Karat: Eine Legende des Ostrock

Karat zählt zu den erfolgreichsten Bands der ehemaligen DDR und ist nicht zuletzt, dank Peter Maffays Coverversion ihres größten Hits „Über Sieben Brücken musst Du gehn“, auch Musikfans in den alten Bundesländern ein Begriff.

„Wir wollen einen Mittelweg finden zwischen Rock und romantischem Pop“, beschrieb Herbert Dreilich im Gründungsjahr 1975 das musikalische Ziel von Karat.

Die Anfänge und der Durchbruch

Karat wurde 1975 vom Bassisten Henning Protzmann gegründet, nachdem seine frühere Band Panta Rhei an Popularität verloren hatte. Gemeinsam mit Hans-Joachim Neumann (Gesang), Christian Steyer (Keyboard) und Konrad Burkert (Schlagzeug) formierte er die erste Besetzung. Steyer verließ die Band jedoch schon bald und wurde durch Ulrich Swillims ersetzt, der zuvor Pianist bei Panta Rhei gewesen war. Kurz darauf stieß Herbert Dreilich als Sänger und Gitarrist hinzu - damit war die Formation komplett.

Bereits das erste Album bescherte Karat einen Kickstart: Die Band gewann mit dem Song „König der Welt“ das internationale Grand Prix Festival in Dresden. In kurzem Abstand bewies die Band ihr kreatives Potenzial mit Hits wie „Gewitterregen“, „Über sieben Brücken musst du gehen“ oder „Albatros“.

Erfolge in Ost und West

Die Band etablierte sich zum Aushängeschild der ostdeutschen Musikszene, und mit dem Erscheinen von „Der blaue Planet“ wurde, wiederum erstmals in der BRD, eine Goldene Schallplatte an eine Band aus der DDR verliehen. Mit dem Titel “Der blaue Planet” wurde der größte Erfolg erzielt. Kein späteres Lied konnte diesen Erfolg übertreffen.

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Die Wende und der Verlust von Herbert Dreilich

Mit der Wende kam auch für Karat eine Phase des Umbruchs. Zur Wiedervereinigung war „Über sieben Brücken“ einer der markanten Songs des Jahres, vor allem im Duett mit Peter Maffay, wie wir ihn hier auf der CD finden.

Der tragische Tod von Herbert Dreilich am 12. Dezember 2004 hingegen schien dann auch das Ende von Karat zu sein.

Sein Sohn Claus Lessow-Dreilich übernahm nach Absprache mit der Band den Gesangspart - seine Stimme ähnelt der seines Vaters stark. Der erste Auftritt in dieser neuen Besetzung wurde ein Erfolg.

Kurz darauf kam es jedoch zu einem Rechtsstreit: Dreilichs Witwe versuchte die Nutzung des Namens „Karat“ einzuschränken, da Herbert Dreilich die Markenrechte ohne Wissen seiner Bandmitglieder hatte eintragen lassen. Während der Verhandlungen trat die Band unter dem Namen „K…!“ auf - eine Tour unter diesem Namen blieb hinter den Erwartungen zurück. Nach dem gewonnenen Rechtsstreit durfte die Band wieder als Karat auftreten.

"...und der Mond schien rot" und die Bedeutung von Fernweh

Ich bin als Kind der DDR natürlich mit Karat aufgewachsen. Die Band hatte jede Menge legendäre Musik. Und so manche Perle. Wie das Lied, um das es gehen soll. Es gibt so lyrische Kostbarkeiten, die man musikalisch richtig gut umsetzen kann. So kann man sich auch dem Thema Fernweh widmen. Wie es auch die Autoren Thomas Kurzhals und Norbert Kaiser bei diesem eher schlichten Lied gemacht haben.

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„Hab den Mond mit der Hand berührt“ ist so ein besonderes Lied. Das Album „Fünfte Jahreszeit“ hat nichts mit dem Karneval zu tun. Nein, es geht um die Vorwende-Zeit. Das merkt man jedem Lied der knappen Dreiviertel Stunde an. So wurde auch der Wunsch, woanders zu sein, thematisiert.

Aber anders als beim „Pfefferminzhimmel“ der Band City, das im DDR-Radio nicht gespielt wurde, entwickelte sich „Hab den Mond mit der Hand berührt“ zu einem Dauerläufer. Wer den Mond mit der Hand berührt, kostet für einen Augenblick die Verlockung der Ferne. Gerade jetzt, da die Urlaubszeit allmählich in Deutschland zuschlägt, kommt man gern mal mit Fernweh daher. Als ich aufwuchs, beschränkte sich das Fernweh der Bürger der DDR auf die Ostsee, den Balaton oder das Schwarze Meer. Sylt schien unendlich weit weg.

„Hab den Mond mit der Hand berührt“ ist aber auch auf andere Art und Weise zu verstehen. Die Versuchung lockte. Für einen Moment wäre man fast schwach geworden und hätte etwas verbotenes getan oder sonst irgendwas. Irgendwie gibt es immer wieder Begebenheiten, bei denen man schwach werden kann. „Ich will auch mal“ heißt dann der Gedanke. Dann berührt man auch den Mond. Unterm Strich muss man aber können dürfen. Das Lied hat in Bezug auf das Fernweh an Bedeutung verloren, da es ja für jeden prinzipiell möglich ist, den Hunger nach Ferne zu stillen. Und sonst sollte man sich immer die Versuchung gönnen, sonst wird alles langweilig. Träume soll der Mensch haben. Und Träume sind auch dazu da, wahr zu werden.

Karat Live: Ein unvergessliches Erlebnis

Bereits um 18:00 Uhr enterten KARAT unter großem Applaus die Bühne und begannen ihr Set äußerst druckvoll. Weiter ging es mit „… und der Mond schien rot“, bevor „Jede Stunde“ schon lauthals von den Fans mitgesungen wurde.

Nicht nur bei dem Song „Marionetten“ begeisterte der sympathische Frontmann die Fans mit seiner Mimik und Gestik. Ausdrucksstark von der ersten bis zur letzten Minute, überzeugte Claudius seine Anhänger und ließ seinen Gefühlen sichtlich freien Lauf. Getrieben wurden die „Marionetten“ und die komplette Show vom hervorragenden Neuzugang an den Drums, Heiko Jung. Und auch Neu-Bassist, Daniel Bätge, durfte seine ganze Klasse immer wieder ausspielen. Dabei wirkte Daniel wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Beide neuen Mitglieder wurden mit viel Beifall begrüßt und werden mit Sicherheit schnell die Herzen der Fans erobern.

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Dem „Gewitterregen“ folgte das fast zehnminütige Meisterwerk „Albatros“. Hier liefen Gitarrist Bernd Römer und Bassist Daniel Bätge bei Ihren Soli jeweils zu Hochform auf und ließen die Musikkenner staunen, mit welcher spielerischen Leichtigkeit sie ihre Instrumente beherrschten.

Was anschließend geschah, lässt sich fast nicht mit Worten beschreiben. Das normalerweise eher zurückhaltende Münchner Publikum erhob sich von seinen Plätzen und brach in Begeisterungsstürme aus. Obwohl die Halle nur knapp bis zur Hälfte gefüllt war, konnte man den Applaus wahrscheinlich noch am Marienplatz hören. Die Band war sichtlich überwältigt und auch ein wenig sprachlos ob dieser Reaktion. Und jedes Mal, wenn Claudius sich bedanken wollte, brandete der Applaus erneut ohrenbetäubend auf.

Daraufhin wurde das „Magische Licht“ angezündet, bevor in einem sehr emotionalen Moment, Claudius an seinen Papi Herbert erinnerte. Vor allem auch daran, was dieser alles für KARAT getan hatte. Bei den „Blumen aus Eis“ hielt es wieder niemand mehr auf den Sitzen. Vor lauter Begeisterung sprang Claudius von der Bühne herunter, rannte durch die Halle und nahm direkt Tuchfühlung mit den Fans auf. Das Tempo zog „In Deiner Galerie“ und beim „Narrenschiff“ noch einmal ordentlich an und ein fettes Drum Solo wurde von einer tollen Lichtshow untermalt.

Nachdem die letzten Töne von „Der blaue Planet“ verklungen waren, gab es wieder Standing Ovations und nicht enden wollenden Applaus. Auf die Frage: „Wollen wir gemeinsam über sieben Brücken gehen“ konnte es natürlich nur eine Antwort geben. Die „Zugabe, Zugabe“ Rufe schallten durch die Halle und wollten nicht verstummen. Als Zugabe und kleines Schmankerl präsentierten KARAT einen neuen, groovigen Song, welcher noch keinen Namen hatte. Und auch die Ankündigung, dass mittlerweile fleißig am neuen Album gearbeitet wird, löste wieder viel Begeisterung aus.

Die Rockerrente ist noch weit entfernt, denn die mit Heiko Jung und Daniel Bätge einhergehende Verjüngung bringt frischen Wind und neue Perspektiven in die Band. Auf das neue Album, welches im Jubiläumsjahr 2025 erscheinen soll, darf man gespannt sein. Aber bis es so weit ist, stehen in den kommenden Monaten noch viele Konzerte in ganz Deutschland auf dem Plan und man sollte die Gelegenheit nutzen, die Herren live auf der Bühne zu erleben. Es lohnt sich!

Diskografie (Studioalben)

  1. 1978 - Karat
  2. 1979 - Über sieben Brücken (DDR) / Albatros (BRD)
  3. 1980 - Schwanenkönig
  4. 1982 - Der blaue Planet
  5. 1983 - Die sieben Wunder der Welt
  6. 1987 - Fünfte Jahreszeit
  7. 1990 - … im nächsten Frieden
  8. 1991 - Karat (Self-Titled)
  9. 1995 - Die geschenkte Stunde
  10. 1997 - Balance
  11. 2003 - Licht und Schatten
  12. 2010 - Weitergeh’n
  13. 2015 - Seelenschiffe
  14. 2018 - Labyrinth
  15. 2025 - Hohe Himmel