Bruce Lees Kampfkunststile: Jeet Kune Do und Wing Chun

Bruce Lee, geboren am 27. November 1940 in San Francisco, war nicht nur Schauspieler, sondern auch ein einflussreicher Kampfkünstler. Er entwickelte eigene Kampfkunstmethoden und prägte die Popkultur nachhaltig. Seine Kampfkunststile und Trainingsmethoden sind bis heute relevant.

Wing Chun: Die Basis von Bruce Lees Kampfkunst

Wing Chun, oft als "@~!~@" bezeichnet, ist ein bekanntes und weit verbreitetes Kung-Fu-System. Bruce Lee lernte Wing Chun in seinen jungen Jahren, was die Basis für seinen späteren Stil, Jeet Kune Do, bildete. Das besondere an Wing Chun ist seine Direktheit und Effizienz. Es konzentriert sich stattdessen auf geradlinige, ökonomische Aktionen. Wing Chun zeichnet sich durch ein tiefes Verständnis von Biomechanik und präziser Bewegungsführung aus.

Ein wichtiges Hilfsmittel im Wing Chun-Training ist die Holzpuppe. Sie ist ein ausgezeichnetes Mittel, um Arme und Beine effektiv zu koordinieren und die Geschwindigkeit des Angriffs zu steigern. Die Holzpuppe ist so abgestimmt, dass sie falsche Bewegungen ständig korrigiert. Das Ergebnis ist eine schnelle Zusammenarbeit von Armen und Beinen, die dem Gegner keine Chance lässt.

Jeet Kune Do: Der Weg der abfangenden Faust

Jeet Kune Do (JKD), was übersetzt "Der Weg der abfangenden Faust" bedeutet, ist eine chinesische Hybridphilosophie der Kampfkünste, die von Bruce Lee kreiert wurde. Es ist ein Konzept, das in einem Kampf auf größtmögliche Effizienz ausgerichtet ist. Die von Bruce Lee erforschten und gesammelten Kampfkunsttechniken selbst werden nach ihm Jun Fan Kung Fu (Jun Fan war der eigentliche Vorname Bruce Lees) benannt.

Bruce Lee war innovativ und wollte eine Technik entwickeln, die die Grenzen der traditionellen Kampfkünste der damaligen Zeit überschreitet. Im Jahr 1967 stellte er ein neues System vor, das realistischer war und sich auf die flüssigen Kampfbewegungen konzentriert, die ein Kämpfer in verschiedenen Kampfsituationen einsetzen kann. Er hat immer geglaubt, dass der einfache Weg des Kampfes der richtige Weg ist.

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Jeet Kune Do ist so gemacht, dass eine Person mit minimalem Aufwand extreme Schnelligkeit in einem Kampf erzeugen kann und die grösste Wirkung erzielen kann. Jeet Kune Do umfasst Boxen, Wing Chun, Grappling und sogar einige Elemente des Fechtens. Das Hauptprinzip des Systems ist als „abfangende Faust" bekannt und ermöglicht einem Kämpfer die Angriffe der Angreifer „abzufangen“ und sich mit Hilfe der Angriffsbewegungen zu verteidigen. Die Trainingssysteme konzentrieren sich ausserdem auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Kämpfer.

Beim Jeet Kune Do dreht sich alles um den Umgang mit Zeit und Energie. Das Prinzip der Bewegungsökonomie besteht darin eine hohe Effizienz zu entwickeln, bei der die Schläge in kürzester Zeit das Ziel finden und treffen. Sie werden dennoch eine hohe Kraft erzeugen und maximalen Schaden verursachen. Eine Person muss ausserdem lernen keine Energie zu verschwenden und natürliche Bewegungen diszipliniert auszuführen. Im Jeet Kune Do ist ausserdem kein Platz für komplizierte Bewegungen.

Bruce Lee's Prinzip: Was von diesen Techniken funktionierte, sollten sie zu ihrem persönlichen JKD hinzufügen (Zitat Bruce Lee: "absorb what is useful - reject what is useless"). Bruce Lee wollte seinen Schülern keinen vorgegebenen Weg zeigen, sondern sie dazu bringen ihre eigene WAHRHEIT zu finden. (Lee: "my truth is not yours and your truth is not mine") Der Sinn des JKD ist nicht den Schüler zu formen oder zu verändern, es soll auf seine Begabungen und Vorlieben eingegangen werden und ihn so nehmen wie er ist!

Die Prinzipien des Jeet Kune Do

  • Sei wie Wasser: Dieser philosophische und psychologische Ansatz konzentriert sich auf die Fähigkeit der Kämpfer in jeder gegebenen Situation richtig zu reagieren. Mit anderen Worten, eine Person muss ein hohes Bewusstsein haben und wissen, wann sie angreifen oder sich zurückziehen muss und wann sie sich schneller oder langsamer bewegen muss. Das Prinzip konzentriert sich ausserdem nicht nur auf den Kampf.
  • Bewegungsökonomie: Das Prinzip der Bewegungsökonomie besteht darin eine hohe Effizienz zu entwickeln, bei der die Schläge in kürzester Zeit das Ziel finden und treffen.
  • Gleichzeitiges Abwehren und Schlagen: Beim „gleichzeitigen Abwehren und Schlagen" geht es neben der Bewegungsökonomie darum Abwehr- und Angriffsbewegungen in einer Bewegung zu kombinieren. Eine Person minimiert auf diese Weise die Reaktionszeit und erhöht die Effektivität.

Lee glaubte, dass das Blocken eine gute Methode ist, um den Angriff zu stoppen. Aber eine Abwehrbewegung leitet den Angriff um und setzt die Energie des Angreifers gegen ihn ein, indem ein Ungleichgewicht geschaffen wird. Ein Jeet-Kune-Do-Kämpfer verbraucht auf diese Weise viel weniger Energie und gibt dem Angreifer viel weniger Zeit zu reagieren und sich gegen die Gegenangriffe zu verteidigen.

Lowkicks im Jeet Kune Do

Jeet Kune Do konzentriert sich eher auf niedrige als auf hohe Tritte. Die Schüler lernen wie im Wing Chun auf die Oberschenkel, die Bauchgegend und die Knie des Gegners zu zielen. Lee glaubte, dass es schwerer ist sich gegen Lowkicks zu verteidigen und dass sie auch Energie und Zeit sparen. Aber das ist keine strikte Regel.

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Die Bedeutung der Mittellinie

Bruce Lee hat während seiner Wing Chun-Tage wichtige Lektionen darüber gelernt, wie wichtig es ist die Mittellinie zu kontrollieren und die Angreifer zu zwingen von aussen nach innen zuzuschlagen. Andere Kampfkünste spezialisieren sich laut Lee in der Regel auf ein oder zwei Distanzen.

Die Effektivität im Kampf

Bruce Lee wollte nur Kampfkünste verwenden, die ihre Wirksamkeit im echten Kampf bewiesen haben. Er war der Meinung, dass ästhetische Techniken zwar schön aussehen, aber ihre Wirksamkeit sehr fragwürdig ist. Diese vorher festgelegten Bewegungen können darüber hinaus den Kämpfern ein falsches Gefühl von Kampfsicherheit geben. Alle Bewegungen im Jeet Kune Do sind also kampferprobt und können eine Person auf realistischere Szenarien vorbereiten.

Bruce Lees Einfluss und Vermächtnis

Jeet Kune Do erlangte grosse Popularität als es in Bruce Lees berühmtem Film „Der Mann mit der Todeskralle“ erwähnt wurde. Jeet Kune Do entwickelte sich auch in den Jahrzehnten nach dem Tod von Bruce Lee weiter. Jeet Kune Do besteht weiter und ist auch heute noch relevant. Manche der populären MMA-Kämpfer wie George St. Pierre haben Jeet Kune Do gemeistert.

Bruce Lee gab sein JKD zu Lebzeiten nur an wenige auserwählte Schüler weiter, darunter auch Schauspielgrößen wie James Coburn, Steve McQueen und Chuck Norris. Des weiteren waren seine Schüler Lees Ehefrau Linda, Ted Wong, Larry Hartsell, Bob Bremer, Taky Kimura, Jesse R. Glover, Richard Bustillo, Jerry Poteet, Dan Inosanto und noch einige mehr. Dan Inosanto war der einzige Schüler Lees, der von ihm persönlich zertifiziert wurde, Jeet Kune Do zu unterrichten.

Aufgrund seiner kritischen Ausführungen zu den traditionellen Kampfsportarten und der Tatsache, dass er jedwede Person, die den erforderlichen philosophischen Ansprüchen des JKD gerecht wurde, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft unterrichtete, geriet Bruce Lee in Amerika schnell in Auseinandersetzungen mit den traditionellen chinesischen Meistern. Diese waren der Ansicht, dass die Geheimnisse der asiatischen Kampfkünste nicht an die westliche Welt weitergegeben werden durften. Daher kam es zu einem historischen Zweikampf zwischen Bruce Lee und einem der Meister. Nachdem Bruce Lee innerhalb weniger Minuten den Meister besiegt hatte, durfte er von dem Zeitpunkt an ohne weitere Einwände die westlichen Schüler unterrichten.

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Eine der berühmtesten Techniken des JKD, die man unweigerlich mit Bruce Lee in Verbindung bringt, ist der sogenannte One Inch Punch (eine Technik, die der sogenannten „Langen Brücke“ aus dem Wing Chun ähnlich ist).

In Lees letztem Film Game of Death, den er wegen seines frühen Todes nicht zu Ende bringen konnte, sollte das Grundprinzip von JKD durchscheinen. In jedem Stockwerk einer fünfstufigen Pagode sollte eine andere Kampfkunst demonstriert werden, wobei die Anpassungsfähigkeit des JKD Bruce Lee dazu verhelfen sollte, als einziger alle Gegner zu besiegen.

Bruce Lees Trainingsphilosophie

Bruce Lee's Trainingsansatz war perfekt auf seine vielen verschiedenen Rollen abgestimmt. Functional Training half ihm, auf jede Situation mit seiner unvorstellbaren Kraft und körperlichen Ästhetik vorbereitet zu sein. Dabei hat Bruce auf das perfekte Zusammenspiel zwischen Krafttraining, Cardio und Kampftraining geachtet. Der Trainingsansatz ist aber nicht komplett ohne das Fundament, welches das hohe Trainingspensum und die Anstrengung stützen: die Ernährung. Schon früh hat Bruce Lee den enorm hohen Stellenwert der Nahrung beachtet und diese leistungsorientiert gestaltet. Die Synergie des Trainings und der Ernährung hat Bruce Lee zu einem der markantesten Schauspieler und Athleten aller Zeiten gemacht.

Um im richtigen Moment die grösstmögliche Kraft aufbringen zu können, hat er besonders in den Anfangsjahren seines Trainings viel Wert auf die Schlagkraft gelegt. Besonders die Armmuskulatur bekommt unüblich starke Aufmerksamkeit.

Einblick in Bruce Lees Trainingsplan

  • Kurzhantel Curls: 4 Sätze, max.
  • Unterarm-Curls: 4 Sätze, max.
  • Unterarm-Curls: 4 Sätze, max.

Nach diesem etwas gewöhnungsbedürftigen Trainingsplan hat Bruce jede Woche 6 bis 7 mal trainiert. Montags, mittwochs und freitags hat er dieses Workout mit seinem “König der Übungen“, Joggen, kombiniert. Ein Lauf von 4 Meilen ist seine Cardio-Einheit. Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag hat Bruce 30 Minuten Seilspringen als Warmup durchgezogen.

Um seine Kampffähigkeiten zu perfektionieren, standen jeden Tag Schlagübungen auf dem Plan. Die Art der Kampfübungen war dabei sehr kreativ. Regelmässig hat er 500 Schläge mit seinen blossen Fäusten gegen Holzpfosten oder Kieseimer geschlagen. So hat er sich kontinuierlich abgehärtet. Der Boxsack als Sparring-Partner zum Training von Kicks oder Schattenboxen für die Verbesserung seiner Schlaggeschwindigkeit sind anschliessend die Trainingseinheiten seiner Wahl gewesen.

Täglich Situps oder ähnliche Bauchmuskelübungen bis zum Muskelversagen sind fester Bestandteil seiner Routine gewesen.

  • Seitenbeugen: 5 Sätze, max.
  • Beinheben: 5 Sätze, max.
  • Rumpfbeugen (Situps): 5 Sätze, max.

Ernährung

Für eine kontinuierliche Nährstoffzufuhr soll Bruce täglich 4 Mahlzeiten zu sich genommen haben. Dabei favorisierte er immer die asiatische Küche aus seiner Heimat Hongkong. Rind, Hühnchen, Garnelen und Tofu standen regelmässig auf dem Ernährungsplan, manchmal aber auch Innereien, zum Beispiel Schweineleber, um seinem Körper nur die besten Nährstoffe zu geben. Diese wichtigen Proteinquellen hat Bruce Lee ausschliesslich mit typisch asiatischen Kohlenhydratquellen wie Reis, asiatische Nudeln kombiniert. Er empfand „westliche Kohlenhydrate“ in gebackenen Produkten (Brot, Kuchen) als leer und ohne Nutzen. Über den gesamten Tag verteilt hat er Schwarzen Tee mit Honig als zusätzliche Kraftquelle während den Trainingseinheiten getrunken. Neben Brot und anderen Backwaren hat Bruce Lee Milchprodukte vermieden. Die einzige Ausnahme war Milchpulver für seinen legendären Protein Shake oder sogar pur als Getränk während den Mahlzeiten.

Neben den nährstoffreichen Mahlzeiten achtete Bruce Lee darauf, viel Obst und Gemüse als Snacks über den Tag verteilt oder als Saft zu sich zu nehmen. Besonders Säfte waren ein wichtiger Bestandteil des Nahrungsplans. Bruce Lee wusste, dass Saft für eine bessere und schnellere Aufnahme der Nährstoffe im Körper sorgt. Die Enzyme im Saft sind dabei Katalysatoren, welche den Metabolismus und die Nährstoffaufnahme ankurbeln. Hauptzutaten der Säfte sind besonders Äpfel, Sellerie und, ganz wichtig, Karotten. Diese machten regelmässig die Hälfte seiner Drinks aus.

Supplements

Bruce Lee war ein Vorreiter in der Nutzung von Supplements. Es heisst, er habe regelmässig Magnesium, Inositol, Lecithin, Vitamin C, Blütenpollen, Vitamin E, Hagebutten, Weizenkeimöl, Acerola-C, B-Folia und pure Protein-Tabletten zu sich genommen.