Im Wrestling waren weibliche Charaktere lange nur Randerscheinungen. Mittlerweile zählen sie im Ring zu den Hauptattraktionen.
Die Anfänge: Sexualisierung und Schein-Wrestling
Bis etwa 2010 waren die Auftritte der Frauen in der WWE aber sogar nur Schein-Wrestling-Matches, denn Bikini-Contests und Unterwäsche-Kissenschlachten sind vergleichbarer mit den Sexy Sport Clips, die zu jener Zeit nach Wrestling-Übertragungen im DSF zu sehen waren. Als dieser Kurs endgültig unzeitgemäß wurde, benannte man die Women’s Division in die Diva’s Division um und für einige Jahre bekam kaum ein Auftritt weiblicher Kontrahentinnen mehr als drei Minuten Sendezeit.
Die WWE hat lange an der Vorstellung festgehalten, dass Frauenkörper nicht mit Gewalt in Zusammenhang gebracht werden dürfen, nicht einmal mit gespielter Gewalt und nicht einmal ohne Beteiligung von Männern. Die Lösung: Schein-Wrestling-Matches, die statt einer gewaltsamen eine sexualisierte Körperlichkeit präsentierten.
Der Wandel: Athletik und Technik im Fokus
Doch das ist nicht mehr gefragt. Gutes Aussehen alleine reicht schon lange nicht. Denn mittlerweile setzt die größte Wrestling-Liga der Welt verstärkt auf Athletik und Technik.
Viele seiner Freunde in der WWE seien Frauen, sagt er. "Sie können zuhören. Wenn ich ihnen einen Rat gebe, dann saugen sie das förmlich auf. Ich hab Spaß, wenn ich ihnen eine Hilfe sein kann und genieße ihre Kämpfe."
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Das betrifft auch die beiden Tag-Team-Champions Billie Kay und Peyton Royce. "Da gehört Krafttraining, Ernährung und das stetige Reisen dazu - man bekommt in der Regel wenig bis keinen Schlaf", erklärt Royce.
Statt Ohrfeigen bekommen die Zuschauer in aufwendig choreografierten Kämpfen Aktionen vom obersten Ringseil oder Griffe aus dem Bereich der Mixed-Martial-Arts zu sehen. "Es gibt keine Divas mehr", meint auch Styles. Divenhaft darf höchstens die Rolle sein, in die die Wrestlerinnen schlüpfen.
Die Iconics gewinnen das Match gegen ihre Konkurrentinnen am Ende trickreich und hinterlistig.
Der Aufschwung der Women's Division
Der Aufschwung der Women's Division fand seinen Höhepunkt im April 2019. Bei der größten und wichtigsten Veranstaltung der WWE standen mit der ehemaligen UFC-Kämpferin Rhonda Rousey, Charlotte Flair und Becky Lynch drei Frauen im Hauptkampf vor über 82.000 Fans - ein Novum.
Alleine Wrestlemania 35 feierte in diesem Jahr einen Rekordumsatz von 16,9 Millionen Dollar. Mit dem Aufschwung der Wrestlerinnen zu echten Superstars erreicht die WWE die wichtige weibliche Zielgruppe viel nachhaltiger.
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"Die WWE ist ja ein Familienprodukt. Ob auf der Couch die Oma, das Enkelkind, Mama und Papa sitzen - es verbindet Generationen", sagt der deutsche Ex-Wrestler Sebastian Hackl, der seit neun Jahren auf Live-Veranstaltungen der WWE und bei TV-Austrahlungen kommentiert und moderiert. Vom Boom in der Women's Division profitieren aus seiner Perspektive alle Seiten. "Es sind Charaktere, die durchweg positiv sind", sagte er im Gespräch mit n-tv.de.
"Die Frauen stehen hier im Fokus und sind Vorbilder für junge Mädchen", meint Hackl. Das sei eine "Entwicklung, die er in keinem Sport und Entertainment-Genre auf vergleichbare Weise beobachte.
Beim Wrestling dürfe es gar kein Diskussionsinhalt mehr sein, ob eine Frau oder ein Mann im Match steht. "Irgendwann wird keiner mehr darüber reden, ob AJ Styles oder Rhonda Rousey im Main Event steht - am Ende steht da ein WWE-Superstar", so Hackl. Genau da sei die WWE aber bereits auf dem besten Weg.
WWE Evolution: Ein reiner Frauen-Event
WWE Evolution ist der erste reine Frauen-Event! Mit Nikki Bella vs. Raw Women's Champion Ronda Rousey, Charlotte Flair vs. SmackDown Women's Champion Becky Lynch und der Rückkehr von Lita und Trish Stratus.
"Es geht darum der heutigen Generation zu zeigen, alles tun und werden zu können", so Stephanie McMahons Botschaft im Promo-Video zu Beginn der Veranstaltung.
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Lita & Trish Stratus bes. Alicia Fox & Mickie James
Das Publikum im Nassau Coliseum kam richtig in Fahrt, als sich Trish Stratus und Mickie James im Ring begegneten. Immerhin standen beide vor vielen Jahren mal in einem berühmt-berüchtigten WrestleMania-Match.
Es folgte der Chick Kick gegen Mickie James zur Entscheidung.
Die Fans liebten das Wiedersehen mit den Stars aus der Attitude-Ära, auch wenn man beim eigentlichen Wrestling von Lita und Trish mindestens ein Auge zudrücken musste.
NIA JAX GEWINNT DIE BATTLE ROYAL
Zur Battle Royal präsentierte Naomi ein knallgelbes Outfit samt einem feinem Cape.
Die IIconics kamen mit einer Botschaft in den Ring und ließen sich über ihre früheren Heldinnen aus. "Ihr könnt gleich wieder dorthin gehen, wo ihr her kamt. Und dann wieder nichts tun. Denn die Zukunft ist IIconic."
Nia Jax beförderte Alundra Blayze mit einem Bodyslam über die Seile und schmiss bald auch Maria raus.
Carmella bekam die Chance für ein Dance-Break. Sie wurde dabei durch Ivory unterstützt! Mandy Rose wollte die Party beenden, wurde letztlich aber über die Seile befördert.
Die Fans waren zum Finale zwischen Ember Moon und Nia Jax aus dem Häuschen.
Das Finale konnte nun zwischen Nia und Ember ausgekämpft werden. Letztlich wurde Ember mit einem harten Slam auf die Matte befördert und anschließend über die Seile geworfen.
"Das ist ein Sieg, bei dem ich an meine ganze Familie denke. Nun werde ich es auf die Raw Women's Championship absehen!"
Finale des WWE Mae Young Classic 2018: Toni Storm vs. Io Shirai
Einige der bereits ausgeschiedenen Wrestlerinnen sahen das Match aus der ersten Reihe. Darunter auch Tegan Nox, die dramatisch mit einer bösen Knieverletzung aus dem Wettbewerb geflogen war.
Für Toni Storm war das MYC in diesem Jahr der zweite Anlauf, im Vorjahr schied die Australierin bereits deutlich vor dem Finale aus. Io Shirai schaffte es gleich mit ihrem ersten MYC direkt ins Finale.
Die Härte im Match nahm zu, beide Frauen teilten mit Strikes aus. Dann gab es den Storm Zero, der Toni allerdings nur einen Near-Fall brachte, was sie erst einmal unglaubwürdig hinnahm. Io überraschte dann mit einem 619, gefolgt von einem beeindruckenden Springbaord Sunset Flip. Shirai wollte mit einem Moonsault folgen, krachte allerdings in Tonis angezogene Knie. Jetzt ließ Storm zum zweiten Mal den Storm Zero folgen. Und dieses Mal reichte es zum 1-2-3.
Die Siegerin im zweiten Mae Young Classic: Toni Storm!
"So etwas habe ich mir zu meiner Zeit immer erträumt. Das jetzt mit eigenen Augen zu erleben, ist ein Traum, der auch für mich in Erfüllung geht", ergänzte Eve Torres.
Sasha Banks, Bayley, Natalya bes. The Riott Squad (Ruby Riott, Sarah Logan, Liv Morgan)
Sasha brachte ihr Double Knee von den Seilen gegen Ruby Riott ins Ziel.
Ruby wollte eine Senton Bomb zeigen. Doch Bayley legte sich auf ihre Freundin, um sie vor dem Einschlag zu bewahren.
Letztlich gelang Sasha der wichtige Wechsel mit Natalya. Die Kanadierin hielt ihre Gegnerinnen soweit in Schach, dass sie einen doppelten Sharpshooter gegen Ruby und Sarah bringen konnte. Liv rettete ihre Partnerinnen.
Sasha Banks folgte mit dem Frog Splash gegen Liv Morgan. Die Hommage an ihren persönlichen Favoriten brachte hier die Entscheidung.
NXT Women's Champion Kairi Sane unterliegt Shayna Baszler -> Titelwechsel
NXT-Kolleginnen versammelten sich zum fünften Match des Abends am Ring: Darunter Bianca Belair, Lacey Evans, Candice LaRae sowie Shaynas Four-Horsewomen-Kolleginnen Jessamyn Duke und Marina Shafir.
Zum ersten Mal in der Geschichte wurde an diesem Abend ein NXT-Titel bei einem WWE-Event ausgekämpft.
Doch auch Kairi konnte mit ihrem Aufgabegriff, dem "Anchor", musste kurz auf sich aufmerksam machen. Sane ließ sich - dank ihrer Widerstandsfähigkeit - nicht unterkriegen, konnte aber ihren linken Arm nicht mehr richtig einsetzen, den Bayzler wiederholt in Mitleidenschaft gezogen hatte. Shayna stellte sich auf das zweite Seile und zog Kairi an ihrem verletzten Arm in die Luft.
Kairi disponiert gleich um und zeigte einen gewaltigen Cross Body Block nach draußen.
Sane verlor das Bewusstsein - und Shayna Baszler wurde zur Siegerin und damit ersten zweifachen NXT Women's Champion.
Last Woman Standing Match - SmackDown Women's Champion Becky Lynch bes. Charlotte Flair
Selbstbewusster denn je holte Becky ihre Gegnerin frühzeitig von den Ringseilen und brachte den Bexploder Suplex ins Ziel. Charlotte landete bald außerhalb des Rings, wo Becky einen Kendo Stick unter dem Ring fand und gleich gegen Frau Flair einsetzte.
Auf dem Tisch landete Becky. Charlotte wollte einen Moonsault von den Seilen bringen, doch sie traf ihre Gegnerin nur zur Hälfte und beide fielen vom Tisch, ohne dass dieser zu Bruch ging.
Chyna: Eine Pionierin des Frauen-Wrestling
Joanie „Chyna“ Lauter legte als Wrestlerin eine einzigartig erfolgreiche Karriere hin, danach stürzte sie in Suchtprobleme und ins Porno-Milieu ab - und starb tragisch früh.
Sie selbst legte dabei eine Karriere hin, wie sie noch keine Frau im Wrestling hingelegt hatte, kämpfte auf Augenhöhe mit den männlichen Stars. Heute vor 25 Jahren wurde sie die bis heute einzige Trägerin eines traditionsreichen Titels, der sonst eigentlich den Männern vorbehalten ist.
Die muskulöse Laurer (82 Kilo schwer bei 1,78 Meter Größe) kam 1997 zu WWE, nach einem schon damals bewegten Leben.
Als weibliche Vollstreckerin für Triple H und die DX mit dessen ewigem Weggefährten Shawn Michaels schlug Chyna bei WWE voll ein - und entwickelte sich zu einem Star der Attitude Era, der WWE-Boomzeit Ende der Neunziger.
Chyna teilte den Ring mit fast allen Stars der Ära - Stone Cold Steve Austin und The Rock, dem Undertaker, Chris Jericho, „Mankind“ Mick Foley, Kurt Angle und vielen anderen - und WWE ging auch so weit, Chyna am 17. Oktober 1999 gegen Jeff Jarrett als erste Frau den traditionsreichen Intercontinental Title gewinnen zu lassen.
Laurer wollte nicht nur im Ring, sondern auch finanziell auf Augenhöhe mit den männlichen Stars agieren. Sie verlangte ein Jahresgehalt von einer Millionen Dollar, was - wie der damalige Talentchef Jim Ross später offen einräumte - von der damaligen Ligaführung als irrwitzig empfunden wurde.
Am 20. April 2016 wurde Laurer tot in ihrem Haus in Kalifornien aufgefunden. Todesursache war eine Überdosis verschiedener Medikamente in Verbindung mit Alkohol: Laurer nahm Schlaf- und Schmerzmittel und Medizin gegen Angstzustände.
Jazzy Gabert: Eine deutsche Erfolgsgeschichte
ExklusivJazzy Gabert alias Alpha Female ist die erfolgreichste Wrestlerin Deutschlands und schaffte sogar den Sprung in die WWE.
Jazzy Gabert, 1982 in Berlin geboren, entdeckte ihre Liebe zum Wrestling in den 1990er Jahren. Im Gegensatz zur heutigen Zeit waren Frauen Anfang der 2000er jedoch eine Ausnahme in Wrestling-Schulen, in bestimmten Berliner Kreisen sogar ein No-Go. Gabert musste gegen Vorurteile ankämpfen.
Heute ist Jazzy Gabert Deutschlands bekannteste Wrestlerin, was sie ihrem Gimmick, also ihrem Charakter der Alpha Female, zu verdanken hat. Muskulös, blonder Mohawk, laut: Eine Frau, die sich nicht einschüchtern lässt und so gar nicht dem Bild der damaligen Wrestlerinnen entsprach, die eher durch ihr sexy Auftreten als durch Talent und starke Leistungen bestachen.
