Thorsten Legat: Fußball, Leidenschaft und der Weg zur Kultfigur

Thorsten Legat, für einige ein netter Kerl, für andere ein Unhold, polarisiert. Nach mehr als dreijähriger Abstinenz ist er wieder in seinem Element, das ihm einst den Weg zu einer Kultfigur ebnete: dem Fußballbereich.

Genauer gesagt, in der siebten Liga beim TuS Bövinghausen. Der 50-jährige Ex-Profi unternimmt beim ambitionierten Landesliga-Neuling seinen achten Anlauf im Trainergeschäft, unweit seines Geburtsortes Bochum.

Legat liebt das Spiel mit der Kamera und unterhält damit seine Fans. Legendär ist, wie er sich beim Mannschaftsbild von Schalke 04 im Jahr 2000 die Hose hochzieht.

Dazwischen lagen nicht weniger als 13 TV-Auftritte. Legat machte in den verschiedensten Fernsehformaten bei ProSieben, RTL (u.a. Dschungelcamp) oder Sat 1 weniger als Mann der geschliffenen Worte als vielmehr kurioser Ansagen von sich reden.

Dazu verkündet er nahezu täglich Verrücktheiten im Internet. „Ich lebe Fußball, Leidenschaft und Herz. Das ist hier mein Zuhause“, begründet Legat sein jüngstes Engagement in Liga sieben.

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Sein Vertrag in Bövinghausen gilt für ein Jahr, und es gibt nicht wenige im Dortmunder Amateurfußball, die selbst das Einhalten dieser überschaubaren Laufzeit bezweifeln. Der Landesligist hat sich zwei Klassen höher mit reichlich Personal versorgt und strebt den dritten Aufstieg in Folge an.

Bei seiner letzten Station beim FC Remscheid schmiss Legat, der in seiner Spielerkarriere 243 Bundesligaspiele bestritt, nach einer legendären Wutrede am 1. Mai 2016 nach nur sieben Monaten hin. Und als er am vergangenen Wochenende mit Bövinghausen den Saisonstart vor 1200 Zuschauern (!) in Castrop-Rauxel beim FC Frohlinde mit 1:2 versemmelt hatte, packte der frühere Werder-Profi gleich mal die verbale Axt aus und drosch auf seine Spieler ein.

„Der Fehler liegt darin“, begründete er die Auftaktpleite, „dass Du keine Krieger hast. Dabei zeigte er mehrfach auf ein nahes Balkongeländer, das er jetzt am liebsten abreißen wolle. Zuzutrauen wäre ihm das.

Denn wenn Legat seinen muskelbepackten Körper vor einem aufbaut, den kahl rasierten Schädel vorschiebt und die Halsschlagader zu zucken beginnt, neigt der Betrachter zur vorsorglichen Zurückhaltung. Aber der Mann kann auch anders.

Thorsten Legat stand als Fußballprofi beim VfL Bochum (1986 bis 1991), bei Werder Bremen (1991 bis 1994), Eintracht Frankfurt (1994 bis 95), dem VfB Stuttgart (1995 bis 1999) und bei Schalke 04 (2000 bis 2001) unter Vertrag. Er absolvierte 243 Bundesligaspiele, schoss 15 Tore, sah 34 Gelbe Karten und eine Gelb-Rote Karte.

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Seine Trainerlaufbahn begann der heute 50-Jährige in der Jugend von Werder Bremen (2002 bis 2004). Es folgten Engagements beim WSV Bochum 06 (2005 bis 2007), TuRa Rüdinghausen (2008), SV Bergisch Gladbach (2010 bis 2011) und Wuppertaler SV (2012 bis 2013/beide Jugend) sowie beim 1. FC Wülfrath (2013 bis 2014) und FC Remscheid (2015 bis 2016).

Im persönlichen Gespräch wich die Anspannung sehr schnell der Entspannung. Vor allem als sich das Gespräch auf seinen Ex-Club Werder Bremen richtete. Geradezu lammfromm wird der Mann beim Blick in den Norden. „Werder Bremen ist ein großer Teil von mir. Otto Rehhagel ist ein großer Teil von mir. Bremen ist mein ganzer Stolz. Das ist Leidenschaft, das ist Familie“, schwärmt Legat von den großen grün-weißen Zeiten, als er nacheinander den Europapokal der Pokalsieger (1992), den deutschen Meistertitel (1993) und den DFB-Pokal (1994) gewann.

Auch seine Trainertätigkeit begann er einst bei Werder, als er zwischen 2002 und 2004 verschiedene Teams im Jugendbereich betreute. So lässt ihn selbstredend die aktuelle Entwicklung seines Ex-Vereins nicht los. Florian Kohfeldt sei ein absoluter Glücksfall für den Verein. Ebenso die Männer im Hintergrund: „Mit Marco Bode, Frank Baumann und hinten dran Thomas Schaaf verfügt Werder über drei echte Haudegen, Institutionen.

Und so schnell Legat zu einem liebevollen Kerl mutierte, so entrüstet er sich im nächsten Moment bei ihm offenbar nicht genehmen Fragen. „Dazu sage ich nichts“, faucht er laut und deutlich auf die Frage bezüglich seiner Einnahmequellen. Wann denn der nächste TV-Auftritt anstünde, wird er gefragt. „Das sage ich, wenn ich es bekannt gebe“, erhöht er gleich noch einmal die Phonstärke.

Zusammenfassung der Karriere von Thorsten Legat

Verein Zeitraum
VfL Bochum (Spieler) 1986 - 1991
Werder Bremen (Spieler) 1991 - 1994
Eintracht Frankfurt (Spieler) 1994 - 1995
VfB Stuttgart (Spieler) 1995 - 1999
Schalke 04 (Spieler) 2000 - 2001
Werder Bremen (Jugendtrainer) 2002 - 2004
WSV Bochum 06 (Trainer) 2005 - 2007
TuRa Rüdinghausen (Trainer) 2008
SV Bergisch Gladbach (Trainer) 2010 - 2011
Wuppertaler SV (Jugendtrainer) 2012 - 2013
1. FC Wülfrath (Trainer) 2013 - 2014
FC Remscheid (Trainer) 2015 - 2016
TuS Bövinghausen (Trainer) aktuell

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