Der Gürtel (Obi) der Schüler:innen im Karate dient nicht nur dazu, den Anzug (Gi) zusammenzuhalten, sondern ist auch die Rangbezeichnung der Karateka.
Die Gürtelfarben geben an, wie fortgeschritten die Schüler:innen sind. Dabei gilt: Je dunkler die Gürtelfarbe, umso höher der Rang.
Die Schülergrade (Kyu)
Die Schülergrade sind in unterschiedliche Farben aufgeteilt, die dann für deine einzelnen Schritte auf dem Weg zum Meister stehen.
Hier ist eine Übersicht der Schülergrade (Kyu) und der zugehörigen Gürtelfarben:
- Weißer Gürtel: 9. Kyu (Ku-kyu)
- Orangener Gürtel: 8. Kyu (Hak-kyu)
- Gelber Gürtel: 7. Kyu (Nana-Kyu)
- Grüner Gürtel: 6. Kyu (Rok(u)-kyu)
- Blauer Gürtel: 5. Kyu (Go-kyu)
- Violetter Gürtel: 5. Kyu (Go-kyu)
- Brauner Gürtel: 3. Kyu (San-Kyu) bis 1. Kyu (Ik-kyu)
Die Meistergrade (Dan)
Alle Meister haben dann den schwarzen Gürtel, wo du die Stufe an der Anzahl von goldenen Streifen erkennen kannst.
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- Schwarzer Gürtel: 1. bis 10. Dan
Die Meistergrade sind unterteilt in 1. bis 10. Dan. Der höchste Meistergrad ist der 10. Dan, dessen Träger auch an einem rot-weißen Gürtel zu erkennen sein können. Das kann je nach Stilrichtung verschieden sein.
Bis dorthin ist es ein sehr langer Weg und nur sehr wenige Menschen haben den 10. Dan im Karate zu Lebzeiten erreicht. Es heißt auch, dass dieser Grad posthum, also nach dem Tod des Karateka, ehrenhalber verliehen werden kann, um die Leistung und das Wirken des Meisters zu würdigen.
Der 1928 in Tokio geborene Hidetaka Nishiyama absolvierte seine Prüfung zum 10. Dan im Jahr 2003, also im Alter von 75 Jahren. Mit 15 Jahren hat er begonnen, Karate zu lernen. Er brauchte also 60 Jahre, um vermeintlich das Ziel im Karate Do (Der Weg der leeren Hand) zu erreichen.
Vermeintlich heißt hier, dass man nie vergessen darf, dass besonders im Karate immer der Weg das Ziel ist und ein 10. Dan wird nicht bedeuten, dass dessen Träger perfekt ist und nichts mehr hinzulernen kann.
Die Bedeutung der einzelnen Gürtelfarben
Weißer Gürtel
Der weiße (Mukyu) Gürtel stellt keine Stufe dar. Er zeigt an, dass du noch nicht an einer Prüfung teilgenommen hast und neu beim Karate bist. Hier beginnt das Lernen. Das Weiß steht für Reinheit und Klarheit. Geschwindigkeit und Kraft sind erst einmal nebensächlich. Wichtiger ist eine korrekte Ausführung der Techniken. Anfänger sind wie weiße, unbeschriebene Blätter, die keine Erfahrungen haben und voller Potenzial stecken.
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Wichtig: Dein Weißgurt dürfen Sie nicht an jemand anderen überreichen. Er sollte immer in Ihrem Besitz bleiben. Denn in ihm stecken der ganze Schweiß und ihre Energie. Bekommen Sie von einer fortgeschrittenen Person oder gar einem/einer Lehrer:in einen Gurt vererbt, ist das etwas Besonderes.
Orangener Gürtel
Die erste Farbe ist mit der Farbe der Erde verbunden. Sie soll ein erstes Verstehen der körperlichen Grundlagen symbolisieren. Dein Karateweg soll auf einem soliden Fundament aufgebaut werden, das du nun kennst und welches dich weiter zum Lernen motivieren soll.
Orangegurte dürfen aber nicht nur die körperlichen Grundlagen verstehen lernen. Nein, du sollst auch Ehrgeiz, Dankbarkeit, Beharrlichkeit und Respekt entwickeln. Dazu gehört auch, dass du regelmäßig zum Training kommst. Orange steht hier für das Feuer und die Wärme der Sonne.
Gelber Gürtel
Als Gelbgurt sollst du eine klare Entwicklung in deiner körperlichen Stärke und Fähigkeiten durchgemacht haben (wie Gleichgewicht, Stabilität, Hand-/ Augenkoordination und technische Fähigkeiten). Im Vergleich zu anderen farbigen Gürteln vorher sollst du als Gelbgurt aber auch eine innere Entwicklung durchmachen. Karate ist nicht nur ein körperliches Training. Du sollst als Mensch wachsen. Karate bringt dir vieles bei, was du für dein gesamtes Leben brauchst. Durchhaltevermögen, Disziplin, Respekt, Konzentration und vieles mehr.
Die Bewegungsabläufe in den Grundtechniken sind nun flüssiger.
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Grüner Gürtel
Grün ist eine Farbe für fortgeschrittene Schüler. Als Grüngurt solltest du deine Grundtechniken beherrschen. Du lernst auf diesen Weg, deine Technik mit Geschwindigkeit und Kraft zu kombinieren, die du durch das Training entwickelt hast. Auf diese Weise sollten alle Grüngürtel an der Kraft von Karate arbeiten. Kyokushin ist das stärkste Karate. Der Grüngurt sollte diese Stärke in seinem Charakter und im Karate zeigen. Du solltest verstehen lernen, wie du im Verstand und mit dem Körper ohne bewusste Anstrengung richtig handelst. Dies ist eine sehr wichtige Stufe auf deinem Karateweg, die in ernsthafter, verantwortungsvoller und ausgereifter Denkweise durchgeführt werden sollte. Der Schüler kann schon viel differenzierter und vielseitiger agieren.
Blauer Gürtel
Als nächsten kommt blau, die Farbe für Wasser. Als Blaugurt solltest du dich mehr und mehr mit deinem Karate an die unterschiedlichsten Situationen anpassen und reagieren können. Du lernst, Karate deinen eigenen körperlichen Stärken und Schwächen anzupassen und es besser zu nutzen. Es ist die Zeit, wo du deinen Körper immer weiter stärkst, besonders im Rumpf und in den Armen. Die Begeisterung wird dir auf diesen Weg manchmal fehlen und du verlierst vielleicht die Lust zum Training zu gehen, oder willst sogar aufgeben. Dann musst du wissen, dass das ganz normal ist und zu deinem Weg im Karate dazugehört. Probleme, auf dem Weg des Lernens zu haben und passend mit ihnen umzugehen, ist wichtig.
"Die Pflanze wächst zum blauen Himmel", heißt es in Japan über diese farbliche Kennzeichnung der Schülerklasse im Karate.
Brauner Gürtel
Du solltest als brauner Gürtel sehr stark und sehr vertraut in der Ausführung aller Techniken sein, während du aber nicht einfach damit zufrieden bist. Du sollst immer weiter daran arbeiten, besser zu werden. Beim Kämpfen solltest du die Fähigkeit entwickeln, einen Anfänger durch Timing, Distanzkontrolle und Sensibilität zu kontrollieren. Du solltest deine Stärke nicht durch reine Kraft zeigen, sondern durch Ruhe und Kontrolle. Deswegen sollten Anfänger dazu neigen, dass sie dir als braunen Gürtel vertrauen können und du solltest dieses Vertrauen durch Ehrlichkeit, Integrität und Loyalität bestätigen. Als brauner Gürtel hast du ein tapferes Herz und einen eisernen Willen. Du bist ein Vorbild geworden und musst aufpassen, dass du nicht selbstgefällig wirst. Bloß zufrieden damit, an der Spitze der Schülergrade zu stehen. Sei dir dessen bewusst und lerne, dich durch ständiges hartes Training zu überwinden und auf die nächste Stufe zu gelangen. Halte deinen Kyokushin Karate Weg hier nicht auf.
Die letzten drei Schülergrade, in denen die Farbe Braun aus dem Japanischen übersetzt bedeutet: "Der Baum hat eine starke Rinde.
Schwarzer Gürtel
Der erste Meistergrad. Hier hat das Lernen allerdings noch kein Ende gefunden, denn es gibt noch neun weitere und höherrangige Meistergrade, die durch den schwarzen Gürtel symbolisiert werden.
Historische Entwicklung der Gürtelfarben
Karate hat eine lange Geschichte. Farbige Gürtel jedoch nicht. Auch wenn du und ich Karate nicht ohne sie kennen, ist ihre Geschichte noch sehr jung. Sie kommen aus einer anderen bekannten Kampfsportart: Dem Judo, wo sie erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts benutzt wurden.
Das Gurtsystem im Kyokushin wurde von unserem Gründer - Sosai Mas Oyama - entwickelt und eingeführt. Er selbst war 4. Dan im Shotokan Karate, 7. Dan im Gōjū-Ryū Karate und 4. Dan im Judo.
Die Funktion der Gürtelfarben im Training
Im Karate trainieren alle gemeinsam, aber jeder nach seinem persönlichen Leistungsstand. Im Training kommt es dabei häufig vor, dass ich als Trainer den erfahreneren Teilnehmern komplexere Aufgaben gebe als den Anfängern. Die Gürtelfarben erleichtern mir dabei das Verteilen der Aufgaben: „Alle von Weiß bis Grün machen bitte A. Blau und Braun machen B. Die Teilnehmer über ihre Gürtelfarben in Gruppen einzuteilen, ist dabei für Trainer und Teilnehmer einfacher als die Kyu-Grade zu nennen. „Alle von Weiß bis Grün“ ist leichter aufzufassen als „Alle vom 9. bis zum 6. Die Farbeinteilung ist dabei vor allem für größere Trainingsgruppen hilfreich. Wenn die Gruppe aus nur aus einer handvoll von Teilnehmern besteht, kann ich sie auch namentlich ansprechen. Wenn alle Teilnehmer in etwa auf demselben Leistungsstand sind, oder wenn ohnehin alle dasselbe machen sollen (z.B.
Ein weiterer Sinn der Gürtelfarben ist Motivation. Sich das Recht zu erarbeiten, den nächsten Gürtel tragen zu dürfen, kann ein hilfreicher Antrieb für's Training sein. Mit dem farbigen Gürtel dokumentiert man nach außen den eigenen Leistungsstand. Doch der Wunsch nach der nächsten Gürtelfarbe kann auch von der technisch-inhaltlichen Entwicklung ablenken. Es ist ein Unterschied, ob ich sage „ich will im Sommer den Blauen Gürtel schaffen“, oder ob ich sage „ich will bis zum Sommer Hüfteinsatz und Atemtechnik verbessern“.
Andererseits wirkt die Gürtelfarbe auch auf den Gürtelträger zurück: Es fühlt sich anders an, die neue Farbe zu tragen. Wenn man den Gürtel aus der Tasche holt und ihn anlegt, erinnert er einen an die letzte bestandene Prüfung, an die Bestätigung der persönlichen Entwicklung. Er erinnert einen aber auch an die höhere Verantwortung, die man als erfahrenerer Karateka trägt. Obwohl es eigentlich nichts an meinen Fähigkeiten oder Schwächen ändert, welche Farbe mein Gürtel hat, so könnte man doch sagen, dass die Erwartung, die ich selbst oder andere an meine Gürtelfarbe stellen, dazu führt, dass ich motiviert bin, diese Erwartung auch zu erfüllen.
Das Recht, eine Gürtelfarbe zu tragen, erwirbt man in der Regel durch eine Prüfung. Die Farbe zeigt, dass die Prüfer die gezeigte Leistung anerkannt haben. Bei höheren Dan-Graden kommt es zuweilen auch vor, dass sie von einem Karate-Verband verliehen werden. Der Karateka wird dann keiner regulären Prüfung unterzogen, sondern der Verband vergibt die Graduierung als Ehrbekundung, z.B. aufgrund einer langjährigen Tätigkeit für den Verband. Diese Gürtel sind für besondere Anlässe gedacht.
Natürlich ergibt das Tragen der Gürtelfarben nur einen Sinn, wenn auch jemand da ist, um die Farben zu sehen.
Soziale Aspekte der Gürtelfarben
Die äußerliche Unterscheidung der Karateka über ihre Gürtelfarbe widerspricht im Grunde der Idee des einheitlich weißen Karate-Anzugs, nämlich dass alle gleich sind. So kann es z.B. im Dojo (Trainingshalle) vor und nach dem Training zur Grüppchenbildung kommen. Die Schwarz- und Braungurte stehen beieinander, die Weiß- bis Grüngurte stehen beieinander, und die Blaugurte wissen nicht so genau zu welcher Gruppe sie gehören. Für Anfänger kann es einschüchternd wirken, einer Riege von Schwarzgurten gegenüberzustehen. Eventuell scheuen sie sich aufgrund falscher Ehrfurcht davor, diese anzusprechen.
Die Gürtelfarben können neben Ehrfurcht auch zu Neid und Misgunst führen. „Wie konnte der denn den Braungurt schaffen, der kann doch gar nix.“ oder „Wieso hat die noch den Orangegurt, die hat doch mindestens Blaugurt-Niveau“. Solche Gedanken und Bemerkungen entstehen durch die äußerliche Darstellung der jeweiligen Graduierung.
Die Gürtelfarben haben ihren Sinn in größeren Gruppen (Vereine, Lehrgänge, Verbände). Sie helfen bei der Organisation des Trainings, und sie dienen der Motivation der Trainierenden. Sie wirken außerdem auch auf die Leistungsbereitschaft und das Verhalten des Gürteltragenden. Anfänger können an den Farben schnell erkennen, wer schon länger dabei ist und eventuell Fragen beantworten kann. Die Gürtelfarben spiegeln die Anerkennung der Leistung innerhalb sozialer Zusammenhänge wider - sowohl des technischen Niveaus als auch ggf. der Verbandstätigkeit. Wie andere Statussymbole auch, können die Gürtelfarben zu Grüppchenbildung oder gar Neid führen.
Gürtelfarben im Deutschen Karate-Dachverband
Folgende Auflistung gilt für den Deutschen Karate-Dachverband und nur für die Karatestile Shotokan, Goyu Ryu und Wado Ryu:
Diese Farben haben in den unterschiedlichen Arten jedoch nicht durchweg die gleiche Bedeutung. Generell gilt aber, dass ein weißer Gürtel die unterste Klasse darstellt. Je höher die Klasse ist, desto dunkler wird in der Regel der Gürtel - bis hin zum schwarzen Gürtel, dem Meistergrad (japanisch: Dan).
| Gürtelfarbe | Kyu-Grad | Bedeutung |
|---|---|---|
| Weiß | 9. Kyu | Hier beginnt das Lernen. Das Weiß steht für Reinheit und Klarheit. Wichtiger ist eine korrekte Ausführung der Techniken. |
| Gelb | 8. Kyu | Die Bewegungsabläufe in den Grundtechniken sind nun flüssiger. |
| Orange | 7. Kyu | Orange steht hier für das Feuer und die Wärme der Sonne. |
| Grün | 6. Kyu | Der Schüler kann schon viel differenzierter und vielseitiger agieren. |
| Blau | 5. - 4. Kyu | "Die Pflanze wächst zum blauen Himmel", heißt es in Japan über diese farbliche Kennzeichnung der Schülerklasse im Karate. |
| Braun | 3. - 1. Kyu | Die letzten drei Schülergrade, in denen die Farbe Braun aus dem Japanischen übersetzt bedeutet: "Der Baum hat eine starke Rinde. |
| Schwarz | 1. - 10. Dan | Der erste Meistergrad. Hier hat das Lernen allerdings noch kein Ende gefunden. |
