Lewis Tan und die Kampfsportarten: Ein Einblick in "Mortal Kombat" und mehr

Endlich ist die von Fans sehnlichst erwartete „Mortal Kombat“-Verfilmung da. Und sie bringt genau jene brutalen Kämpfe, die eine Umsetzung des für seine extreme Gewalt nicht nur bekannten, sondern auch berüchtigten Videospiels braucht. Im Mittelpunkt von „Mortal Kombat“ steht der abgehalfterte MMA-Kämpfer Cole (Lewis Tan).

Doch eine kleinere Actionszene geht dabei fast ein wenig unter. Bei seinem ersten Auftritt kassiert er mächtig Prügel in einem Mixed-Martial-Arts-Käfig-Kampf. Die Szene ist vergleichsweise kurz - aber unglaublich intensiv. Für den Autor dieser Zeilen gehört sie sogar zu einer der intensivsten und dadurch besten reinen Prügelszenen der vergangenen Jahre.

Ein echter Kampf zum Einstieg

FILMSTARTS: Wir müssen zu Anfang gleich über eure erste Szene im Film sprechen. Der Käfig-Fight von dir, Lewis, ist zwar kurz und geht bestimmt bei vielen angesichts der vermeintlich spektakulären anderen Kämpfe unter, aber ich fand sie unglaublich intensiv und gut. Wie habt ihr diese Szene so ausgesprochen körperlich gestaltet, wie man es im modernen Hollywood-Action-Kino eigentlich nicht sieht?

Lewis Tan: Das war wirklich die allererste Szene, die ich überhaupt für den ganzen Film gedreht habe. Und der Typ, gegen den ich kämpfe, heißt Ian Streetz. Er ist ein echter Bare-Knuckle-Boxer, MMA-Kämpfer und macht Lethwei [einen Kampfsport aus Myanmar]. Das ist wirklich der härteste Boxsport. Dort sind Kopfstöße erlaubt und es gibt keine Aufgabe. Es wird bis zum Knockout gekämpft.

Ian ist ein wirklich unglaublicher Kämpfer und wir haben gemeinsam versucht, einen echten MMA-Kampf zu zeigen. Und einen solchen kannst du nicht faken. Du kannst keine Choreographie entwerfen, mit der Schläge nur angedeutet werden, du kannst nur einen Ablauf planen, mit dem Verletzungen weniger wahrscheinlich sind. Aber am Ende musst du dich hier wirklich prügeln. Und wir tragen auch keine schützenden Kostüme, sondern wirklich nur unsere Unterwäsche und so haben wir richtig gekämpft. Wir haben uns geschlagen, wir haben uns getreten. Das war ein echter und ernster Kampf.

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Von den Wunden, dem Blut, das du im Film siehst, ist manches Fake, aber bei diesem Kampf vieles auch echt. Wir haben's uns wirklich gegeben, ich konnte am nächsten Tag nicht mal richtig laufen und dachte nur: „Mist! Wir fangen gerade erst an.

FILMSTARTS: „Wo bin ich da reingeraten?“ ist vielleicht auch dir durch den Kopf gegangen, Mehcad, als du als Zuschauer dieser Szene gesehen hast.

Mehcad Brooks: Oh ja. Es war auch mein allererster Tag am Set und ich erinnere mich noch genau. Ich stehe da und schaue mir an, wie sich Lewis und Ian prügeln und ich denke die ganze Zeit nur: Was machen die da? Wir haben keinen Film, wenn sich Lewis da jetzt verletzt. Wir können gleich wieder einpacken.

Ich muss dir sagen: Ich mache das nun schon sehr lange, aber ich habe nie jemanden in meiner ganzen Karriere gesehen, der so viele Stunts selbst macht wie Lewis Tan und dabei so viel reinsteckt.

Lewis Tan: Vom Stuntman zum Actionstar

Erst in den vergangenen Jahren mit Auftritten in „Deadpool 2“ und der Netflix-Serie „Wu Assassins“ bekannt geworden, ist er mitten im Actionfilmgeschäft aufgewachsen. Der Vater des 1987 in Manchester geborenen Lewis ist Philip Tan, einer der legendären Stuntmen in Hollywood.

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Nach Karriere als Turner und Martial-Arts-Kämpfer kam Tan Senior 1980 ins Filmgeschäft, beeindruckte schnell Regisseure wie Steven Spielberg („Indiana Jones“) oder Tim Burton („Batman“) mit seinen Ideen. Sie ließen ihn Stunts entwerfen und durchführen. In vielen Filmen ist er auch selbst zu sehen, als irgendein Handlanger, der verprügelt wird oder in die Tiefe stürzt. Zu großen Rollen vor der Kamera reicht es aber nicht.

Lewis Tan ist so an Filmsets aufgewachsen, verbrachte einen Großteil seiner Kindheit dort, hat seinem Vater zugeschaut und trat als Stuntman in Reihen wie „Pirates Of The Caribbean“ oder „Fast And Furious“ zuerst in dessen Fußstapfen. Doch er drängte in größere Rollen vor die Kamera … und bekommt sie nun.

Gegen Hollywoods Ansatz: Action ohne Doubles

FILMSTARTS: Lewis, du hast dich entschlossen, den Schritt vom Stunt-Double zum Actionstar zu machen und hast dazu auch mit „Mortal Kombat“ die Chance bekommen. Und deine lebenslange Erfahrung sieht man. Dass Stuntmen eine solche Chance bekommen, gibt es sonst fast nur in kleineren Film, wo wirkliche Action-Könner mittlerweile öfter als in Großproduktionen ran gelassen werden. In Hollywood setzt man dagegen lieber auf Stunt-Doubles. Warum ist die Filmindustrie da deiner Meinung nach so wenig mutig?

Lewis Tan: Es ist einfach schwierig und vor allem zeitaufwendig, ein Action-Star zu werden, deswegen nimmt man das bekannte Gesicht und arbeit viel mit Stunt-Doubles in Hollywood. Schau dir Keanu Reeves an. Er hat Jahre für „John Wick“ trainiert. Er trainiert schon seit „Matrix“ durchgehend. Das ist harte Arbeit. Und viele andere Stars wollen diese Zeit gar nicht aufwenden, aber sollen trotzdem die Hauptrolle spielen. Da ist es einfacher, ein Stunt-Double ranzulassen.

Und das ist auch nix gegen diese Filme. Die sind deswegen nicht immer schlechter. Ich liebe einige dieser Filme, doch ich habe einen anderen Ansatz: Ich will den ganzen Tanz zeigen und ich glaube, du kannst eine eigene Geschichte allein dadurch erzählen, dass du die komplette Action zeigst, nicht schneiden musst, um ein Stunt-Double zu kaschieren. Und bei diesem Projekt war ich damit nicht allein. Viele der Schauspieler*innen waren wirklich bereit, so viel wie möglich selbst zu machen und das war wunderschön.

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Denn ich habe in meinen vielen Jahren am Filmset auch schon erlebt, dass die Stars so schnell wie möglich wieder in ihren Trailer wollen, dort 'ne Latte trinken und das Double macht die Arbeit. Aber an diesem Set war das nie so. Jeder sagte von Anfang an: Ich will alles machen, was ich machen kann.

FILMSTARTS: Warum wolltest du auch alles machen, Mehcad? Warum hast du dir diese imposanten Muskeln draufgeschafft und bist nicht in den Trailer, um deine Latte zu trinken und das Double arbeiten zu lassen?

Mehcad Brooks: He, Mann. Ich liebe es, Actionfilme zu schauen, ich liebe einfach Action. Und wenn ich die Chance habe, so einen Actionfilm zu machen, dann will ich doch auch die Action selbst erleben. Ich bin Schauspieler und als solcher spiele ich ja nicht nur in den dramatischen Szenen, sondern auch in den Kampfszenen. Und wenn ich die weglasse, dann fehlt ja ein Teil von mir in dem Film.

Du verpasst einen Teil deines eigenen Films, wenn du nicht so viele Kampfszenen wie möglich selbst machst. Und ich glaube, dass das heute auch mehr und mehr Leuten im Publikum auffällt. Denn es gibt einfach so kleine Details in deiner Körperbewegung und der Attitüde deiner Figur, die du bewusst und auch unbewusst einstreust, die bei einem Stunt-Double vielleicht fehlen.

Und hier war das noch wichtiger, weil wir diese Figuren einführen, in dieser Welt etablieren. Und da sollten sie auch klar den Stempel jedes Schauspielers und jeder Schauspielerin tragen.

Lewis Tan: Und lass mich dazu unbedingt noch anmerken: Stell dir vor, wir hätten ausgerechnet das verbockt? Bei diesem Film? Mortal Kombat

Die Choreographie und das Team

FILMSTARTS: Dass die Action gut wird, war natürlich nicht nur euer Job. Ihr hattet angeführt von Chan Griffin ein starkes Team für die Choreographien. Wie viel konntet ihr euch da einbringen, wie viel war schon vorgegeben?

Mehcad Brooks: Wir hatten ein wirklich unglaubliches Team und sie waren sehr offen für unsere Vorschläge. Das war ein gutes Geben und Nehmen. Sie wissen zum Beispiel natürlich viel besser als ich, wie man kämpft, aber ich bin ein riesiger Fan von „Mortal Kombat“ und es gab einzelne Dinge der Bewegungen von Jax, die ich übernehmen wollte, die nicht in den geplanten Kämpfen war. Und das hat alles exzellent zusammengefunden.

Lewis Tan: Absolut, wir konnten für unsere eigenen Figuren immer wieder Ideen einbringen. Doch du musst wissen: Wir haben hier mit extrem talentierten Menschen gearbeitet. Chan Griffin und Anthony Rinna sind nicht nur unglaublich talentierte Stunt- und Kampfchoreografen, sondern die sind das nächste Level im Hollywood-Kino. Da willst du gar nicht zu viel ändern, denn die haben sich die Gedanken gemacht und haben Nahkampf-Szenen gestaltet, die es so vorher noch nicht gab.

Die Welt von "Mortal Kombat"

Im Herzen des Films „Mortal Kombat“ steht ein erbitterter Konflikt, der über die Jahrhunderte gewachsen ist. Es ist ein Kampf, der nicht nur die physischen, sondern auch die spirituellen Grenzen der beteiligten Krieger auf die Probe stellt. Als die Geschichte beginnt, steht Earthrealm kurz davor, in einem antiken Turnier zum zehnten Mal gegen die übermächtigen Kräfte von Outworld zu verlieren. Ein solches Schicksal würde das Ende der Freiheit bedeuten.

Doch es gibt einen Funken Hoffnung, entzündet durch eine Prophezeiung, die von einer Gruppe von Champions spricht. Cole Young, ein ehemaliger MMA-Kämpfer, wird unverhofft in diesen Strudel aus alter Magie und tödlichen Kämpfen gezogen. Ein mysteriöses Muttermal offenbart seine Bestimmung als einer der Champions von Earthrealm. Mit wenig Zeit zur Vorbereitung muss Cole verbündete Kämpfer finden. Zusammen treten sie gegen die schrecklichen Krieger von Outworld an. Jeder Schlag, jeder Kampf ist ein Schritt näher an die Erfüllung der Prophezeiung. Doch die Herausforderungen sind gewaltig, und die Feinde, allen voran der furchteinflößende Sub-Zero, sind nicht zu unterschätzen.

Im Jahr 2021 begeisterte der Film „Mortal Kombat“ die Kinos weltweit. Basierend auf der gleichnamigen Computerspielreihe, entführte er das Publikum in eine Welt voller Action und Fantasy. Unter der Regie von Simon McQuoid entstand ein visuell beeindruckendes Werk. Die Hauptrollen übernahmen Tadanobu Asano als Lord Raiden, Ludi Lin als Liu Kang, und Jessica McNamee als Sonya Blade. Lewis Tan schlüpfte in die Rolle des Cole Young, während Chin Han den Schurken Shang Tsung verkörperte.

Der Film punktete nicht nur mit seiner Besetzung, sondern auch mit einem hervorragenden Produktionsteam. Simon McQuoid, Todd Garner, E. Bennett Walsh und James Wan zeichneten für die Produktion verantwortlich. Für die musikalische Untermalung sorgte Benjamin Wallfisch, und Germain McMicking führte die Kamera. Der Schnitt von Scott Gray und Dan Lebental trug maßgeblich zum dynamischen Fluss der Handlung bei.

Nach seinem Start im April 2021 erzielte „Mortal Kombat“ ein beachtliches Einspielergebnis und sicherte sich Auszeichnungen für das beste Szenenbild und den besten Ton bei den AACTA Awards 2021.

Im 17. Jahrhundert wird Hanzo Hasashi, ein angesehener Kämpfer, von Bi-Han angegriffen, der seine Familie tötet. Hanzo rächt sich, fällt aber Bi-Han zum Opfer und wird ins Netherreich verbannt. Raiden, der Donnergott, rettet Hanzos Tochter, ein Akt, der die Hoffnung auf eine spätere Vergeltung bewahrt. In der Gegenwart droht Earthrealm, das zehnte und entscheidende Mortal Kombat-Turnier gegen Outworld zu verlieren.

Eine Prophezeiung kündet von neuen Champions, gezeichnet mit einem Drachenzeichen, die durch das Blut von Hanzo Hasashi vereint werden. Shang Tsung versucht, diese Champions zu eliminieren, um Outworlds Sieg zu sichern. Cole findet Schutz bei Sonya Blade und Jax, die das Geheimnis von Mortal Kombat erforschen. Gemeinsam entdecken sie ihre verborgenen Kräfte, die Arcana, und schließen sich mit den Kämpfern Liu Kang und Kung Lao zusammen.

Ein Angriff von Shang Tsungs Truppen auf Raidens Tempel zwingt das Team, ihre neu entdeckten Fähigkeiten zu testen. Die entscheidende Schlacht gegen Shang Tsung und seine Krieger beginnt, als Cole seine wahre Stärke entdeckt und Hanzo Hasashi als Scorpion zurückkehrt. Zusammen besiegen sie Sub-Zero und retten Coles Familie, was den Sieg für Earthrealm sichert. Dieser Moment verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und erneuert das Vermächtnis der Hasashi-Blutlinie.

Simon McQuoids „Mortal Kombat“ von 2021 bricht mit der Tradition der früheren, weniger gewalttätigen Adaption und bietet Fans endlich die Brutalität, die sie von der Reihe erwarten. Die Actionsequenzen zeigen sich blutig und energiegeladen, eine klare Abkehr vom charmant-trashigen Stil des Films von 1995. Allerdings bleibt das reiche Universum, das das Franchise verspricht, größtenteils nur angedeutet.

Die Einführung der Hauptfigur Cole Young und seine Einbindung in die Welt von Mortal Kombat durch ein besonderes Muttermal, wirkt zunächst vielversprechend. Der starke Prolog, der die Fehde zwischen Hanzo Hasashi und Bi-Han einführt, zeigt, wie gut blutige Action und tiefgründige Charakterzeichnung harmonieren können. Doch sobald der Film in die Gegenwart springt, werden solche Momente rar.

Stattdessen wird das Publikum mit wiederholten Erklärungen konfrontiert, die nicht nur den Erzählfluss bremsen, sondern auch die Hauptfigur blass erscheinen lassen.

Joe Taslim über Sub-Zero

Eine große Rolle im aktuellen „Mortal Kombat“-Film spielt Sub-Zero. Kaum eine Figur der „Mortal Kombat“-Reihe hat so viele Fans wie Sub-Zero. Kaum ein Charakter wird so oft von den Spielerinnen und Spielern ausgewählt, wenn sie einen Teil der legendären Videospielreihe auf der PlayStation oder Xbox starten.

Bei der neuesten Verfilmung von „Mortal Kombat“, die seit einigen Tagen als Stream verfügbar ist, sind viele Fans nun auch besonders glücklich darüber, dass mit Joe Taslim ein wirklicher Martial-Arts-Könner als Ninja Bi-Han und dann Bösewicht Sub-Zero agiert.

Taslim war Judo-Profi, stand lange Zeit im indonesischen Nationalteam und entschied sich nach dem Karriere-Ende im Sport, Schauspieler zu werden. Mit Auftritten als Bösewicht in „Fast & Furious 6“ bis „Star Trek Beyond“, der Hauptrolle im Netflix-Kracher „The Night Comes For Us“ und der Serie „Warrior“ gehört er seitdem zu den gefragtesten internationalen Action-Stars.

Joe Taslim hebt dabei eine Sache von vielen anderen Martial-Arts-Spezialisten ab: Der in verschiedenen Kampfsportarten ausgebildete Taslim hat keinen unverwechselbaren eigenen Stil, mit dem man ihn sofort erkennt, sondern überrascht immer wieder mit neuen Bewegungen - so nun auch in „Mortal Kombat“, der übrigens ab 22. Juli 2021 dann auch auf DVD und Blu-ray erhältlich ist.

FILMSTARTS: Was mich bei dir immer wieder überrascht, Joe: Du zeigst in jedem Film neue Kampfstile. Man kann nicht sagen: Das ist der Joe-Taslim-Stil. Und so ist das auch in „Mortal Kombat“...

Joe Taslim: Ja, das ist eigentlich schon ein wenig verrückt, aber entsteht einfach so. Vor „Mortal Kombat“ hatte ich gerade einen Film in Korea gedreht, bei dem ich mit dem Schwert kämpfen musste [Anm.: „The Swordsman“, in Deutschland gerade auch erschienen]. Und dann kam ich an das Set, wo uraltes Martial-Arts kombiniert mit Superkräften von mir verlangt wurden. Und da lasse ich mich dann drauf ein... Ich vergleiche Martial-Arts da gerne mit Musik. Wenn du den Rhythmus, den Flow verstehst, dann kannst du auch von einem Instrument zu einem anderen wechseln, das denselben Kern hat - und das ist für mich dasselbe mit Kampfsportstilen.

Du kennst ja meinen Judo-Hintergrund. Das habe ich trainiert, habe mein halbes Leben dafür im Dojo verbracht. Und auch wenn beim Judo nicht geschlagen und getreten, sondern mehr gerungen wird, ist es im Kern so ähnlich, dass ich Elemente davon immer wiederfinde, wenn ich zu Silat, Kung-Fu oder Kendo springe. Alles, was sich ändert, ist die Hülle. Innendrin ist es dasselbe. Das ist zumindest mein Glaube.

Zu viele Superkräfte sind schädlich

FILMSTARTS: Jetzt hast du den übernatürlichen Aspekt bei dieser Rolle selbst erwähnt. Sub-Zero hat einige der coolsten Spezialeffekte. Wie schwer war es, zwischen Martial-Arts und Eis-Dolch die Balance zu finden?

Joe Taslim: Ja, Superkräfte sind tricky und ihr Einsatz muss meiner Ansicht nach mit der Figur, der Geschichte und dem Zweck des einzelnen Kampfes verbunden sein. Benutzt du sie zu oft, funktioniert es logisch für mich einfach nicht mehr, denn dann musst du sie immer benutzen. Mein Ansatz war daher: Ich muss denken, was Sub-Zero denkt. Glaubt er, dass er diesen Kampf schnell und problemlos gewinnen wird? Will er vielleicht mit seinem Gegenüber auch ein wenig spielen? Das sind Ideen, mit denen ich arbeiten kann.

Nimm als Beispiel den Kampf direkt zum Anfang. Gegen Hanzo benutzt er seine Superkräfte kaum, denn er respektiert seinen Kontrahenten. Er will einen fairen Kampf. Er nutzt kurz die Kräfte, aber nur für eine halbe Sekunde. Er zeigt damit, was er könnte, wenn er wollte.

Ich wollte auch, dass sich das Publikum fragt: Warum nutzt er jetzt die Kräfte nicht? Gemeinsam mit unseren Kampf-Choreographen habe ich viel darüber geredet, warum ich die Kräfte hier gar nicht und da weniger nutzen will. Denn wenn du einen Kampf siehst und der ist einfach nur völlig drüber, ist das Publikum schnell übersättigt. Jede Kampfszene muss vielmehr eine eigene Geschichte erzählen, hat einen Aufbau bis hin zum Höhepunkt und geht dann zum Ende wieder runter zum Abschluss.

FILMSTARTS: Es gibt sehr viele Figuren in „Mortal Kombat“. Das hat den Nachteil, dass sehr wenig Platz ist, mehr über die reichen Hintergrundgeschichten von jeder einzelnen zu erzählen. Auch bei Sub-Zero werden seine Story und seine Vergangenheit mit Hanzo nur angedeutet. Wie sehr waren die Figuren-Hintergründe ein Thema für euch beim Dreh und für dich bei der Vorbereitung?

Joe Taslim: Für mich war das ein sehr großes Thema. Ich bin ein „Mortal Kombat“-Fan und Sub-Zero war neben Scorpion und Kung Lao die Figur, mit der ich am meisten gespielt habe. Die drei waren meine Helden als Kind. Daher wusste ich schon einiges. Aber als ich dann den Job hatte, habe ich noch viel mehr recherchiert. Das ist für mich auch eine Verantwortung. Denn Millionen Menschen sind riesige Fans dieser Figur und da kann ich ihn nicht einfach nur als Badass-aussehenden Typen spielen. Ich muss ihm mehr geben, ich muss ihm ein Herz und eine Seele geben.

Die Leute sollen sehen, dass er nicht einfach nur Badass ist. Sie sollen verstehen, warum er ein Bösewicht ist, warum er so grausam ist. Er ist innerlich zerbrochen, er kommt von einer Welt, die eigentlich friedlich ist. Doch das Schicksal hat ihn auf diesen Weg geführt. Und mein Job als Schauspieler ist es, ein wenig von diesem Dilemma zu zeigen.