Der Unterschied zwischen Judo- und Karateanzug

Jeder Kampfsportler benötigt früher oder später einen passenden Anzug. Doch was macht diese Bekleidung aus und worauf sollte man achten? Dieser Artikel dreht sich rund um den Karate-Anzug im Vergleich zum Judo-Anzug.

Begriffserklärung

In der Welt des Karate existieren verschiedenste Bezeichnungen für einen Karate-Anzug. Der Ausdruck "Keiko-Gi" bezeichnet in Japan einen normalen Trainingsanzug, der im Ausland jedoch vorzugsweise als Oberbegriff für die traditionelle Bekleidung in den japanischen Budo-Künsten verwendet wird. Obwohl "Keiko-Gi" international weit verbreitet ist, lautet der korrekte Ausdruck für die traditionelle Budo-Bekleidung eigentlich "Do-Gi". Etwas spezieller geht es z.B. mit den Begriffen "Aikido-Gi", "Judo-Gi" oder "Karate-Gi", die sich einerseits aus der praktizierten Kampfkunst und der Silbe -Gi zusammensetzen. Kampfkünstler untereinander, benutzen auch oft nur die Kurzform von Karate-Gi, nämlich "Gi".

Geschichte des Karate-Anzugs

Als Funakoshi zum ersten Mal nach Japan ging, um dort Karate zu unterrichten, trugen die meisten Okinawischen Lehrer immer noch Schärpen, die an der linken Hüfte gebunden waren. Das tropische Klima Okinawas veranlasste viele Schüler dazu mit freiem Oberkörper zu trainieren. In der Sommerhitze manchmal sogar nur in Unterhosen oder gar einem Lendentuch. Da der Norden Japans hingegen kalte Winter hat, musste dort eine andere Lösung gefunden werden. Die Judo-Anzüge die Jigoro Kano im Kodokan (die älteste Jūdō-Schule der Welt) entwarf, wurden angepasst und ein vernähter Gürtel eingeführt.

Die japanischen Schwarz-Gurte schufen im Laufe der Zeit den neuen Stil des Karate-Anzugs, der heute weltweit genutzt wird. Dieser wird von einem doppelt um die Hüfte gewundenen Gürtel, der unter dem Nabel verknotet wird, zusammen gehalten.

Allgemeines zum Karate-Gi

Zwischen dem Aikido-Gi, Judo-Gi, Karate-Gi, etc. gibt es nennenswerte Unterschiede im Bezug auf Stoffgewicht, Schnitt und Farbe. Wie bei allen Do-Gi besteht der Karate-Gi aus einer Jacke (Uwagi), einer Hose (Zubon) mit Schnür- oder Elastikbund und einem Gürtel (Obi). Ein Karate-Gi ist robust und strapazierfähig und wird in verschiedenen Dicken (Stärken) angeboten. Die meisten Anzüge sind aus Baumwolle gefertigt, es gibt aber auch Ausführungen mit synthetischen Anteilen. Die traditionelle Farbe ist weiß. In einigen Stilrichtungen werden schwarze Anzüge bevorzugt, gelegentlich kommt auch eine schwarz-weiß-Kombination vor.

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Der Gi wird im Karate immer getragen, egal bei welchen Trainings- und Wettkampfaktivitäten. Das Falten der Jacken-Ärmel bis zu den Ellenbogen ist im Training erlaubt, an Turnieren meistens nicht.

Unter dem Karateanzug wird bei Männern generell nur die Unterhose getragen, bei Frauen auch Unterhemd/T-Shirt/Sport-BH. Wenn es um das Anziehen der Gi-Jacke geht, sind Anfänger zunächst leicht verwirrt. Die linke Seite des Gi muss immer über der rechten Gebunden werden. Auf der linken Brust des Gi befindet sich dann oft auch das Schullogo oder die Stilrichtung des Karateka (Eselsbrücke: das Logo darf also nicht verdeckt sein.).

Aber es gibt auch Ausnahmen: Bei Traueranlässen, wie Tod eines Schülers oder Trainers, wird die Gi-Jacke auf Anweisung des Trainers rechts gefaltet, damit das Schullogo halb verdeckt ist. Dies ist ein symbolischer Akt und Zeichen der Trauer.

Im Kyokushin Karate, anderen Karate-Stilen und vielen anderen Kampfkünsten tragen wir besondere Kleidung, die wir auf Deutsch „Anzug“ nennen. Fest steht, dass es eine sehr passende Kleidung für Karate ist, in der wir uns sehr gut und ungehindert bewegen können, der uns warm hält und zur selben Zeit den Schweiß gut aufnimmt. Der Karateanzug ist aber mehr als eine bequeme „Thermowäsche“ für den Sport. Er ist die Art von Ausrüstungsgegenstand, die uns hilft, besser Karate zu trainieren.

Bewegungsfreiheit können wir Techniken besser auszuführen, haben mehr Kontrolle und manchmal hilft er uns auch Techniken zu verstecken (durch den weiten Schnitt). Außerdem hat er keine Knöpfe oder Reißverschlüsse, was das Verletzungsrisiko senkt.

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Der Gürtel ist so konstruiert, dass dein Kimono eng bleibt. Der Knoten hat aber auch zusätzlich eine weitere Funktion. Er übt Druck auf dein Hara (Körpermittelpunkt) aus, wo die Japaner glauben, dass sich unsere Lebenskraft und Seele befindet. Medizinisch ist es unser Körperkern, was wir im Sport auch Core nennen. Es ist der Punkt, wo alle Spannung im Körper drüber ausgeht und was wir im Karate besonders trainieren.

In Weiß erinnert der Dogi uns auf eine symbolische Weise daran, dass wir alle gleich sind, obwohl unsere Gürtel unterschiedliche Farben haben (stammt aus dem Judo und wurde im Karate übernommen). Weiß ist die Farbe von Reinheit, Unschuld, Licht, Güte, Himmel, Sicherheit, Brillanz, Erleuchtung, Verständnis, Sauberkeit, Glauben, Anfängen, Spiritualität, Demut, Aufrichtigkeit und Schutz. Das alles soll der weiße Anzug symbolisieren und uns auf unseren gemeinsamen Karate-Weg eins machen. Unabhängig von unserem Gürtel sind wir im Karate alle gleich viel wert, müssen alle lernen und sollen alle füreinander da sein. Durch die einheitlichen Anzüge ist es egal, wo du her kommst, wieviel Geld du hast, welchen Glauben du lebst und aus welcher Kultur du kommst.

Unser Dogi hat außerdem noch das Japanische Zeichen für „Kyokushinkai“ auf der linken Brust. Das wurde später von Sosai Mas Oyama, unserem Begründer, hinzugefügt. Das Zeichen ist nicht nur Dekoration. Es ist ein starkes Symbol mit Bedeutungen, das unser Gi in ein besonderes Kleidungsstück verwandelt. Unser Dogi wird zu einem äußeren Zeichen der Zugehörigkeit und soll uns erinnern, was Kyokushinkai Karate ist. Wir sollen unseren Karate-Dogi mit Würde und Respekt tragen.

Besonderheiten und Unterschiede

Der Karate-Gi ähnelt dem Judo-Gi, was auf deren gemeinsamen Ursprung zurückzuführen ist. Der unterschied besteht darin, dass der Karate-Anzug einen weiteren Schnitt hat und aus weniger starkem Stoff gefertigt wird, da die "Gi-Belastung" im Karate eher gering ist. Der Anzug ist in Schnitt, Passform und Eigenschaften für Training und Wettkampf im Karate optimal gestaltet. Der feste, dicke Stoff ist besonders saugstark und sorgt für eine gute Kühlung. Ein weiter und leicht "verkürzter" Schnitt ermöglicht einen weiten Aktionsradius und verhindert, dass man sich bei einer Technik im Stoff "verheddert".

Ein Judoanzug und ein Karateanzug unterscheiden sich in mehreren Aspekten:

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  • Material: Ein Judoanzug besteht in der Regel aus schwerer Baumwolle, während ein Karateanzug aus leichterem Baumwoll- oder Polyester-Material besteht.
  • Schnitt: Ein Judoanzug hat eine weitere und lockerere Passform als ein Karateanzug. Dies ermöglicht eine größere Bewegungsfreiheit und erleichtert das Greifen und Werfen des Gegners beim Judo.
  • Farbe: Judoanzüge sind in der Regel weiß oder blau, während Karateanzüge in weiß, schwarz oder manchmal auch in anderen Farben erhältlich sind.

Qualität und Varianten

Die Qualität eines Karate-Gi richten sich nach der Dicke des Baumwollgewebes, sprich: nach der Stoffstärke. Die Stoffstärke wird in Unzen (1 oz = 33,9 g/m²) angegeben und variiert zwischen ca. 5 oz und 18 oz (170 g/m² und 610 g/m²). Die Preise sind abhängig von der Größe, der Qualität und letztendlich vom Hersteller. Die Preisspanne ist von ca. 15,00 € - ca. 300,00 € aufwärts immens.

Anfänger mit einem 12 oz starken Karate-Gi liegen im guten Mittelfeld, da der Anzug weder papierdünn, noch zu steif ist. Ein 14 oz starker Anzug ist teurer und wesentlich steifer, kühlt jedoch besser und ist reißfester. Paradoxerweise fühlt man sich in einem Gi aus dickem Stoff besser gekühlt als in einem Gi aus dünnem Stoff.

Das liegt daran, dass Karateanzüge aus dickem Gewebe den Schweiß besser aufnehmen und verteilen kann und der Kühlungseffekt durch Verdunstung stärker und großflächiger auftritt. Ebenfalls charakteristisch für den Gi aus starkem (dickem) Gewebe ist der "Peitschenknall" nach schnellen, korrekt ausgeführten Karate-Techniken. Das letztere ist vor allem für Wettkämpfer interessant, da ein besseres akustisches Feedback an Turnieren vorteilhaft sein kann.

Obwohl alle Karate-Gi nach den gleichen Grundschnitt gefertigt werden, gibt es auch dort Unterschiede, je nach Karate-Stil und die bevorzugte Verwendung (Kata, Kihon, Kumite,...). Beispielsweise hat ein Gi im Kata-Schnitt einen längeren "Rock", sowie kürzere und weitere Ärmel und Hosenbeine als ein Gi im Kumite-Schnitt.

Pflege des Karate-Gi

Wenn man sich einen Gi kauft, wird des öfteren eine Pflegeanleitung beigelegt, an der man sich richten sollte. Wer keine Anleitung besitzt und keine Erfahrung hat, dem könnten die folgenden Hinweise helfen:

Wichtig ist, den Gi nicht zu heiß zu waschen, da er sonst unerwünscht eingeht. Zu beachten sind dabei die Angaben auf dem Etikett. Grundsätzlich sollte der Gi das erste Mal bei 30°C gewaschen werden, danach ist ein Waschgang bis zu 60°C möglich. Es sollten auf keinen Fall Bleichmittel, Waschmittel mit Entkalker oder mit Bleichmittelzusatz verwendet werden, da diese den Stoff brüchig machen und das Gewebe zerstören. Das Trocknen des Anzugs in einem Wäschetrockner ist ebenfalls ein tabu.

Doch egal wie sehr man sich sich auch um die richtige Pflege bemüht, der Anzug läuft immer bis zu eine Hand breit ein. Wer sich schwer tut, sollte über ein Gi aus Mischgewebe nachdenken, da dieser leichter zu Pflegen und unempfindlicher ist, als einer aus reiner Baumwolle. Der Gi muss übrigens nicht nach jeder Trainingseinheit in die Waschmaschine, sollte aber immer gut durchtrocknen.

Tipps zur Anpassung

Ist der Karate-Gi noch etwas zu groß, kann er mit erstmaligem heißem Waschen zwischen 60°-95° und (ausnahmsweise) anschließendem Tumblern gekürzt werden. Bei Kindern und Jugendliche empfiehlt sich das umnähen der zu langen Ärmel und Beine.

Beispielhafte Karate-Anzüge

  • KWON CLUBLINE Karateanzug Junior / Basic: Der sehr gut verarbeitete KWON CLUBLINE Karateanzug Junior / Basic ist aus einem leichtem Mischgewebe. Der preiswerte Anzug mit elastischem Hosenbund hat einen speziell für Kinder und Jugendliche entwickelten Schnitt. Der Karateanzug wird inklusive weißem Gürtel geliefert.
  • KWON CLUBLINE Karateanzug Shadow: Der leichte KWON CLUBLINE Karateanzug im traditionellen Schnitt ist aus 100% Baumwolle und solide verarbeitet. Die Hose besitzt einen eingearbeitetem Kickzwickel und einen Elastikbund.
  • IPPONGEAR Karate Anzug: Ideal für Kinder und Einsteiger inklusive weißem Gürtel. Dieser Einsteiger Karateanzug verfügt bereits über ein sehr dichtes und hochwertiges Material, welches weniger durchsichtig ist als vergleichbare Einsteiger Karateanzüge anderer Hersteller. (Materialdichte ca 8 oz / 220gr/m²)Das Mischgewebe aus Baumwolle (48%) und Polyester (52%) bietet zahlreiche Vorteile.

Beispielhafte Judo-Anzüge

  • KWON CLUBLINE Judoanzug Randori: Der KWON CLUBLINE Judoanzug in mittelschwerer Ausführung ist weiß gebleicht und einfach gewebt. Die Jacke und Hose sind bei dem KWON CLUBLINE Judoanzug Randori mehrfach vernäht, eine zusätzliche Verstärkung befindet sich an den Schultern, im Brustbereich und den Knien.
  • KWON CLUBLINE Judoanzug Junior mit Schulterstreifen: Der funktionelle und sauber verarbeitete Judoanzug Junior aus der KWON CLUBLINE-Serie ist speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt. Der Anzug aus 100% Baumwoll-Canvas (keine Reiskornwebung ) besitzt ein attraktives Schulterstreifendesign. Die Hose mit Elastikbund hat im Kniebereich eine zusätzliche Verstärkung, ebenso ist die Jacke an der Brust zusätzlich verstärkt .Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.