Karneval: Die Fünfte Jahreszeit voller Spaß und Tradition

Karneval, Fasching oder Fastnacht - der Name des Fests ist je nach Region unterschiedlich. Überall jedoch gehören bunte Kostüme und jede Menge Spaß dazu. So wichtig ist für viele der Karneval - je nach Region auch Fastnacht oder Fasching genannt -, dass sie auch von der „fünften Jahreszeit“ sprechen. Sie beginnt am 11. Am 11.11. um 11:11 Uhr geht es los: Die „fünfte Jahreszeit“ beginnt.

So nennen Karnevalistinnen und Karnevalisten die Monate bis zum Aschermittwoch, mit dem die Fastenzeit beginnt. Als „Narren“ oder „Jecken“ bezeichnen sich alle, für die Karneval zur Lebenseinstellung gehört. Wer gerne feiert, sich selbst nicht zu ernst nimmt und ein bisschen verrückt ist, der ist „jeck“.

Auch als „Session“ ist die Zeit bekannt, was so viel heißt wie „Sitzung“ oder „Versammlung“. Im Karnevalskontext wird „Session“ nicht englisch wie im Wort „Jam-Session“, sondern deutsch ausgesprochen. Ihren Höhepunkt findet die Session im Frühling, kurz vor dem Beginn der christlichen Fastenzeit. Und obwohl in Deutschland mittlerweile nur noch wenige die Tradition der Fastenzeit verfolgen, die Party zu Karneval feiern sie trotzdem.

Regionale Unterschiede und Bräuche

Ob die Bräuche nun Fastnacht, Fasching oder Karneval genannt werden, hängt davon ab, wo man heimisch ist. Im Rheinland und weiten Teilen Norddeutschlands wird Karneval gefeiert. In anderen Regionen spricht man von Fastnacht oder Fasching.

An Karneval rufen sich die Narren lokale Feiergrüße zu: „Alaaf“ in Köln, „Helau“ in Düsseldorf, Mainz und Hessen, „Hei Jo“ in Berlin und „Ahoi“ in Bremen sind nur einige Beispiele. Achtung: Wer in der falschen Stadt das falsche Wort ruft, kann böse Blicke ernten. Die geläufigsten Rufe sind „Helau“ und „Alaaf“, oft sagt man den Namen der Stadt vorab.

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In manchen kleineren Orten ruft man etwas anderes, in den Grenzregionen teils sogar eine Mischung aus beidem - wer sich unsicher ist, fragt vor den Feierlichkeiten vorsichtig nach. Wikipedia kennt bundesweit mindestens 15 Museen zur Thematik sowie zahlreiche weitere Fakten. Die Statistik nimmt den Karneval öfter in den Fokus.

Weiberfastnacht: Ein Tag der Frauen

Zu „Weiberfastnacht“ am Donnerstag feiern, der Name verrät es bereits, vor allem die Frauen. Ähnlich wie zum Karneval selbst, gibt es auch für Weiberfastnacht verschiedene Begriffe. So heißt der Tag in Baden-Württemberg „schmotziger Donnerstag“, in Aachen (neben Köln eine weitere Hochburg des Karnevals) „Fettdonnerstag“ und dort, wo der Karneval Fasching heißt, „Altweiberfasching“.

An diesem Tag übernehmen die Frauen die Herrschaft: Auf der Straße, auf der Arbeit, oder in der Straßenbahn sollten Männer sich in Acht nehmen. Wer eine Krawatte trägt, muss damit rechnen, dass sie ihm von feierfreudigen Frauengruppen kurzerhand abgeschnitten wird.

Karneval war schon immer ein Fest, bei dem Rollentausch an der Tagesordnung war: Hierarchien wurden aufgehoben, Bedienstete feierten mit ihren Herren. Diese Tradition geht auf das Jahr 1824 in der rheinischen Stadt Beuel (heute ein Stadtteil von Bonn) zurück, als eine Gruppe von Wäscherinnen vor dem Rathaus demonstrierte, um gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren, dass sie lange arbeiten mussten, während die Männer Karneval feiern durften. Der Brauch der Wäscherinnen besteht ungebrochen bis heute.

Karnevalsumzüge: Ein Höhepunkt der Session

Der Höhepunkt jeder Karnevalssession sind die großen Umzüge in Metropolen wie Köln, Mainz und Aachen. Überall in Deutschland finden während des Straßenkarnevals bunte Umzüge statt. Jedes Dorf und jedes Stadtviertel organisiert eigene Paraden, bei denen Musik- und Tanzgruppen, Karnevalsvereine, Nachbarschaftsclubs und Schulen als verkleidete Fußgruppen oder auf eigens dafür gebauten Festwagen durch die Straßen ziehen.

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Geschmückte Wagen, deren Gestaltung Ereignisse der vergangenen Monate aufgreifen, fahren durch die Städte. Begleitet werden die Wagen von Musikgruppen, sogenannten Spielmannszügen, und von Funkenmariechen-Tanzgruppen. Die größten und bekanntesten Umzüge finden an Rosenmontag in Köln, Düsseldorf und Mainz statt. Mit bis zu 100 Gruppen sind sie mehrere Kilometer lang und dauern den ganzen Tag an.

Bei den Rosenmontagszügen geht es nicht nur ums Feiern: Besonders die Düsseldorfer Motiv-Wagen sind für ihre bissige Satire bekannt, aber auch Köln und Mainz werfen einen kritischen Blick auf Politik und Gesellschaft. Zum Kölner Rosenmontagszug kommen jährlich rund eine Million Besucher und es werden mehrere Hundert Tonnen Süßigkeiten verteilt.

Der Nubbel: Sündenbock der Narrenzeit

Wer hat Schuld? Am Faschingsdienstag wird in einigen Städten eine Strohpuppe verbrannt. Alle Sünden, die in der närrischen Zeit begangen wurden, werden symbolisch diesem „Nubbel“ (Köln), „Hoppeditz“ (Düsseldorf) oder „Bacchus“ (Ruhrgebiet) zur Last gelegt.

Steht der Aschermittwoch vor der Tür, sollen die Sünden der Karnevalstage schnell vergessen gemacht werden. Als Sündenbock muss der „Nubbel“ herhalten, eine Strohpuppe, die Dienstagnacht vor den Kölner Kneipen verbrannt wird. In einer mittelalterlich anmutenden Zeremonie geben als Priester, Mönche und Henker verkleidete Gestalten dem Nubbel die Schuld für alle schändlichen Treiben der vergangenen Tage.

Karneval: Mehr als nur ein Fest

Die Deutschen mögen dem Klischee nach ernst und diszipliniert sein, aber einmal im Jahr ist zumindest ein Teil der Republik außer Rand und Band. Wer sich zu Karneval nichts ahnend in eine der deutschen Narren-Hochburgen verirrt, dem mag es vorkommen, als stünde hier alle Welt Kopf - und liegt damit nicht ganz falsch. Als Clowns, Geister oder Einhörner verkleidete Narren singen und tanzen auf den Straßen, kilometerlange Umzüge schlängeln sich durch die Innenstädte und die Lokale sind zum Bersten voll.

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Die Wurzeln des Karnevals in Deutschland sind vielfältig: Die Germanen vertrieben die Wintergeister, bei den Römern ließen es sich während der Saturnalien Herren und Sklaven an einem Tisch gut gehen. Seit dem Einzug des Christentums wollte man vor allem in den katholischen Regionen Deutschlands vor Beginn der Fastenzeit nochmal richtig feiern. Aus dieser Zeit rühren wohl auch die Begriffe „Fastnacht“ und „Karneval“ (vom lateinischen „Carne“=Fleisch und „vale“=lebe wohl).

Gefeiert wird traditionell besonders im Rheinland mit den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz sowie in Südwestdeutschland in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Aber auch in vielen anderen Orten von Bayern bis Brandenburg ist der Karneval aus dem Jahresverlauf nicht wegzudenken.

Nun beginnt die Regentschaft der Karnevalsprinzen und -prinzenpaare, die bis Aschermittwoch das jecke Treiben regieren sollen. Wer in dieser Zeit Uniformierte auf den Straßen des Rheinlands sieht, muss sich nicht wundern: Sie gehören meist zu den traditionellen Corps der Karnevalsvereine. Die ersten Karnevalsgesellschaften wurden schon Anfang des 19. Jahrhunderts in Köln gegründet.

Die Uniformen waren an die Kleidung der napoleonischen Truppen angelehnt, die 1801-1813 das linke Rheinufer besetzt hatten. So machen sich die Rheinländer bis heute über militärische Disziplin lustig. Die Karnevalsvereine veranstalten auch die Karnevalssitzungen, die während der ganzen Session stattfinden und zum Teil im nationalen Fernsehen übertragen werden.

Hier treten lokale Musikgruppen auf - im Kölner Raum allein gibt es mehrere Hundert Bands aller Stilrichtungen, die Mundart-Musik machen - sowie sogenannte „Büttenredner“, die satirisch-politische Reden halten. Während der gesamten Session organisieren die Karnevalsgesellschaften große Sitzungen mit Musik, lustigen und häufig politischen Reden, Tanzauftritten und Funkenpräsentationen.

Statistiken und Fakten

Die meisten Menschen haben schöne Kindheitserinnerungen an Fasching. Im Jahr 2009 hielten 65 % der Befragten das jährliche Fest noch für zeitgemäß. Während 43 % der Befragten sich nichts aus Fasching machten, sahen 35 % zu und 22 % machten richtig mit. Ein Jahr später war die Veranstaltung über der Hälfte der Interviewten egal.

33 % fanden Karneval klasse und 15 % „schrecklich“. Die Teilnahmebereitschaft variiert allerdings deutlich je nach Region. Am beliebtesten ist das Ereignis bei Aktiven in Nordrhein-Westfalen. Mecklenburger, Brandenburger und Sachsen-Anhaltiner sehen dem Geschehen am liebsten zu. Bei Berlinern und Norddeutschen war Karneval am wenigsten beliebt.

Umzüge mit Wagen gefielen im Jahr im Jahr 2010 64 % der Befragten, gefolgt von Straßenkarneval, Verkleidungen, Umzügen mit historischen Kostümen und Büttenreden. Prunksitzungen bildeten das Schlusslicht des Beliebtheitsrankings. In einer Befragung von 2018 empfanden die Faschingsfans die ausgelassene Stimmung als willkommene Abwechslung vom Alltag.

Für die Beherbergungs- und Gastronomiebranche sowie den Handel ist die närrische Jahreszeit ein Millionengeschäft. 360 Millionen Euro Umsatz erwartete im Jahr 2020 allein der Einzelhandel. Für Kostüme geben Karnevalisten das meiste Geld aus. Zwischen 21 und 50 Euro war den Faschingsfans der Spaß wert.

Kinder verkleiden sich am liebsten als Prinzessin oder Cowboy. Im Jahr 2019 zählten Kostüme für Piraten, Tiere, Märchenfiguren, Clowns und Prinz/Prinzessin altersübergreifend zu den TOP 5.

Nachdem coronabedingt in einigen Saisons nicht oder mit deutlichen Beschränkungen gefeiert werden konnte, bleibt zu hoffen, dass alle, die es mögen, gesund und munter Karneval begehen können. Alaaf, Helau und viel Spaß!

Termine von Fastnacht, Fasching und Karneval 2025 im Überblick:

  • 27. Februar: Weiberfastnacht, je nach Region auch Altweiber, Weiberfasching oder Schmotziger Donnerstag genannt
  • 28. Februar: Karnevalsfreitag, auch Rußiger Freitag genannt
  • 1. März: Karnevalssamstag, auch Schmalziger Samstag genannt
  • 2. März: Karnevalssonntag, auch Rosensonntag, Tulpensonntag, Fastnachtssonntag oder Faschingssonntag genannt
  • 3. März: Rosenmontag
  • 4. März: Karnevalsdienstag, auch Faschings-, Fastnachts- oder Veilchendienstag genannt
  • 5. März: Aschermittwoch