Es wird wieder Zeit für klassisches Videothekenfutter, in dem sich kampfsporterprobte Darsteller nach allen Regeln der Kunst die Kauleisten verbiegen. Das Ganze eingebettet in eine locker leichte Krimihandlung und fertig ist der schmierige VHS-Fetzen vergangener Tage.
All diese Ingredienzien vereint MARTIAL LAW (1990), nicht zu verwechseln mit der kurzlebigen Karate-Cop-Serie mit Sammo Hung in der Hauptrolle. In dieser Direct-to-Video-Produktion, die es trotz überschaubarem Erfolg auf zwei Sequels brachte, zieht der erst kürzlich verstorbene Chad McQueen, seines Zeichens Sohn von Hollywood-Legende Steve McQueen, gegen den fiesen David Carradine zu Felde. Unterstützung bekommt er von niemand geringerem als Martial-Arts-Amazone Cynthia Rothrock.
Das klingt doch nach einer Gaudi mit Ansage, die im Double Feature mit der Fortsetzung von WMM und Cargo Records kürzlich als Blu-ray im Keep-Case veröffentlicht wurde.
Los Angeles wird von brutalen Straßengangs terrorisiert. Sean Thompson (Chad McQueen), Leiter der Polizei-Spezialeinheit „Martial Law“, versucht auf seine eigene Art und Weise für Recht und Ordnung zu sorgen. Als sein Bruder Michael unter den Einfluss der Bande des skrupellosen Dalton Rhodes (David Carradine) gerät, muss Sean handeln. Doch zu spät Michael muss grausam sterben.
Handlung und Drehbuch
Die Story dreht sich um eine Gangsterbande, die von Obermufti Carradine angeführt wird und sich größtenteils der Autoschieberei verschrieben hat. Das Drehbuch ist wirklich nicht das Gelbe vom Ei, muss es aber auch nicht. Nur leider lässt dieses wirklich jegliche Spannung und Dynamik vermissen, so plätschert der klischeebeladene Plot relativ müde vor sich hin, denn bis es mal wirklich zu einer Konfrontation mit den Bösewichten kommt, unter denen sich übrigens auch Stunt-Legende Philip Tan befindet, ist der Film fast schon wieder vorbei.
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Somit ist größtenteils Wassertreten angesagt, das zwar in einem annehmbaren aber auch viel zu kurzem Endkampf mündet. Wirklich unterhaltsam ist MARTIAL LAW nie, was auch an Hauptdarsteller Chad McQueen liegt, der in Gänze nicht mal so viel Charisma besaß wie sein Vater im kleinen Finger. Definitiv der falsche Hauptdarsteller, was vermutlich auch den Machern auffiel, weswegen man ihn in der Fortsetzung durch Jeff Wincott ersetzte. Einzig David Carradine spielt groß auf, bekommt aber nicht wahnsinnig viel zu tun.
Action und Kampfchoreografie
Namen wie David Carradine, seines Zeichens Hauptdarsteller der Kultserie KUNG FU (1972-1975) und späterer Antagonist in Tarantinos KILL BILL (2003/2004), und Cynthia Rothrock, die schon in den 1980er Jahren erfolgreich durch Hongkong-Knaller wie ULTRA FORCE 2 (1985) und RIGHTING WRONGS (1986) wirbelte, versprechen zumindest genau Das, was der Fan knackiger Kampfsport-Prügeleien sehen möchte.
Wirklich enttäuschend ist allerdings die Action und wegen dieser greift man ja in erster Linie zu einem Streifen wie MARTIAL LAW. Allerdings schien Regisseur Steve Cohen, der später mit dem Team-Up-Actioner TOUGH AND DEADLY (1995) immerhin einen veritablen Videothekenkracher abgeliefert hat, nicht die beste Wahl gewesen zu sein, um die Talente der Darsteller in Szene zu setzen. Die Fights sind unspektakulär und beschränken sich größtenteils auf einfache Keilereien, in denen hier und da mal einer das Bein hebt. Für wirklich elaborierte Sequenzen waren die Mittel wahrscheinlich auch zu begrenzt.
Generell grenzt es fast an einen Frevel, dass man Chad McQueen den Löwenanteil zugesteht, während Cynthia Rothrock, die nicht nur einmal in ihrer Karriere ihr Können unter Beweis stellte, sträflich vernachlässigt wird. Diese darf hin und wieder mal eingreifen, vegetiert ansonsten aber größtenteils auf der Ersatzbank vor sich hin und hat als Liebschaft des titelgebenden Cops eine sehr undankbare Rolle.
Technische Aspekte der Blu-ray
WMM veröffentlichte den Actionkrimi im Vertrieb von Cargo Records als einfache Blu-ray im Keep-Case. Ebenfalls enthalten ist das Sequel MARTIAL LAW 2: UNDERCOVER (1991) auf einer separaten Disc. Parallel zu dieser einfachen Auflage erschien übrigens auch eine Mediabook-Version bei AVV.
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Die Bildqualität kann sich für ein solches B-Movie, das lediglich für den Videomarkt produziert wurde durchaus sehen lassen. Kein High-End aber ein sattes Bild mit einer guten Schärfe. Auch der Ton bewegt sich auf ordentlichem Niveau, insgesamt kann man da nicht meckern. Als Extra ist lediglich der Trailer vorhanden.
Ganz schlimm ist allerdings das Cover-Motiv, auf dem man Cynthia Rothrock optisch vergewaltigt hat.
Fazit
MARTIAL LAW (1990) verspricht mehr als der Streifen schlussendlich halten kann. Die Story ist fad und unspektakulär, Chad McQueen in der Hauptrolle frei von jeglichem Charisma und Cynthia Rothrock wird vollkommen verheizt. Leider ist auch die Action kein großer Hingucker, sind die Fights doch relativ kurz und wenig ansprechend choreographiert und inszeniert. Lediglich David Carradine gibt einen guten Schurken ab, das allein reicht jedoch nicht für einen unterhaltsamen Film.
Martial Law (TV Serie)
Mitte der 90er-Jahre erfasste ein radikaler Wandel die Hongkong-Filmindustrie, als um die Rückgabe der Kronkolonie an die Volksrepublik China herum so gut wie alle Filmemacher und Schauspiel-Stars mit Rang und Namen, die das Actiongenre revolutioniert hatten, ihr Glück in Hollywood versuchten: Als erster kehrte John Woo nach seinem furiosen Abschiedsgeschenk „Hard-Boiled“ HK den Rücken und stieg mit dem Van-Damme-Kracher „Hard Target“ in eine über 10 Jahre andauernde US-Karriere ein, es folgten Ringo Lam, Tsui Hark, Chow Yun-Fat, 1998 Jet Li als „Lethal Weapon 4„-Badguy und auch Jackie Chan schaffte endlich den Sprung in die USA, der ihm in den 80er-Jahren mit Projekten wie „Cannonball Run“ oder „The Protector“ immer wieder misslungen war.
Als Jackie, der sich nicht auf eine mehrjährige Verpflichtung einlassen wollte, absagte, hielt der Regisseur dennoch an seinem Konzept fest und zog für seine geplante TV-Serie Alternativen in Betracht. Zunächst einen amerikanischen Star erwägend und schließlich aus der Erkenntnis heraus, in der stark limitierten Drehzeit für ein Fernsehformat auf einen erfahrenen und trainierten Actionstar zurückgreifen können zu müssen, kam Tong auf HK-Star Sammo Hung, der nicht nur in seiner Kindheit jahrelang zusammen mit Jackie an der Chinese Drama Academy gelernt, sondern auch danach zahlreiche Filmprojekte als Regisseur und / oder Codarsteller mit ihm gestemmt hatte (vor „Martial Law“ zuletzt „Mr. Nice Guy“).
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Es ergab sich allerdings ein gewaltiges Problem: Sammo sprach kein Wort Englisch, was aufgrund des unpraktischen Synchronisations-Zwangs mit ein Grund für das frühe Ende der Serie nach lediglich zwei Staffeln war. Stanley Tong brauchte nach eigener Aussage zweieinhalb Stunden Überredungskunst, um Sammo in einem Hotel in LA von der Idee und Wegen, das Problem der Sprachbarriere zu lösen, zu überzeugen. Stanley Tong inszenierte die Pilotfolge und engagierte sich auch als Produzent, in die weiteren Regisseure der Serie sollte sich unter anderem der spätere „Disturbia“-Macher D.J. Caruso einreihen.
Obwohl „Martial Law“ höchst kurzweilige Actioncomedy bot, wurde die Show nach zwei Staffeln abgesetzt und sowohl Sammo Hung als auch Stanley Tong kehrten in ihre Heimat zurück, wobei sich Tong Mark Dacascos und US-Rapper Coolio für den flotten Actionkracher „China Strike Force“ mitnahm. Von einer erfolgreichen Hollywood-Karriere kann man also im Gegensatz zu Jackie Chan bei beiden nicht sprechen, zumal Tongs einziges weiteres Engagement in den Vereinigten Staaten die verunglückte Leslie-Nielsen-Klamotte „Mr. Magoo“ war.
Mit „Martial Law“ jedoch stellten die beiden ein überaus spaßiges Konstrukt auf die Beine: Die Serie handelt von Shanghai-Cop Sammo Law (Sammo Hung), der auf der Suche nach dem Gangsterboss Lee Hei in die USA reist und schnell eine Festanstellung an der Seite zweier einheimischer Kollegen ergattert, einer von beiden natürlich der Quotenschwarze. Ausgefallene Stories sind die Stärke von „Martial Law“ sicherlich nicht, dient die Handlung doch hauptsächlich als Aufhänger für Witz und Action.
Wie Schwergewicht Hung seine Pfunde immer wieder in filigrane Martial-Arts-Choreografien wirft, ist stets beeindruckend anzuschauen (davon könnte sich unser Lieblingsdickerchen Seagal eine ordentliche Scheibe abschneiden) und so beziehen die zahlreichen Fights nicht zuletzt aus dessen leicht skurriler Kampfpower ihren Reiz, während sich auch die Choreografie stets abwechslungsreich und hochwertig präsentiert. Sammos Charisma sorgt darüberhinaus für einen überaus amüsanten und sympathischen Helden, der von Kelly Hu tatkräftige Kickerunterstützung und seinen amerikanischen Kollegen den üblichen humoristischen Gegenpart erhält, wenngleich auf das Dampfplauderei-Konzept à la Chris „Carter“ Tucker dankenswerter Weise verzichtet wird. Einige Culture-Clash-Elemente dienen dem Witz freilich ebenfalls immer wieder als Basis.
Fazit: Sammo Hungs denkbar kurzer US-Ausflug „Martial Law“ erweist sich als höchst kurzweilige Actionserie, die mit Witz, rasant choreografierten und hoch frequentierten Martial Arts sowie einem sympathischen Hauptdarsteller punktet.
