Taekwondo ist die Kunst der Selbstverteidigung, die sich über 2000 Jahre hinweg in Korea entwickelt hat. Lange war Taekwondo ausserhalb der koreanischen Halbinsel kaum bekannt. Mit der Aufnahme ins olympische Programm 1988 in Seoul hat sich dies geändert. Taekwondo hat seither an Popularität zugenommen und wird heute von schätzungsweise 70 Millionen Breitensportlern und Sportlerinnen in über 200 Ländern praktiziert.
Bei Taekwondo werden die Angriffe waffenlos abgewehrt. Alle Bewegungen gehen vom Grundsatz der Verteidigung aus. Dabei gibt es kaum einen Teil des Körpers, der nicht eingesetzt werden kann. Nicht nur Hände und Füsse, sondern auch Finger, Ellbogen, Knie und Kopf werden je nach Situation gebraucht.
Die Taekwondo-Kleidung (koreanisch: Dobok) ist so geschnitten, dass sie sich jeder Körperbewegung anpasst.
Taekwondo setzt sich aus den drei koreanischen Wörtern zusammen:
- TAE - kennzeichnet die Beintechniken
- KWON - weist auf die Handtechniken hin
- DO - kennzeichnet den körperlichen und geistigen Reifeprozess.
Um im Taekwondo erfolgreich zu sein, ist es hilfreich, die koreanischen Zahlen zu kennen, besonders beim Zählen von Wiederholungen und beim Erlernen von Formen (Poomsae). Hier ist eine Übersicht der koreanischen Zahlen von 1 bis 10 mit ihrer Aussprache:
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| Zahl | Koreanisch | Aussprache |
|---|---|---|
| 1 | 하나 | Hana |
| 2 | 둘 | Dul |
| 3 | 셋 | Set |
| 4 | 넷 | Net |
| 5 | 다섯 | Daseot |
| 6 | 여섯 | Yeoseot |
| 7 | 일곱 | Ilgop |
| 8 | 여덟 | Yeodeol |
| 9 | 아홉 | Ahop |
| 10 | 열 | Yeol |
Das Verständnis und die korrekte Aussprache dieser Zahlen sind grundlegend für das Training und die Kommunikation im Taekwondo.
Der Bildungserfolg von Südkorea
Der Erziehungswissenschafter Roland Reichenbach weiss, was hinter Südkoreas Bildungswunder steht. Der Lerneifer sei nicht nur positiv, aber unsere Schulen könnten von der dortigen Pädagogik lernen. In Südkorea besuchen 80 Prozent der jungen Leute eine Hochschule. Das hat eine Nachhilfeindustrie hervorgebracht.
An einer Tagung zum Thema «Autorität von Lehrpersonen», zu der ich eingeladen war, stellte ein hoher Vertreter der Schulbehörde von Metropolitan Seoul mit 25 Millionen Einwohnern eine einfache und ernstgemeinte Frage an das internationale Publikum: «How can we make our students happier?»
Alle kennen das sogenannte «educational fever», diese ausgeprägte Bildungsaspiration in Ostasien. Doch dieses «Fieber» kommt nicht von den Behörden, es stammt von der Zivilgesellschaft. Der grosse Bildungsstress, den Sie ansprechen, betrifft vor allem den Übergang von der Mittelschule zur Universität. Nahezu 80 Prozent der jungen Koreanerinnen und Koreaner besuchen die Universität, von den Hochschulen sind ebenfalls etwa 80 Prozent in privater Hand, zum Beispiel im Besitz von Korean Air oder anderen Unternehmen.
Bei dieser mass higher education werden die 247 Universitäten einem mehr oder weniger gnadenlosen Ranking unterzogen. Die annehmenden Hochschulen und nicht die abgebenden Mittelschulen berechtigen dazu, an einem bestimmten Ort ein bestimmtes Fach zu studieren - wie etwa in Frankreich oder den USA. Viele vermögende Familien schicken ihre Kinder möglichst an eine renommierte amerikanische Universität.
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Es sind zum Beispiel sehr pragmatisch orientierte Länder, die historisch von imperialen Mächten oder zumindest imperialem Machtgehabe umringt waren, selber aber nicht zu Imperien aufsteigen konnten und wollten. In dieser Situation ist es wichtig, verhandeln zu können, sich anzupassen und eine pragmatische Politik zu pflegen.
Wenn die Südkoreaner viel bessere Leistungen etwa in Mathematik erbringen als beispielsweise Armenien oder die Vereinigten Arabischen Emirate, so haben sie offenbar sehr viel besser das Wissen erworben, das dann auch getestet worden ist. Mehr nicht.
Der Zusammenhang scheint offensichtlich, nicht nur für die Mathematik, sondern im Grunde für alle Mint-Fächer. Weil die Mädchen und Frauen die Jungen und Männer im Bildungserfolg überholt haben, ist es für die Wirtschaft von grosser Bedeutung, die Mint-Fächer für Mädchen und Frauen attraktiver zu machen. Das hat weniger mit Gender-Gerechtigkeit zu tun als mit soliden ökonomischen Interessen, die auch plausibel sind.
Der Dualismus von Auswendiglernen und Kreativität ist Ausdruck einer reichlich uninformierten Haltung, die sich progressiv oder aufgeklärt, vielleicht auch kindgerecht und lebensnah wähnt. Doch ohne Auswendiglernen sind weder die Kulturtechniken zu erwerben noch diese kreativ zu nutzen. Wer nicht auswendig lernen könnte, hätte die Gedächtnisspanne eines Säuglings, also rund zwei Sekunden.
Ich bin in der Tat ein dezidierter Vertreter des Auswendiglernens. Wer grundsätzlich Mühe damit hat, sollte lieber nicht als Lehrperson tätig sein. Eine solche Haltung kommt mir jedenfalls nicht sehr in-formiert vor, um es diplomatisch zu sagen.
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Warum sollte man die Namen der wichtigsten Flüsse, Seen und Berge der Schweiz, der europäischen Hauptstädte oder einiger Knochen des menschlichen Skeletts nicht mehr auswendig lernen? Wie kann man es gut finden, dass am Ende der Schulzeit kaum jemand fehlerlos ein Gedicht by heart aufsagen kann, einen Liedtext, ja nicht einmal die Daten des Anfangs und des Endes des Zweiten Weltkrieges?
Die sogenannte «shadow education» ist ein echtes Problem - nicht nur in Korea und Ostasien, sondern auch zunehmend in unseren Breitengraden. In Korea hat die Nachhilfeindustrie ein bedrohliches Ausmass angenommen. «Erfolgreiche» Nachhilfelehrerinnen und -lehrer verdienen mitunter wesentlich mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in der obligatorischen Schule. Viele der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen lernen bis zur Erschöpfung, um die Eintrittsprüfung für eine renommierte Universität zu schaffen. Sie arbeiten überall, sie schlafen überall, auch in der Schule, weil sie übernächtigt sind. Manche Lehrpersonen lassen sie auf den Pulten schlafen, weil sie wissen, dass dies nicht ein Ausdruck von Faulheit, sondern des Gegenteils von Faulheit ist, weil die Schlafende am Vorabend bis um Mitternacht gebüffelt hat, wie praktisch jede Nacht.
Man kann die private Nachhilfe nicht verbieten, obwohl man dies teilweise möchte. Je mehr gesellschaftliche Bedeutung dieser zukommt, desto mehr nimmt sie dem Staat in der Bildung das Ruder aus der Hand. Es ist keine Frage, dass die soziale Schere damit weiter auseinandergeht. Dies ist ja auch bei uns der Fall, obwohl in einem noch geringeren Ausmass. Wenn der Staat nicht leistet, was gewisse Milieus von ihm erwarten, dann entsteht eine Parallelbildungswirtschaft.
Die Anzahl der tragischen Fälle juvenilen Suizids ist vergleichsweise sehr hoch. Aber wie gesagt, dieser Druck entsteht im Kern der mittelständischen Gesellschaft. Manche der Studierenden, die ich dazu befragt habe, sahen aber auch Vorzüge dieser harten Prüfungsvorbereitungszeit, etwa in kleinen freiwilligen Gruppen mit Freundinnen und Freunden, wodurch es zu einem grossen Zusammenhalt kommt. Denn wenn man über Monate täglich zusammen lernt, schweisst dies die Leute zusammen und festigt die persönlichen Bindungen, was auch für die Zukunft wichtig sein kann.
Leistungsbereitschaft, Selbstdisziplin, Anerkennung von Älteren, Eltern, Lehrpersonen als Autoritätspersonen. Anstand und Hilfsbereitschaft sind sicher prägende und weitgehend realisierte Ideale und Tugenden der südkoreanischen Gesellschaft, die bis heute stark patriarchal geprägt ist.
Nicht wenige junge Menschen scheinen darunter auch sehr zu leiden. Korea verändert sich rasant, das bleibt nicht ohne Einfluss auf diese Mentalität, die «konfuzianisch» genannt wird, aber mit der Lehre von Konfuzius nur wenig zu tun hat. Auch die Bildungsrealität Südkoreas hat meines Erachtens nichts mit Konfuzius, aber viel mit einer radikalen und ausschliesslichen Erfolgsorientierung zu tun. Das Label «Confucian culture» ist bloss das Feigenblatt einer sonst schamlos kapitalistischen Gesinnung.
Aufklärung ist zwar ein Epochenbegriff, aber auch eine Haltung, die man in vielen Kulturräumen und früheren Epochen findet. Philosophie und Wissenschaft sind immer der Aufklärung, also der Erhellung der Sachlage, gewidmet. Verstehen zu wollen und zu lernen, ist sicher keine europäische oder deutsche Exklusivität, sondern schon eher fast eine anthropologische Konstante. Wissen contra Verstehen ist eine pädagogisch sinnlose Dichotomie, ohne Wissen gibt es kein Verstehen.
Ich wüsste nicht, was es vom koreanischen Bildungssystem als System in einem positiven Sinne zu lernen oder gar zu übernehmen gäbe. Lange Zeit hat man sich mehr an Deutschland orientiert, nun vor allem an den USA. Die gesellschaftlichen Unterschiede sind allerdings sehr gross, die Reichen benehmen sich wie überall sehr bombastisch, und das Leben der bescheidenen Leute ist ausgesprochen hart. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg ist Korea ein selbstsicheres und starkes Land geworden, das jetzt seinen eigenen Weg zu gehen versucht.
Beginnen wir mal mit mir persönlich. Ich meine, in Korea sehr viel gelernt, gesehen und gehört zu haben, was mich auch pädagogisch beeindruckt hat. Dazu zählen die warmherzigen Umgangsweisen zwischen Lehrerinnen und den Kindern auf Ebene der Grundschule, die klare Struktur der Umgangsweisen, das heisst die Sicherheit, die damit den Kindern gegeben wird. Mir gefällt weiter, dass an vielen Schulen die Lehrerinnen den Kindern das Essen am Mittag im Klassenzimmer ausgeben. Viele Schulen haben Köche und Köchinnen angestellt, die Schule sorgt dafür, dass jedes Kind eine ordentliche Mahlzeit am Tag erhält. Mich beeindruckt zudem der Anstand zwischen den Studierenden, die sich zur Begrüssung und zur Verabschiedung voreinander verbeugen, und wie sie sich unterstützen und sich selber zurücknehmen, wo sich andere in unserem Kulturkreis gerade hervortun würden.
Vielleicht war meine Antwort etwas zu «koreaphil» formuliert. Korea erlebt, so wird es jedenfalls von vielen empfunden, eine gravierende gesellschaftliche Veränderung. Die Bedeutung der Familie ändert sich rapide in einem Land mit einer der niedrigsten Geburtsraten überhaupt. Viele der jungen Frauen mit Hochschulabschluss können sich nicht mehr vorstellen, ihre berufliche Tätigkeit für eine traditionelle Frauen- und Mutterrolle zu opfern.
In einer der Studien, in denen Korea Topleistungen zeigte, ergaben sich gleichzeitig sehr tiefe Werte auf den Skalen Motivation und Interesse. Man kann also auch sehr viel lernen, wenn man gar nicht motiviert und interessiert ist. Individuelle Motivation ist in einer Umgebung mit einem hohen Leistungsethos im Grunde kaum eine pädagogische Aufgabe.
Wenn nur noch von der Neugierde des Kindes, seinem Hirn, seiner Begabung und seinen Bedürfnissen gesprochen wird, lese ich das als Indiz für eine Krise der Repräsentation. Die Schule vertritt die Kultur des Wissens, des Könnens und der Einstellungen, welche gesellschaftlich für so bedeutsam und konstitutiv erachtet wird, dass sie tradiert werden soll. Eine Schule, die sich von der Motivation der Schülerinnen und Schüler abhängig macht, hat bald nichts mehr zu melden. Um dies zu verstehen, muss man nicht nach Korea reisen.
Im deutschsprachigen und angelsächsischen Raum ist eine stark psychologisierte und am Individuum ausgerichtete pädagogische Sprache festzustellen. Schön! Aber wie motiviert man eine Klasse für die binomischen Formeln oder die Kommaregeln? Kommaregeln zu kennen, ist wichtig, um die Kommata richtig zu setzen. Fertig. Vieles, was der Mensch im Laufe seines Lebens zu lernen hat, wählt er nicht freiwillig. Das Motivationsgerede suggeriert eine Freiheit, die der Schüler gar nicht hat. Wer es in der Schweiz im Sport oder in der Musik oder in Physik weit bringen will, muss sich als Lernender und Schüler verstehen und nicht als ein Konsument oder Kunde, der von seinem Lehrer zunächst animiert und motiviert werden muss. In Korea wissen das noch fast alle, in der Schweiz, so scheint es, viele nicht mehr.
Wenn sie mit Freude kommen, so ist das wunderbar. Erzwingen kann man es nicht. Wenn nur gelernt werden müsste, was die Schüler als persönlich bedeutsam erfahren wü...
