Taekwondo (auch bekannt als Tae Kwon Do) ist eine Selbstverteidigungskunst, die ihren Ursprung in Korea hat. Sie gilt als eine der ältesten Kampfsportarten der Welt und ist über 2.000 Jahre alt. Der Name Taekwondo (koreanisch 태권도) stammt aus dem koreanischen Wort „Tae“ bedeutet Fuß, „Kwon“ bedeutet Faust und „Do“ bedeutet Weg. Also, wörtlich bedeutet Taekwondo „der Weg des Fußes und der Faust“.
Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, deren Geschichte sich über viele Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. In Schriften über die Geschichte des Taekwondo wird Taekwondo gewöhnlich als einzigartiges Produkt der koreanischen Kultur dargestellt, das sich im Laufe der langen koreanischen Geschichte seit der Zeit der Drei Reiche entwickelt hat.
Die historischen Wurzeln
Schon Wandgemälde aus der Koguryo-Dynastie, dem etwa um 37 v. Chr. gegründeten koreanischen Königreich, zeigen Kämpfer beim Ausführen von Kampftechniken, die noch heute im Taekwondo gebräuchlich sind. Während seiner langen Geschichte nahm die Sportart verschiedene Elemente der koreanischen Kultur auf. Vor allem Einflüsse aus dem Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus sind bis heute wirksam: geistige Konzentration, Meditation, Respekt vor dem Meister oder älteren Schülern.
Im alten Korea entwickelten die Koreaner Waffen zum Sammeln von Nahrung und zur Selbstverteidigung und entwickelten ihren Geist und Körper durch Freizeitspiele und Wettkämpfe. Jeder Stamm nahm während der rituellen Jahreszeiten an Wettbewerben in der Kampfkunst der Krieger teil, wie z. B. „Yongko“ im Puyo-Staat, „Tongmaeng“ im Koguryo-Staat, „Muchon“ in den Staaten Ye und Mahan und „Kabi“ in der Silla-Dynastie.
Die alten koreanischen Krieger trainierten die Militärkunst „Farando“ (bei der Kopf-, Ellbogen- und Fußtechniken zum Kampf gegen den Feind eingesetzt wurden). Sie entwickelten zwei spezielle Trainingssysteme: geliehene Kraft und Raumverkürzung. Geliehene Kraft bedeutet, dass man sich die Kraft eines großen Wesens oder einer Sache leiht, z. B. indem man seine Kraft durch die Vereinigung mit dem Großen Geist oder durch Kräuter oder Trainingsgeräte verstärkt.
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Der früheste Einfluss eines anderen Landes auf die koreanischen Kampfkünste war vermutlich eine chinesische Form des Hand- und Fußkampfes namens „Kwon-Bop“ (Schlag- und Stoßtechniken, die auf Kung-Fu basierten). Einige glauben, dass während der chinesischen Sung- und Ming-Dynastien „Nei-chia“ (internes Kung-Fu) und „Wai-chia“ (externes Kung-Fu) ebenfalls in Korea eingeführt wurden.
Entwicklung in den Königreichen
Militärische Persönlichkeiten gehörten während der Drei-Königreiche-Ära zu den bekannten prominenten nationalen Führern. Diese militärische Orientierung führte zur Entwicklung von Kriegergruppen wie der „Chouisonin“ von Koguryo (die einzelnen Mitglieder wurden „Sonbae“ genannt) und der als „Hwarang-do“ bekannten Gruppe des Silla-Kriegeradels aus dem sechsten Jahrhundert (die einzelnen Mitglieder wurden Hwarang genannt).
Der 24. König von Silla, Chin Heung, bildete eine Gruppe von Kriegern, die HwaRang genannt wurden. Sie wurden in Waffen wie Schwert, Speer und Bogen geschult. Diese Krieger widmeten ihr Leben diesen kriegerischen Fähigkeiten in der Hoffnung, dass sie Silla retten konnten. Die HwaRang studierten auch eine unbewaffnete Form des Kampfes namens SooBak. SooBak war eine primitive Form von Fußkämpfen, mit etwas Hand, aber meistens Fußtechniken.
Won Kang, ein buddhistischer Mönch und Gelehrter, schuf nicht nur edle Krieger, sondern eigentlich eine Denkweise für die HwaRang:
- Loyalität gegenüber dem König.
- Gehorsam gegenüber den Eltern.
- Ehrlich gegenüber Ihrem Kumpel.
- Tapferkeit im Kampf.
- Töten Sie nicht ungerechtfertigt.
Koryo-Dynastie
Die Koryo-Dynastie war eine Zeit für Wachstum und Entwicklung in den Kampfkünsten. Während dieser Zeit gewann der unbewaffnete Kampf seine größte Popularität. Es wurde geglaubt, dass Soo Bak nach China eingeführt wurde und dort als Kwon Pup bekannt wurde. Soo Bak änderte auch seinen Namen in Soo Bak Gi wegen der neuen Techniken und der geistigen Disziplin, die dem Stil hinzugefügt wurde.
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Tae Kyon und Soo Bak Gi Wettbewerbe wurden auf jährlichen Festivals von dem König gegeben gehalten. Die Sieger dieses Wettbewerbs erhielten hohe Belohnungen. Das koreanische Militär fing an, ihre Soldaten in den beiden Kampfstile zu unterrichten. Da die Soldaten diese Künste erlernten und praktizierten, verbreiteten sie auch während ihrer Reisen diese Kampfkunst.
Yi-Dynastie
Während der Yi-Dynastie hat Korea (Yi-shi-Choson) einen dramatischen Wandel vom Buddhismus, der vorherrschenden Religion, zum Konfuzianismus gemacht. Diese Veränderung brachte einen chinesischen Einfluss auf die Regierung und die Menschen dieser Zeit. Militärführer begannen ihre Macht zu zivilen Staatsmännern zu verlieren, die an die kulturelle Entwicklung ihrer Zivilisation glaubten. Die Menschen als Ganzes begannen, das Interesse an dem Kampf der Kampfkünste zu verlieren. Das Studium der Kampfkünste, einschließlich der Waffen, wurde dem Militär verboten.
Es gab jedoch einen wichtigen Beitrag zu den Kampfkünsten, als König Jong Jo ein Handbuch der militärischen Künste schrieb, einschließlich der Waffenkünsten, Tae Kyon und Soo Bak Gi. Das Handbuch, geschrieben von Lee Duk Mu, enthielt detaillierte Abschnitte über den unbewaffneten Kampf und bewahrte damit die Techniken dieser Kampfkünste schriftlich.
Japanische Besatzung
Als nun Japan in Korea (Choson) großen Einfluss hatte, wurden viele Dinge verändert. Alle Wettkampfsportarten und Kampfkünste wurden verboten. Nur das Militär, jetzt unter japanischer Kontrolle, konnte Kampfkünste ausüben. Soo Bak Gi wurde im Geheimen geübt und änderte bald seinen Namen wieder zu Soo Bak Do. Japanische Kampfkünste wurden zu diesem Zeitpunkt in Korea eingeführt. Die Koreaner hatten großes Interesse daran.
Aufgrund der Friedensverträge zwischen den Japanern und den Koreanern wurden japanische Kampfkünste, wie Kendo („Weg des Schwertes“), Judo, Karate und Aikido in allen koreanischen Schulen gelehrt.
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Die Gründung des Taekwondo (1955)
Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der japanischen Besatzung erlebte Korea eine Phase der kulturellen Wiederbelebung. Während dieses Prozesses erlebten die Kampfkünste, die von den Besatzungsmächten verboten worden waren, einen neuen Aufschwung. Das koreanische Volk, das sich geschworen hatte, nie wieder überwältigt zu werden, begrüßte die Verbreitung der Kampfkünste im ganzen Land. Dies war die Geburtsstunde der modernen koreanischen Kampfkünste.
Der Begriff „Taekwondo“ wurde erstmals 1955 offiziell geprägt - als Ausdruck für eine eigenständige, koreanische Kampfkunst. Der Name bedeutet übersetzt „Weg des Fußes und der Hand“ (Tae = Fuß, Kwon = Faust, Do = Weg). Choi Hong Hi gilt als eine der Schlüsselfiguren der Bewegung. Er war maßgeblich an der Systematisierung der Techniken beteiligt und verbreitete Taekwondo in den folgenden Jahren auch international.
General Choi setzte sich am 11. April 1955 mit dem Namen Taekwondo als neue Stilbezeichnung für die verschiedenen karatebasierten Kampfkunststile durch. Nachdem anfänglich noch das Formensystem des Karate Verwendung fand (sog. Kata), entwickelte General Choi zusammen mit einigen fähigen Assistenten schließlich in den Jahren 1955 bis 1964 ein System von mit zwanzig Übungsformen (die sogenannten Chang-Hon Hyong).
1955 führte General Choi Hong-hi im Auftrag der südkoreanischen Regierung Taekwando als Nationalsport ein. Seit dieser Zeit wird diese koreanische Kampfkunst auch in Europa unterrichtet.
Die Kwans
Als die einheimischen Künste und die japanischen Künste in Korea an Popularität gewannen, entstanden in Korea mehrere Kwans (Schulen), die japanisch beeinflusste Kampfkünste lehrten:
- 1945: Chung Do Kwan.
- 1945: Moo Duk Kwan.
- 1946: Yun Moo Kwan.
- 1946: Ji Do Kwan.
- 1946: Chang-Moo-Kwan.
- 1946: Chi-Do-Kwan.
- 1946: Song-Moo-Kwan.
- 1953: Oh-Do-Kwan.
- 1953: Kang Duk Won.
- 1954: Jung Do Kwan.
- 1954: Han Moo Kwan.
Internationale Verbreitung und Wettkampforientierung
Ab den 1960er-Jahren verbreitete sich Taekwondo durch Demonstrationen, Militärkooperationen und Auslandsmissionen rasch weltweit. World Taekwondo (WT). Damit wurde ein modernes, sportlich orientiertes Taekwondo-System geschaffen - inklusive internationaler Wettkämpfe und standardisierter Regeln.
1971 wurde Taekwondo in Korea als Nationalsport anerkannt und 1973 wurde die WTF offiziell gegründet. Im selben Jahr fand in Seoul die erste Weltmeisterschaft im Zweikampf statt.
Die WTF wurde 1973 als Reaktion auf die Emigration von General Choi Hong-Hi und die parallel stattfindende Verlegung der ITF-Zentrale nach Kanada gegründet. Das Hauptquartier der World Taekwondo Federation ist das Kukkiwon in Seoul (Südkorea). Im Kukkiwon, der internationalen Zentrale des Taekwondo, dreht sich alles um den Kampfsport und seine Geschichte. Das Kukkiwon wurde 1972 fertig gestellt und seit 1973 befindet sich dort das Sekretariat und der Hauptsitz des WTF. Heutiger Präsident des WTF ist Dr.
1988 feierte Taekwondo seine Premiere als Demonstrationssport bei den Olympischen Spielen in Seoul. Seit 2000 ist es fester Bestandteil des olympischen Programms.
Taekwondo in Deutschland
Als Meilenstein der Taekwondo Geschichte in Deutschland wurde 1981 in Frankfurt die DTU - Deutsche Taekwondo Union gegründet. Die Bayerische Taekwondo Union hat in ihrer über 20 jährigen Geschichte einen rasanten Mitgliederzuwachs verzeichnet und umfasst heute 180 Vereine mit ca.
Bereits 1964 wurde der erste und älteste Taekwondo Verein Deutschlands gegründet, der TV Garmisch. 1965 dann tourte ein koreanisches Demoteam unter der Leitung des späteren ITF-Gründers Choi Hong-Hi durch Afrika, den Nahen Osten und Europa. In Deutschland waren Frankfurt und München die Stationen.
Ein Jahr darauf folgte Kwon, Jae-Hwa dem Ruf der Oh-Do-Kwan Kampfsportschule von Carl Wiedmeier nach München, der ihm eine Anstellunge als Cheftrainer für Taekwondo bot.
1968 wurde die Sektion Taekwondo im Deutschen Judo Bund - die Vorgängerin der Deutschen Taekwondo Union (DTU) - gegründet, im selben Jahr fand in München die erste Deutsche Meisterschaft statt. Auch an der ersten Weltmeisterschaft 1973 in Seoul nahm ein deutsches Team teil.
1981 wurde die Deutsche Taekwondo Union (DTU) gegründet. Heute umfasst sie 18 Landesverbände mit rund 60.000 Mitgliedern
Techniken und Disziplinen
Die beiden wichtigsten Bereiche des Taekwondo sind der Wettkampf und der Formenlauf. Der Formenlauf (Poomse) umfasst verschiedene, von der Gürtelgraduierung abhängige Formen, die jeweils eine bestimmte Bedeutung haben.
Heute unterteilt sich Taekwondo in verschiedene Disziplinen, die als Schwerpunkt im Training vorkommen:
- Selbstverteidigung: Hierbei wird ohne Regeln gekämpft, Ziel ist es, sich zu verteidigen.
- Freikampf: Kampf nach Taekwondo-Regeln mit dem Trainingspartner.
Es werden grundlegende Bewegungsabläufe erlernt und geübt. Mit dem Wissen um die richtige Technik können fast alle Körperteile als Abwehr- bzw. Angriffswerkzeuge genutzt werden. Eine der ersten Techniken, die man im Taekwondo lernt, ist der gleichseitige Fauststoß Bandae Jireugi. Die Technikprinzipien, die dem Fausstoß zugrunde liegen, findet man in vielen anderen Angriffstechniken wieder.
Formen sind festgeschriebene Bewegungsabläufe bestehend aus Einzeltechniken, die zu Kombinationen zusammengefügt wurden. Diese stellen einen Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner dar. Die Poomsae dient zur Übung und Perfektionierung der Grundtechniken. Der Sportler kann diese Formen im Gegensatz zu einem realen Kampf alleine üben.
Schrittkämpfe sind Partnerübungen nach festgelegten Regeln, in denen Grundtechniken als Vorstufe zum Wettkampf trainiert werden. Nach der erfolgreichen Abwehr des gegnerischen Angriffs wird die Übung durch einen gezielten Fußtritt Yop Chagi zum Solarplexus des Angreifers beendet.
Gürtelgrade im Taekwondo
Durch eine bestandene Prüfung erhält der Sportler das Recht und die Pflicht seine neue Graduierung - erkennbar durch die unterschiedlichen Gürtelfarben - zu tragen. Die unterschiedlichen Stufen der Farbgurte bezeichnet man als Kup-Grade. Die Schwarzgurte bezeichnet man als Dan; sie werden von Taekwondo-Meistern getragen.
| Kup-Grad | Gürtelfarbe | Bedeutung |
|---|---|---|
| 10. Kup | Weiß | Anfänger, Unwissenheit, Reinheit |
| 9.-8. Kup | Gelb | Farbe der Erde. Erste Wurzeln zeigen sich. Die Grundlage allen Lebens. |
| 7.-6. Kup | Grün | Die Wurzeln haben ausgeschlagen, die Pflanze zeigt sich und beginnt zu wachsen. |
| 5.-4. Kup | Blau | Die Pflanze wächst in den Himmel. Ein gewisser Fortschritt der zu Höherem befähigt, ist schon erreicht. |
| 3.-1. Kup | Rot | Signalfarbe für Vorsicht, Achtung. Hier ist etwas Bedeutendes im Entstehen. Vorstufe zum Dan-Grad. Ein Meister naht. |
| 1.-9. Dan | Schwarz | Schwarz ist die Farbe des Meisters. Sie nimmt alle Farben in sich auf. |
Taekwondo ist also nicht nur eine Sportart, sondern vor allem eine Form der Charakterbildung.
