Das emotionale Comeback von Mickie James beim WWE Royal Rumble

Mickie James kehrt im Jahr nach ihrer unrühmlichen Entlassung im Vorjahr beim Royal Rumble in den WWE-Ring zurück - und wird begeistert empfangen.

Die Szene war nur einige Sekunden lang - doch sie war der größte Paukenschlag des Wrestling-Wochenendes.

Mickie James, sechsmaliger Damen- und Divas Champion bei WWE, kehrt beim Royal Rumble 2022 für ihren früheren Arbeitgeber in den Ring zurück.

An sich ist das keine Sensationsnachricht, denn Comebacks mit Nostalgie-Faktor sind bei der Traditionsshow üblich - auch Brie und Nikki Bella, Lita, Undertaker-Ehefrau Michelle McCool, Kelly Kelly und Summer Rae werden bei dem 30-Frauen-Match um einen Titelkampf bei WrestleMania 38 wieder mitmischen.

Das Besondere sind die Umstände: James ist amtierender „Knockouts Champion“ des ehemals größten WWE-Rivalen Impact Wrestling (früher: TNA), was in der WWE-Show SmackDown auch erwähnt wurde.

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Das „Forbidden Door“ ist in den vergangenen Jahren zum Trendwort zur Umschreibung von Wrestling-Partnerschaften, die zuvor wie ein Tabu erschienen waren.

Es wurde populär bei der Anbahnung der Beziehung zwischen AEW und der japanischen Traditionsliga NJPW, die dem Anfang 2019 gegründeten WWE-Konkurrent anfangs ablehnend gegenübergestanden war.

AEW-Boss Tony Khan hatte sich dagegen immer als offen für andere Ligen präsentiert, war in den vergangenen Jahren auch Kooperationen mit der Mexiko-Liga AAA und eben auch Impact eingegangen.

Im Zuge der kürzlich ausgelaufenen Zusammenarbeit gab es einen größeren Talent-Austausch, die AEW-Stars Kenny Omega und Christian Cage regierten zwischenzeitlich bei Impact als World Champions.

WWE kooperierte auch früher mit anderen Ligen. WWE ist für solche Art von Kooperationen weniger bekannt, Ligaboss Vince McMahon steht im Ruf, die Fans nur ungern mit der Nase darauf zu stoßen, dass es eine Wrestling-Welt außerhalb seiner eigenen gibt.

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Wobei das auch keineswegs immer so war. Auch WWE hatte in den Neunzigern eine Zusammenarbeit mit AAA, in deren Zuge diverse Stars der Mexiko-Liga unter anderem am Royal Rumble 1997 teilnahmen.

Auch mit diversen Japan-Promotions hatte McMahon in den Achtzigern und Neunzigern kooperiert.

Alle Zusammenarbeiten hatten jedoch eins gemeinsam: Die Ligen, für die WWE offen war, waren keine direkten Konkurrenten: Sie operierten in einem anderen Kernmarkt - oder in einer klar definierten Nische.

In den Neunzigern kooperierte die damalige WWF etwa mit den regionalen Südstaaten-Ligen SMW und USWA, der frühen ECW von Paul Heyman oder auch dem früher mächtigen Ligenverbund NWA - der damals seine goldene Zeit allerdings weit hinter sich hatte.

Letztlich ist der Kontext heute ähnlich: Impact ist, das zu seinen besten ein Millionen-Publikum im US-TV hatte, hatte dort zuletzt eine Einschaltquote von knapp über 100.000, in der Kernzielgruppe der 18- bis 49-Jährigen ein Rating von 0,01 - das von WWE für RAW und AEW für Dynamite war in derselben Woche jeweils 40 mal so hoch.

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Von einer echten Konkurrenz kann keine Rede sein, weshalb es WWE nicht wehtut, Werbung für Impact zu machen - während James‘ WWE-Auftritt für Impact einen großen Aufmerksamkeitsschub bedeutet.

Es könnte auch der Grund sein, warum Impact James am Wochenende bei der Show Hard to Kill ihr Titelmatch gegen die vorher als favorisiert geltende Deonna Purrazzo gewinnen ließ.

Für WWE ist die Zusammenarbeit derweil ein günstiger Imagegewinn auf mehreren Ebenen: WWE sendet ein Signal der Offenheit und vor allem auch die Botschaft „Was AEW kann, können wir auch“ - gerade auch vor dem Hintergrund der vergeblichen (und von AEW genüsslich ausgekosteten) Bemühungen, ihnen den wichtigeren Partner NJPW wegzuschnappen.

Wichtig zu wissen ist aber auch: Der Auftritt von James - die in den USA auch eine recht erfolgreiche Zweitkarriere als Countrysängerin gestartet hat - hat für WWE noch einen anderen Vorteil. Er bereinigt die peinlichen Irritationen um ihre Entlassung im vergangenen Jahr.

James hatte danach öffentlich gemacht, dass ihr ihre Sachen in einer Mülltüte hinterhergeschickt worden waren.

WWE nahm wahr, dass das ein verheerendes Bild abgab, bat um Verzeihung und entließ mehrere Verantwortliche für den Eklat.

Die langjährige WWE-Wrestlerin Mickie James hat skandalöse Umstände öffentlich gemacht, die ihre Entlassung in der vergangenen Woche begleitet haben - und damit ein größeres Beben hinter den Kulissen der Promotion ausgelöst.

Die 41-Jährige, sechsmaliger Damen- und Divenchampion beim Showkampf-Marktführer, postete am Donnerstag das Bild eines schwarzen Müllsacks, in dem ihr nach eigenen Angaben ihre persönlichen Habseligkeiten aus der Firma geschickt worden waren.

"Hey Vince McMahon", schrieb James, die vor einigen Jahren auch eine Zweitkarriere als Contrysängerin gestartet hat, dazu an den WWE-Boss: "Ich weiß nicht, ob es dir bewusst ist, aber ich habe heute mein Care-Paket von WWE bekommen. Dankeschön."

An die sarkastische Botschaft hängte sie die in diesem Kontext ebenso vielsagenden Hashtags #AlwaysBlessedandGrateful (immer gesegnet und dankbar) und #WomensWrestlingMatters (Frauen-Wrestling zählt).

Mittlerweile haben die WWE-Vorstände Stephanie McMahon (Vinces Tochter) und Paul Levesque (Triple H, Stephanies Ehemann) den Vorfall bestätigt und personelle Konsequenzen gezogen, welche die Diskussion um die Behandlung weiblicher Stars aber nur bedingt eingedämmt haben.

James selbst hat sich mittlerweile auch noch einmal zu Wort gemeldet - und ihre Motivation näher erläutert.

"Ich bin peinlich berührt, dass du oder irgendwer sonst auf diese Weise behandelt worden sind. Ich bitte um Entschuldigung, persönlich und im Namen von WWE. Die dafür verantwortliche Person ist kein Teil der Firma mehr", schrieb McMahon.

Levesque präzisierte, dass die Person "gefeuert" worden sei.

Um wen es genau ging, sagten McMahon und Levesque nicht, inzwischen ist aber klar, um wen es geht: Mark Carrano, der biesherige "Senior Director" im Bereich "Talent Relations" musste seinen Posten räumen.

Generell gab es hinter den WWE-Kulissen in dieser Woche einige veränderungen, auch die Carrano unterstellte Nicole Zeoli wurde laut Medienberichten entlassen, die vor allem als Ringrichter bekannten John Cone und Rudy Charles von ihren Aufgaben in diesem Bereich entbunden.

Inzwischen berichtet der Wrestling Observer, dass aber nur Carranos Entlassung mit dem Vorfall im Zusammenhang steht.

Nicht betroffen ist der langjährige Talentdirektor John Laurinaitis, der erst kürzlich in eine verantwortliche Position zurückgekehrt war.

Der Bruder des im vergangenen Jahr verstorbenen Road Warrior Animal hat James öffentlich um Entschuldigung gebeten und hat sich dem Observer zufolge auch an mehrere aktuelle Performerinnen gewandt, um Schadensbegrenzung zu betreiben.

Was die Angelegenheit trotz der schnellen Reaktion von WWE unangenehm macht: Andere frühere weibliche Stars berichten von ähnlichen Erfahrungen, auch die im vergangenen Jahr entlassene Maria Kanellis und die 2010 freigestellte Jillian Hall haben ihre Sachen nach eigenen Angaben in einer Mülltüte bekommen.

Kanellis' Reaktion auf die von WWE vollzogenen personellen Konsequenzen: "Wurde die Person auch aus dem Jahr 2010 gefeuert? Das ist nicht der Fehler einer einzelnen Person. Es ist ein kulturelles Problem des Unternehmens. Und es kommt von der Spitze."

Auch die zwischen 2002 und 2011 für WWE aktive Gail Kim erklärte in mehreren Tweets, entsprechende Fälle zu kennen. Es sei gang und gäbe gewesen, "auch schon bevor ich da war".

Über Carrano schrieb sie, er sei "kein guter Mensch", das generelle Problem sei aber ein größeres.

Inzwischen hat auch James noch einmal reagiert und ein differenziertes Fazit gezogen: Sie verspüre einerseits "null Stolz und Freude", dass jemand seinen Job verloren hätte, sie hätte Carrano als "Freund" betrachtet.

Auch unterstelle sie niemandem bei WWE böse Absicht. Allerdings könne der "Symbolcharakter dieser Sache" nicht bestritten werden.

"Es tut mir leid, dass ein gedankenloser und unsensibler Akt dazu geführt hat, dass jemand seinen Job verloren hat", schrieb sie: "Aber es tut mir nicht leid, dass ich den Mut hatte sicherzustellen, dass so etwas nun niemandem mehr passieren wird."

James sei wirklich aufrichtig dankbar für ihre WWE-Karriere, aber ihr sei immer gesagt worden, dass sie alles tun sollte, um "das Geschäft besser zu hinterlassen, als du es vorgefunden hast".