Wie lange dauert ein Kickbox Kampf? Regeln und Wissenswertes

Kickboxen ist eine vielseitige Kampfsportart, die sowohl Technik als auch körperliche Fitness erfordert. Hier erfahren Sie, wie ein Kickboxen Training abläuft, welche Inhalte Sie lernen und wie Ihnen als Anfänger am besten der Einstieg in diese Kampfsportart gelingt.

Das Training: Von Aufwärmen bis Technik

Das Aufwärmen steht am Anfang jeder Trainingseinheit. Übungen, die den Kreislauf fordern, wärmen gleichzeitig die Muskulatur auf. Beispielsweise kann man einige Runden in der Halle laufen oder Seilspringen. Denkbar ist auch ein leichtes Boxtraining mit Partner im Form eines Sparrings oder Pratzentraining.

Ist die Muskulatur warm, und insbesondere die Beinmuskulatur, kann man mit Dehnübungen beginnen. Die Sehnen und Bänder der Oberschenkel-Innenseite werden bei hohen Beintechniken besonders stark beansprucht und müssen deshalb gut gedehnt werden.

Nachdem man gut aufgewärmt und gedehnt ist, geht man häufig zum Lernen oder Verbessern von Techniken über. Beim Einstudieren der Techniken stellen sich die Trainingsteilnehmer am besten vor einen Spiegel und ahmen die Bewegungen des Trainers nach. Einem guten Trainer gelingt es, den Bewegungsablauf, den Sinn einer Technik sowie häufige Fehler anschaulich und verständlich zu erklären. Auf diese Weise lernen Anfänger zum einen neue Techniken und Fortgeschrittene verbessern ihre Techniken.

Die Trainingsteilnehmer sollen sich ständig verbessern, indem sie die Techniken und Kombination immer wieder am Partner, am Boxsack und beim Schattenboxen üben. Das ist der Grundgedanke des Trainings. Boxsacktraining und Krafttraining erhöhen die Schlaghärte. Die Arbeit mit Pratzen steigert die Koordination und Reaktionsfähigkeit. Beim Schattenboxen arbeitet man an Technik und Schnellkraft.

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Beim Kickboxen spielen neben Technik auch Ausdauer und Schnellkraft eine große Rolle. Die Ausdauer lässt sich zu Hause beispielsweise durch Joggen oder Seilspringen, die Schnellkraft durch Boxsacktraining oder Schattenboxen maßgeblich verbessern. Liegestütze auf Fäusten erhöhen die Schlagkraft der Boxtechniken, Kniebeugen den ausgeübten Druck bei Stoßtritten wie dem Front-Kick und dem Side-Kick.

Für hohe Präzision bei Fußtritten im Kopfbereich ist außerdem fast tägliches Dehnen notwendig. Viele Dehnübungen sind alleine zu Hause durchführbar. Für die heimischen vier Wände ist beispielsweise ein umfangreiches Spagattraining bestens geeignet. Hervorragende Dehneffekte erzielt man auch mit einem Partner, der bei den Dehnübungen sanften Druck ausübt. Idealerweise tut man sich hier privat mit Gleichgesinnten zusammen.

Empfehlenswerte Literatur

In diesem Ratgeber mit vielen Bildern erklärt der achtfache Weltmeister Klaus Nonnemacher anschaulich die Grundtechniken bis hin zu wirkungsvollen Kombinationen für Training und Wettkampf. Der Leser erhält gute Tipps, das Training mit verschiedenen Methoden und Geräten noch effektiver zu gestalten. Ein 12 Wochen Trainingsplan zur Vorbereitung auf Wettkämpfe rundet das Buch ab.

Kickboxer, die das Einstieger-Niveau bereits hinter sich gelassen haben, finden in diesem Werk von Christoph Delp ein hevorragendes Buch zur Technik und Taktik auf Wettkampfebene. Mit anschaulichen Bildern geht der Autor auf Verteidigungs- und Kontertechniken und auf Körpertäuschungen und Finten ein, um den Gegner zu überlisten. Ein weiterer Teil des Buches bildet der Trainingsplan mit speziellen Fitnessübungen zur Vorbereitung auf Wettkämpfe. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Wettkampftaktiken und Aspekte der Selbstverteidigung.

Die körperliche Fitness ist neben Technik und Taktik ein wichtiger Baustein zur erfolgreichen Teilnahme an Wettkämpfen. Hier finden Sie einen Trainingsplan, der ihre Ausdauer, Schnellkraft und Schlaghärte verbessert und Sie so optimal auf ihren nächsten Wettkampf vorbereitet.

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Kickboxen für Kinder

Der Einstieg ins Kickboxen ist für Kinder gut geeignet. Das Kämpfen mit umfangreichen Körperschutz mildert die Härte der körperbetonten Boxtechniken und Fußtritte entscheidend ab. Zusätzlich stärkt Kickboxen das Selbstbewußtsein und verbessert die Fitness.

Leichtkontakt: Fair und Taktisch

LEICHTKONTAKT: Fair. Taktisch. Das ist Leichtkontakt.

Es handelt sich in der vollen Bedeutung des Wortes um absoluten Leichtkontakt, d.h. saubere, gut kontrollierte Techniken, die explosiv und kraftvoll mit leichtem Kontakt treffen. LC wird in „Continious Fight" (Durchkämpfen) ausgeführt. Nur der Hauptkampfrichter unterbricht durch das Kommando „stopp" oder „break" das Kampfgeschehen.

Leichtkontakt ist die Vorstufe zum Vollkontakt als Trainings- und Wettkampfform. Es werden Techniken des Vollkontakt und Point Fighting genutzt, die gut kontrolliert auf die erlaubten Trefferflächen ausgeführt werden. Hand- und Fußtechniken sollten im ausgeglichenen Verhältnis ausgeführt werden. Mundschutz (Farbe egal) für Ober- oder Ober- und Unterkiefer sind erlaubt.

Auf Landesebene dauert der Kampf 2 Runden a' 2 Minuten mit 1 Minute Pause oder 1,5 Minuten mit 30 Sek. Der Hauptkampfrichter leitet den Kampf und sorgt für die Einhaltung der Regeln. Er ist dafür verantwortlich, dass der Kampf nur dann geführt oder weitergeführt wird, wenn beide Kämpfer absolut kampffähig sind. Beim geringsten Verdacht einer Verletzung muss der Kampf unterbrochen werden.

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Bekannte Persönlichkeiten

Peter Zaar Junior ist mehrfacher Deutscher Meister, mehrfacher World Cup Sieger, Europa und Weltmeister. Er ist eine feste Größe im Deutschen Leichtkontakt Nationalkader.

Regelverstöße

Es gibt verschiedene Verbände im Kickboxen wie z. B. WAKO, IAKSA usw., die ähnlich wie beim Boxen jeweils Ihre eigenen Regeln aufgestellt haben. Hier sind einige Beispiele für Regelverstöße:

  • Mit beiden Armen gleichzeitig schlagen.
  • Vorlaufen mit gestrecktem Arm.
  • Den Gegner stoßen oder wegschieben.
  • Dem Gegner ohne Technik den Rücken zudrehen.
  • Weglaufen.
  • Sich Fallen lassen.
  • Ausspucken des Zahnschutzes.
  • Abducken unter die Gürtellinie.
  • Mit den Händen den Boden berühren.
  • Klammern (sog. Clinchen).
  • Halten des Gegners.
  • Techniken ohne Blickkontakt.
  • Ringen und Judo-Würfe.
  • Beißen, Spucken oder Kratzen.
  • Einen Gegner anzugreifen, der zwischen die Ringseile geraten ist oder ihn zwischen den Seilen einklemmen.
  • Einen Gegner anzugreifen, der zu Boden fällt oder auf dem Boden liegt.
  • Festhalten am Ringseil und zu kicken oder zu schlagen.
  • Sich in die Ringseile fallen zu lassen und Schwung holen um zu kicken oder zu schlagen.
  • Verlassen des Ringes oder der Wettkampffläche während des Wettkampfes.
  • Aktionen nach dem Kommando "Stop".
  • Ausführung von Techniken mit vollem Kontakt beim Semi- oder Leichtkontakt.
  • Dass übermäßige Aufbringen von Fetten oder Flüssigkeiten auf Gesicht, Körper oder Schutzausrüstung.
  • Beleidigungen des Schiedsrichters.
  • Unsportliches Verhalten vor, während und nach des Wettkampfes.
  • Vor dem Gegner weglaufen.
  • Abbrechen des Wettkampfes ohne offizielle Unterbrechung durch den Hauptkampfrichters.
  • Heben der Hand, um einen Treffer anzuzeigen.
  • Angriffe gegen die Arme.

Regelverletzungen können zu Verwarnungen, Minuspunkten oder auch zur Disqualifikation führen.

Punktesystem und Wertungen

Das Punktesystem ist abhängig von den Disziplinen.

  • „1 bzw. 2 Point red bzw. blue“ » Ein bzw. 2 Wertungspunkte für die rote bzw. blaue Seite
  • „no score“ » Keine Wertung - bei keinen Treffer
  • „one, two, three, four, five, six, seven, eight, nine, ten“ » Anzählen
  • „RSC - referee stops contest“ » Der Kampf wird abgebrochen, z. B. Sieg durch Niederschlag - K.O.

Ringbeschaffenheit

Der Ring muß mindestens die Außenmaße 7,2 x 7,2 m haben.

Kampfdauer

Jeder Kampf dauert 3 Runden a 3 Minuten.

Knockout (K.O.)

Artikel 4 - K.O. Wenn ein Kämpfer durch einen zulässigen Treffer zu Boden geht, beginnt der Zeitnehmer das Signal zum Rundenende. Der Kämpfer hat 10 Sekunden Zeit, um den Kampf wieder aufzunehmen. Gelingt dies nicht, gilt der Kämpfer nicht als K.O.

Wann wird der Kampf abgebrochen?

Der Kampf wird abgebrochen, wenn:

  1. Offensives Kampfverhalten der Kämpfer nicht gegeben ist.
  2. Eine Technische Knock Out oder Disqualifikation vorliegt.
  3. Ein Kämpfer drei Mal in einer Runde angezählt wird oder vier Mal während des gesamten Kampfes angezählt wird.
  4. Ein Kämpfer sich nicht verteidigen kann oder seine Gesundheit gefährdet ist.

Erlaubte Techniken

  1. Alle Boxtechniken, ebenso Backfist.
  2. Fußfeger sind nur erlaubt, wenn ein sofortiger Konter erfolgt.

Verhalten bei Verletzungen

Bei Verletzungen gelten folgende Regeln:

  1. Der Ringarzt entscheidet, ob der Kampf fortgeführt wird oder nicht.
  2. Während der Runde darf der Arzt den Kämpfer nicht behandeln.
  3. Nach dem Kampf hat der Kämpfer sich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen.

Weitere wichtige Regeln

  • Es dürfen keine Gegenstände, wie Handtuch, Eimer etc. in den Ring geworfen werden.
  • Das Aufbringen von Vaseline im Gesicht ist erlaubt, aber keine andere Substanz.

Diese Informationen bieten einen umfassenden Einblick in die Welt des Kickboxens, von den Grundlagen bis hin zu den fortgeschrittenen Regeln und Taktiken.