Für einen Kampfkunstinteressierten, der sich entschliesst, Karate-Do zu erlernen, beginnt ein langer Weg, über dessen Ziel er selbst noch gar keine oder eine oft falsche Vorstellung hat. In der Kampfkunst sind die einzelnen Etappen des Weges bis hin zum Meister in verschiedene Schüler- und Meistergrade unterteilt, bei der in der Regel jedem Grad eine eigene Gurtfarbe entspricht.
Die Aufteilung des Wegs zum Schwarzen Gürtel in einzelne Etappen erlaubt es den Kampfkünstlern, sich schrittweise auf ein jeweils neues Ziel zu konzentrieren. Jeder Kampfkunstschüler beginnt mit dem Weißen Gürtel und hat als grosses Ziel den Schwarzen Gürtel vor Augen.
Der Gürtel - allen voran natürlich der Schwarze Gürtel, der eine hohe Stufe markiert - ist damit nicht nur das große Ziel der Kampfkünstler, die in ihrem Fach vorankommen wollen, sondern auch und insbesondere ein Must-have für Kampfkunstlehrer, die damit nicht nur ihr Können krönen, sondern auch als großes Vorbild für ihre Schüler gelten möchten. Lehrer und Trainer erfüllen damit nicht zuletzt auch die an sie gerichteten Erwartungen.
Das Kyu- und Dan-System
Um das Voranschreiten in dieser Stufe zu symbolisieren, wurde das Kyu-System eingeführt, das an den verschiedenen Gürtelfarben erkennbar ist. Je weiter der Karateka im Kyu-System voranschreitet, desto mehr Hindernisse stellen sich ihm in den Weg, die er anfangs als solche gar nicht erkennt. Diese scheinen von aussen auf ihn einzuwirken, sind aber meist Hindernisse, die in seinem inneren entstehen.
Er begegnet verschiedenen Gefühlen wie z.B. Zweifel oder Unlust mit denen er sich auseinander setzen muss und die es zu bekämpfen gilt. Alle diese Hürden und viele weitere begegnen dem Karateka immer wieder aufs neue, aber um aus der Shu-Stufe herausbrechen zu können, muss er sich mit diesen Hürden auseinander setzen und sie meistern.
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Erreicht ein Karateka die Stufe des ersten Dan (Schwarzgurt - Kuro-Obi), so wird oft angenommen, dass er nun die Kampfkunst gemeistert hat. Dies ist aber grundlegend falsch, da der erste Dan nur anzeigt, dass der Schüler die technischen Grundlagen gemeistert hat. Er ist nun bereit die Shu-Stufe zu verlassen und sich mit dem Geist des Budo zu befassen. Das Dan-System ist deshalb noch einmal in verschiedene Stufen unterteilt worden, um auch hier ein voranschreiten symbolisieren zu können.
Im Gegensatz zum Kyu-System gibt es aber hier keine Unterscheidungen durch eine Gürtelfarbe, sondern sie bleibt hier durchgehend schwarz.
Die Bedeutung des Schwarzen Gürtels
Viele, die Karate betreiben, setzen sich das Erreichen des schwarzen Gürtels zum Ziel. Mit dem schwarzen Gürtel fängt Karate-Do erst richtig an, so wie mit einem EFZ das Berufsleben erst richtig anfängt, oder mit einer Matura die Uni.
Der Schwarze Gürtel ist allerdings nicht das Ende der Reise, sondern deren Anfang: Erst mit dem Schwarzen Gürtel beginnt für den Kampfkünstler das ernsthafte Training. Das Durchhaltevermögen und die Willensstärke, die Kampfkünstler auf ihrem Weg zum Schwarzen Gürtel entwickeln, sind positive Eigenschaften, die ihnen auch in den anderen Bereichen ihres Lebens zugutekommen.
Wer den Schwarzen Gürtel trägt, hat über Jahre sich und seine Stärken kennengelernt und weiss, wie er diese Stärken auch im Falle der Verteidigung einsetzen kann.
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Der Weg des Lernens und Lehrens
Dominik Steiger, mit dem Erreichen des Schwarzgurts sind Sie nicht mehr Schüler, sondern Lehrer. Das heisst, Sie haben jetzt die Lehrerausbildung abgeschlossen? Dominik Steiger: Nein, ich fange jetzt eigentlich erst mit der Lehrerausbildung an, vorher war ich sozusagen Grundstufen-Schüler. Richtig ist aber, dass ich jetzt berechtigt bin, Schüler auszubilden.
Im Karate kann man als Schwarzgurt zehn Dans erreichen. Allerdings gibt es weltweit nur sehr wenige, die dies schafften. Um die Prüfungen für den ersten Dan abzulegen, muss man ein Jahr warten, für den zweiten Dan zwei Jahre usw. Es ist daher allein vom Alter her sehr schwierig, auf die allerhöchste Stufe zu kommen, denn man muss sich ja auch stetig verbessern.
Es gibt den Spruch: Erst ab dem Schwarzgurt fängt man wirklich an, Karate zu machen. Vorher lernte man Formen, nun beginnt man immer mehr den Sinn dahinter zu sehen.
Die Rolle des Sensei und Sempai
Als nächstes soll etwas Licht in das Prinzip der Rangordnung im Karate-Do gebracht werden. Hierzu sind zwei wichtige Begriffe zu erwähnen, nämlich Sempai und Kohai. Der Sempai ist der zur eigenen Gürtelfarbe fortgeschrittene Schüler, während der Kohai die Gürtelfarbe die man selbst besitzt noch erreichen muss.
Der Sensei oder Shihan ist damit für einen Kyu-Grad ein Sempai, nämlich jemand der mehr Erfahrung im Karate gesammelt hat als er selbst. Das kann aber bedeuten, das der Sensei unter Umständen viel jünger sein kann als der Kyu-Grad. Wir lernen einfach von jemandem etwas, der den Weg des Karate-Do schon länger geht als wir selbst.
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Der Sensei ist nicht ein allwissender Karateka, der die perfekten Karatetechniken erreicht hat und somit am Ende seiner Entwicklung steht; sondern er ist jemand, der den schweren Weg den wir gerade gehen auch schon gegangen ist. Er kennt die verschiedenen Tücken und hat diese schon gemeistert. Aber er hat auch weiterhin den Weg des Karate-Do vor sich und lernt wie jeder andere Schüler auch weiter.
Voraussetzungen und Vorbereitungszeit
Die Frage, wie lange es dauert, bis jemand Schwarzgurtträger ist, wird oft gestellt. Sagen wir mal mindestens 4 Jahre, eher oder meistens länger. Und dann ist er/sie «Meister»? Er/sie ist aber noch weder Vorarbeiter, Projektleiter, Techniker (FH), Ingenieur oder Meister. Ein Schwarzgurtträger hat einfach ein EFZ in Karate, weder mehr noch weniger.
Im Grunde genommen wird aber erwartet, das der Schüler sein Wissen und Können durch regelmässiges Training steigert und bei seiner nächsten Prüfung dieses auch zeigen kann. Aber ist es eigentlich überhaupt möglich eine Zeit festzusetzen, die zwischen den einzelnen Prüfungen liegen muss? Vernünftigerweise wurden die Zeiten als Mindestzeiten festgelegt, denn die verschiedenen Budoformen insbesondere Karate-Do sind nicht auf einen speziellen Typ von Mensch beschränkt.
Dominik Steiger trainierte normal zweimal pro Woche. Die letzten vier Monate trainierte er vier- bis fünfmal wöchentlich. Darunter waren viele hochkarätige Trainings mit Mislim Imeroski. Seine grosse Unterstützung half ihm enorm. Als Mentalcoach konnte er ihm auch in diesem Bereich helfen und mich weiterbringen.
Voraussetzungen für Gurtprüfungen - Wartezeiten und Kosten
| Von | Zu | Mindest-Vorbereitungszeit | Prüfungsgebühr Kinder | Prüfungsgebühr Erwachsene |
|---|---|---|---|---|
| Weissgurt (9. Kyu) | Gelbgurt (8. Kyu) | 4 Monate | Fr. 15.00 | Fr. 15.00 |
| Gelbgurt (8. Kyu) | Orangegurt (7. Kyu) | 5 Monate | Fr. 15.00 | Fr. 15.00 |
| Orangegurt (7. Kyu) | Grüngurt (6. Kyu) | 5 Monate | Fr. 20.00 | Fr. 30.00 |
| Grüngurt (6. Kyu) | Blaugurt (5. Kyu) | 6 Monate | Fr. 20.00 | Fr. 30.00 |
| Blaugurt (5. Kyu) | Violettgurt (4. Kyu) | 6 Monate | Fr. 20.00 | Fr. 30.00 |
| Violettgurt (4. Kyu) | Braungurt (3. Kyu) | 8 Monate | Fr. 30.00 | Fr. 35.00 |
| Braungurt (3. Kyu) | Braungurt (2. Kyu) | 9 Monate | Fr. 30.00 | Fr. 40.00 |
| Braungurt (2. Kyu) | Braungurt (1. Kyu) | 10 Monate | Fr. 30.00 | Fr. 45.00 |
| Braungurt (1. Kyu) | Schwarzgurt (1 Dan) | 12 Monate | Fr. 100.00 + Yen 12'000 | Fr. 100.00 + Yen 12'000 |
| Schwarzgurt (1. Dan) | Schwarzgurt (2. Dan) | 36 Monate | Fr. 150.00 + Yen 15'000 | Fr. 150.00 + Yen 15'000 |
| Schwarzgurt (2. Dan) | Schwarzgurt (3. Dan) | 48 Monate | Fr. 200.00 + Yen 20'000 | Fr. 200.00 + Yen 20'000 |
Die Prüfungen im Kampfkunstkollegium sind objektiv und fair - Kampfkünstler, die zur Dan-Prüfung antreten, werden an ihren jeweiligen Stärken gemessen und bewertet.
