Tschetschenische MMA-Kämpfer: Eine Übersicht

Khabib Nurmagomedov, obwohl eigentlich aus Dagestan, ist auch in Tschetschenien ein Volksheld. Sein Titelgewinn gegen Conor McGregor brachte die Region rund um diese autonomen Kaukasus-Länder auf die internationale Karte.

Viele Kämpfer folgten seinen Schritten und sind allesamt in den Rankings der UFC:

  • Zabit Magomedsharipov
  • Movsar Evloev
  • Askar Askarov
  • Islam Makhachev
  • Magomed Ankalaev
  • Omari Akhmedov
  • Shamil Abdurakhimov
  • Khamzat Chimaev

Zabit wurde zwischenzeitlich zwar gedroppt, war aber lange Zeit im Dunstkreis für einen Titelcontender.

Mit Khusein Askhabov kämpft bald ein weiteres, ungeschlagenes Megatalent in Dana Whites Contender Series. In Tschetschenien stehen Kampfsportarten hoch im Kurs. Einer der zwei Kampfsportklubs der Republik ist der Berkut-Klub.

Der Berkut-Klub

Der Berkut-Klub hat eine eigene Liga gegründet und zieht namhafte internationale Boxer an. Alles glänzt: Die Matten auf dem Fußboden, die Holztäfelung an den Wänden, die weichen Sitze auf den Zuschauertribünen. Auch die Stirn von Amirchan Adajew.

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Amirchan Adajew ist 25 Jahre alt und Profi im Kampfsportklub Berkut in Tschetschenien. Er wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht und steigt aus dem Ring. "Wir Tschetschenen haben Sport im Blut. Alle treiben hier Sport: Wenn nicht organisiert in einem Klub, dann eben jeder für sich."

Früher hat Adajew Taekwondo gemacht, jetzt treibt er MMA, Mixed Martial Arts. Bei dieser Mischung aus verschiedenen Nahkampfstilen darf der Gegner auch noch geschlagen und getreten werden, wenn er schon am Boden liegt. In Deutschland ist MMA als besonders brutale Kampfsportart umstritten, in Tschetschenien im Gegenteil sehr beliebt.

Die Kriege in den 1990er und 2000er Jahren haben die Beziehung der Menschen zur Gewalt verändert. Im Trainingszentrum von Berkut aber geht es um Sport. Die Anlage liegt im ruhigen Städtchen Tolstojurt, umgeben von Hügeln. Magomed Uruskhanow arbeitet hier als Fitnesstrainer:

"Unsere Sportler joggen morgens erst mal durch die Berge. Rund 150 Profis kämpfen für Berkut. Vor fünf Jahren hat der Klub eine eigene Liga gegründet, die ACB, das steht für Absolute Championship Berkut." Aber auch Amateure dürfen in dem Zentrum trainieren. Der Mitgliedsbeitrag ist gering.

Trainer Uruskhanow erklärt: "Das Zentrum wurde eigentlich zum Wohle des Volkes gebaut. Ich wüsste gar, was man noch verbessern könnte. Es waren schon Champions aus Brasilien zum Training hier."

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Die patriotische Ausrichtung des Klubs ist dabei unübersehbar. Einer der Sportler trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Ich bin nicht Charlie und werde es nie sein." Im Saal hängt ein großes Porträt Wladimir Putins mit einem Zitat: "Ein Volk, das so einen Sohn herangezogen hat, verdient Verehrung." Mit dem Sohn ist Ramsan Kadyrow gemeint, Republikchef von Tschetschenien.

Manager von Berkut, Magomed Bakajew, betont: "Alles, was sich in Tschetschenien entwickelt, beginnt mit der Unterstützung unseres Republikchefs. Ramsan Kadyrow tritt für eine gesunde Lebensweise ein, für Sport, und er ist froh, dass die Jugend die Möglichkeit entdeckt hat, sich im Sport zu verwirklichen. Sport diszipliniert eben, zumal, wenn man dabei Begriffe wie Ehre hochhält."

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Bekannte Kämpfer und ihre Karrieren

Khamzat Chimaev

MMA-Profi Khamzat Chimaev ist ein Gefolgsmann des Diktators und ein Superstar in der Szene. Es dauerte nicht allzu lange, bis Khamzat Chimaev am Samstagabend seinen Gegner zur Aufgabe zwang. Vier Minuten lang dominierte er ihn nach allen Regeln der Kunst.

Spielend leicht rang er den Australier Robert Whittaker zu Boden, ließ Schläge auf ihn herunterfallen, brach ihm mit einem Würgegriff den Kiefer und zwang ihn zum Abklopfen. Die Kommentatoren springen auf, das Publikum in Abu Dhabis Etihad Arena jubelt.

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Mit seinem süffisanten Lächeln, dem voluminösen Vollbart und schwarzen Haar erinnert er an ein Raubtier. Sein Kampfname „Borz“ passt da nur zu gut - es ist das tschetschenische Wort für Wolf.

Chimaev ist nicht nur einer der momentan größten Kampfsportstars, sondern auch enger Freund des tschetschenischen Diktators Ramsan Kadyrow. Dass inzwischen oft in den Vereinigten Arabischen Emiraten gekämpft wird, ist kein Zufall. Die Neuausrichtung der Emirate als internationale Sportplayer inkludiert auch den Kampfsport.

Die Yas-Insel wurde kurzerhand zur Mixed-Martial-Arts-Me­tropole und richtete in einer Hygienebubble die Kämpfe aus. Chimaev kämpfte bereits fünf Mal in Abu Dhabi. Nicht nur, weil er sich dem Emirat als Muslim näher fühlt, sondern weil ihm die USA aufgrund seiner engen Verbindungen zu Ramsan Kadyrow ein Visum verwehrt haben.

Kadyrow inszeniert sich gerne als großen Helden, Anführer und ist das, was man im Westen getrost als toxisches Männlichkeitsideal par excellence bezeichnen kann. Als Vehikel dafür benutzt er den Kampfsport, insbesondere MMA und das Boxen.

Chimaev versteckt seine Freundschaft zu Kadyrow nicht. Im Gegenteil, in den sozialen Medien zelebriert er sie regelrecht. Die UFC ignoriert das gekonnt. Selbst dann, wenn Chimaev dem Diktator im Käfig öffentlich die Treue schwört.

Magomed Ankalaev

Nicht nur wegen Chimaevs überwältigenden Siegs war der Kampfabend UFC 308 eine gute Nacht für Kämpfer aus der Russischen Föderation. Magomed Ankalaev, ein weiterer Vorzeigeathlet aus dem Fight Club von Kadyrow, gewann seinen Kampf im Halbschwergewicht und wird den nächsten Titelkampf bekommen.

Zwar wurden Magomedov noch keine offiziellen Verbindungen zu Kadyrow nachgewiesen, dafür aber seinem Manager Ali Abdelaziz, der etliche Kämpfer des Fight Club Akhmat vertritt.

Mairbek Taisumov

Mairbek "Beckan" Taisumov zählt zu Europas großen Hoffnungen in der Lightweight Division der UFC. Der gebürtige Tschetschene ist in Wien beheimatet und bereitet sich auf seinen Kampf gegen den Top10-Kämpfer Beneil Dariush am 17. Jänner 2016 in Boston, Massachusetts vor.

Mairbek Taisumov wuchs in Tschetschenien auf, Ringen ist in seiner Heimat ein Nationalsport. Schon auf dem Schulhof wurden neu erlernte Techniken stets verfeinert. Er war elf Jahre alt, als sein Vater im zweiten Tschetschenienkrieg verstarb und seine Familie nach Wien auswanderte.

"Ich denke dass Tschetschenen hart im Nehmen sind, sie machen sich keine Sorgen um ihre Zukunft. Sie leben in der Gegenwart, was wichtig für einen Kämpfer ist".

Neben dem Kampfsport widmete sich Taisumov in Österreich auch dem Fußball. Dort wurde er "Beckham" gerufen, woraus sich schließlich sein Spitzname "Beckan" entwickelte.

Nach intensiven Diskussionen mit einem Freund, ob Ringen oder brasilianisches Jiu Jitsu der bessere Sport sei, nahm er an Trainingseinheiten der südamerikanischen Kampfkunst teil und hielt nach nur wenigen Wochen mit den Besten mit. Schließlich verschrieb sich Taisumov vollständig dem Kampfsport. Einer seiner Trainer fragte ihn, ob er sich in MMA versuchen will.

"Ja, warum nicht? In Tschetschenien kämpfen wir jeden Tag nach der Schule." Bei seinem ersten Kampf in einer Biker-Kneipe in Deutschland fragte er sich noch, wo er gelandet sei. Doch nach seinem ersten Sieg stieg seine Begeisterung für den Sport und sein Training wurde immer professioneller.

In Europa machte Taisumov schnell auf sich aufmerksam, er trat bei vielen Veranstaltungen in verschiedenen Ländern an. "Ich hab damals in Europa überall gekämpft. Wo sie gerufen haben, bin ich hingefahren." Bald meldete sich M1-Global bei seinem Manager. "Ich habe unterschrieben ohne links ohne rechts zu schauen."

Der erste Titel ließ nicht lange auf sich warten, ein Angebot von der MMA-Organisation Bellator schneite in Haus. Aufgrund einer unglücklichen Niederlage verlängerte aber Taisumov bei M1. "Innerlich fühlte ich mich schlecht, weil ich wusste, dass ich diesen Kampf eigentlich gewonnen habe. Ich habe mich entschieden nicht zu Bellator zu wechseln, weil ich eine Revanche wollte".

Da der damalige Gegner Marat Gafurov aber die Gewichtsklasse wechselte, kam es nie zu diesem Rückkampf.

Nach drei weiteren Kämpfen für M1 meldete sich die UFC bei seinem Manager. Die Freude über den Anruf mitten in der Nacht ist Taisumov noch heute anzusehen. "Weißt du welches Gefühl ich gehabt habe? Die beste Organisation der Welt ruft dich an und will, dass du für sie kämpfst!".

Drei der ersten vier UFC-Kämpfe gewann Taisumov, im Februar 2015 verlängerte er seinen Vertrag für weitere fünf Kämpfe. Den ersten davon gewann er im Juni 2015 in Berlin gegen den davor ungeschlagenen Alan Patrick per TKO und holte sich dafür auch einen 50.000-Dollar-Scheck für die "Performance of the Night" ab.

Islam Dulatov

Islam Dulatov ruft bei seinem UFC-Debüt sein Potenzial ab. Der Düsseldorfer MMA-Kämpfer Islam Dulatov hat sein Debüt in der Ultimate Championship mit Bravour gemeistert. Der 26-Jährige besiegte den US-Amerikaner Adam Fugitt bei der Großveranstaltung UFC 318 in New Orleans in der ersten Runde durch technischen Knockout.

Als "Prüfung" bezeichnete Dulatov seinen Gegner im Interview mit ntv.de. Der amerikanische Weltergewicht-Kämpfer war vor dem Duell bereits viermal in der UFC angetreten. "Andere bekommen viel leichtere Gegner zum Start", sagte er. "Dazu stehe ich auf einer großen Fightcard. Die UFC sieht in mir großes Potenzial, sagt sich: Der Junge kann mal ein Star werden, wenn er die Prüfungen besteht. Fugitt ist so eine Prüfung. Der Kampf kann ein Türöffner für mich sein."

Seinen UFC-Vertrag hatte sich Dulatov durch einen Sieg bei der Dana White Contender Series erkämpft, gegen Fugitt wollte "The Ripper", so der Spitzname des Düsseldorfers, seine Serie an vorzeitigen Siegen aufrechterhalten.

Der in Tschetschenien geborene Dulatov hatte schnell ein Gefühl für die richtige Reichweite gefunden. Immer wieder brachte er die rechte Gerade durch, wenn der etwas kleinere Fugitt nach vorne ging.

Im Clinch wollte der Amerikaner seine Akzente setzen, Dulatov wusste sich aber exzellent zu verteidigen. Aus beiden Situationen löste sich der Kämpfer aus Deutschland gekonnt. Selbst nachdem er einen Tritt gegen das Bein kassiert und das Gleichgewicht kurz verloren hatte, traf er Fugitt noch im Fallen mit einer Geraden.

Knapp 90 Sekunden vor dem Ende der ersten Runde erwischte Dulatov seinen Gegner mit einem linken Haken. Fugitt ging zu Boden, nach zwei weiteren Treffern durch den UFC-Debütanten schritt der Ringrichter ein, Dulatov war der Sieger.

"Ich habe vorher gesagt, dass ich auch mit Köpfchen kämpfen kann. Aber ich werde immer auf den Knockout gehen. 12 Kämpfe, 12 Finishes. Hier sind wir!", sagte der Düsseldorfer.