Um den Ursprung des Karate ranken sich diverse Mythen und Geschichten. Als sein Geburtsort gilt die Insel Okinawa, die damals Teil des Königreichs Ryukyu war, und seit 1875 offiziell zu Japan gehört. Karate stammt ursprünglich aus Okinawa, wo sich aus chinesischen und einheimischen Kampftechniken im 17. Jahrhundert die waffenlosen Stile des «Te» (jap. Hand) entwickelten.
Wann die Kampfkunst, die auf Okinawa «Te» (deutsch «Hand») genannt wurde, zum ersten Mal aufkam, ist aufgrund fehlender Aufzeichnungen nicht sicher. Es wird jedoch angenommen, dass sie sich vor etwa 500 Jahren unter dem Einfluss chinesischer und indischer Mönche entwickelte. Als König Shoha die Region nach jahrzehntelangen Kriegen vereinigte und ein Gesetz erliess, das den Besitz und die Verwendung von Waffen verbot, wurde die waffenlose okinawanische Selbstverteidigung praktiziert.
Als Okinawa in den frühen 1600er Jahren erobert und unter die Herrschaft des japanischen Shogunats gebracht wurde, blieb das Gesetz der Waffenlosigkeit bestehen. Die waffenlose Kampfkunst «Te», die zum Schutz des Landes gelehrt wurde, entwickelte sich weiter, wurde jedoch später verboten und deshalb im Geheimen praktiziert, perfektioniert und gelehrt. Aus dieser Zeit gibt es keinerlei Aufzeichnungen über die okinawanische Selbstverteidigung.
Es ist anzunehmen, dass es Kämpfe gibt, seit Lebewesen die Erde bevölkern. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass sich auch beim Menschen schon früh Kampfformen entwickelten. Bereits vor 6000 Jahren sollen Karate ähnliche Techniken in Ägypten ausgeübt worden sein, wie alte Darstellungen belegen. Auch in Babylon wurden Blocktechniken und Griffe praktiziert. Das griechisch-römische Ringen und das griechische „Pankration“ waren weitere alte Kampfformen. Bei „Pankration“ handelt es sich um eine Kampfkunst, welche fast keine Regeln hatte, und daher Tritte, Schläge und Würfe ausgeführt werden konnten.
In China wurde schon in der Shang-Dynastie (1450-1050 v. Chr.) eine Kampfkunst namens „Kempo“ praktiziert und in der folgenden Zeit weiterentwickelt. In der Liang-Dynastie (506-550 n. Chr.) soll der indische Mönch Bodhidharma nach China gereist sein und sich im Shaolin Kloster auf dem Hao-schan Berg niedergelassen haben.
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Es lässt sich nicht klar beweisen, dass dieser Bodhidharma wirklich existiert hat, da aus jener Zeit nur ein Augenzeugenbericht existiert, in welchem von ihm die Rede ist. Dennoch wird an dieser Stelle sein Einfluss auf die Kampfkünste erzählt, da er nach Meinung einiger Historiker als Urvater vieler Kampfkünste gilt. So soll Bodhidharma verschiedene Gesundheitslehren und Kampfformen unterrichtet haben, welche sowohl den Körper wie auch den Geist schulen sollten. Sie dienten ursprünglich nicht dem eigentlichen Kampf. Der Name dieser Formen war „Shaolin Kempo“.
Diese Kampfkunst soll die erste harte, äussere Kung Fu Schule Chinas gewesen sein. Bodhidharmas Kampfformen vermischten sich mit der Zeit mit bereits in China praktizierten Formen. Dies führte dazu, dass viele verschiedene Kampfstile in China verbreitet und immer weiter entwickelt wurden. In China gab es unzählige Kriege, in welchen die Kampfkünste von den Ausübenden in realer Umgebung angewandt werden konnten.
Die Meinung der Historiker geht beim Einfluss Chinas auf die Entstehung der Kampfkünste auf der Insel Okinawa auseinander. Einige behaupten, dass erst durch die Ankunft der Chinesen Kampfkünste auf dieser Insel verbreitet wurden. Die neuere Forschung geht jedoch davon aus, dass schon vorher eine Kampfkunst namens „Te“ oder auch „Okinawa-Te“ auf der Insel existiert hatte. Es war wohl eine Mischform aus beidem: Eine Kampfkunst existierte bereits und wurde durch die Berührung mit den chinesischen Formen verändert. Dieser kulturelle Austausch war an vielen Punkten der Geschichte der Kampfkünste geschehen und gehört auch heute noch zur Philosophie der Meister: Man kann von allen und allem lernen.
Die Kampfkunst „Te“ wurde nur an wenigen Schulen ausgeübt und oft ausschliesslich von Meister zu Schüler weitergegeben. Bereits damals existierten verschiedene Formen des „Okinawa-Te“: Eine soll auf der Tradition von Fischern (kraftvoll, starke Armbewegungen) und eine auf der von Landwirten (tiefe Stellungen) basiert haben. Diese beiden Gruppen machten zudem von ihren spezifischen Werkzeugen Gebrauch, indem sie diese im Kampf als Waffen benutzten. Die Bewohner Okinawas mussten sich ohne Waffen oder nur mit Alltagsgegenständen gegen die Unterdrückung durch neue Herrscher wehren.
Als auch die waffenlose Selbstverteidigung verboten wurde, konnten die Meister ihr Wissen nur noch im Geheimen weitergeben. In der Nacht unterrichteten diese von der Bevölkerung respektierten Meister ihre wenigen Schüler. Die alte Kampfkunst war in erster Linie aufs schnelle Töten ausgerichtet. Dazu war volle Konzentration und Identifikation mit den Techniken nötig. Die Abhärtung des Körpers gehörte auch zum Training.
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Viele Jahre wurden die Kampfkünste weiterentwickelt, und verschiedene Stile breiteten sich in Okinawa aus. Seit 1875 gehörte Okinawa offiziell zu Japan, was eine Öffnung der Insel mit sich zog. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Kampfkünste wieder offiziell praktiziert werden. Diese Entwicklung zum Schulsport markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Kampfkünste. War bis anhin das Töten des Gegners das eigentliche Ziel, wurde neu die körperliche und charakterliche Schulung in den Vordergrund gestellt.
Des Weiteren wurden die Kampfkünste einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Zu jener Zeit kam auch die Bezeichnung Karate auf. Übersetzt wurde es zuerst mit „chinesischer Hand“, aufgrund der Hochachtung, die China in Okinawa genoss. 1922 änderte Gichin Funakoshi, der Begründer des Shotokan-Karate, die Bezeichnung definitiv in Karate um.
Funakoshi wurde 1868 in Okinawa geboren und war der Begründer des modernen Karate. In seinem Drang die Kampfkunst öffentlich vorzuführen, war er der Erste, der Karate ausserhalb Okinawas präsentierte: 1917 in der Stadt Kyoto in Japan. Funakoshi wurde weitere Male nach Japan eingeladen, was den Siegeszug des Karate als Kampfsportart einläutete. Das Ziel Funakoshis Karate war die Vervollkommnung des Charakters, zur Einheit von Körper und Geist.
Die japanische Oberschicht interessierte sich stark für die von Funakoshi gelehrte Kampfkunst und überzeugte diesen in Japan zu bleiben und sie zu unterrichten. Andere berühmte Meister aus Okinawa folgten Funakoshi nach Japan. Funakoshi legte grossen Wert auf die Einbindung der Philosophie in seine Kampfkunst. Die Idee des Tötens des Gegners mit einem gezielten und harten Schlag mit einer einzigen Technik stand für Gichin Funakoshi in jener Zeit immer noch im Mittelpunkt, obwohl die Unterteilung in Kihon, Kata und Kumite bereits vollzogen worden war.
Das erste von Funakoshi im Jahr 1939 eingeweihte Karatedojo hatte „Shotokan“ („Shoto“ war Funakoshis Künstlername, „kan“ bedeutet übersetzt Haus, „Shotokan“ demnach Haus des Shoto) als Inschrift über dem Eingang, was fortan auch als Stilbezeichnung benutzt wurde. Auch in hohem Alter unterrichtete er noch, musste aber nach und nach das Feld seinen Schülern überlassen.
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Funakoshis Sohn Yoshitaka und andere Meister entwickelten mit der Zeit folgende Kumiteformen: das Gohon Kumite, Kihon Ippon Kumite, Jiyu Ippon Kumite und das Jiyu Kumite. Diese Formen dienten der Hervorhebung der Selbstverteidigung im Karate, da bis anhin vor allem die Ausübung der Kata und die Stärkung des Körpers im Vordergrund standen.
Während des Zweiten Weltkriegs ging die Entwicklung der Kampfstile in Japan nur schleppend voran. Karate wurde nach der Niederlage Japans von den amerikanischen Besetzern sogar verboten. Viele amerikanische Soldaten lernten während ihrer Zeit in Japan Karate und brachten die Kampfkunst nach dem Krieg in die Vereinigten Staaten zurück. Sie gründeten ihre eigenen Dojos und holten später japanische Instruktoren und Meister in ihr Land um Karate zu verbreiten.
Shotokan wurde unter einem Schüler Funakoshis namens Masatoshi Nakayama, vor allem in wissenschaftlicher Hinsicht, weiterentwickelt. Des Weiteren wurden 1957 die ersten Alljapanischen Meisterschaften in Karate durchgeführt, nachdem ein Regelwerk über das freie Kämpfen aufgestellt werden konnte. Andere Kampfsportarten wie Judo und Kendo hatten schon vorher dieses Kämpfen nach Regeln eingeführt.
Da Karate nicht mehr zum Töten des Gegners benutzt wurde, sondern neu als Kampfsport galt, stellte die Einführung des freien Kämpfens eine Möglichkeit der Gegenüberstellung der Fähigkeiten von Karate-Kämpfern dar. Dieses freie Kämpfen war ein weiterer Grund, der für den weltweiten Siegeszug des Karate sorgte.
Anfang des 20. Jahrhunderts formten sich in Japan die vier Hauptstile Shotokan, Wado-Ryu, Shito-Ryu und Goju-Ryu. Diese verbanden Technik und Selbstverteidigung mit dem ethischen Erbe des Bushido und der Philosophie von Zen, Shintoismus und Konfuzianismus.
In den 1950er-Jahren faszinierten japanische Meister mit Karate-Demonstrationen ein internationales Publikum. Das führte zu einer raschen weltweiten Verbreitung. In der Schweiz wurde 1957 die erste Karateschule gegründet. Parallel zum sportlichen Aufbau verankerte die SKF Karate in der Schweizer Sportförderung: mit Jugend+Sport, Erwachsenensport (esa) und einem modernen Leistungssystem (FTEM). Sie engagiert sich für eine innovative Nachwuchsarbeit, eine ethisch fundierte Leistungskultur und die Weiterentwicklung des Karate als Bildungs- und Bewegungskunst.
Der 1868 geborene okinawanische Karatemeister Funakoshi Gichin widmete sein ganzes Leben der Förderung der Werte der Kampfkunst. Er gründete das heute bekannte Karate im Shotokan-Stil und betrachtete die okinawanische Kampfkunst nicht mehr nur als Mittel zur Selbstverteidigung, sondern als Werkzeug, um Körper und Charakter zu stärken. Schliesslich brachte Funakoshi Gichin die okinawanische Kampfkunst nach Japan.
Er präsentierte das «Te» in offiziellen japanischen Regierungskreisen, wo es grossen Anklang fand und daher in der Folgezeit auch weiterhin entsprechend gefördert wurde. Die Begrifflichkeiten wurden angepasst - japanische Namen ersetzen die okinawanischen Techniken und Kata. So wurde die ursprüngliche, okinawanische Bezeichnung «Te» zum japanischen «Kara-te», was «Leere Hände» bedeutet.
Durch Funakoshi Gishin erfuhr das Karate auch eine Transformation hinsichtlich der Strukturierung von Trainingsmethoden (z.B. Kumite). Mit dem Erfolg in Japan und der Eindringung in akademische Bildungseinrichtungen verbreitete sich Karate aus Japan in die ganze Welt. Funakoshi Gichin gilt als Begründer des modernen Karate-Do, hatte selbst jedoch einen unverkennbaren Stil entwickelt, der später die Bezeichnung «Shotokan» erhalten sollte.
Funakoshi Gishins Anhänger gründeten 1949 eine Vereinigung zur Förderung des Karate - dies war die Geburtsstunde des Japanischen Karateverbands, der 1967 die erste offiziell anerkannte Karate-Vereinigung in Japan wurde. Die Japan Karate Association ist einer der wichtigsten Wegbereiter des Karate von Japan in alle Welt und hat ihren Hauptsitz in Tokyo. Die JKA definiert sich als "Bewahrerin der höchsten Tradition des Karate". Heute dient Karate als Selbstverteidigung und Mittel zur Gesunderhaltung des Körpers.
