Beim Judo, einer japanischen Kampfsportart, ist das Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ beziehungsweise „maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand“ von zentraler Bedeutung.
Die Wurzeln des Judo reichen bis in die Nara-Zeit (710-784) zurück.
Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen zugrunde.
Ziel ist es, diese Prinzipien als eine Haltung in sich zu tragen und auf der Judomatte (Tatami) bewusst in jeder Bewegung zum Ausdruck zu bringen.
Ein Judo-Meister hört demnach niemals auf, Judo zu praktizieren, auch wenn er nicht im Dōjō (Trainingshalle) ist.
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Im Konjaku-Monogatari findet man zum ersten Mal den Begriff yawara (weich) im Zusammenhang mit einer Geschichte über das japanische Ringen.
Über die Entstehung des Jiu-Jitsu existieren unterschiedliche Berichte, die einen legendenhaften Charakter haben.
Ihr historischer Wahrheitsgehalt ist schwer nachzuweisen.
Die poetisch schönste ist sicherlich die des Arztes Akiyama Shirobei aus Hizen, der in China Medizin und die Kunst der Selbstverteidigung studierte.
Wieder in Japan, zog er sich in einen Tempel namens Dazai-Tenjin zurück.
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Der Anekdote nach war es Winter, und am 21.Tag im Tempel trat starker Schneefall ein.
Er betrachtete die Bäume; ihm fiel auf, dass viele Äste unter der Last des Schnees brachen, die des Weidenbaums aber wegen ihrer Elastizität nachgaben und den Schnee abgleiten ließen.
Auf Grund dieses Vorgang soll der Arzt Shirobei das Prinzip des „Ju“ - Nachgebens - in der Kampfkunst eingeführt haben.
Mit dem Ende der Tokugawa-Zeit und der Öffnung Japans kam es auch zu starken Veränderungen in der japanischen Gesellschaft.
Durch die Meiji-Reform kam es zu einer Fülle von staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Reformen.
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Die japanischen Künste wurden stark zurückgedrängt, alles „westliche“ hatte Vorrang.
Jigoro Kano (1860-1938) wuchs in diesem Japan der extremen Veränderungen auf.
1882 gründete Jigoro Kano seine eigene Schule, den Kodokan („Ort zum Studium des Weges“) in der Nähe des Eisho-Tempels im Stadtteil Shitaya in Tokio.
Er nannte seine Kunst Judo - „sanfter Weg“.
Beim Judo befreite er die alten Jiu-Jitsu-Stile von gefährlichen Elementen.
Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert.
Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die Schüler Kanos (zuvor Jiu-Jitsu Praktizierende) im Jahre 1886 einen regulären Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jiu-Jitsu-Schule „Ryoi-Shinto Ryu“ für sich entscheiden konnten.
Aufgrund dieses Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt.
1911 wurde Judo an allen Mittelschulen Pflichtfach.
1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel.
Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor.
Wilhelm II. war begeistert und ließ seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten.
Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn, der im Jahre 1906 die erste deutsche Jiu-Jitsu-Schule gründete.
Weitere Pioniere im Judo sind Alfred Rhode und Heinrich Frantzen (Köln).
1926 fanden in Köln im Rahmen der 2.Deutschen Kampfspiele die ersten Deutschen Judo (Jiu-Jitsu)-Meisterschaften statt.
1932 wurde im Frankfurter Waldstadion die erste internationale Judo-Sommerschule durchgeführt.
Anlässlich der Judo-Sommerschule wurde am 11. August 1932 der Deutsche Judo-Ring gegründet.
Erster Vorsitzender wurde Alfred Rhode.
Der Begriff Judo setzt sich, wie schon im restlichen Europa, auch in Deutschland durch.
Im August 1933 wurde Judo von den Nationalsozialisten in das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes eingegliedert und verlor damit seine Eigenständigkeit.
Die letzten Deutschen Meisterschaften in der NS-Zeit fanden 1941 in Essen statt.
Die ersten Judo-Europameisterschaften wurden 1934 im Kristallpalast in Dresden ausgerichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Judo bis 1948 durch die Alliierten verboten.
1951 fanden in Frankfurt die ersten Deutschen Meisterschaften nach dem Zweiten Weltkrieg wieder statt.
1952 wurde das Deutsche Dan-Kollegium (DDK) (Vorsitz: Alfred Rhode) und 1953 der Deutsche Judobund (Vorsitz: Heinrich Frantzen) gegründet.
Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen.
Zu diesem Anlass brachte sowohl die Deutsche Bundespost, als auch die Deutsche Post der DDR eine 20 Pfennig Briefmarke mit Judomotiv raus.
1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt wird Judo zunächst wieder aus dem olympischen Programm gestrichen.
Seit 1972 bei den Olympischen Spielen in München gehört Judo beständig zum Olympischen Programm.
War Judo zunächst eine Männerdomäne, so wurde 1988 Frauen-Judo bei den Olympischen Spielen in Seoul als Demonstrationswettbewerb vorgestellt.
1956 fanden in Tokio die ersten Weltmeisterschaften statt.
Damals gab es allerdings nur eine offene Gewichtsklasse.
1961 bei den dritten Weltmeisterschaften in Paris wurden dann erstmals Gewichtsklassen eingeführt.
Im Jahre 1988 war Judo erstmals bei den Paralympics in Seoul mit dabei.
Seit 2004 in Athen gibt es auch Frauen-Judo im Programm der Sommer-Paralympics.
Judo wird bei diesen Spielen von Blinden und Menschen mit geringem Sehvermögen praktiziert.
