Die Diskussion über den Beginn der japanischen Kampfkünste in Deutschland hat die Auseinandersetzung mit traditionellen Techniken neu entfacht. Dies betrifft im Allgemeinen das sogenannte Jiu Jitsu oder Ju Jitsu, wenn man es weiterdenkt, allerdings auch Judo.
Erfahrungen im Judo und Jiu-Jitsu
Viele Kampfsportler haben ähnliche Erfahrungen gemacht, insbesondere im Hinblick auf die Vermittlung von Techniken und die Anwendung im Randori. Oftmals wird die eigene Erfahrung und das Wissen in Frage gestellt, insbesondere wenn man aus anderen Kampfsportarten wie Ringen kommt. Es wurde auch viel Randori gemacht, allerdings im Prinzip nach Judo- Regeln.
Es fällt auf, dass man oft mit Judo-Dan Trägern im Randori mithalten kann, oder diese sogar beherrscht. Jedoch wird man dafür kritisiert, wie man sich im Kampf bewegt. Ein weiteres Streitthema waren Kata, ich wollte sie als ganz normales Trainings- Tool verwenden, weil wir ja angeblich japanische KK, also Kôdôkan- Goshinjutsu betrieben.
Die Rolle von Budo und Bushido
Die Auseinandersetzung mit den historischen Hintergründen der japanischen Kampf- und Kriegskünste und deren Rolle in der japanischen Gesellschaft und Geschichte offenbart oft ein anderes Bild von Budo/Bushido, als es in vielen Darstellungen vermittelt wird. Für mich ergab sich eindeutig ein ganz anderes Bild von Budo/ Bushido, als dies in den allermeisten Darstellungen unserer "alten Kämpfer", meist mit sehr hohen Graduierungen, und den allermeisten in Deutschland zum Thema Budo und Jiu Jitsu veröffentlichten Puplikationen zu entnehmen ist: für mich hat Budo / Bushido nichts anderes als ultra konservative, rechtsnationalistische und vor allem militaristische Werte, die für mich auch die unglaubliche Anzahl von Gräultaten japanischer Soldaten im II. Weltkrieg und schon weit davor in Asien erklären.
Wenn man sich dann mit solchen ausführlich unterhalten konnte, wurde schnell klar, daß heutzutage Budo/ Bushido und traditionelle Kampfkunst und deren Vertreter in Japan selbst oft äußerst umstritten sind.
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Selbstverteidigungstechniken und ihre Anwendung
Jiu-Jitsu / Jiujitsu-Karate bevorzugt Schlag- u. Stoßtechniken, Hebel- u. Entstand aus dem Jiu-Jitsu und ist ein in Gewichtsklassen eingeteilter Wettkampfsport und besteht aus Wurf- u. Hebeltechniken, Würge- u. dabei wurde der Weg zurück zu einem realistischen, erprobten japanischen Nahkampfsystem gefunden, mit dem man in der Lage ist, gegen sämtliche waffenlose Kampfkünste zu bestehen.
Die Kampftechniken des Jiujitsu-Karate sind aufgrund ihrer Flexibilität und Geschmeidigkeit einerseits und ihrer Schnelligkeit bestens für die Selbstverteidigung geeignet. Die aus den flexiblen Karatestilrichtungen Zen-Do-Karate "Tai-Te-Tao" und Tai-Karate stammenden Schlag-, Stoß- und Abwehrtechniken ergeben zusammen mit einer schnörkellosen Anwendung von Hebel- und Wurftechniken eine rasante Kombination, die ihresgleichen sucht.
Lehrgang für Gelb- bis Grüngurte
Auch in diesem Jahr durfte ein Lehrgang für Gelb- bis Grüngurte zum Themenbereich der Schlag- und Boxangriffe nicht fehlen. Dem gründlichen Aufwärmen folgte die Fallübung und in beide Bereiche ließ der Lehrgangsleiter Bestandteile der nachfolgenden Abwehrtechniken einfließen. Besonderen Stellenwert hatte zunächst die Grundhaltung.
Es wurden sowohl die schulmäßige Ausgangslage aus dem Zenkutsu Dachi, als auch die an Boxangriffe angepasste Kampfhaltung trainiert. In Partnerübungen wurden die geraden und geschwungenen Schläge geübt, um das Auge für die Distanz und das Timing zu schulen. Die Bedeutung der korrekten Angriffsausführung als Basis für das realitätsnahe Üben der Abwehrtechniken betonte der Referent wiederholt in seinen Erklärungen.
Abwehrtechniken gegen Schlag- und Boxangriffe
Das Prinzip von Block-Schock-Wurf zog sich wie ein roter Faden durch die Abwehrtechniken: dem Blocken und Fassen des Angriffsarmes folgte kurze Ablenkungen mit anschließenden dynamischen Judowürfen. Zusätzlich durften Lehrgangsteilnehmer nach jeder Abwehrtechnik die Partner wechseln, sodass die Verteidiger sich wiederkehrend mit unterschiedlichen Staturen und Angriffsdynamiken konfrontiert sahen.
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Gegen den Schwinger - ausgeführt als "Haymaker” - wurde der frühe Doppelblock gefolgt von einer großen Außensichel (jap. O Soto Gari) angewendet. Tori musste seinen ganzen Mut zusammennehmen, frühzeitig "in den Angriff reingehen” und dadurch möglichst viel Energie von Ukes Angriff neutralisieren. Später zeigte Oleg Tartakowski eine unorthodoxe Alternative, um dem Aufprall der geschwungenen Faust am Kinn zu entgehen, nämlich ein kurzes Abtauchen.
Auch gegen den Doppelschwinger-Angriff wurden zahlreiche Techniken geübt. Die erste und simpelste war exakt, wie die Verteidigung gegen den Schwinger. Tori entging dem zweiten Angriffsarm durch die beherzte Ausführung der Abwehrtechnik. Die nachfolgenden Abwehrtechniken beinhalteten zunächst die große Innensichel (jap. O Uchi Gari) und dann das Hüftrad (jap. Koshi Guruma) in den Varianten nach Kodokan und Kawaishi.
Hier spielten das Timing, die Distanz und die Dynamik von Tori eine besondere Rolle, um den Erfolg der Abwehr zu gewährleisten. Besonders bei den dynamischen Hüftwürfen zeigte der Referent das Festhalten bzw. Abfedern von Uke kurz vor dem Aufprall auf der Tatami auf, um ein schmerzarmes Miteinander zu erhalten.
Von hier bot sich zunächst die Möglichkeit Uke gen Boden zu führen oder - cel surprise - Uke zunächst nach oben kommen zu lassen und ihn anschließend mit Hilfe eines Wurfes auf die Matte zu bringen. Tori konnte sich die Rotationsdynamik zu Nutze machen und den Angreifer mit einem großen Außenrad (jap. O Soto Guruma) werfen.
Zum Abschluss wurden die Verteidigungstechniken wiederholt und die Bewegungsmuster gefestigt, wobei auch hierbei unterschiedliche Partner zusammenarbeiteten. Und bevor abgegrüßt wurde, standen sowohl einige Abhärtungs- als auch Partnerübungen auf dem Plan bei denen die Treffsicherheit und Geschwindigkeit erneut im Mittelpunkt waren.
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Zusammenfassung der Techniken
Die folgende Tabelle fasst die besprochenen Techniken zusammen:
| Technik | Beschreibung | Anwendung |
|---|---|---|
| O Soto Gari | Große Außensichel | Gegen Schwinger |
| O Uchi Gari | Große Innensichel | Gegen Doppelschwinger |
| Koshi Guruma | Hüftrad | Gegen Doppelschwinger |
| O Soto Guruma | Großes Außenrad | Rotationdynamik nutzen |
