Wrestling ist eine beliebte Sportart, die vor allem durch die Showkämpfe der WWE bekannt ist. Durch ihren Unterhaltungscharakter werden die Regeln schnell zur Nebensache. Dennoch folgt jeder Kampf grundsätzlichen Regeln.
Grundlegende Wrestling-Regeln
Die Wrestling-Regeln sind schnell erklärt. Wrestling als Schaukampf ist eine vorgeschriebene Show, die wie ein Film gescripted ist.
- Pinfall: Das Ziel beim Wrestling. Ein Wrestler will einen anderen zu Boden bringen, bis der Referee bis drei gezählt hat. Die Schultern des Gegners müssen dabei im Ring auf den Boden gedrückt werden, bis der Referee bis drei gezählt hat. Außerhalb des Rings kann nicht gewonnen werden.
- Submission: Die Aufgabe eines Wrestlers durch mehrfaches Klopfen z. B. auf den Boden.
- Ropebreak: Im Ring führt das Festhalten an der Schnur zu einem Ropebreak, d. h. Bewegt sich ein Wrestler in die Seile, sind die Kampfhandlungen innerhalb von 4 Sekunden zu stoppen.
- Countout: Der Zeitraum, wie lange ein Wrestler sich im Außenbereich Wrestlingrings aufhalten darf. Bei längerem Aufenthalt außerhalb des Ringes kann der Ringrichter einen 10count starten. Dabei werden alle Wrestler ausgezählt, die sich zu diesem Zeitpunkt außerhalb des Ringes aufhalten.
- Disqualifikation: Bei schweren Regelverstößen oder wiederholten leichten Regelverstößen kann der Ringrichter eine Disqualifikation aussprechen. Einmal jährlich legen die Ringrichter in einer Konferenz mit dem Matchmaker fest, welche Regelverstöße als schwer gelten und zwingend zur Disqualifikation führen.
- TKO: Befindet sich einer oder befinden sich beide Wrestler nach einer Aktion ohne vorherigen Versuch eines Falls auf der Ringmatte, kann der Ringrichter einen 10count starten.
- No Contest: Bei schwerwiegenden Regelverstößen beider Wrestler oder einem Eingriff eines unbeteiligten Dritten, der keinem der Wrestler zuzurechnen ist, kann der Ringrichter einen Kampf abbrechen und aus der Wertung nehmen. Selbige Entscheidung ist möglich, wenn der Ringrichter nicht in der Lage ist, den Kampf fortzusetzen, und kein Ersatz zur Verfügung steht.
Generell sind keine Waffen oder Gegenstände im Match erlaubt. Es darf auch nicht in die Weichteile geschlagen werden. In jedem Fall hat der Schiedsrichter das letztes Wort. Da Wrestling auch Unterhaltung ist, kann selbst der Referee ausgeknockt werden, damit dieser illegitime Moves nicht mitbekommt.
Als Kampffläche ist das Innere des Wrestlingrings definiert, die Seile gehören nicht dazu.
Der Ringrichter im Ring hat volle Entscheidungsgewalt, seine Tatsachenentscheidung zählt in jedem Fall und kann nur von ihm selbst revidiert werden.
Lesen Sie auch: Frauen-Wrestling in der WWE: Eine Erfolgsgeschichte
Tag Team Matches
Bei Tag Team Matches stehen sich mehr als ein Wrestler pro Seite gegenüber. Klassisch darf sich nur ein Wrestler pro Team gleichzeitig im Ring aufhalten. Wechsel sind durch Abschlagen in der eigenen Ringecke, die vom Ringrichter zugeteilt wird, möglich. Dabei hat der außenstehende Wrestler ein Wechselseil in der Hand zu halten. In Abwesenheit eines Wechselseils wird alternativ zum Seilspanner gegriffen. Nach einem Wechsel ist eine gemeinsame Aktion in einer Handicap Situation bis zum Anzählen bis 4 legal. Falls können nur am legalen Mann erzielt werden.
Weitere Match-Formen
- No Holds Barred-/Hardcore-Match: Eine Form der Stipulation.
Die Rolle des Matchmakers
Die Geschäftsleitung bestellt einen Matchmaker, der als Person nach außen anonym bleibt und so vor Einflüssen aus dem aktiven Kader geschützt bleibt.
Bra & Panties Match
Das Bra & Panties Match gehört zur Kategorie "Eye Candy" der Wrestling Matches. Diese Matches werden nur von Frauen bestritten.
Das Ziel in diesem Match ist es der Gegnerin die Kleidung vom Leib zu reißen bis diese nur noch in ihrer Unterwäsche im Ring steht. Count Out oder Disqualifikationen sind in diesem Match nicht eingeplant und sollten eigentlich auch nicht vorkommen.
Im Real Wrestling fand das erste (bekannte) Bra & Panties Match in der heutigen WWE statt. Es wurde zwischen Trish Stratus und Lita ausgetragen. Die WWE fand solch einen Gefallen daran, das sie fortan mehrerer solcher Matches stattfinden ließ, unter anderem auch ein Tag Team Bra & Panties Match.
Lesen Sie auch: Entwicklung des Joshi Puroresu
Bra & Panties Leiter Match
Dieses Match wurde erstmals in der Nasty Wrestling Assiocation zwischen Melina und Riva ausgetragen. Ziel in diesem Match ist es einen Gegenstand per Leiter von der Hallendecke zu pflücken, genau wie in einem normalen Leiter Match. Bevor man den Gegenstand aber abhängen darf, muss man seine Gegnerin, getreu den Bra & Panties Regeln, bis zur Unterwäsche entkleiden, erst dann darf man den Gegenstand abhängen. Die Leiter darf jederzeit bereits eingesetzt werden.
Lucha Libre: Mexikanisches Wrestling
Hast Du schon einmal von Lucha Libre gehört? Es ist eine Sportart, genauer gesagt eine Form des professionellen Wrestlings, die sich in Mexiko entwickelt hat und die untrennbar mit der dortigen Alltagskultur verbunden ist.
In Mexiko rankt sich eine solche, lebendige Volkssport-Kultur um Lucha Libre, die landeseigene Form des Wrestlings. Dieser faszinierende Sport zieht nicht nur Wrestling-Fans in seinen Bann, sondern ist auch ein wichtiger Bestandteil der mexikanischen Kultur und Identität.
Was ist Lucha Libre?
Bei Lucha Libre (was wörtlich „freier Kampf“ bedeutet) handelt es sich um einen Zweikampf, der üblicherweise in einer Art Boxring ausgetragen wird. Allerdings nach bestimmten Regeln: Ziel ist, den Gegner hinunter auf die Matte zu bringen und ihn bzw. sie dort zu halten, während der Ringrichter auf drei zählt. Ist der Gegner bei drei noch nicht wieder oben, zählt das als „Pin“. Ein Match muss aber nicht immer mit einem Sieg enden; manchmal sieht sich ein Luchador zur Aufgabe gezwungen oder wird disqualifiziert.
Das Besondere: Die Masken
Die Zweikämpfe sind zwar an sich schon spannend, aber was Lucha Libre ganz offensichtlich von anderen Wrestling-Formen unterscheidet, sind die knallbunten Masken. Fast alle Luchadores und Luchadoras haben eine einzigartige Maske, die bei jedem Kampf und auch bei öffentlichen Auftritten getragen wird. Hierbei geht es nicht darum, die Identität der Sportler zu verbergen, sondern vielmehr wird eine neue Kampf-Persona, ein Alter-Ego erschaffen, mit eigenem Charakter und Geschichte - repräsentiert durch die auffällige Maske.
Lesen Sie auch: Die Welt von GLOW erkunden
Riesiges Aufsehen erregen besonders die „Máscara vs. Cabellera“-Kämpfe, bei denen der Verlierer entweder seine Maske abnehmen oder seine Haare abschneiden muss. Diese Begegnungen gelten als besonders emotional und haben eine große Bedeutung, da die Maske für einen Luchador ein Symbol der Ehre und Identität ist.
Physische Stärke ist natürlich wichtig, aber längst nicht der alles-entscheidende Faktor: Im Gegensatz zum amerikanischen Wrestling geht es beim Lucha Libre viel mehr um komplexe Technik. Es gibt eine Vielzahl von Griffen, Würfen und Sprüngen, die nicht nur spektakulär aussehen, sondern die auch viel Raum für Abwechslung, Improvisation und Überraschung bringen. Trotz aller Show gibt es wichtige Regeln, die immer respektiert werden.
Geschichte des Lucha Libre
Lucha Libre begann in den frühen 1930er Jahren, sich in Mexiko zu entwickeln und an Beliebtheit zu gewinnen. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste noch aktive Wrestling-Promotion der Welt, die Consejo Mundial de Lucha Libre (CMLL). Besonders nach der Einführung der Masken, die ein Markenzeichen des Lucha Libre wurden, gewann der Sport rasant an Beliebtheit und einige berühmte Luchadores wurden zu regelrechten Ikonen, die ihrem Sport in der ganzen Bevölkerung zu Bekanntheit verhalfen.
Berühmte Lucha Libre-Wrestler
- El Santo: Der wohl berühmteste und einflussreichste Luchador aller Zeiten. Über 40 Jahre lang kämpfte er im Ring. Auf seiner Figur basierend gibt es außerdem eine Comic-Reihe, die bis heute in Mexiko sehr beliebt ist, und auch in insgesamt 52 Filmen wirkte er als Schauspieler mit.
- Demonio Azul (Blue Demon): Ein Zeitgenosse und oftmals auch Gegner von El Santo. Er feierte zahlreiche Siege und formte zusammen mit The Black Shadow das erfolgreiche Tag Team Los Hermanos Shadow.
- Mil Máscaras: Dieser Wrestler, bekannt als „der Mann der tausend Masken“, gewann nicht nur innerhalb Mexikos viele Kämpfe, sondern war auch international aktiv, vor allem in den USA. Passend zu seinem Namen trug er nicht immer nur eine charakteristische Maske, sondern hatte viele verschiedene.
- Rey Mysterio (Mysteriöser König): Ein zeitgenössischer Wrestler, der sowohl in Mexiko als auch in den USA große Erfolge feierte und mitverantwortlich dafür ist, dass Lucha Libre bis heute nichts an Popularität eingebüßt hat. Viele junge Luchadores sind von ihm inspiriert.
Luchadoras: Frauen im Lucha Libre
Gleich von Anfang an mischten auch Frauen aktiv beim Lucha Libre mit: Bereits in den 1940er Jahren gab es legendäre Luchadoras wie Irma González, die sogar gegen internationale Gegnerinnen antraten. Gefeierte Kämpferinnen wie Lady Apache, Lola Gonzales, und La Diabolica zeigten, dass Frauen ebenso spektakuläre und technische Kämpfe liefern können wie ihre männlichen Mitstreiter, und auch heute ist die Szene durch Champions wie Lady Shani sehr lebendig.
Die kulturelle Rolle des Lucha Libre
Lucha Libre ist mehr als nur ein Sport. Jeder, der sich in Mexiko ein bisschen umgesehen hat, wird merken: Der Sport ist ein kulturelles Phänomen. Wenn wichtige Lucha Libre-Veranstaltungen anstehen, kommen Freunde und Familie zusammen, um gemeinsam zuzuschauen - es wird ein soziales Event daraus. Für die Wrestler selbst ist der Sport nicht nur Karriere, sondern hat auch einen wichtigen sozialen Aspekt. Viele Luchadores engagieren sich in ihren Gemeinden und nutzen ihre Popularität, um Aufmerksamkeit auf soziale Themen zu lenken, Kunst und Musik zu beeinflussen und mit Musikern und Künstlern zusammenzuarbeiten, die von dramatischen Inszenierungen und den bunten Charakteren inspiriert sind.
Entwicklung des Frauen-Wrestling in der WWE
Im Wrestling waren weibliche Charaktere lange nur Randerscheinungen. Mittlerweile zählen sie im Ring zu den Hauptattraktionen. In der WWE wird die Gleichberechtigung der Frauen zurzeit vorangetrieben wie in keinem anderen Sport oder Unterhaltungsbereich.
"Sie reißen sich den Arsch auf", beschreibt Wrestlingveteran AJ Styles den Einsatz seiner weiblichen Kolleginnen. "Ich sehe so viele Verletzungen und blaue Flecken in der Women's Division - sie wollen etwas erreichen und sich beweisen", führt er beim Mediengespräch in Berlin fort. Und Styles muss es wissen. Er ist seit über 20 Jahren selbst professioneller Wrestler und steigt für Schaukämpfe in den Ring.
Mittlerweile werden Frauen in der WWE genauso in Szene gesetzt wie männliche Wrestler - eine Entwicklung, die sich erst in den letzten Jahren so abgezeichnet hat. "Es hat sich definitiv verändert über die Jahre", bestätigt auch Styles diese Veränderung. Viele seiner Freunde in der WWE seien Frauen, sagt er. "Sie können zuhören. Wenn ich ihnen einen Rat gebe, dann saugen sie das förmlich auf. Ich hab Spaß, wenn ich ihnen eine Hilfe sein kann und genieße ihre Kämpfe."
Mit einem Augenzwinkern sagt der 41-Jährige, dass er eifersüchtig auf die Frauen sei. "Sie sind athletisch und sehen dabei gut aus. Bei dieser Kombination, wer wäre da kein Fan."
Wandel des Rollenbildes
Dabei hat sich das gesamte Rollenbild gewandelt. Vor über zehn Jahren waren Frauen oft nur die Ringbegleitung der männlichen Kollegen in der zwei- bis dreistündigen Show, die über die Bildschirme flimmerte. Kämpfe zwischen weiblichen Wrestlern bestanden zum größten Teil aus Haareziehen und übertrieben inszenierten Ohrfeigen. Doch das ist nicht mehr gefragt. Gutes Aussehen alleine reicht schon lange nicht.
Denn mittlerweile setzt die größte Wrestling-Liga der Welt verstärkt auf Athletik und Technik. Bepackte Muskelberge gibt es zwar noch, doch schnelles und technisches Wrestling rückt immer mehr in den Fokus - auch bei den Frauen.
Das betrifft auch die beiden Tag-Team-Champions Billie Kay und Peyton Royce. Beim WWE Media Event in Berlin beschreiben sie den besonderen Lebenstil, den auch weibliche Wrestler pflegen. "Da gehört Krafttraining, Ernährung und das stetige Reisen dazu - man bekommt in der Regel wenig bis keinen Schlaf", erklärt Royce.
Haareziehen und Ohrfeigen gehörten ihrer Meinung nach noch immer dazu, aber jeder weibliche Superstar in der WWE sei in erster Linie Athlet. "Wir belasten unseren Körper im Ring auf unglaubliche Weise", sagt die Australierin Royce." Statt Ohrfeigen bekommen die Zuschauer in aufwendig choreografierten Kämpfen Aktionen vom obersten Ringseil oder Griffe aus dem Bereich der Mixed-Martial-Arts zu sehen.
"Es gibt keine Divas mehr", meint auch Styles. Divenhaft darf höchstens die Rolle sein, in die die Wrestlerinnen schlüpfen. Das zeigen auch Billie Kay und Peyton Royce bei ihrem Auftritt in Berlin. Als "Iconics" stacheln sie gleich zu Beginn das deutsche Publikum in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena gegen sich auf - da hagelt es erst einmal Buh-Rufe von den Rängen. Das passt aber genau in das Rollenverständnis der WWE, die gerne polarisiert und "Faces" (Publikumslieblinge) gegen "Heels" ("Bösewichte") antreten lässt. Die Iconics gewinnen das Match gegen ihre Konkurrentinnen am Ende trickreich und hinterlistig.
Höhepunkt bei Wrestlemania
Der Aufschwung der Women's Division fand seinen Höhepunkt im April 2019. Bei der größten und wichtigsten Veranstaltung der WWE standen mit der ehemaligen UFC-Kämpferin Rhonda Rousey, Charlotte Flair und Becky Lynch drei Frauen im Hauptkampf vor über 82.000 Fans - ein Novum. Vor den Fernsehgeräten schauten weitere Millionen zu.
Und die WWE ist auch im finanziellen Sektor ein Millionengeschäft. Alleine Wrestlemania 35 feierte in diesem Jahr einen Rekordumsatz von 16,9 Millionen Dollar. Der hauseigene Streamingdienst des Wrestling-Konzerns verzeichnete einen Tag nach der Großveranstaltung zwei Millionen Abonnenten - für das börsendotierte Unternehmen ein großer Schritt, den auch die Frauen mittragen. Denn mit dem Aufschwung der Wrestlerinnen zu echten Superstars erreicht die WWE die wichtige weibliche Zielgruppe viel nachhaltiger.
"Die WWE ist ja ein Familienprodukt. Ob auf der Couch die Oma, das Enkelkind, Mama und Papa sitzen - es verbindet Generationen", sagt der deutsche Ex-Wrestler Sebastian Hackl, der seit neun Jahren auf Live-Veranstaltungen der WWE und bei TV-Austrahlungen kommentiert und moderiert. Hackl selbst hat zwei Töchter. Vom Boom in der Women's Division profitieren aus seiner Perspektive alle Seiten. "Es sind Charaktere, die durchweg positiv sind", sagte er im Gespräch mit n-tv.de. Als Vater könne er sagen: "Die Wrestlerin, wie sie sich mit Training und Ernährung als Athletin vorbereitet, wie sie sich artikuliert, wie eloquent sie ist - das ist ein Vorbild für meine Kinder."
"Die Frauen stehen hier im Fokus und sind Vorbilder für junge Mädchen", meint Hackl. Das sei eine "Entwicklung, die er in keinem Sport und Entertainment-Genre auf vergleichbare Weise beobachte.
Beim Thema Gleichberechtigung geht es ohnehin nicht darum, dass groß darüber diskutiert wird, betont Hackl. Das Ziel müsse sein, dass man nicht mehr drüber reden müsse, ob Frauen gleichberechtigt sind "das gilt für Fußball, Schauspielerei oder Sports-Entertainment". Beim Wrestling dürfe es gar kein Diskussionsinhalt mehr sein, ob eine Frau oder ein Mann im Match steht. "Irgendwann wird keiner mehr darüber reden, ob AJ Styles oder Rhonda Rousey im Main Event steht - am Ende steht da ein WWE-Superstar", so Hackl. Genau da sei die WWE aber bereits auf dem besten Weg.
