noch so viel wert, wie sie Platz in der Ordnung findet. Für mich begann die Welt jedoch seit, was nicht mal wie Jahre schienen, sich immer schneller zu wandeln.
Und obwohl ich mich doch um meine schnelle Auffassungsgabe rühme, so rennt sie mir doch davon, macht es mir immer schwerer sie zu verstehen, zu sehen, was sie bewegt. Ich bin nicht mehr länger Teil dieser neuen Welt, hach, vielleicht ist es auch nicht die Welt die schneller wird, sondern ich der auf meine alten Tage langsamer werde. Mit jedem Tag der vergeht, habe ich mehr das Gefühl, dass sich die Zeit mir entledigen will...“
„Bei allem Respekt euer Majestät, wenn ihr auch nur einen Moment jemals zu vergreist wart um eine Situation richtig zu deuten, dann ist es eben dieser Augenblick in dem Ihr sprecht. Niemand im ganzen Reich kann sich auch nur anmaßen zu behaupten, er habe die Hälfte eurer Erfahrung sammeln können. Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein Examinand, der nicht einmal ein Bruchteil des Landes gesehen hat dieses besser zu verstehen vermag, als Ihr es tut!“
„Ich bin alt geworden - "„Das seid Ihr nicht!“ Der plötzlich nicht mehr alte König lächelte den Mann verständnisvoll an und nahm sich einen Moment sein Gegenüber genauer zu betrachten.
Das Gesicht des Mannes war schlaff, das graue Haar nicht mehr so wohlgepflegt und dicht wie es einst war und unter den grauen Augen zeugten dunkle Augenringe von den vielen Stunden, die der Mann im Dienste des Königs pausenlos arbeitete. Die Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen.
Der König lächelte jedoch nicht Herrn Konstanz von Mathburg, seinen Finanzminister zu, er lächelte Konstanz seinem Freund, der ihm über 40 Jahre die Treue hielt, zu. Sie alle waren ihm gute Freunde geworden, nicht einen Augenblick betrachtete er sie als seine Untergebenen, zu sehr respektierte er sie, vertraute ihren Rat.
Doch dieses Mal ließ er ihre Worte nicht an sich ran, wägte sie nicht ab bevor er entschied, formulierte keinen Kompromiss, der dann erneut kritisiert und verbessert wurde, bis alle Beteiligten sich sicher sein konnten, sie trafen die richtige Entscheidung.
Das hier war anders. Es ging nicht darum, welchem Sektor wie viel Kapital zustand, welche Straßen erneuert werden mussten oder wo wie viele Schulen gebaut werden sollten. Es ging einzig um sie selbst. Sie wollten keinen Abschied nehmen.
Denn genau das war es was der König tat, er nahm Abschied. „Und wenn es nur einen Moment gab, in dem Eure Gefühle euer Urteilsvermögen trübe, alter Freund, so war es eben dieser jene Moment.
Alle Erfahrung und Weisheit der Welt vermögen es nicht die Erde daran zu hindern sich zu drehen. Und genau so wenig kann ich den Wandel der Zeit aufhalten. Das Volk hat Angst ihren Platz in der Welt zu verlieren und klammert sich umso mehr an das ihnen alt bekannte, an mich.
Doch ich werde nicht mehr länger imstande sein die Säule zu sein, zur der sie mich machen. Ihr tut meiner Tochter unrecht, Lady Marthea, sie ist nicht das naive Kind das ihr versucht in ihr zu sehen.
Sie wuchs mit Werten auf, mit denen ich mich nicht mehr vereinbaren kann, die das Volk jedoch als Norm akzeptierte. Sie wird die Menschen auf einen besseren Weg führen als ich es könnte, denn -“, er nahm sich einen letzten Moment um jeden seiner Freunde nochmal einzeln anzuschauen, „- sie versteht den einfachen Mann besser als ich es tue.
Sie hat die Schranke, die den Adel vom Volk trennte nie erlebt. Was mir nach einem Jahrhundert an Erfahrung im Umgang mit Menschen gelang, ist für sie so natürlich wie atmen. Ich gestehe, es mangelt ihr an Übung den Staat zu führen und sie wird auf Hindernisse stoßen, die für sie allein unüberwindbar sein werden, daher bitte ich jeden einzelnen von euch umso mehr, seid ihr die Stütze, die ihr mir wart und lasst mich gehen solang ich es noch aus freiem Willen tue, dankbar und ohne Reue.“
Sie sagten nichts mehr. Die Sonne neigte sich allmählich dem Horizont entgegen. Den halben Tag hatten sie im Thronsaal verbracht, sich geweigert, gefochten und versucht ihn mit allen Mitteln umzustimmen, doch wie es dem König in über 90 Jahren Regentschaft stets gelungen war seine Mitmenschen von sich zu überzeugen, so gelang es ihm auch dieses Mal und er sprach die letzten Worte, die ihm auf der Seele lagen:
„Meine Damen und Herren, es war mir eine Ehre, vor allem aber ein Vergnügen diese alte Klappmühle die wir Staat nennen aufrecht zu halten. Jetzt ist sie nur noch euer Problem“, sagte er lachend, wie nur ein Mann ohne Sorgen lachen konnte.
An diesem Tag eilten Boten so schnell wie es ihnen nur möglich war in alle Winkel Hyrias, zu den hohen Bergen No...
