Taekwondo Formen: Erklärungen und Bedeutungen

Bei den Taekwondo-Formen kämpft der Sportler gegen gedachte Gegner. Zweck der Tkd-Formen ist das Aneignen der verschiedenen Taekwondo-Techniken, bei denen man Angriffs- und Verteidigungstechniken ohne Gegner und ohne Verletzungsgefahr üben kann.

Unterschieden werden bei den Taekwondo-Formen die Schülergrade Taeguk (8 Taeguks und der Vierseitenschlag Saju Jirugi für den Anfänger Kup) und die Meistergrade Poomsae (9 Poomse für die Schwarzgurte oder Black Belts).

Insgesamt gibt es 17 Formen. Die ersten acht (Taeguk) sind die Schülerformen. Die Formen 9 - 17 sind die Meisterformen. Das Diagramm jeder Form und die Form selbst haben eine bestimmte Bedeutung.

Nach einer festgelegten Reihenfolge müssen dabei Bewegungen, Schritte und Techniken (Kicks, Blöcke) im Dojang absolviert werden, wobei sich der Schwierigkeitsgrad mit jeder höheren Taekwondo-Form steigert. Aber auch die Koordination ist von großer Bedeutung, enden doch alle Taekwondo-Formen dort, wo sie angefangen haben.

Jede Form beginnt mit einer Abwehrtechnik, was den friedvollen Charakter des Taekwondo betont. Beim Formen-Lauf kommt es auf eine gute Gleichgewichtsverlagerung, die richtige Atmung, Konzentration, den wohl dosierten Einsatz von Geschwindigkeit und Kraft sowie Rhythmusgefühl an.

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Hier eine Übersicht der Formen und ihrer Bedeutungen:

FormBedeutung
1. Taeguk Il-jangHimmel und Licht
2. Taeguk I-jangFröhlichkeit
3. Taeguk Sam-jangFeuer
4. Taeguk Sa-jangDonner und Blitz
5. Taeguk Oh-jangWind
6. Taeguk Yuk-jangWasser
7. Taeguk Chil-jangGipfel
8. Taeguk Pal-jangErde
9. KoryoGelehrsamkeit / Korea
10. KumgangBerg / Diamant
11. TaebaekStaatsgründung Koreas
12. PyongwonEbene
13. SipjinZehn
14. JitaeErde
15. ChonkwonHimmel
16. HansuWasser
17. IlyoEinheit

Schülerformen (Taeguk)

Taeguk Il-jang: Himmel und Licht

Die erste Form steht für den Himmel und das Licht. Der Himmel ist ein Symbol für das Leben, das Licht bringt Helligkeit und Erleuchtung. Wie bei der Taekwondo-Meister-Poomse Chonkwon stehen auch bei der ersten Schüler-Poomse Taegeuk Il-Chang Himmel und Erde als Thema im Mittelpunkt.

Die ersten Grundelemente, die in dieser Form enthalten sind, bereiten die Entwicklung (den Weg) des Taekwondo-Sportlers vor. Es ist die Basis zum Entfalten der persönlichen Fähigkeiten, die durch die Form geschaffen wird. In Taegeuk-Il-Jang leitet der Übende durch Erlernen der ersten Grundelemente und Techniken seine eigene Entwicklung im Taekwondo ein. Die Schüler trainieren die Form Il-Jang für den 7. Kup (gelber Gürtel mit grünem Streifen).

Il-Jang-Grundtechniken: Arae-Makki, Momtong-Makki, Momtong-Jireugi, Ap-Chagi

Taeguk I-jang: Frohsinn, innere Gelassenheit

Die zweite Form steht für die Fröhlichkeit. Dies ist es, was jeder Mensch anstrebt, um glücklich zu sein. Dabei bezieht es sich auf einen fröhlichen Menschen, der innerlich gefestigt ist und durch sein Auftreten anderen Mitmenschen Mut und Zuversicht gibt.

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Die Form eröffnet dem Taekwondo-Schüler Wege zur Gelassenheit und Geduld. Entsprechend kraftvoll und ruhig ist diese Bewegungsform angelegt. Die Schüler trainieren die Taekwondo-Form Taeguk-I-Jang für den 6. Kup (grüner Gürtel).

Neue Technik in der 2.

Taeguk Sam-jang: Das Feuer

Die dritte Form steht für das Feuer. Das Feuer schafft zum einen Wärme, zum andren aber auch Zerstörung. Es breitet sich schnell aus. Ebenso ist es ein Symbol für die Leidenschaft. Die Zügelung der Leidenschaft und die tiefe innere Kontrolle, die dafür vorhanden sein muß, war der Anlaß das Feuer als das Symbol für die Poomse Taegeuk Sam-Jang zu wählen.

Bei den Olympischen Spielen sind die Olympische Fackel und das Olympische Feuer ein Zeichen des Friedens und der Verbundenheit zwischen den Völkern. Symbolisch gedeutet soll das für Taekwondo Taeguk-Sam-Jang gewählte Zeichen die Leidenschaft in fruchtbare Bahnen lenken und sich nicht auf ein Spiel mit dem Feuer einzulassen.

Die Taekwondo-Schüler trainieren die Sam-Jang-Form für den 5. Kup (grüner Gürtel mit blauem Streifen). Neue Techniken bei Taeguk-Sam-Jang: Sonnal-Mok-Chigi, Sonnal-Makki und Dwit-Kubi Fußstellung.

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Taeguk Sa-jang: Der Donner

Die vierte Form steht für Donner und Blitz. Das Gewitter ist eine der größten Naturgewalten. Dabei entlädt sich eine ungeheure Energie und nichts bewegt sich schneller als der Blitz. Die Taekwondo-Form Taeguk Sa-Jang soll zum Ausdruck bringen, daß wir der Gefahr gelassen und ruhig entgegentreten und dabei vertrauensvoll unsere eigenen Kräfte einsetzen sollen: Erst kommt der Blitz dann kommt der Donner.

Die Taekwondo-Schüler trainieren diese Form für den 4. Kup (blauer Gürtel). Neue Techniken: Sonnal-Momtong-Makki, Pyon-son-kkeut-Jireugi, Jebipoom-Mok-Chigi, Yop-Chagi, Momtong-Bakkat-Makki und Deung-Jumeok-Olgul-Apchigi und Mikkeurombal-Fußtechniken.

Taeguk Oh-jang: Der Wind

Die fünfte Form steht für den Wind. Der Wind verteilt die Samen der Pflanzen, der Sturm hat eine ungeheure Zerstörungsgewalt. Der Wind vereint schöpferische Macht und zerstörende Macht in einem Symbol. Diese Bedeutung spiegelt sich ebenfalls in der Form Poomse Taeguk Oh-Jang wieder, die teils aus ruhigen und teils aus stürmischen und kraftvollen Bewegungen besteht.

Die Taekwondo-Schüler trainieren diese Form für den 3. Kup (blauer Gürtel mit braunem oder rotem Streifen). Neue Techniken bei Taeguk Oh-Jang: Me-Jumeok-Maeryo-Chigi, Palkup-Dollyo-Chigi, Yop-Chagi und Yop-Jireugi, Palkup-Pyo-Jeok-Chigi und Fußstellungen wie Kkoa-Seogi, Wen-seogi und Oreun-Seogi.

Taeguk Yuk-jang: Das Wasser

Die sechste Form steht für das Wasser. Wasser ist der Lebensspender, es fließt durch das Land und kann jede Form annehmen. Es kann aber auch Steine zerbersten lassen. Die Philosophie hinter der Poomse Taeguk Yuk-Jang zeigt, daß Schwierigkeiten mit Gelassenheit und Selbstvertrauen umgangen und überwunden werden können.

Die Taekwondo-Schüler trainieren die Yuk-Jang-Form für den 2. Kup (roter oder brauner Gürtel). Neue Techniken bei Yuk-Jang: Hansonnal-Olgul-Bitureo-Makki, Dollyo-Chagi, Olgul-Bakkat-Makki, Arae-Hecho-Makki und Batangson-Momtong-Makki.

Taeguk Chill-jang: Der Gipfel

Die siebte Form steht für den Gipfel. Der Gipfel eines Berges symbolisiert das angestrebte Ziel. Hat man ihn erklommen, hat man sein Ziel erreicht. Wir müssen unsere Handlungen eindeutig und mit Entschlossenheit durchführen, denn wenn man vorwärts gehen muss, sollte man vorwärts gehen und wenn es ratsamer ist, sich zurückzuziehen, so sollte man sich zurückziehen.

Die Taekwondo-Schüler trainieren die Sil-Jang-Form für den 1. Kup (roter oder brauner Gürtel mit schwarzem Streifen). Neue Techniken bei Taeguk Sil-Jang: Sonnal-Arae-Makkki, Batangson-Kodureo-Makki, Bo-Jumeok-Kawi-Makki, Mureup-Chigi, Momtong-Hecho-Makki, Jechin-Du-Jumeok-Momtong-Jireugi, Otkoreo-Arae-Makki, Pyojeok-Chigi, Yop-Jireugi und Fußstellungen wie Beom-Seogi und Juchum-Seogi.

Taeguk Pal-jang: Die Erde

Die achte Form steht für die Erde. Alles Leben kommt von der Erde, wenn es vergeht kehrt es zur erde zurück. Mit der Taeguk Pal-Jang nimmt der Schüler die letzte Hürde um Meister des Taekwondo zu werden (1. Dan, Black Belt). In der Form zeigen sich die Früchte der bisherigen Übungen, das Wachstum und das Heranreifen.

Die Taekwondo-Schüler trainieren Taeguk Pal-Jang für die 1. Tkd-Dan-Prüfung (1. Schwarzgurt) zum Meisterschüler. Neue Techniken bei Taeguk-Pal-Jang: Dubal-Dangsong-Bakkat-Palmok-Momtong-Kodureo-Bakkat-Makki, Twio-Chagi, Palkup-Dollyo-Chigi.

Meisterformen

Koryo

Die neunte Form steht für Korea, das Heimatland des Taekwondo. Die Taekwondo Poomse Koryo spiegelt in der Bewegung und die geistige Haltung des Koryo-Volkes wider: mit Überzeugung, Mut und starkem Willen dem mächtigen Feind entgegenzutreten und zu widerstehen. Die Poomse Koryo haben Meisterschüler im Taekwondo als 9. Form im Prüfungsprogramm zum 2.

Kumgang

Die zehnte Form bedeutet Berg oder Diamant. Wörtlich übersetzt bedeutet es "zu fest, um zerbrochen zu werden". Der Körper soll stark sein, wie ein Diamant, damit ein äußerer Angriff ihm nichts anhaben kann.

Taebaek

Die elfte Form erinnert an die Staatsgründung Koreas am Berg Baek-Do im Taebaek-Gebirge.

Pyongwon

Die zwölfte Form steht für die Ebene. Ein weites überschaubares Land. Die Ebene ist Grenzenlos, so wie der Menschliche Verstand und die Phantasie.

Sipjin

Die 13. Form steht für zehn. Damit ist zum einen die Errungenschaft des Dezimalsystems gemeint, mit dem man bis zur Unendlichkeit zählen kann. zum anderen aber auch die zehn Finger des Menschen, mit denen er arbeiten und Dinge erschaffen kann.

Jitae

Die 14. Form steht wieder für die Ebene (siehe 8).

Chonkwon

Die 15. Form steht wieder für den Himmel (siehe 1).

Hansu

Die 16. Form steht wieder für das Wasser (siehe 6). Die drei wichtigsten philosophischen Elemente wurden in den letzen drei Formen noch einmal wiederholt, um ihre Bedeutung zu zeigen.

Ilyo

Die 17. und letzte Form steht für die Einheit. Um vollkommen und Perfekt zu sein, muss der Mensch die Einheit von allem anstreben, vor allem von Körper und Geist.

Hinweise zum Taekwondo-Formen-Lauf

  • die Ausgangsstellung sollte auf das Kommando „Junbi“ nicht zu hektisch eingenommen werden: die konzentrierte und langsame Bewegung in die Junbi-Stellung sollte dazu genutzt werden, alles um sich herum abzuschalten und sich vollständig auf die folgende Form zu konzentrieren.
  • der Beginn der ersten Techniken bei den Tkd-Formen erfolgt explosiv und überraschend, wie auch ein Angriff gedachter Gegner.
  • die Taekwondo-Form muß rhythmisch und möglichst flüssig ausgeführt werden. Obwohl die Techniken mit maximaler Kraft erfolgen, sollen sie locker und leicht aus entspannter Körperhaltung erfolgen.
  • Wird eine Bewegung nur mit Kraft durchgeführt, entsteht der Eindruck, daß der Formenläufer verkrampft sei, was er auch meistens ist. Nur in der Endphase einer Technik, wird der Körper einen kurzen Moment angespannt, um sofort wieder entspannt zu werden.
  • Hier beginnt die persönliche Note des Formenläufers, welcher der Form gewissermaßen „Leben“ verleiht, indem er sie interpretiert und seiner Persönlichkeit anpasst. Dadurch gewinnen die Taekwondo-Formen an Individualität und Ausdruckskraft.
  • die Fußstellungen, Grundtechniken und Stellungswechsel müssen korrekt ausgeführt werden.
  • der Sinn und Zweck der jeweiligen Taekwondo Form muss bei der Ausführung klar sein. Der Läufer muß erst verstehen lernen, was die einzelnen Bewegungen bedeuten, welche Angriffe er abwehrt und warum er welchen Gegenangriff ausführt.
  • eine kurze Kunstpause zwischen einzelnen Sequenzen gibt den Taekwondo-Formen Ausdruck und lässt sie realitätsnäher wirken. Fluß und Rhythmus der Poomse darf aber nicht gestört werden.
  • die Atmung beim Formen-Laufen sollte zwar hörbar, aber nicht betont laut und gepresst sein.