Willkommen bei einer weiteren Etappe der Reise in die Welt des Judo! In dieser Episode haben wir die Ehre, Stephan Leifeld als Gast zu begrüßen. Er ist nicht nur ein erfahrener Judoka, sondern auch Mitbegründer der Welt Judo Federation. Stephan teilt seine persönlichen Einsichten und die Entstehungsgeschichte der WJF mit uns. Er spricht über die Unzufriedenheit einiger Judo Enthusiasten wegen des sich ständig und kontinuierlich ändernden Regelwerkes der IJF.
Ausserdem ist er ein Visionär, der die traditionelle Kunst des Judo in einer sich ständig verändernden Welt bewahren möchte. Wir sprechen über den Erhalt traditioneller Techniken und die Offenheit für Fortschritt und anderen Judo Stilen. Dir gefällt der Podcast und Du möchtest das mal loswerden? Du hast Tipps für neue Themen oder magst über den Inhalt bestimmter Folgen diskutieren? Dann wähle im Formular die jeweilige Episode aus und schreib mir eine Nachricht.
Die Ursprünge des Judo
Die frühen Ursprünge des Judo spiegeln sich in der Geschichte des Jiu-Jitsu wider, das seine Wurzeln im frühen japanischen Zweikampf hat. Dessen Entwicklung wurde in frühester Zeit durch den natürlichen Wunsch der Menschen nach gegenseitigen Kraftproben sowie durch kultische Handlungen eingeleitet und in der folgenden Zeit durch den Einsatz in militärischen Konfrontationen stetig vorangetrieben. Auf diesem Wege entstanden in vielen Regionen der Welt ähnliche Kampfmethoden, die sich unterschiedlich entwickelten. So etablierte sich im Mittelmeerraum, ausgehend von Ägypten, das Ringen, während auch in China Formen waffenloser, kraftbetonter Kampftechniken auftraten. Erste historisch gesicherte Ereignisse, die eine Kampfkunst dieser Art in Japan dokumentieren, fanden im ersten vorchristlichen Jahrhundert statt.
Die Kampfmethoden dieser Zeit werden nach zwei Teilgebieten unterschieden: das „Bu-Gi“ dient als Kriegskunst militärischen Zwecken, während das „Kyo-Gi“ als Wettkampf bei Vorführungen zur Anwendung kommt. Ende des 16. Jahrhunderts ist die Etablierung eines Kampfsystems belegt, welches „Jiu-Jitsu“ genannt wird und eine direkte Vorform heutiger Jiu-Jitsu-Formen darstellt. Einen entscheidenden Impuls erhält die Entwicklung dieser Kampfkunst durch ein Waffenverbot, das zu Beginn des 17. Jahrhunderts am Hofe verhängt wird und über 60 Jahre Bestand hat. Im Jahre 1868 bedingt die Meiji-Restauration ein Ende des japanischen Feudalismus und der Herrschaft der Samurai-Clans. Die traditionellen japanischen Werte verlieren daraufhin im Volk zunehmend an Bedeutung, als sich das Land international öffnet.
Die Entwicklung durch Jigoro Kano
1876 bereist Erwin Bälz Japan, doziert an der Universität in Tokyo und erforscht nebenbei die alten japanischen Kampfkünste. Seinem Ansporn folgend beginnt sein Student Jigoro Kano ebenfalls mit dem Studium des klassischen Jiu-Jitsu. Im 20. Jahrhundert werden Jiu-Jitsu und Judo durch Kano und andere Meister in der ganzen Welt verbreitet und finden großen Zuspruch. In Deutschland wird das Jiu-Jitsu von Erich Rahn begründet und dient zur Ausbildung von Militär und Polizei.
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Am Hofe des japanischen Kaisers unterrichtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts der deutsche Medizinalrat Erwin Bälz. Ihm fiel die schwache Konstitution seiner Studenten auf, weshalb er ihnen empfahl, zur Stärkung die alten Samuraitechniken zu üben. Einer seiner Schüler, der junge Jigoro Kano, übte bei verschiedenen letzten alten Meistern der fast vergessenen Kampfkunst, hauptsächlich übte er Kito Ryu und Tenshin Shinyo ryu JuJutsu. Aus den dort erlernten Techniken entwickelte er 1882 das moderne Judo, indem er die alten JuJutsu Stile von allen gefährlichen Elementen befreite. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert. Die verbleibenden Techniken ermöglichten einen sportlichen Zweikampf, ohne dass größere Verletzungen zu befürchten waren.
Er gründete 1882 eine eigene Schule, den „Kodokan“ („Ort zum Studium des Weges“, heute in Tokio), an der er seinen neuen Sport lehrte. Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die Schüler Kanos (zuvor JuJutsu Praktizierende) im Jahre 1886 einen Kampf nach Regeln zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen JuJutsu-Schule „Ryoi-Shinto Ryu“ für sich entscheiden konnten. Aufgrund dieses Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt.
Die Verbreitung des Judo in Deutschland
1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert, und er ließ seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn. Noch im gleichen Jahr gründete er die erste deutsche Schule für asiatische Kampfkünste. 1922, nach Ende des 1. Weltkrieges, fanden die ersten Meisterschaften statt, bei denen Erich Rahn Sieger blieb. Es dauerte jedoch noch recht lange, bis die Sportler, in den eigentümlichen weißen Kitteln, endgültig anerkannt wurden. Die ersten Europameisterschaften wurden 1934 in Dresden ausgerichtet.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Durch den 2. Weltkrieg wurde die Entwicklung merklich unterbrochen. Bis 1948 war der Judosport sogar durch die Alliierten verboten. Erst 1952 wurde das Deutsche Dan-Kollegium (DDK) als Dachverband sämtlicher Budosportarten in Deutschland und 1953 der Deutsche Judobund gegründet und 1956 vom deutschen Sportbund anerkannt. Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Bei der Judo-Weltmeisterschaft 1979 in Paris errang Detlef Ultsch als Mitglied der DDR-Nationalmannschaft den ersten Judo-Weltmeistertitel für Deutschland.
Der Deutsche Judo Bund (DJB)
Der Deutsche Judo-Bund e.V. (DJB) ist der Dachverband für Judosport in Deutschland. Er ist eine Non-Profitorganisation mit mehr als 132000 Mitgliedern. Der DJB besteht aus 18 Landesverbänden und knapp 2200 Vereinen. Auf europäischer Ebene ist der DJB einer von 50 Dachverbänden der Europäischen Judo Union (EJU). Außerdem ist er dem Weltverband, der International Judo Federation (IJF), untergliedert.
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Mit den Landesverbänden und Vereinen gestaltet der DJB im gesamten Bundesgebiet flächendeckend Angebote durch das Medium (Judo)Sport mit der Zielsetzung, (junge) Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Im internationalen und europäischen Kontext konzipiert, veranstaltet und fördert der DJB diverse Jugendaustauschprogramme. Außerdem setzt er sich für die Förderung und Entwicklung des Breiten-, Behinderten-, Gesundheits- und Leistungssports ein. Zusätzlich sichert er die Aus- und Weiterbildung.
Der DJB ist Teil der Deutschen Sportjugend (DSJ), die der größte freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland darstellt und als Olympischer Verband ist er dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zugeteilt. Der Deutsche Iaido‐Bund, Deutsche Kendo‐Bund, Deutsche Kyudo‐Bund und Deutsche Sambo‐Bund sind dem Deutschen Judo-Bund untergliedert.
Die Geschäftsstelle des DJB ist in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt/Main im Gebäudekomplex des DOSB anzutreffen.Die Besucher-Anschrift lautet: Deutscher Judo-Bund e.V.
Struktur und Organisation in Deutschland
Der nationale Verband in Deutschland ist der Deutsche Judobund (DJB). Der DJB hat ca. 200.000 Mitglieder und ist damit der größte Kampfsportverband in Deutschland. Diesem wiederum unterstehen die 18 Judolandesverbände, wovon der Nordrhein-Westfälische Judo-Verband (NWJV) mit 592 Vereinen und knapp 62.000 Mitgliedern der größte Landesverband ist. Der DJB richtet die nationalen und internationalen Meisterschaften von Deutschland aus. Als weitere Organisation gibt es das Deutsche Dan-Kollegium (DDK), welches ein Jahr vor dem Judobund als Vereinigung der Dan-Träger gegründet wurde. Das DDK wurde 1956 Mitglied im Deutschen Judo-Bund und war mit der Durchführung von Graduierungen sowie mit Lehraufgaben betraut.
Judo wird in Deutschland in einzelnen Vereinen bereits für Kinder ab drei Jahren angeboten.
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Judo-Verband Berlin e.V.
Der Judo-Verband Berlin e.V. wurde im Jahr 1949 gegründet, ist Mitglied des Deutschen Judo-Bund e.V.
Polizei SV Berlin
Der Polizei SV Berlin ist ein traditionsreicher Berliner Sportverein und offen für jedermann. Der Polizei-Sport-Verein Berlin wurde am 1. Der Vorteil der ursprünglichen Zugehörigkeit zur Polizei besteht unter anderem darin, dass wir die Möglichkeit haben, die Sportanlagen in der Polizeiausbildungsstätte Ruhleben zu nutzen. Dadurch können wir ein wesentlich vielfältigeres und intensiveres Training anbieten. Die Judo-Abteilung des Polizei S.V. Wir sind Mitglied beim Judo-Verband Berlin e.V. und ein Teil unserer Sportler bilden in Berlin den Landeskader im Nachwuchsbereich U13, U14, U15, U17, U18, U20 und U21.
Bayerischer Judo-Verband (BJV)
Der Bayerische Judo-Verband (BJV) ist der zweitgrößte Landesverband in Deutschland. Hier ist seit Jahrzehnten Judo auf Spitzenniveau zu Hause. Seien es die vielen Medaillen bei Olympischen Spielen durch Paul Barth (1972 Bronze), Günter Neureuther (1976 Silber, 1984 Bronze), Richard Trautmann (1992 und 1996 Bronze), Udo Quellmalz (1992 Bronze, 1996 Gold) und Michael Jurack (2004 Bronze), bei Welt- und Europameisterschaften oder die vielen Europacup- und Bundesliga-Siege des TSV Abensberg und den TSV München-Großhadern - Bayern ist eine Judo-Hochburg.
Doch Judo in Bayern ist mehr als nur Wettkampfsport. Nicht alle Judokas wollen Wettkämpfe betreiben, sondern sich auch mit anderen Aspekten des Judos beschäftigen. Dadurch hat sich das Judo-Angebot in Bayern breit differenziert. Ob Beschäftigung mit traditionellen Judo-Formen wie der feierlichen Kata, Selbstverteidigung, die Nutzung der allseitigen körperlichen Beanspruchung durch Judo als Gesundheits- und Rehabilitationssport für Judokas im Alter von 0 bis 100 Jahren, Judo als Schulsport oder auch Judo im Behindertensport - in Bayern findet fast jeder Interessierte ein Angebot seiner Wahl. Um dieses Angebot aufrecht erhalten zu können, unternimmt der BJV große Anstrengungen. Durch viele Lehrgänge und Fortbildungsangebote werden Sportler und Trainer auf dem laufenden Stand gehalten und können auch modernste Erkenntnisse in ihr Training integrieren.
Die Entwicklung zum Wettkampfsport
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich Judo immer mehr vom Nahkampfsystem zum Wettkampfsport. Schlag-, Tritt- und andere den Gegner ernsthaft verletzende Techniken wurden als für den Wettkampf unnötig nicht mehr unterrichtet und gerieten dadurch teilweise in Vergessenheit. Die verbliebenen Techniken sind hauptsächlich Würfe (jap. Nage Waza), Falltechniken (jap. Ukemi Waza) und Bodentechniken (jap. Katame Waza). Entgegen der landläufigen Meinung gehören Schlag- und Tritttechniken nach wie vor zum Judo. So sind in Katas wie der Kime-no-Kata oder der Kodokan Goshin-Jutsu immer noch potentiell tödliche Aktionen vorhanden.
Allerdings werden Schläge und Tritte wie auch manch andere gefährlichere Techniken im heutigen Judo, wenn überhaupt, erst zur Erlangung höherer Graduierungen als Judo-Selbstverteidigung unterrichtet.
Weltmeisterschaften und Olympische Spiele
1956 fanden in Tokio die ersten Weltmeisterschaften statt. Damals gab es allerdings nur eine offene Gewichtsklasse. 1961 bei den dritten Weltmeisterschaften in Paris wurden dann erstmals Gewichtsklassen eingeführt. Dort gelang es dem Niederländer Anton Geesink erstmals, die Vormachtstellung der Japaner zu brechen und die japanischen Judoka zu besiegen.
Bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Der aus Köln stammende Wolfgang Hofmann gewann als erster Deutscher eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen. Zu diesem Anlass brachten die Deutsche Bundespost und auch die Deutsche Post der DDR eine 20-Pfennig-Briefmarke mit Judo-Motiv heraus. 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt wurde Judo zunächst wieder aus dem olympischen Programm gestrichen. Seit den Olympischen Spielen 1972 in München gehört Judo beständig zum olympischen Programm.
War Judo zunächst eine Männerdomäne, so wurde 1988 Frauen-Judo bei den Olympischen Spielen in Seoul als Demonstrationswettbewerb vorgestellt. Seit den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 ist auch Frauen-Judo im olympischen Programm.
Im Jahre 1988 war Judo erstmals bei den Paralympics in Seoul mit dabei. Seit 2004 in Athen gibt es auch Frauen-Judo im Programm der Sommer-Paralympics. Judo wird bei diesen Spielen von Blinden und Menschen mit geringem Sehvermögen praktiziert. Die paralympischen Athleten folgen denselben Regeln wie die Nichtbehinderten. Eventuelle Defizite werden durch zusätzliche Regelungen ausgeglichen. So besteht ein wesentlicher Unterschied darin, dass sich die Kämpfer und Kämpferinnen zur besseren Orientierung vor Kampfbeginn berühren dürfen.
Seit Shanghai 2007 ist ID-Judo ein offizieller Wettbewerb und seitdem alle vier Jahre bei den Special Olympics vertreten. Judo wird bei diesen Spielen von Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung praktiziert.
| Organisation | Mitgliederzahl |
|---|---|
| Deutscher Judo Bund (DJB) | Ca. 200.000 |
| Nordrhein-Westfälischer Judo-Verband (NWJV) | Ca. 62.000 |
