Die Welt des Frauenwrestlings in den USA: Eine Geschichte von Kampf und Triumph

Die Geschichte des Frauen-Wrestlings ist nicht immer rosig, geprägt von sexuellen Übergriffen, Verboten und Skandalen. Umso bemerkenswerter ist es, dass immer wieder Pionierinnen dafür kämpften, zwischen den Seilen Beachtung zu finden. Frauen wie Trish Stratus, Beth Phoenix oder Becky Lynch stehen mittlerweile in der Beliebtheitsskala bei den Fans auf gleicher Stufe mit männlichen Wrestling-Topstars wie The Rock, Stone Cold Steve Austin oder John Cena.

Frühe Anfänge und Pionierinnen

Frauen im Ring - das gibt es schon länger, als die meisten glauben. Schon im späten 19. Jahrhundert begannen Frauen auf Jahrmärkten oder im Zirkus neben Männern in den Ring zu steigen. Eine der ersten, bekannten Wrestlerinnen hieß Grace Hemmendinger. In den 1870er-Jahren holte sie Sieg um Sieg gegen Frauen UND Männer. Die damaligen Wrestling-Promoter rissen sich nun erstmals um eine Frau für ihre Veranstaltungen.

Minerva, mit bürgerlichem Namen Josephine Schauer Blatt, gilt bis heute als erste Frau der Welt, die im Wrestling Gold gewinnen konnte. Eine weitere Frau schrieb wenig später Geschichte, als Cora Livingston den Titel gewann und ihn für rekordverdächtige 22 Jahre hielt.

Billy Wolfe und die Schattenseiten des Erfolgs

Billy Wolfe, ein amerikanischer Wrestling Promoter, begann bald, weibliche Athletinnen in seine eigenen Shows zu booken. Nun standen immer öfter auch Frauen im Rampenlicht großer Events. Bald kamen jedoch vermehrt Gerücht über Wolfe auf, der Promoter würde seine Wrestlerinnen vermehrt sexuell missbrauchen. Als einige wütende Frauen in den frühen 1950ern mit diesen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gehen wollten, soll jedoch der einflussreiche Wolfe dafür gesorgt haben, dass alle Wrestlerinnen, die gegen ihn aussagen wollten, keine Anstellung mehr in der Wrestling-Welt fanden. So wurde zum Beispiel Mildred Burke, ebenfalls ein Opfer von Wolfe, nach ihrer Aussage gegen den Wrestling-Mogul von sämtlichen Promotern fallen gelassen und verschwand kurzzeitig in die Bedeutungslosigkeit.

"The Fabolous Moolah" und die Veränderung des Frauen-Wrestlings

1963 starb der umstrittene Wolfe, aber ein anderer Stern der Wrestling-Historie begann aufzusteigen: „The Fabolous Moolah“, eine ehemalige Schülerin beim verstorbenen Wolfe, veränderte mit ihrem Einstieg in den Showsport auch den Stil des Frauen-Wrestlings.

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Die globale Entwicklung des Frauen-Wrestlings

Die Entwicklung in den USA ließ auch den Rest der Welt nicht lange kalt. In Japan wurden bald vereinzelt Shows mit Frauen veranstaltet. Ihre Präsenz trieb auch viele Japanerinnen zu den Shows, die von Burkes Stil und ihrer Präsenz beeindruckt waren. 1968 wurde die „All Japan Women‘s Pro Wrestling Corporation“ gegründet, die in Japan ein großer Erfolg wurde.

In der Zwischenzeit wurde das Frauen-Wrestling auch in den USA wieder größer, weshalb Mildred Burke wieder in ihre Heimat zurückkehrte und dort die World Womens Wrestling Association gründete. In Mexiko gab es Frauen im Wrestling-Ring schon seit den 1930ern. Allerdings waren die meistens Gäste aus Amerika, die nur für ein oder zwei Auftritte vorbeischauten. 1960 verbot die mexikanische Regierung Frauen-Wrestling, da sie es als „unsittlich“ betrachteten. Erst 1986 wurde dieses Verbot wieder aufgehoben.

Das Frauen-Wrestling in der WWE

1980 rutschte der damalige Star des Frauen-Wrestlings, „The Fabolous Moolah“, in die WWF, der größten Promotion in Amerika. In der späteren WWE wurde ab jetzt vorsichtig mit Frauen-Wrestling experimentiert. Stars wie Wendi Richter konnten auf der ganz großen Bühne aber nicht überzeugen. Um die 90er Jahre wurde die Women‘s Division langsam wieder abgebaut und der dazugehörige Titel deaktiviert.

Es gab danach immer wieder vorsichtige Versuche für einen Frauen-Neustart in der WWF. Frauen wie Sable, Ivory und Terri Runnels legten dann tatsächlich den Grundstein für einen Durchbruch der Frauen in der World Wrestling Federation. In den frühen 2000er-Jahren waren sogar Frauen im Main Event von Raw oder Smackdown keine Seltenheit. Ein paar Jahre später machte die WWE, die sich mittlerweile umbenannt hatte, diesen kleinen Erfolg für die Frauen wieder kaputt. Sie stellten lieber professionelle Models statt passionierten Kämpferinnen an. 2008 folgte die Einführung der „WWE Divas Championship“.

Independent-Promotions und die "Knockouts-Division"

Die frühen 2000er brachten den Frauen neben der WWE noch andere potentielle Arbeitgeber vor die Nase. In dieser Zeit waren Independent-Promotions wie Impact Wrestling oder Ring of Honor besonders im Trend. Eine Firma ließ aber besondere Durchbruchshoffnungen in den Wrestling-Frauen dieser Zeit aufkeimen: „Shimmer Womens Athletes“. Eine Revolution für das Frauen-Wrestling stellte auch die Gründung der „Knockouts-Division“ bei TNA dar. Mit Stars wie Gail Kim. Awesome Kong oder Velvet Sky bauten sie ein Produkt, in dem Frauen-Wrestling endgültig mehr war als eine nette Randnotiz.

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Chelsea Marie: Eine Transfrau im Ring

Chelsea Marie ist ein Star im Ring in Manila. Die Welt des Sports ist schließlich streng eingeteilt in Männer und Frauen. Personen, die diesen binären Kategorien nicht entsprechen, werden im Wettbewerbssport immer wieder ausgeschlossen oder mit harten Auflagen belastet. Aber im Wrestling, wo die Kämpfe nur Show sind, insofern also gar kein Wettbewerb besteht? Da gibt es zwischen Fairness und Inklusion keinen Widerspruch. Und in der Manila Wrestling Federation (MWF) versucht man, sich das zum Vorteil zu machen.

Am Rande des Rings sieht Veronica Shannon zu, die Gründerin und Ko-Chefin der Liga. Sie ist selbst Transfrau, und über die MWF sagt sie, dass sie inklusiv sei. Die Kultur hier sei nun mal sehr offen - offener als anderswo. Danielle Hill weiß das alles genau, weil sie an der University of the Philippines in Manila ihre Masterarbeit zu diesem Thema schreibt: Eine soziologische Betrachtung zur Rolle von Frauen in einer klassischen Männerdomäne.

Linda McMahon und die Politik des Wrestlings

Aus der täglich Zuwachs bekommenden Regierungsmannschaft Donald Trumps ragt Linda McMahon aus zwei Gründen heraus. Sie ist eine der bisher ganz wenigen Frauen, die es in das engste Umfeld des designierten 47. Präsidenten geschafft haben. Und: Ihr Erfolg ab Januar nächsten Jahres bemisst sich daran, ob sie das Haus, das sie künftig führen soll, entsprechend eines zentralen Trump-Versprechen abgewickelt kriegt. Trump hatte schon Ende der 80er-Jahre Kontakt in die Szene der Ringseifen-Opern, in der Schläge nur zum Schein ausgeteilt werden. Die McMahons wurden über das Geschäft mit „The Undertaker” & Co. Milliardäre. Als Dank berief er die als resolut geltende Managerin zur Mittelstandsbeauftragten („small businesses”) in seine Regierung.

Tiffany Stratton: Der aufsteigende Stern

Tiffany Stratton (25) gilt als der Mega-Star der Zukunft bei den Frauen von World Wrestling Entertainment. Es wird erwartet, dass die junge Amerikanerin demnächst einen der WWE-Frauen-Titel bei „RAW“ oder „SmackDown“ gewinnt. Noch tritt die Blondine als „Heel“, also als Bösewichtin auf. Die Gerüchte in den USA überschlagen sich, dass sie demnächst „Babyface“ wird, also auf die gute Seite wechselt.

Die Freundin vom deutschen WWE-Superstar Ludwig Kaiser (34/heißt im echten Leben Marcel Barthel) zeigt mit ihrem Ring-Outfit viel Haut - was bei einigen (prüden) News-Seiten in den USA nicht gut ankommt! Dort werden Fotos von ihr im Bereich der Brüste unkenntlich gemacht.

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Die Erfolgsgeschichte von Tiffany Stratton:

  • August 2001: Tryout bei WWE - ohne Wrestling-Erfahrung!
  • Dezember 2021: „NXT“-Debüt im Alter von 22 Jahren.
  • Mai 2023: „NXT“-Frauen-Titel gewonnen!
  • Januar 2024: Beim Royal Rumble dabei gewesen - und die WWE-Bosse schwer beeindruckt!
  • Februar 2024: Call-Up zu „SmackDown“.
  • Juli 2024: Den Money-in-the-Bank-Koffer gewonnen.
  • November 2024: Insider erwarten, dass sie noch in diesem Monat Champion wird!

Tiffany Stratton über ihre Karriere im Interview mit „METRO“: „Ich gebe einfach mein Bestes und probiere nach und nach neue Dinge aus, um zu sehen, was funktioniert, was nicht, was Reaktionen hervorruft. Ansonsten mache ich einfach das, was ich am besten kann, und das ist, ich selbst zu sein, nur ein bisschen aufgedreht.“

Die Zukunft des Frauen-Wrestlings

Der Krieg der Frauen, die sich über die letzten 70 Jahre einen Platz in der Wrestling-Welt mehr als verdient erkämpft haben, war lang und hart. Aber heute sehen wir: Es hat sich gelohnt. Frauen sind aus dem Wrestling nicht mehr wegzudenken. Sie stehen in Main-Events, sie liefern uns Kämpfe die uns nostalgisch werden lassen. Die letzten 70 Jahre haben gezeigt, dass für diese Powerfrauen alles möglich ist.