Gunter Bischof: Eine Judo-Biographie

Gunter Bischof hat in seiner über 50-jährigen Judokarriere den Judosport in Deutschland maßgeblich geprägt.

Bei der DJB-Mitgliederversammlung wurde Gunter Bischof von der TSG Reutlingen der 8. Dan verliehen.

Für den DJB war er unter anderem als Vizepräsident Leistungssport tätig.

Auch war er über 25 Jahre lang Oberschulamtsbeauftragter für „Jugend trainiert für Olympia“.

Als Landestrainer und als Vereinstrainer verhalf er vielen Athleten zur internationalen Spitze u.a. Marc Meiling, Peter Schlatter, Tanja Münzinger und seinem Sohn Ole Bischof.

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Verabschiedung von Ole Bischof und Gunter Bischofs Dank

Im Zuge des Bundesligafinales fand die Verabschiedung von Ole Bischof, einem der erfolgreichsten deutschen Judoka aller Zeiten, gleichzeitig langjähriges Aushängeschild der Judoabteilung des TSV Abensberg, statt.

Bischof wurde von Armin Wolf von Radio Charivari und Dieter Gruschwitz, dem Sportchef des ZDF, verabschiedet.

Peter Frese, Präsident des DJB, Vater Gunter Bischof und Otto Kneitinger, Ehrenvorsitzender des TSV Abensberg komplettierten den Reigen der Verabschiedenden.

Dem Publikum wurden in einem Kurzfilm sportliche Höhepunkte aus Bischofs Karriere vorgeführt.

Im Rahmen der Laudatio erhielt Bischof neben der Ehrenmitgliedschaft beim TSV Abensberg einen goldenen Judoanzug, der speziell für ihn von Adidas gefertigt wurde.

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Vater Gunter Bischof bezeugte seinen Dank aus Vater-Trainer-Sicht, dass der TSV Abensberg für Ole Bischof ab seiner Juniorenzeit eine sportliche Heimat geboten hätte.

Neben vielen langjährigen Anhängern, die Ole Bischof seine Dankesworte mit stehenden Ovationen vergalten, betonte Bischof auch die privaten Wurzeln, die er durch seinen Abensberg Lebensgefährtin in Abensberg geschlagen hätte.

Alternative Wettkampfsysteme im Judo

Weiterhin möchte ich voranstellen, dass es sich bei dem nachfolgend beschriebenen System nicht um eine neue Erfindung von mir handelt, sondern dass ich die schon 1975 von Wolfgang HOFMANN eingeleitete und später immer wieder von anderen Judofachleuten aufgegriffene Diskussion über alternative Wettkampfsysteme zusammengefasst und weiterentwickelt habe.

Dazu habe ich in vielen Diskussionen von geschätzten Kollegen zahlreiche Anregungen und wertvolle Tipps bekommen.

Kritik am bestehenden System

Immer öfter wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln kritisiert:

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  • Von Eltern: Um ihre Kinder kämpfen zu sehen, müssen sie wertvolle Wochenendtage opfern. Die Turniere und Meisterschaften finden in der Regel samstags und sonntags statt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Eltern bei aller Bereitschaft zur Unterstützung ihrer Kinder in der Regel nicht mehr als 4-5 Wochenendtage dafür „opfern" wollen. Eltern beklagen die langen Wartezeiten nach der Waage bis zum Beginn der Kämpfe und nochmals das Warten bis zur Siegerehrung. Hier hört man oft das Argument „wir werden absichtlich so lange festgehalten, damit der Ausrichter auch genügend Kaffee und Kuchen verkaufen kann." Hierzu sagt übrigens eine französische Studie, dass Eltern aus diesem Grund oft in „Verweigerungshaltung" gehen und den Imbissstand boykottieren.
  • Von Trainern und Betreuern: Trainer beklagen zusätzlich in erster Linie die zu kurzen Kampfzeiten. Es kann an einem Kampftag nur sehr wenig Kampferfahrung gesammelt werden. Nach MATSCHEY und KRONENTHAL - sie haben 2002 in ihren Diplomarbeiten jeweils über 400 Wettkämpfe der Altersklassen U11 und U13 analysiert - kommen zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche gesamte Kampfzeit (d. effektive Zeit, die ein Kämpfer an einem Turniertag kämpft) nur 1 Minute und 4 Sekunden beträgt. Weiterhin beklagen sie das einseitige Technikrepertoir, das nur kurzfristig erfolgversprechend ist. So werden in der Altersklasse U11 ca 80% und in U13 noch 72% der Kämpfe durch O-goshi und Koshi-guruma entschieden. Schon in der AK U15 beträgt die Erfolgsquote mit diesen beiden Techniken nur noch ca 20% (nach Untersuchungen von TILL 2003). Das bedeutet: es wird um des kurzfristigen Erfolges Willen zu früh einseitig auf langfristig nicht erfolgversprechende Techniken gesetzt. Nach Meinung vieler erfahrener Judotrainer wird durch das KO-System (das sofortige Kampfende nach einem gegnerischen Ippon) ein offensiver und progressiver Kampfstil verhindert. Wenn ein unerfahrener Anfänger, der mutig und offensiv angreift, dabei auch andere Techniken ausprobiert, einen dabei gemachten Fehler nicht wieder wettmachen kann, darf man sich nicht wundern, wenn die Kinder sich frühzeitig einen defensiven, risikoarmen und einseitigen Kampfstil angewöhnen.
  • Von den Kindern/Anfängern: Neben den oben von den Eltern gemachten Äußerungen beklagen sich die Kinder vor allem, wenn sie Gewicht abkochen müssen, um das Gewichtslimit zu erreichen. Am meisten aber beklagen sich die Kinder, die angereist sind und überhaupt nicht kämpfen können (dürfen), weil in ihrer Gewichtsklasse keine Gegner sind. Obwohl von den Kindern nicht oder nur selten geäußert ist aber dennoch oft zu beobachten, dass viele Anfänger bei ihren ersten Kämpfen auch psychisch überfordert sind. Ich selbst habe im letzten Jahr auf einem U13-Turnier beobachtet, dass bei den insgesamt 27 Kämpfen, die in einer Gewichtsklasse ausgetragen wurden 19 mal !!! nach Kampfende die Sanitäter aus diesen Gründen beansprucht wurden. Gott sei Dank war nach höchstens zwei Minuten wieder alles ok. Gunter BISCHOF hat schon 1980 geschrieben und gefordert , dass die ersten Judoturniere als positives Erlebnis empfunden werden müssen.

Forderungen an ein alternatives System

Wie muss denn dann ein Wettkampfsystem aussehen, damit die oben beschrieben negativen Eindrücke möglichst vermieden werden?

Auch hier gilt es wieder die Wünsche bzw. die Forderungen zu berücksichtigen:

  • a. Teilnehmer (Kämpfer und Kämpferinnen) fordern:
    • ausreichende Anzahl von Kämpfen
    • mehrere unterschiedliche (etwa gleichstarke) Gegner
    • kein Ausscheiden nach einem ersten Fehler
    • Belohnung (Anerkennung) für ein durchgestandenes Turnier (nicht nur für die Sieger)
  • b. Ausrichter fordern:
    • überschaubare Teilnehmerzahlen (Hallengröße; Organisationsaufwand…)
    • Dauer maximal 2 ½ Stunden (in das normale Training einzubauen; d.h. auch keine spezielle Hallenbelegung am Wochenende)
    • wenig Materialaufwand (Listen, Waagen, Mikro, Absperrungen…)
    • geringen Kosten (Kampfrichterspesen)
    • Einbindung der Eltern/Betreuer und fortgeschrittener Jugendlicher bei der Durchführung und Organisation
  • c. Eltern/Betreuer fordern:
    • kurze Anfahrtswege
    • kein Wochenende opfern
    • keine langen Wartezeiten während des Turniers
    • ausreichende Kampfzeit ihrer Kinder
  • d. Trainer/Übungsleiter fordern:
    • ausreichende Kampfzeit zum Sammeln von Erfahrungen
    • Förderung eines langfristig entwicklungsfähigen Kampfstils
    • Rückmeldung über die Leistungsentwicklung (Was war gut? Wo fehlt noch was?)
    • damit auch Förderung von Verhaltensänderungen im „normalen" Randori
    • letztendlich: Schaffen von Voraussetzungen und Motivation zur Teilnahme an den offiziellen Wettkämpfen nach IJF-Regeln

Das Randori-Turnier-System

Im nachfolgend beschriebenen Turniersystem greife ich das von BONFRANCHI im Judo-Sport-Journal Nr. 22 (2000) beschriebene Turnier auf.

Es wurde nach den oben beschriebenen Forderungen modifiziert und erweitert.

Das System wurde mehrfach erprobt, hinterfragt und weiterentwickelt.

Organisation des Turniers

  1. Kampffläche: Es werden 161m² Judomatten nach folgendem Schema ausgelegt, sodass 3 Kampfflächen entstehen.
  2. Gruppeneinteilung: Es werden 6 homogene Gruppen zu je 6 Kämpfern gebildet. Die Betreuer sorgen für ein ausgewogenes Verhältnis, indem sie Gewicht, technisches Niveau (=Gürtelstufe) und bisherige Kampferfahrung der Teilnehmer berücksichtigen. Es können/sollen gemischte Gruppen aus Mädchen und Jungen gebildet werden. Da es bei diesem Turniersystem nicht um Sieg oder Niederlage geht, sollte es bei der Zusammensetzung der Gruppen keine Schwierigkeiten geben. Zur besseren Unterscheidung wird jedem Kämpfer ein farbiger Gürtel zugelost, sodass in jeder Gruppe die Gürtelfarben weiss, gelb, orange, grün, blau und braun je einmal vertreten sind.
  3. Kampfzeit und -dauer: Die Kampfzeit beträgt je 4 Minuten (durchlaufend). die Gruppen 1,2,3 und 4,5,6 kämpfen im Wechsel. Innerhalb der Gruppe kämpft Jeder gegen Jeden (s. Insgesamt hat so jeder Kämpfer 20 Minuten Kampfzeit. Durch diese Organisationsform beträgt die gesamte Turnierdauer inklusive Aufwärmen und Siegerehrung (Verleihung der Urkunden ca. 90 Minuten. Das bedeutet, das Turnier kann problemlos an einem Wochentag innerhalb einer „normalen Trainingseinheit" eines Vereines durchgeführt werde.
  4. Bewertung: Jeder Bewerter vergibt jedem der 6 von ihm beobachteten Kämpfer pro Kampf bis zu 6 Punkten in je 4 Kategorien und trägt diese sofort nach Kampfende in die Punktekarte ein. Nach Beendigung der Kämpfe werden die Punkte der drei Bewerter addiert und als Gesamtpunktzahlen in die Urkunde übertragen.

Anmerkung: Mein Kollege Lutz Hartmann hat dazu ein Makro entwickelt, sodass die Einzelpunkte nur in einem Laptop eingetragen werden müssen. Den Rest bis zum Ausdruck der Urkunden erledigt das Programm (Herzlichen Dank an Lutz Hartmann).

Bewertungskriterien

In den nachfolgend beschriebenen Bewertungskriterien liegt nach meiner Meinung der Hauptwert und Nutzen dieses Turniersystems.

  1. Kontertechniken werden nicht berücksichtigt, d.h.nicht positiv bewertet, aber auch nicht bestraft.
  2. Aufrechte Körperhaltung und korrekte Beinarbeit (Kein Überkreuzen, Vorderfussbelastung, Knie leicht gebeugt…) und Hüftarbeit sorgen für eine gute Ausgangslage für Angriffe und Verteidigung. Schnelles Suchen des eigenen günstigen Griffes mit danach schnellen Wurfansatz wird positiv bewertet, langer Griffkampf nur zur Verhinderung des gegnerischen Griffs jedoch nicht. Schon in dieser Ausbildungsstufe soll man lernen, auch mit ungünstigen Kumi-kata- positionen zurechtzukommen.
  3. Risikobereitschaft (z. Angriffsfreude auch bei gegnerischer Überlegenheit, kein Zeigen von Wehleidigkeit wird positiv gewertet.
  4. Natürlich bekommt auch derjenige, der viele große Wertungen (Ippon und Waza-ari) erzielt, dafür viele Punkte. Dabei soll aber auch die Absicht, jedes Mal mit Ippon zu werfen, und die Qualität der Technik (s. oben bei ) Korrektheit, vor allem aber die Kontrolle (d.h. Ich habe dieses

Nutzen des Systems

Es wird ein Leistungsfortschritt klar dokumentiert, wenn man beim nächsten Turnier mehr Punkte erreicht hat.

Die Teilnehmer und auch ihre Trainer erhalten eine unmittelbare Rückmeldung über ihre Stärken und Schwächen in den 4 Kategorien.

Ippon-Entscheidungen werden relativiert.

Auch die im Wettkampf manchmal vorkommenden Fehlentscheidungen, die dort direkt über Sieg oder Niederlage entscheiden, werden relativiert, weil alle Punkte von allen drei Bewertern zur Gesamtpunktzahl herangezogen werden.

Es empfiehlt sich, den Eltern und Betreuern den Sinn dieses neuen Systems kurz zu erklären (z.B.

Ganz wichtig ist, dass die Bewerter den Kämpfern bei deren erster Turnierteilnahme aus Motivationsgründen nicht direkt hohe Punktzahlen geben.

Das Randori-Turnier lässt sich gut als Vereinsmeisterschaft, als Nikolausturnier usw. Es lohnt sich!