Karat: Gewitterregen und die Bedeutung der Musik von Karat

Wenn es Musik gibt, die als Aushängeschild für die DDR hergenommen werden konnte, so war es die Musik von Karat. Die 1975 in der DDR gegründete Band blickt auf eine bewegte Geschichte, auf viele große Hits und auf zahlreiche Fans in Ost und auch West zurück. Die Formation zählt zu den erfolgreichsten deutschen Rockbands, ausgezeichnet mit zahlreichen Musikpreisen sowie Goldenen Schallplatten.

Im 50. Jahr ihres Bestehens schenkt sich die Rockband Karat mit „Hohe Himmel“ nicht nur ein Album mit brandneuen Songs, sondern geht auch auf ausgedehnte Jubiläumstournee. Am 22. Februar 1975 gab die legendäre ostdeutsche Band KARAT ihr erstes Konzert in Heidenau und feiert nun 50 Jahre Bandgeschichte. Trotz ihrer jahrzehntelangen Erfolge und unzähligen Hits wie „Über sieben Brücken musst du gehen“ oder „Der blaue Planet“ bleibt die Band immer noch ein kreativer Motor.

Der Gewitterregen: Ein Lied über Erinnerung und Vergänglichkeit

Von ihrer vielen Musik bliebt mir eins im Sinn. Der „Gewitterregen“ ist eins der ungewöhnlichsten Lieder, die ich jemals im Radio gehört habe. Und so blieb mir das in Erinnerung. Und Erinnerung ist das richtige Stichwort. Denn genau darum geht es in dem Lied. Die Erinnerung an eine kurze Sommer-Romanze.

Der „Gewitterregen“ befindet sich auf der zweiten Seite der LP „Über sieben Brücken“ aus dem Jahr 1979. Meine Güte, ist das ewig her. Damals hatten sich die Musiker noch etwas getraut. Und deren Plattenfirmen auch. Gut, in der DDR gab es eben nur die AMIGA. Aber allein schon diese aberwitzige Instrumentierung in dem Lied erfordert ziemlichen Mut. Leider ist das Lied aus dem Bewusstsein vieler verschwunden. Zu sehr wurde es mit dem „Blauen Planeten“ oder mit dem „Schwanenkönig“ oder mit „Über sieben Brücken musst du geh’n“ überdeckt.

Das Lied Gewitterregen von Karat erzählt von einer intensiven, aber flüchtigen Sommerliebe, die im Zeichen eines Gewitters steht. Zu Beginn beschreibt der Protagonist, wie er endlich das bekommen hat, was er sich in seinen Träumen gewünscht hat. Diese leidenschaftliche Beziehung findet in einer Sommernacht statt, die von einem Gewitter begleitet wird.

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Der Protagonist beschreibt die Schönheit der Nacht und wie verliebt er und seine Partnerin waren. Er erwähnt, dass sie den starken Regen nicht einmal wahrgenommen haben, was darauf hindeutet, dass die Liebe die Herausforderungen des Lebens überwunden hat. Jedoch ändert sich der Ton des Liedes, als der Protagonist sich an das Vergangene erinnert. Er reflektiert über den Verlust der Liebe und stellt fest, dass von dem intensiven Erlebnis kaum etwas geblieben ist.

Auf die Frage, wo sie hingegangen ist, antwortet er, dass er nur „ausgeträumt“ habe, was seine inneren Konflikte und die Vergänglichkeit der Erinnerung unterstreicht. Insgesamt steht der Regen für gemischte Emotionen - von Freude bis Trauer - während die Wolken das Gefühl von Enttäuschung und Verlust symbolisieren.

Er erinnert sich an sie, wie sie ihm vor einem Jahr Ende Sommer gab, was er von ihr wollte. Die beiden waren so verliebt und verzaubert, dass sie den Regen gar nicht bemerkten. Der Regenguß schlug hart auf sie nieder. Und Wolken zogen Richtung Süden. Aber wenn ihn jemand fragt, was daraus geworden ist, dann sagt er ohne Scheu, dass er ausgeträumt hat. Er weiß nicht mal ihren Namen, den er in der Ekstase rief. Er fällt ihm nicht mehr ein. Es ist halt vorbei. Er sieht den Regen und die Wolken. Und es ist so, als ist da noch etwas ganz weit oben. Ja, so schnell kann es gehen. Das war eine wirklich kurze Romanze.

Die Geschichte ist das Eine, die Musik ist das Andere. Wir bewegen uns hier von 7/8-Takt zu 3/4-Takt und zu 4/4-Takt. Das ist eine ganz feine Musik, die einen schwelgen und tanzen und mit dem Kopf nicken lässt. Für mich eins der schönsten Lieder, die es in der DDR gab. Dabei soll das Lied von der bulgarischen Folklore beeinflusst sein.

Die Bedeutung von Ulrich "Ed" Swillms

Die elegisch-schwärmerischen Keyboard-Klänge von Swillms, die weiche Stimme von Herbert Dreilich und die metaphernreichen Texte von Norbert Kaiser ergaben einen Dreiklang, der Karat zur erfolgreichsten DDR-Band jener Jahre machte.

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Bis zum fünften Studioalbum „Die sieben Wunder der Welt“ 1984 aber stammten fast alle Kompositionen von Swillms - darunter alle wesentlichen Stücke, von denen die Band bis heute zehrt.

Karat im Wandel der Zeit

Trotz großer Herausforderungen, Höhen und Tiefen, der Wendezeit, dem frühen Tod des Sängers Herbert Dreilich und zeitweiliger Auftrittsverbote unter ihrem Namen, behauptet Karat - heute in der Besetzung mit Sänger Claudius Dreilich, Gitarrist Bernd Römer, Schlagzeuger Heiko Jung, Bassist Daniel Bätge und Keyboarder Martin Becker - bis heute eine herausragende Stellung in der (nun) gesamt-deutschen Musiklandschaft.

Anlässlich des Jubiläums veröffentlicht KARAT ein neues Album, „Hohe Himmel“, das ausschließlich neue Songs enthält und die Band nicht als Oldie-Gruppe, sondern als dynamische, immer wieder frische Kraft in der Musikszene zeigt. Mit drei Zeilen, verpackt in ein sehr rockiges gitarrenlastiges Gewand, starten sie ihr Album 2025: Leadsänger CLAUDIUS DREILICH singt „Wir waren gestern da. Wir sind heute da. Wir sind immer noch da!“. Und WIE sie noch da sind.

Schon im 1979er Song „Gewitterregen“ wurde die Vokabel „Ausgeträumt“ verwendet, im Jubiläumsalbum. Melancholisch und mit 80er-Synthie-Sounds produziert, geht es um eine „Reise ohne Plan“ und bei der man „nie ankommt“ - wehmütig blickt der Protagonist an bessere Zeiten zurück - ein Song wie er inhaltlich und produktionstechnisch in die Glanzzeiten von KARAT gepasst hätte.

Claudius Dreilich am Mikrofon, Bernd Römer an der Gitarre, Christian Liebig am Bass, Martin Becker am Keyboard und Michael Schwandt am Schlagzeug gaben sich aber alle Mühe, dagegen anzuspielen.

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Emotional wurde es noch einmal, als Claudius Dreilich daran erinnerte, wie er als Sohn von Ur-Sänger Herbert Dreilich mit der Band groß geworden und 2004 nach dem Tod des Vaters selbst ans Mikrofon getreten ist, um ‘Karat’ weiter bestehen zu lassen: “46 Jahre, das ist eine lange Zeit voller Erinnerungen und mit vielen tollen Konzerten. Es gab aber auch viel Schatten. ‘Karat’ ist eine Band, die von sehr vielen Schicksalsschlägen gebeutelt wurde.” In der Folge war das nächste Lied auch “für Papi” gedacht - es war der Song “Mich zwingt keiner auf die Knie”.