Ole Bischof: Eine Karriere im Zeichen des Judo

Ole Bischof ist einer der erfolgreichsten Judoka Deutschlands.

Frühe Erfolge und Olympiasieg

Olympiasieger 2008, Vize-Olympiasieger 2012, dazu WM-Dritter, Europameister - er hat übrigens einen kompletten EM-Medaillensatz - Universiade-Sieger, fünf Grand-Slam-Siege - seine Erfolgsgeschichte ist lang.

Verbindung zu Japan

Denn Ole Bischof ist der erfolgreichste deutsche Judoka der jüngeren Vergangenheit und durch den Sport Japan sehr verbunden. Bischof gewann bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Goldmedaille, 2012 in London Silber - und ist seit Jahren bekennender Japan-Fan. „Japan ist das Mutterland des Judo, alleine deshalb gefällt es mir dort gut“, sagt er. „Aber da Judo nicht nur eine Sportart ist, sondern eine Lebenseinstellung, mag ich auch die Kultur und die Rituale.“

Dort traf er beispielsweise den Judo-Olympiasieger von Sydney 2000 im Halbschwergewicht: „Ich bin ein großer Bewunderer von Kōsei Inoue. Seine Art und sein Charisma sind überzeugend. Und obwohl er ein paar Jahre älter und etwas schwerer ist, hatte ich das Glück, mit ihm auf der Matte zu stehen“, berichtet Bischof, der selbst als Halbmittelgewicht in der Gewichtsklasse bis 81 Kilo kämpfte.

Ole Bischof, 34, war in seiner rund 15 Jahre dauernden Karriere als Leistungssportler etwa zwei bis drei Mal jährlich in Japan, um zu trainieren. „Das nationale Trainingszentrum in Tokyo ist die weltweit beste und modernste Einrichtung für Judo. Ich bin dankbar, dass ich dort trainieren durfte und auch Freunde gefunden habe“, berichtet Bischof.

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Auch im März 2011 während der Katastrophe von Fukushima trainierte er in Japan. „Uns ist nichts passiert, wir waren im Training in der Universitätsstadt Tenri und somit weit weg“, erinnert er sich. „Wir sind dann ausgeflogen worden - unsere Angehörigen hatten Angst um uns und wir machten uns große Sorgen um die Japaner.“ Japanisch spricht der Olympiasieger nicht, „leider“, wie er sagt - außer der sportlichen Fachsprache.

Werte und Prinzipien

Bei den Philosophen unter den Kampfsportlern gelten Prinzipien wie das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen sowie der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist. „Der Sport fordert Mut, Respekt und Disziplin“, beschreibt Ole Bischof die Werte, die auch das Leben beeinflussen.

Dank dieser Fairplay-Lebenseinstellung verschmerzt er auch die verpasste Goldmedaille in London: „Kim Jae-Bum und ich haben einfach die Plätze getauscht“, sagt er - denn im Finale in Peking vier Jahre zuvor unterlag ihm der Südkoreaner noch.

Beruflicher Werdegang nach der Sportkarriere

Nachdem Ole Bischof 2012 die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in London gewann, beendete er seine Sportkarriere und wandte sich anderen Aufgaben zu. Schon während seiner aktiven Laufbahn hatte er an der Universität zu Köln Volkswirtschaft studiert.

So konnte er Ende 2012 bei dem internationalen Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers anheuern, wo er sich nun in der Hamburger Dependance mit dem Thema Exportfinanzierung beschäftigt. „Judo als typisch japanischer Sport und Volkswirtschaft haben mehr gemeinsam, als man denken mag. Es geht in beiden Bereichen um Effizienz, der Interaktion miteinander und dass man Abläufe auf den Punkt bringt“, so der junge Berater.

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Er arbeitete bei der Beraterfirma PricewaterhouseCoopers und bei Pro7/Sat1 im Bereich Finanzen/Transformation.

Seit mehr als drei Jahren ist er nun in der Familienfirma tätig. Sein Schwiegervater ist Großhändler für Lebensmittel und beschäftigt 220 Mitarbeiter. Ole Bischof ist Kaufmännischer Leiter.

Ole Bischof hielt einen Vortrag als Berater bei der Deutschen Bank, als die Olympischen Spiele 2020 nach Tokyo vergeben wurden. So erreichte ihn die Nachricht erst mit Verspätung. Dafür war die Freude umso größer. Gleich wurden Erinnerungen in ihm wach - und Ideen für 2020 entwickelt.

Für den Termin mit dem Abendblatt macht Ole Bischof eine Ausnahme: Er genehmigt sich ein Mittagessen. Oft genug lässt er es inzwischen aus, weil viel zu tun ist, na klar, aber vor allem um seinen Körper daran zu gewöhnen, dass er nicht mehr der eines Leistungssportlers ist, der mit fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag auf Touren gehalten werden will. Das Gewicht hat er gehalten, dem Augenschein nach. „Aber jetzt darf ich nur noch die Hälfte essen“, sagt Bischof. Eine Vorspeise oder einen Nachtisch wird er nicht bestellen.

Das mit dem Essen ist noch die geringste Umstellung, die das neue Leben des Ole Bischof, 34, so mit sich bringt. Er hat sich daran gewöhnt wie an den feinen Anzug, den er jetzt trägt, weil das bei seinem Arbeitgeber nun mal dazugehört: PricewaterhouseCoopers, einem Global Player im Bereich Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung. Bischofs Arbeitsbereich in diesem riesigen Unternehmensverbund nennt sich Finance & Regulation und ist an der Gasstraße in Bahrenfeld angesiedelt. Ein komplexes Thema und ein wichtiges allemal.

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Laut einer Studie des ifo-Instituts würden allein in Deutschland 200.000 Arbeitsplätze dadurch gesichert oder neu geschaffen, erzählt Bischof. Er hat nach gut einem Jahr inzwischen die wichtigsten Abteilungen seines Bereichs durchlaufen. Jetzt erwarte man von ihm, dass er „Produktives liefere“.

Nicht allen erfolgreichen Sportlern gelingt der Übergang zur zweiten Karriere derart geschmeidig. Bischof hat sich, nach dem Abitur in seiner schwäbischen Heimatstadt Reutlingen, darauf vorbereitet, so gut es neben dem Leistungssport eben möglich war. Hat in Köln ein Studium in Volkswirtschaft abgeschlossen, Schwerpunkt Statistik, und Praktika absolviert.

Den Kontakt zu seiner Firma hat er dann über den Sport bekommen. Einen Olympiasieger-Bonus aber gab es nicht. Im Auswahlverfahren bekam Bischof einen Stapel Akten auf den Tisch geknallt und 30 Minuten Zeit, daraus einen Vortrag zu entwickeln. Dazu kam noch ein Interview auf Englisch. Einen Vortrag zu halten ist nichts, was Bischof noch groß ins Schwitzen brächte. Es gehört seit dem Olympiasieg in Peking 2008 zu seinem Leistungsangebot. Themen: „Mit Kampfgeist zum olympischen Erfolg“ und „Mut im Wettbewerb mit Asien“.

Wie er sich als Deutscher in einer asiatischen Domäne behaupten konnte, das ist die Geschichte, die Bischof glaubwürdig erzählen kann. Das Spektrum der Kunden reicht von Banken und Versicherungen über Universitäten bis zum Bundeskriminalamt. Buchungen gingen immer noch ein.

Engagement und Auszeichnungen

Nach seiner leistungssportlichen Karriere ist er auch gesellschaftlich sehr engagiert. Vize-Präsident des DOSB, Engagement in der Laureus-Stiftung, nun sitzt er im Kuratorium der Stanglmeier-Stiftung. Dort hilft er, neben Judo auch weitere Sportarten in der Region um Abensberg speziell im Nachwuchsbereich zu unterstützen.

Für seine Verdienste wurde ihm nun der 6. Dan verliehen. „Es ist wirklich etwas Besonderes und ich freu mich sehr. So ein rot-weißer Gürtel ist eine besondere Ehre und es hat mein Herz sehr bewegt“, sagt er nach der Auszeichnung.

In Wirklichkeit hat Bischof den fünften Dan, ein höherer Schwarzgurt wird in Deutschland nicht vergeben. Er hat Angebote bekommen, sein Wissen als Trainer oder Funktionär weiterzugeben, sich aber dagegen entschieden: „Meine Ziele als Sportler hatte ich alle erreicht. Ich war nach Olympia in London an einem Punkt, an dem alles gesagt und getan war. Um wieder frisch zu werden, hatte ich das Gefühl, den Kopf heben zu müssen, um etwas anderes zu sehen.“ Eine neue Stadt, einen neuen Beruf, ein neues Leben.

Von seinem Olympiasieg könnte Bischof auch bald sechs Jahre danach immer noch gut leben. Er hat eine App für Smartphones entwickelt, auf denen er die acht wichtigsten Judotechniken erklärt. Sie verkauft sich prächtig. An Wochenenden bietet er häufiger Trainingslehrgänge an. Schon deshalb kann Ole Bischof mit dem Judo nicht einfach so aufhören. Vor allem aber, weil dieser Kampfsport für ihn immer mehr gewesen sei als eine reine Bewegungsform: eine Schule für Werte wie Mut, Disziplin, Kampfgeist, Respekt.

Statt 25 seien es allerdings nur noch vier Stunden Zeit, die er pro Woche für den Sport einplane. Einen Comebackversuch für die Spiele in Rio 2016 schließt er aus. Schon die Qualifikation wäre eine große Hürde: „Ich bin dann fast 37. Mit Erfahrung kann einiges herausgeholt werden, aber die Leistungsdichte im Judo ist zu hoch, um körperlich mit 24-Jährigen mithalten zu können.“

Dass er sich irgendwann wieder intensiver dem Judo zuwendet und dem Sport etwas zurückgibt, will Bischof trotzdem nicht ausschließen. Ein sportliches Ziel aber habe er nicht mehr. Was soll man auch mehr erreichen als einen Olympiasieg, im Sport, aber auch im Leben danach?

Disziplin Erfolg
Olympische Spiele Gold 2008 (Peking), Silber 2012 (London)
Weltmeisterschaft Bronze
Europameisterschaft Gold, Silber, Bronze (kompletter Medaillensatz)
Universiade Gold
Grand Slam 5 Siege