Raufen, toben, rangeln - das Ausprobieren der eigenen Kräfte gehört bei Kindern zum Wachstumsprozess. Es macht sie mental und körperlich stärker. Der kindlichen Lust am spielerischen Kräftemessen bietet das Kampfsporttraining einen idealen Raum.
Welche Rolle spielen Größe, Alter und Stärke der Kinder?
In ihren Gruppen kämpfen Schmale, Kräftige, Kleine, Große, Leichte und Schwere miteinander. Ist das nicht unverhältnismäßig? Die klare Antwort von Trainerin Ana Yagües: „Nein, im Gegenteil. Meine älteste Tochter ist elf Jahre alt und wiegt 42 Kilo. Würde sie immer nur mit ihrer Freundin kämpfen, die dieselben Voraussetzungen hat, dann würde sie nichts lernen, sich nicht weiterentwickeln.“
Es sei wichtig für die Kinder zu erfahren, wie es ist, sich mit einem stärkeren oder größeren Gegner zu messen. Daher werden die kleinen Sportler in den Gruppen immer wieder mit anderen Partnern zusammengewürfelt: „Der Kampf mit einem körperlich überlegenen Kind trainiert nicht nur die eigene Stärke und Technik, sondern man lernt auch, dass man nicht immer gewinnen kann und wie es sich anfühlt zu verlieren. Das bringt für die jungen Menschen automatisch mehr Respekt vor jeder weiteren Auseinandersetzung mit sich.“
Es sei ein gutes Training, im Kampf gegen einen stärkeren Gegner auch mal am Boden zu liegen: „Gerade beim Brazilian Jiu-Jitsu steht sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen der Selbstverteidigungsaspekt im Vordergrund. Dazu gehört die Erfahrung, in einer anscheinend aussichtslosen Situation nicht in Angst oder Panik zu verfallen, sondern dem ausgeübten Druck standzuhalten.“
Wie gefährlich ist Kampfsport für Kinder?
Das Thema Fair Play ist Ana Yagües ohnehin besonders wichtig: „Es geht in jedem Alter darum, die Kontrolle über die Situation zu bewahren. Das gilt für die körperliche Kraft, aber auch für die eigenen Gefühle, die beim Kämpfen hochkommen. Wutausbrüche lassen Kinder zum Beispiel sofort jegliche Konzentration und Technik vergessen.“
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Während des Unterrichts gibt es klare Regeln: „Wer nach einem gewonnenen Kampf prahlt oder seinen Gegner gar auslacht, den lassen wir danach mit unserem Mat-Forcer, also dem besten aus der Riege, kämpfen. Es ist von vornherein klar, dass man gegen den nicht gewinnen kann.“ Demut und Respekt sind für die wettkampferprobte Lehrerin wichtige Werkzeuge im Kampfsport: „Wir sind vor einem Kampf Freunde und hinterher sind wir es auch wieder.“
Welche Kampfsportarten gibt es für Kinder?
Das Training hilft Kindern beim Abbau von Aggressionen und stärkt sie in Auseinandersetzungen jeder Art. Auch die körperliche Fitness profitiert vom Sport, denn in der Regel werden Muskeln in allen Bereichen des Körpers gefordert. Auf der psychischen Ebene verbessert das Kampftraining Achtsamkeit und Konzentration.
Judo
Das Prinzip hinter dieser Kampfsportart: Siegen durch Nachgeben. Dabei machen sich die Judokas, so heißen die Schüler, die Angriffswucht des Gegners zunutze und leiten die Energie in Hebel und Würfe um. Diese Techniken machen den Sport auch für Kinder und zarte Frauen ideal: Mit dem richtigen Ansatz kann ein Leichtgewicht mühelos einen doppelt so schweren Gegner zu Fall bringen. Judo ist auch keine Sache der Größe: Es gibt spezielle Techniken für große und kleine Kämpferinnen.
Brazilian Jiu-Jitsu
Der Mix aus Ringen und Bodenkampf wird auch als „Schach auf der Matte“ bezeichnet. Der Name ist Programm: Brazilian Jiu-Jitsu ist sehr gut geeignet, um zu lernen, den Gegner oder Angreifer zu kontrollieren, ohne ihn zu verletzen. Tritte und Schläge sind tabu. Mit den effizienten Hebeltechniken und dem richtigen Einsatz des Körpergewichts können sich selbst weniger kräftige Kinder gegen stärkere Angreifer durchsetzen.
Taekwondo
Die koreanische Kampfkunst lebt vom gezielten Einsatz von Fuß (tae) und Hand (kwon). Der Stil ist auf Schnelligkeit, Dynamik und Beintechniken ausgelegt. Im Training werden häufige Angriffe und wirksame Gegenreaktionen durchgespielt. Die Techniken helfen, Schläge und Tritte gezielt abzuwehren. Dadurch entsteht Zeit für eine Flucht oder einen Gegenangriff.
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Kickboxen
Die junge Disziplin verbindet Elemente aus dem thailändischen Muay Thai, etwa Tritte, Knie- und Ellbogenstöße, mit Schlagtechniken aus dem Boxen. Für den Ernstfall lernt man auch, wie eine effektive Befreiung aus bestimmten Situationen gelingt: angefangen bei Würgegriffen im Stand bis hin zur Abwehr von Überfällen aus der Bodenlage.
Wing Tsun
Wing Tsun entwickelte sich aus dem „Tempelboxen“ von Shaolin-Mönchen. Für Frauen eignet sich dieser Kung-Fu-Stil, weil ein Teil des Trainings in der Analyse und Wahrnehmung von Bedrohungssituationen liegt: im Parkhaus, in düsteren Parks und auf einsamen Wegen. Ziele: Ängste und Konfliktscheu überwinden und die Selbstbehauptung stärken.
Karate
Das japanische Wort bedeutet „Leere Hand“, denn es wird in der Regel ohne Waffen gekämpft. Der Fokus liegt auf Schnelligkeit, Geschicklichkeit - und Gelassenheit: Denn nur wer bei einem Angriff nicht in Angst oder Panik verfällt, kann sich auch effektiv zur Wehr setzen. Der Unterricht lehrt neben technischen Fertigkeiten auch psychologische Inhalte zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung.
Kampfsport für Kinder: Vorteile und geeignete Sportarten
Kampfsportarten wie Judo, Karate, Taekwondo oder Ju-Jutsu werden auch bei Kindern als Hobby immer beliebter. Nicht nur Körperbeherrschung und Kraft werden beim Kampfsport trainiert. Vielmehr steht auch die Verbesserung der mentalen Stärke sowie die Vermittlung von Werten wie Disziplin und Respekt im Vordergrund.
Kampfsport zu lernen, bietet demnach zahlreiche Vorteile für die körperliche Fitness und für die Charakterentwicklung von Kindern:
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- Steigerung der körperlichen Fitness: Kraft, Ausdauer, Flexibilität
- Verbesserung der motorischen Fähigkeiten: Beweglichkeit und Koordination
- Förderung der kognitiven Entwicklung: Aufmerksamkeit und Konzentration
- Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung: Selbstbewusstsein, Selbstbeherrschung, Selbstdisziplin
Seriöses Kampfsporttraining legt zudem großen Wert auf einen strengen Verhaltenskodex: Erfahrene Trainer vermitteln Kindern die Bedeutung von Respekt, Bescheidenheit, Höflichkeit und Disziplin. Die Kinder lernen, Regeln zu befolgen, den Anweisungen des Trainers aufmerksam zuzuhören und sich selbst zu beherrschen.
Kampfsporttraining kann dabei helfen, dass Kinder sicherer und besonnener auf ungewisse Situationen reagieren. Unsichere, schüchterne Kinder können ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwertgefühl steigern. Sie lernen selbstbewusster aufzutreten und können sich so auch gewaltlos gegen Ungerechtigkeiten verteidigen.
Welche Kampfsportarten sind für Kinder geeignet?
Welche Kampfsportart für Kinder am besten geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei der Auswahl einer Sportart kommt es auch auf das individuelle Interesse bzw. die Vorlieben deines Kindes an - auch Alter und Trainingsziele spielen natürlich eine Rolle. Bis dein Kind die richtige Disziplin entdeckt hat, können auch verschiedene Probetrainings nötig sein.
Grundsätzlich gibt es aber viele unterschiedliche Kampfsportarten für Kinder, die zahlreiche Vorteile bieten können:
Hier eine Übersicht über einige Kampfsportarten und deren Eigenschaften:
| Kampfsportart | Eigenschaften |
|---|---|
| Judo | Siegen durch Nachgeben, Wurf- und Bodentechniken, trainiert Kraft, Gewandtheit, Beweglichkeit und Koordination. |
| Aikido | Defensive Kampfkunst, Wurf- und Haltetechniken, nutzt und leitet die Kraft des Angreifers um. |
| Jiu-Jitsu | Breites Spektrum an Techniken, die auch zur Selbstverteidigung genutzt werden können (Tritt-, Stoß-, Schlag-, Wurf- und Hebeltechniken). |
| Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) | Abwandlung von Jiu-Jitsu und Judo, Schwerpunkt auf Bodenkampf, keine Tritte und Schläge. |
| Ju-Jutsu | Moderne Kampfkunst, die Elemente von Judo und Karate verbindet, Abwehr gegnerischer Angriffe mit geringem Kraftaufwand. |
| Karate | Schlag-, Stoß- und Tritttechniken, schult Kondition, Schnelligkeit, Beweglichkeit und körperliche Belastbarkeit. |
| Taekwondo | Dynamische Kampfsportart, schnelle, akrobatische Tritte, trainiert Flexibilität, Ausdauer und Körperkontrolle. |
| Kickboxen | Verbindet Techniken des Boxens mit Tritt- und Schlagtechniken aus Karate, Taekwondo oder Muay Thai. |
Extrovertierte Kinder, die sehr viel Energie haben, finden für gewöhnlich gefallen an Karate, Taekwondo oder Kickboxen. Für etwas zurückhaltende Kinder werden hingegen oft Judo und Akido empfohlen, um Körperbeherrschung und Selbstbehauptung zu erlernen.
Ab welchem Alter können Kinder mit Kampfsport beginnen?
Das Einstiegsalter für die meisten Kampfsportarten liegt bei etwa 6 bis 8 Jahren im Rahmen von regulärem Gruppentraining. Ab einem Alter von etwa 6 Jahren können sich Kinder in der Regel besser auf das Training konzentrieren, Anweisungen befolgen und einfache Techniken erlernen. Unabhängig von der gewählten Kampfsportdisziplin ist es stets wichtig, dass das Training altersgerecht gestaltet wird und den Entwicklungsstand der Kinder berücksichtigt.
Welche Ausrüstung benötigt mein Kind zum Kampfsporttraining?
Für viele Kampfsportarten benötigt dein Kind spezielle Bekleidung und Schutzausrüstung. Viele traditionelle Kampfsportarten werden in einem speziellen Trainingsanzug trainiert, der aus einer Jacke (Uwagi), einer Hose (Zubon) und einem Gürtel (Obi) besteht. Eventuell benötigt dein Kind je nach gewählter Kampfsportart und Trainingsfortschritt spezielle Schutzausrüstung wie z. B. einen Zahnschutz, Ellenbogen- und Knieschoner, Tiefschutz, Schienbein- und Knöchelschutz.
