Wrestling ist ein Spektakel, das als Kombination aus Sport und Unterhaltung in vielen Ländern Massen an Zuschauer:innen anzieht. Aber ist Wrestling Fake oder echt? Tatsächlich laufen die Kämpfe nach einem Drehbuch ab. Der Ausgang ist geplant. Wer das Match gewinnt, steht schon vorher fest.
Das Wichtigste in Kürze
Wrestling heißt übersetzt Ringen. Es ist ein Schaukampf nach Drehbuch. Wer gewinnt, steht vorher fest. Aber: Sich etwa aus drei Metern mit einem Salto auf Gegner:innen werfen - solche Show-Einlagen erfordern ein hohes Maß an Körperbeherrschung.
Während Ringen eine anerkannte und olympische Sportart mit Wettkampfgedanken ist, geht es beim Wrestling um Sport und Show zugleich. Beim Wrestling steht also Entertainment im Vordergrund. Unterhaltsam zu sein, heißt aber für Wrestler:innen: hartes Training. Denn der Kampf verläuft zwar nach Skript, doch die Profis müssen trotzdem vollen Körpereinsatz leisten. Es soll ja spektakulär aussehen.
Wrestling ist nicht fake, sondern verläuft nach Drehbuch, wie ein Film oder ein Theaterstück. Die Action im Ring und die Athletik bleiben atemberaubend. Es beschwert sich im Kino ja auch niemand nach Filmen wie Spiderman oder den X-Men über gewisse unrealistische Aspekte, oder? Beim Wrestling geht es, wie im Film, um Charaktere und Storylines. Und die können absolut packend sein, wenn man sich auf sie einlässt.
Die Faszination des Wrestlings
Wrestler:innen verkörpern Figuren. Die Kämpfe sind oft nach dem typischen Schema von Gut gegen Böse aufgezogen. Wrestling-Profis beherrschen Schauspiel und Kampf-Moves zugleich. Schon beim Einlaufen in den Kampf-Ring zeigen Wrestler:innen eine einstudierte Performance.
Lesen Sie auch: Wrestling: Show oder echter Sport?
Die Rolle von Storylines und Charakteren
Neben den wöchentlichen TV-Shows “Monday Night Raw” und “Smackdown Live” erfahren Storylines während der monatlichen Großveranstaltungen (“Pay per View” genannt, weil man sie früher extra im Pay-TV buchen musste) ihren Startpunkt oder ihr großes Finale. Neben kleineren Events wie “Hell in a Cell”, “Fastlane” oder “TLC - Tables Ladders Chairs” liegt der Fokus auf den “Big Four”, namentlich “Summer Slam”, “Survivor Series”, “Royal Rumble” und eben “Wrestlemania”. Letzteres ist das absolute Highlight für jeden Fan und sowas wie der Superbowl des Wrestling.
Die Stars steigen meistens nicht unter ihrem echten Namen in den Ring. Auch charakterlich nehmen sie nur eine Rolle („Gimmick“) ein, die sich im Laufe der Karriere ändern kann. So kann ein Kämpfer zunächst auf der „guten“ Seite stehen. Dann wird er als „Face“ bezeichnet. Wie im echten Leben können sich Einstellungen aber ändern. Greift ein Akteur auf unfaire Mittel zurück oder verhält er sich anderweitig problematisch, wird er zum „Heel“, der von den Fans ausgebuht werden soll.
Der Körperliche Einsatz ist Echt
Wrestling-Profis verbringen viele Stunden damit, Muskeln beim Body-Building aufzubauen. Sie üben verschiedene Moves ein, trainieren Kampftechniken und Sprünge. Außerdem verfügen sie über eine außergewöhnliche Körperbeherrschung, etwa um auf den Seilen im Ring zu balancieren und sich abzurollen. Schauspiel-Talent ist ebenso gefragt. Es dauert meistens viele Jahre, bis Leute Wrestling-Profi sind.
Obwohl Schläge nicht durchgezogen werden, gibt es viele schmerzhafte und spektakuläre Stunt-Einlagen im Ring. Verletzungen sind manchmal nicht vermeiden, werden aber zu keinem Zeitpunkt von Gegnern bewusst provoziert. Im Sommer 2022 ist zum Beispiel der ehemalige Champion „Big E“ außerhalb des Rings nach einer Aktion unglücklich gelandet. Er zog sich eine schwere Nackenverletzung zu. Ob er jemals wieder in den Ring steigen kann, ist ungewiss.
Das Risiko von Verletzungen
Einige Profis überlebten ihren Show-Einsatz nicht: Owen Hart etwa stürzte bei einer Einlauf-Performance tödlich. Laut Skript sollte der Bruder des berühmten Bret Hart sich von der Halle abseilen. Doch dann versagte der Schnelllöse-Mechanismus vom Gurt - und der 34-jährige Wrestler stürzte über 20 Meter tief in den Ring.
Lesen Sie auch: Eine Analyse des Wrestlings
Auffällig ist zudem, dass viele Wrestling-Stars schon früh an Herzinfarkten sterben. Mutmaßlich steckt dahinter Drogen- und Schmerzmittel Missbrauch in der Szene. Es besteht auch ein Risiko für Langzeitschäden durch zahlreiche Verletzungen wie Gehirnerschütterungen.
WWE: Ein Blick hinter die Kulissen
Im Jahr 1963 wurde WWE als eigenständige Liga gegründet. Schon 1933 hatte Jess McMahon Shows im amerikanischen Nordosten veranstaltet. Dreißig Jahre später löste sein Sohn Vince McMahon Sr. (1914-1984) die Promotion, die ursprünglich Capitol Wrestling Federation hieß, zwischenzeitlich aus dem Wrestling-Dachverband NWA und gab ihr einen neuen Namen: World Wide Wrestling Federation, WWWF. Später wurde daraus die WWF (World Wrestling Federation), dann WWE (World Wrestling Entertainment).
Über Jahrzehnte hinweg liefen bei WWE alle Fäden bei Vince McMahon zusammen, seit seinem Aus ist die Macht auf mehrere Schultern verteilt. Nachfolgerin als „Chairwoman“ und CEO des Unternehmens ist Vinces Tochter Stephanie McMahon. Co-CEO an ihrer Seite ist der frühere Sportmedien-Agent Nick Khan, vorher zwei Jahre lang Präsident und Finanzchef - und der Mann hinter den milliardenschweren TV- und Streamingdeals der Liga.
Das letzte Wort über das WWE-Programm hat allerdings ein anderer von McMahon geerbt: „Triple H“ Paul Levesque, Stephanies Ehemann, trifft als Verantwortlicher für den Kreativ- und Talentbereich alle Schlüsselentscheidungen zum Thema Kader, Gestaltung der Shows, Ausgang der Matches, Auswahl der Titelträger.
Die Verantwortlichen für Storylines und Matches
Die Storys, die bei WWE im und um den Ring erzählt werden, denken sich - in Einklang mit den Richtlinien, die die Chefetage vorgibt - die für RAW, SmackDown und Co. zugeteilten Kreativteams aus. Die Autoren sind oft Seiteneinsteiger aus Hollywood, Schauspieler Freddie Prinze Jr. zum Beispiel war auch einmal WWE-Schreiber.
Lesen Sie auch: Echt oder Inszeniert? Die UFC im Check
Für die Durchführung der Matches und anderer Segmente im Ring sind so genannte Producer zuständig, früher Road Agents genannt. Es sind Ex-Wrestler wie Jamie Noble, „Hurricane“ Shane Helms und Molly Holly, die Bindeglied zwischen Autoren und Aktiven sind.
Kushti: Indisches Wrestling im Schlamm
Das traditionelle Ringen auf einem Sandplatz heißt in Indien: Kushti oder Pehlwani. Seit Jahrhunderten praktizieren Menschen diesen alten Kampfsport. Um die Techniken zu lernen und den Körper zu stählen, besuchen junge Männer oft schon als Kind eine Wrestling-Akademie. Dort leben sie wie im Internat zusammen in einem Zimmer - und müssen sich an strenge Regeln halten.
Was besonders ist: Kushti ist für die Schlamm-Ringer Sport und Lebensphilosophie. In den Wrestling-Akademien gibt es auch Tempel. Der Sandboden für den Kampf wird auf hinduistische Weise gesegnet. Disziplin und Enthaltsamkeit prägen den Alltag.
Die Profi-Ringer in Indien verzichten auf Sex, Tabak, Alkohol und Fleisch. Sie leben enthaltsam und diszipliniert. Jeden Tag absolvieren sie ihre Trainings-Routine. Die Ringer reiben sich mit Sand ein, dem Öl beigemischt ist. Sie bewerfen sich auch mit Schlamm.
In Wrestling-Akademien lernen junge Männer teils über viele Jahre die Kunst des Ringens. Sie leben in den Wrestling-Schulen wie im Internat zusammen.
Fazit
Wrestling ist eine bunte Show, die sich aus Elementen einer Soap, einem Zirkus, echtem Kampfsport und mehr zusammensetzt, um die Fans zu fesseln. Ja, beim Wrestling ist nicht alles echt. Trotzdem schaue ich es gerne. Eine Netflix-Serie gucke ich auch nicht mit dem Anspruch, dass dort alles real sein muss. Und ich muss mir nicht unbedingt ansehen, wie sich andere Leute tatsächlich gegenseitig vermöbeln.
