Die Welt des Kampfsports, insbesondere Mixed Martial Arts (MMA) und Kickboxen, hat ein wachsendes Problem mit rechtsextremen Einflüssen. Ereignisse und Entwicklungen zeigen, dass Teile dieser Welt ein massives Problem rechts außen haben. Dabei gestaltet sich diese für Außenstehende sehr unübersichtlich.
Die Anziehungskraft des Kampfsports auf die extreme Rechte
Denn extrem rechte Hooligans haben die Welt des Kampfsportes für sich entdeckt. Jedoch sind nicht alle Kampfsportarten gleichermaßen interessant für extrem rechte Hooligans. Im Judo beispielsweise finden sie sich kaum, sondern eher in den Disziplinen, die dem Straßenkampf technisch am nähesten kommen: Mixed-Martial-Arts verbindet Stand- und Bodenkampf, verschiedene Schlag-, Tritt-, Griff- und Wurftechniken.
In Deutschland wurde es lange Zeit „Freefight“ genannt und ist über die vergangenen 15 Jahre stark gewachsen. Im November 2016 in Weißensee trat das extrem rechte Label "Greifvogel" aus dem südbrandenburgischen Lindenau in Gruppenstärke und einheitlicher Markenkleidung wie ein Werbeblock auf.
"Kampf der Nibelungen" - Ein zentrales Event der Szene
Auch auf dem deutschen Markt ist das Netzwerk aktiv und sponsert das extrem rechte Kampfsportevent "Kampf der Nibelungen" (KdN), auf dem Kämpfe in MMA, Boxen und Kickboxen stattfinden. Es wurde 2013 von den "Hammerskins" als "Ring der Nibelungen" ins Leben gerufen, alsbald stießen Dortmunder Neonazis zur Organisation. Seither findet das Event jährlich statt, zuerst in der Pfalz, dann in NRW sowie in Hessen.
Es wird klandestin organisiert wie ein extrem rechtes Konzert, um Störungen durch Ämter oder Proteste zu vermeiden. Auf den Plakaten wird lediglich eine Region als Ort angegeben. Dort fand das Event zwei mal im Rahmen des extrem rechten Festivals "Schild und Schwert" sowie einmal eigenständig statt. So hat sich der KdN zu einem wichtigen und regelmäßigen Event des militanten Teils der extrem rechten Szene entwickelt.
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Denn auch die Kämpfer reisen weit an: Sie kommen nicht allein aus dem Bundesgebiet von Cottbus bis Aachen, aus Bayern und Chemnitz, sondern ebenso aus Frankreich, Russland, Tschechien, Skandinavien, Österreich und der Schweiz. Im Zentrum der Veranstaltung und seiner Kämpfer stehen derweil ein faschistisches Körperideal, Werte wie Härte und Selbstdisziplin sowie die Feindschaft zum demokratischen System.
"Während bei den meisten 'Fight Nights' im bundesweiten Raum die Teilnahme des jeweiligen Sportlers allzu oft mit dem abverlangten Bekenntnis zur freien demokratischen Grundordnung steht oder fällt, will der Kampf der Nibelungen den Sport nicht als Teil eines faulenden politischen Systems verstehen, sondern diesen als fundamentales Element einer Alternative zu eben jenem etablieren und in die Breite tragen", heißt es auf der Homepage.
Zudem verstehen sich die Organisatoren zunehmend als Teil der NS-Straight-Edge-Szene. Als das Event im April 2018 erstmals nicht klandestin, sondern als Teil des extrem rechten Festivals "Schild und Schwert" im sächsischen Ostritz stattfand, diskutierten die Organisatoren vorab intern kritisch darüber, ob man vor einem zum Teil hoch alkoholisierten Publikum auftreten wolle.
Der "Kampf der Nibelungen“"ist nicht nur ein wichtiger Treffpunkt für rechte Hooligans, Neonazi-Kader und Teile der internationalen, faschistischen Kampfsportprominenz und dient zu deren Vernetzung. Er entwickelt sich zusehends zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für die Szene und ihre Akteure.
"White Rex" - Ein europäisches Vorbild
Das europäische Vorbild für die Veranstaltung ist das russische Label "White Rex" und seine Kampfsportreihen. Nikitin ist dabei europaweit vernetzt: Nicht nur baute er die genannten Kampfsportveranstaltungen mit auf, sondern bot auch Kampfsportseminare sowie Waffentrainings von Wales bis in die Schweiz an, pflegt gute Kontakte in die Fanszenen von Sparta Prag und Legia Warschau.
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2017 besuchte er zudem die Junge Nationaldemokraten Braunschweig zum Training und war als Referent im mecklenburgischen Anklam geladen. Auch beim KdN trat er als Kämpfer und Redner auf. Mit seiner Mischung aus modernen Wehrsportübungen, internationalen Netzwerken und neofaschistischer Eventkultur steht kaum jemand derart symbolisch für die Professionalisierung rechter Gewalt wie er: Nikitin ist eine zentrale Schlüsselfigur der europaweiten Netzwerke aus extrem rechten Politaktivisten und Hooligans.
Illegale Kämpfe und fehlende Regeln
In Niedersachsen hat die Polizei eine illegale Boxkampfveranstaltung mit etwa 40 Zuschauerinnen und Zuschauern beendet. Um den Ring herum standen den Angaben zufolge Dutzende Menschen, teils ohne Gesichtsmasken. Bei der Veranstaltung gab es laut Polizei sogenannte MMA-Kämpfe - die Abkürzung steht für »Mixed Martial Arts«, eine Vollkontakt-Kampfsportart.
Der illegale schwedische Straßenkampf-Veranstalter „King of the Streets“ (KOTS) organisiert brutale Wettkämpfe mit Hooligans und „Streetfightern“ aus ganz Europa. Kampfsport ist für viele Neonazis attraktiv. Die Kämpfe finden in alten Fabrikhallen und Abrisshäusern statt; auf Betonboden und mit Bauzäunen als Ring-Begrenzung. Vorkehrungen um die Sportler zu schützen, wie Ringärzte und Matten, die auch bei MMA-Kämpfen üblich sind, fehlen völlig.
Was in vielen anderen Kampfsportarten ein absolutes Tabu ist, ist bei KOTS ausdrücklich erlaubt: auf am Boden liegende Gegner darf eingetreten und eingeschlagen werden. KOTS geben an, dass sie grundsätzlich ähnlich erfahrene und ähnlich schwere Teilnehmer gegeneinander antreten lassen. Doch mit welcher Motivation setzen sich Menschen diesen Gefahren überhaupt aus?
Kampfsport- und Rechtsextremismus-Experte Robert Claus sagt gegenüber Belltower.News: „Die Preisgelder sind nicht hoch. Den Teilnehmern geht es vielmehr um eine symbolische Währung, nämlich um Anerkennung. Die erhalten sie dafür, sich gestellt zu haben und sich zu beweisen. Kampfsport ist grundsätzlich für viele Neonazis attraktiv. Die Gründe dafür sind ideologisch.
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Robert Claus erklärt gegenüber Belltower.News: „Die nationalsozialistische Ideologie ist ja grundsätzlich gewaltvoll und es geht oft um Leben als Kampf, Kämpfe zwischen Gruppen, ,Rassen und Völkern‘. Um sich auf diese Kämpfe vorzubereiten, trainieren Neonazis.“ Obwohl die Veranstalter von KOTS selbst nicht rechtsextrem sind, stören sie sich nicht an Neo-Nazi-Teilnehmern.
Kommerzialisierung und Professionalisierung
Neben gewaltaffinen Spektren der Fußballfanszenen und rechter Musikkultur haben sich Teile der Kampfsportwelt zum dritten Standbein einer erlebnisorientierten Rekrutierung der extrem rechten Szene entwickelt. Dabei geht die Kommerzialisierung des Kampfsportes in der extremen Rechten Hand in Hand mit der Professionalisierung des rechten Hooliganismus.
„In den letzten Jahren haben sich zunehmend kommerzielle Anbieter, zum Beispiel für Kleidung, Studios und Events entwickelt“, so Claus. Im Netz bietet der Club Tickets für Livestreams der Events und Merchandise-Artikel an.
So spielt neben der Feindschaft gegen Einwanderung auch Ablehnung von Modernität eine zentrale Rolle. Auch einer der Slogans von Greifvogel lautet "Strength against the modern world". Die Romantisierung der eigenen "Naturverbundenheit" bildet eine Klammer der Szene. So hat sich ein europaweites Geschäftsnetzwerk extrem rechter, professionalisierter Gewalt gebildet.
Tabelle: Beispiele für extrem rechte Labels im Kampfsport
| Label | Herkunft | Gründungsjahr | Beispiele für Produkte |
|---|---|---|---|
| White Rex | Russland | 2008 | Alltagskleidung, Kampfsportausstattung |
| Pride France | Frankreich | 2013 | Alltagskleidung, Kampfsportausstattung |
| Sva Stone | Ukraine | 2010 | Alltagskleidung, Kampfsportausstattung |
| Rodobran | Bulgarien | 2018 | Alltagskleidung, Kampfsportausstattung |
| Black Legion | Deutschland (Raum Cottbus) | 2016 | Alltagskleidung |
