Ist WWE Schauspiel authentisch? Eine Analyse des Wrestling-Phänomens

Wrestling ist ein Spektakel, das als Kombination aus Sport und Unterhaltung in vielen Ländern Massen an Zuschauer:innen anzieht. Es zieht als Kombination aus Sport und Unterhaltung in vielen Ländern Massen an Zuschauer:innen an.

Wrestling: Showkampf und Extremsport zugleich

Wrestling ist ein Showkampf - und trotzdem Extremsport. Wrestling heißt übersetzt Ringen. Es ist ein Schaukampf nach Drehbuch. Wer gewinnt, steht vorher fest. Wrestler:innen verkörpern Figuren. Die Kämpfe sind oft nach dem typischen Schema von Gut gegen Böse aufgezogen.

Aber: Sich etwa aus drei Metern mit einem Salto auf Gegner:innen werfen - solche Show-Einlagen erfordern ein hohes Maß an Körperbeherrschung. Beim Wrestling gibt es spektakuläre Choreografien: Teils werfen sich Wrestler:innen aus mehreren Metern auf die Gegner:innen. Es soll ja spektakulär aussehen.

Das Training: Mehr als nur Muskeln

Wer im Profi-Bereich bei den Schaukämpfen mitwirkt, muss hart trainieren - und das über Jahre. Unterhaltsam zu sein, heißt aber für Wrestler:innen: hartes Training. Denn der Kampf verläuft zwar nach Skript, doch die Profis müssen trotzdem vollen Körpereinsatz leisten.

Wrestling-Profis verbringen viele Stunden damit, Muskeln beim Body-Building aufzubauen. Sie üben verschiedene Moves ein, trainieren Kampftechniken und Sprünge. Außerdem verfügen sie über eine außergewöhnliche Körperbeherrschung, etwa um auf den Seilen im Ring zu balancieren und sich abzurollen.

Die Rolle des Schauspielers

Schauspiel-Talent ist ebenso gefragt. Wrestling-Profis beherrschen Schauspiel und Kampf-Moves zugleich. Es dauert meistens viele Jahre, bis Leute Wrestling-Profi sind. Schon beim Einlaufen in den Kampf-Ring zeigen Wrestler:innen eine einstudierte Performance.

Die Schattenseiten des Ruhms

Einige Profis überlebten ihren Show-Einsatz nicht: Owen Hart etwa stürzte bei einer Einlauf-Performance tödlich. Es besteht auch ein Risiko für Langzeitschäden durch zahlreiche Verletzungen wie Gehirnerschütterungen. Auffällig ist zudem, dass viele Wrestling-Stars schon früh an Herzinfarkten sterben. Mutmaßlich steckt dahinter Drogen- und Schmerzmittel Missbrauch in der Szene.

Kein Fake: Schlamm-Wrestling in Indien

Das traditionelle Ringen auf einem Sandplatz heißt in Indien: Kushti oder Pehlwani. Seit Jahrhunderten praktizieren Menschen diesen alten Kampfsport. Kushti ist für die Schlamm-Ringer Sport und Lebensphilosophie. In den Wrestling-Akademien gibt es auch Tempel. Der Sandboden für den Kampf wird auf hinduistische Weise gesegnet. Disziplin und Enthaltsamkeit prägen den Alltag.

Die Regeln und Rituale des Kushti

Um die Techniken zu lernen und den Körper zu stählen, besuchen junge Männer oft schon als Kind eine Wrestling-Akademie. Dort leben sie wie im Internat zusammen in einem Zimmer - und müssen sich an strenge Regeln halten. Die Profi-Ringer in Indien verzichten auf Sex, Tabak, Alkohol und Fleisch. Sie leben enthaltsam und diszipliniert. Jeden Tag absolvieren sie ihre Trainings-Routine.

Die Ringer reiben sich mit Sand ein, dem Öl beigemischt ist. Sie bewerfen sich auch mit Schlamm. Die Besonderheit ist der Sandboden. Hier ebnet ein Kushti-Ringer den Boden fürs Training.

Die Essener Wrestling Academy: Eine professionelle Ausbildung

Anfang des Jahres übernahm der 31-Jährige die Aufgabe des Head Coaches in der wXw Wrestling Academy in Essen. An dieser Sportschule lernen Anfänger*innen und Athlet*innen mit Vorerfahrung alles, um Profi-Wrestler*innen zu werden. Durch den Sport ist Dreissker auf der ganzen Welt herumgekommen, stand schon in Tokio und New York im Ring.

Die Bedeutung von Charakter und Storytelling

Während andere Sportler*innen unter ihrem richtigen Namen an Wettkämpfen teilnehmen, kreieren Wrestler*innen eigene Persönlichkeiten für den Ring. Im Wrestling geht es auch darum, Geschichten zu erzählen. Deswegen können sich Charaktere, so wie Dreissker, weiterentwickeln.

Die Wahrheit hinter den Schlägen

Vieles, das die Sportler*innen im Ring leisten, lasse sich aber nicht fälschen. “Wenn jemand vom dritten Seil runterspringt, das zwei Meter hoch ist, dann springt der da runter. Auch wir können die Schwerkraft nicht ausschalten. Die Kunst liegt darin, die Aktionen so auszuführen, dass nicht wirklich etwas passiert.”

Die Faszination des Wrestling: Mehr als nur ein Kampf

In der deutschen Wrestling-Szene gibt es viel Action. Vor der Pandemie konnten Fans sich an jedem Wochenende mindestens eine Wrestling-Show in Deutschland anschauen. Wrestling ist ein männerdominierter Sport, wird aber in den vergangenen Jahren auch verstärkt von Frauen betrieben.

Populär wurde das Wrestling-Geschehen vor allem Ende der 80er/Anfang der 90er-Jahre. Auch in Deutschland konnten Charaktere wie der Undertaker, Doink, Bam Bam Bigelow und weitere Legenden begeistern.

Die Rollenverteilung: Faces und Heels

Die Stars steigen meistens nicht unter ihrem echten Namen in den Ring. Auch charakterlich nehmen sie nur eine Rolle („Gimmick“) ein, die sich im Laufe der Karriere ändern kann. So kann ein Kämpfer zunächst auf der „guten“ Seite stehen. Dann wird er als „Face“ bezeichnet. Greift ein Akteur auf unfaire Mittel zurück oder verhält er sich anderweitig problematisch, wird er zum „Heel“, der von den Fans ausgebuht werden soll.

Die Aktionen wie Schläge werden nicht wirklich durchgezogen. Es geht im Ring also nicht zu wie etwa bei einer Kneipenschlägerei. Die Schläge, Tritte und anderen Moves werden so ausgeführt, dass sie möglichst echt wirken, den Kontrahenten aber nicht verletzen sollen.

Die kreativen Köpfe hinter den Kulissen

Die Ergebnisse werden meist von einer Person bestimmt. Im Fall der WWE ist es Triple H oder der ehemalige Eigentümer Vince McMahon, bei der AEW ist es der Business-Man Tony Khan, der sich als reicher Fan seine eigene Liga aufgebaut hat. Diese geben vor allem die Richtung vor. Die Storys selbst werden von Autoren geschrieben, die die Superstars dann umsetzen sollen.

Gespielt, aber gefährlich

Auch wenn die Ergebnisse abgesprochen sind, ist aber natürlich nicht alles nur ein Fake. Es reicht nicht, ein guter Schauspieler zu sein. Die Aktionen erfordern einen ausgezeichneten Fitness-Zustand, eine Top-Form, ein taktisches Verständnis und viel Leidensfähigkeit. Nicht umsonst gibt es vor jeder WWE-Show die Einblendung, gezeigte Aktionen nicht nachzumachen („Don't try this at home“).

Blut und Verletzungen

Manchmal bluten die Superstars im Ring. Ist das an der Stirn der Fall, ist die Blutung meistens per „Blading“ selbst zugefügt. Das soll Matches dann realer und brutaler wirken lassen. Obwohl Schläge nicht durchgezogen werden, gibt es viele schmerzhafte und spektakuläre Stunt-Einlagen im Ring. Verletzungen sind manchmal nicht vermeiden, werden aber zu keinem Zeitpunkt von Gegnern bewusst provoziert.

Das Imperium WWE: Wer steckt dahinter?

World Wrestling Entretainment begeistert Millionen Fans - aber wer organisiert die Sport-Show, wer legt eigentlich fest, wer gewinnt?Die Wrestler von WWE tragen keinen sportlichen Wettkampf im eigentlichen Sinne aus, sondern eine abgesprochene Schau zur Unterhaltung der Fans, WWE nennt es "Sports Entertainment".

Die Gründerjahre und der Aufstieg

Im Jahr 1963 wurde WWE als eigenständige Liga gegründet. Schon 1933 hatte Jess McMahon Shows im amerikanischen Nordosten veranstaltet. Dreißig Jahre später löste sein Sohn Vince McMahon Sr. (1914-1984) die Promotion, die ursprünglich Capitol Wrestling Federation hieß, zwischenzeitlich aus dem Wrestling-Dachverband NWA und gab ihr einen neuen Namen: World Wide Wrestling Federation, WWWF. Später wurde daraus die WWF (World Wrestling Federation), dann WWE (World Wrestling Entertainment).

Die Machtverteilung nach Vince McMahon

Über Jahrzehnte hinweg liefen bei WWE alle Fäden bei Vince McMahon zusammen, seit seinem Aus ist die Macht auf mehrere Schultern verteilt. Nachfolgerin als „Chairwoman“ und CEO des Unternehmens ist Vinces Tochter Stephanie McMahon. Co-CEO an ihrer Seite ist der frühere Sportmedien-Agent Nick Khan, vorher zwei Jahre lang Präsident und Finanzchef - und der Mann hinter den milliardenschweren TV- und Streamingdeals der Liga.

Das letzte Wort über das WWE-Programm hat allerdings ein anderer von McMahon geerbt: „Triple H“ Paul Levesque, Stephanies Ehemann, trifft als Verantwortlicher für den Kreativ- und Talentbereich alle Schlüsselentscheidungen zum Thema Kader, Gestaltung der Shows, Ausgang der Matches, Auswahl der Titelträger.

Die kreativen Teams und Producer

Die Storys, die bei WWE im und um den Ring erzählt werden, denken sich - in Einklang mit den Richtlinien, die die Chefetage vorgibt - die für RAW, SmackDown und Co. zugeteilten Kreativteams aus. Für die Durchführung der Matches und anderer Segmente im Ring sind so genannte Producer zuständig, früher Road Agents genannt. Es sind Ex-Wrestler wie Jamie Noble, „Hurricane“ Shane Helms und Molly Holly, die Bindeglied zwischen Autoren und Aktiven sind.

Die Gründe für die Umbenennung von WWF zu WWE

Die Abkürzung von WWWF zu WWF brachte die Liga in Konflikt mit der Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF). Eine Weile konnte er noch beigelegt werden, weil die WWF dem WWF zusicherte, sich nicht über das Kürzel, sondern über die ausgeschriebene Variante zu verkaufen.

Wrestling: Mehr als nur Show

Wrestling ist kein sportlicher Wettkampf, sondern eine Stuntshow vor Livepublikum mit Geschichten/Storylines um und zwischen den Charakteren. Wrestling ist ein Akrobatisches Spektakel, der Sieger steht zwar vorher fest, bestimmt sich aber eigentlich selber, bzw. wird von den Fans bestimmt.

Die körperliche Belastung und die Risiken

Ist die Gefahr für den eigenen Körper, der sich jeder Wrestler bei jedem Kampf aussetzt echt? JA! Ich meine hier vor allem Stürze, diese sind trotz Fallschule die gefährlichste Komponente. Und dass z. B. Chops, Kicks mit dem Schienbein auf dem Oberkörper uvm. durchgehen auf den Körper, das sollte jeder, der Wrestling jemals gesehen hat, auch geschnallt haben.

Die Vielseitigkeit der Wrestler

Wrestler sind im Grunde Performance-Künstler, die einiges aushalten und leisten müssen, damit sich der Zuschauer auch unterhalten fühlt. Wrestler sind Stuntman, Sportler, Rockstars und Schauspieler in einem.

Die Rolle des Publikums und die Interaktion

Gewinnen oder verlieren? Würden die Wrestler*innen ihre Kämpfe komplett durchchoreografieren, ginge auch ein wichtiger Faktor in diesem Sport verloren: die Interaktion mit dem Publikum. Den Zuschauer*innen gefalle es besonders gut, wenn jemand ein paar Schläge abbekomme.

Wrestling: Zwischen Sport und Theater

Tatsächlich unterscheidet sich Wrestling in einem zentralen Punkt grundsätzlich von konventionellem Sport: Während zu Beginn eines 100-m-Laufs oder eines Fußballspiels vollkommen offen ist, wer gewinnen wird, steht der Sieger beim Wrestling vorher fest.

Die Vorteile des Wrestling gegenüber traditionellem Sport

Wrestling kann in allen drei genannten Bereichen vorsorgen: Selbst wenn Favoriten siegen, sorgen Autoren dafür, dass der Weg zum Sieg mit vielen überraschenden Wendungen gespickt ist. Die Akteure sind immer auffällig und reizen zu emotionaler Anteilnahme, egal, ob zu Sympathie oder Antipathie. Und kein Wrestling-Match steht für sich allein - formal ist es in eine Dramaturgie aus Regelveranstaltungen und besonderen Events, inhaltlich in komplexe Storylines eingebunden.

Wrestling als athletisches Körpertheater

Es ist ein intensives, athletisches Körpertheater, das da aufgeführt wird - und ebenso sehr auf die Mitarbeit seines Publikums angewiesen wie das Kaspertheater für Kinder. Welche Storylines für Athleten geschrieben werden und ob sie sich überhaupt beim Wrestling halten können, hängt entscheidend davon ab, wie viel Emotion sie mit ihren Auftritten erzeugen können - egal, ob in Form von Begeisterung oder Buhrufen.

Die eigene Welt des Wrestling: Terminologie und Kayfabe

Wie bei jedem populärkulturellen Phänomen, das lange Zeit Kult für eine Minderheit war, bevor es zum Massenerfolg wurde, haben sich auch beim Wrestling früh eine eigene Terminologie und spezifische Codes entwickelt, deren Kenntnis Expertentum bewies. Der wichtigste Schlüsselbegriff zum Verständnis von Wrestling kann zwar wie alle anderen terminologischen Eigenheiten problemlos im Internet recherchiert werden, das damit gemeinte Konzept ist jedoch komplexerer Natur: Kayfabe.

Vergleicht man den Wrestling-Ring mit der Theaterbühne, fällt sofort eines auf: Die viel zitierte „vierte Wand“ fehlt. Natürlich fehlt sie allein schon deshalb, weil der Ring in der Mitte des Veranstaltungsortes steht, viel wichtiger ist aber ihr Fehlen im übertragenen Sinn: Ein Teil der Kampfhandlung findet regelmäßig außerhalb des Rings statt, Ansprachen an das Publikum sind ebenso ein zentrales Inszenierungselement wie die Interaktion zwischen Publikum und Ring durch Anfeuern oder Beschimpfen.

Die Inszenierung von Männlichkeit im Wrestling

Eines hat sich beim Wrestling jedoch nicht verändert: Egal, welches aktuelle Thema vordergründig in den Matches verhandelt wird, zentral bleibt ein anderes. Wrestling schafft es, gleichzeitig eine Parodie von Männlichkeitskonzepten aufzuführen und Männlichkeitskonzepte beispielhaft zu repräsentieren