18 Karat: Die Bedeutung von AK Lyrics

Homezone ist ein Text-Interview-Format, in dem Alexander Barbian aufstrebende und etablierte Künstler des deutschen Sprechgesangs in ihren Kiezen trifft.

Ein Tag in Kreuzberg

Es ist der 1. Mai 2017. In den Straßen von Berlin-Kreuzberg herrscht hektisches Treiben. Der Kiez begeht seinen wichtigsten Feiertag. Ich bin mit PTK verabredet, der einen ereignisreichen Tag vor sich hat: Sein neues Album „Ungerächte Welt“ steht in den Startlöchern.

Das neue Album „Ungerächte Welt“

Am 26. Mai lässt du endlich die Bombe platzen und kommst mit einem neuen Album auf den Markt. „Ungerächte Welt“ ist insofern mein bisher größtes Release, weil ich zum ersten Mal einen Vertrieb im Rücken habe, der das Album auch außerhalb unseres eigenen Shops und den einschlägigen HipHop-Plattformen anbietet. Das macht es für viele Leute greifbarer. Vielleicht ist die Platte ja deshalb schon im Voraus ein bisschen präsenter als die letzten. Hinzu kommt der positive Aspekt, dass die aktuellen Sachen vermehrt in den Rap-Medien auftauchen. Trotzdem nehme ich mich selbst immer noch eher als eine Art Geheimtipp-Rapper wahr und gehe nicht davon aus, dass „Ungerächte Welt“ einen Hype kreieren wird oder plötzlich sämtliche Rahmen sprengt.

Schon zu Beginn deiner laufenden Promophase hatte ich das Gefühl, dass du mit ziemlich breiter Brust auf die Bildfläche zurückkehrst und sicherer, bestimmter und inhaltlich noch konkreter auftrittst. Auf jeden Fall habe ich nicht so lange Pause gemacht, weil ich mich selber finden wollte (lacht). Ich halte diesen Selbstfindungsprozess eh für niemals wirklich abgeschlossen. Durch die Auftritte vor Tausenden als Support auf der K.I.Z.-Tour, den vielfältigen anderen Live-Erfahrungen und den etlichen politischen Projekten habe ich mich in der Zwischenzeit aber trotzdem ein gutes Stück weiterentwickelt, weil mich das als Künstler sicherlich extrem gefestigt hat.

Im Teaser-Track „Wenn mein Album kommt“ betonst du im Bezug auf die deutsche Rapszene, dass du dich in Vorbereitung auf das Album „lange rar gemacht [hast], beobachtet und nachgedacht [hast]“. Was sind die Konsequenzen, die du aus diesen Beobachtungen ziehst?

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Kritik an der deutschen Rapszene

Auf jeden Fall! Ich fühle mich nicht mal wirklich als Teil der Szene. Mit den meisten Leuten, die in ihr verkehren, habe ich tatsächlich nichts zu tun, will mich auch nicht auf Krampf mit ihnen connecten, geschweige denn um Features betteln oder Gästelistenplätze absahnen.

Aber vielleicht ein paar Sätze zur musikalischen Ebene, die ja viel wichtiger ist: Meine Kritik aus den 100 Bars bezieht sich konkret auf das unkreative Kopieren von Trends aus dem Ausland. In einem bisher nicht veröffentlichten Part sage ich, dass „deutscher Rap copy/paste und translate“ ist und das trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf. Ich höre sehr viel französischen und amerikanischen Rap und sehe immer ein halbes bis dreiviertel Jahr später die deutsche Kopie des jeweiligen Experimentes. Soundmäßig wären viele dieser Trends für mich dann legitim, wenn sie mich wenigstens inhaltlich abholen würden, aber auch das tun sie nicht.

Ehrlichkeit als Markenzeichen

Du betonst häufig, dass du „der ehrlichste Rapper“ Deutschlands bist. Es gibt in meinen Texten zwar hier und da überspitzte Zeilen, aber im Grunde hat alles, was ich sage in meinem Leben oder meinem Umfeld stattgefunden, hat Hand und Fuß. Allein das unterscheidet mich ja von den meisten anderen Künstlern, die sich ein Image zurechtlegen.

Kaum ein Künstler hat einen derart präsenten Bezug zu seinem Kiez und erzählt so viele Geschichten aus seiner direkten Nachbarschaft und dem Leben vor der direkten Haustür. Gewollt ist das schon, klar. Natürlich will ich eine Stimme für Menschen in einer ähnlichen Situation, im gleichen Kiez oder im selben Alter sein. Aber ich erzwinge das nicht. Für mich ist das einfach nur logisch: ich lebe hier eben und bringe dementsprechend die alltäglichen Eindrücke auf‘s Papier, die mich in Kreuzberg umgeben.

…also lieber auf Missstände hinweisen und wachrütteln, als sich als Kunstfigur zu inszenieren.

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Die „Ungerächte Welt“

Das Album heißt „Ungerächte Welt“. Lustigerweise gibt es eine Zeile in einem Part von mir, der bald an anderer Stelle erscheint, die sich mit dieser Einschätzung eins zu eins decken. Ich sage dort: „Diese Welt ist nicht zu retten, also räche ich sie lieber“. Das Wortspiel im Albumtitel bündelt den Schwerpunkt meiner Musik auf Themen rund um Ungerechtigkeiten mit meiner Ansicht, dass sich die Welt, die Natur und das Universum irgendwann an der Menschheit rächen wird.

Wir unterbrechen das Gespräch kurz, um auf‘s Klo zu gehen und neuen Tee zu bestellen. Durch die Schaufenster können wir sehen, wie mitten im Myfest-Getümmel die ersten Grüppchen von mit langen Fahnenstöcken bewaffneten türkischen Gewerkschaftlern in Richtung Oranienplatz pilgern. Nicht mehr lang also, bis die revolutionäre 1.

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