Das Reliquienkreuz von "Bares für Rares": Bedeutung und Rekordpreis

In der ZDF-Trödel-Show "Bares für Rares" konnten zwei Teilnehmerinnen einen Rekord-Deal abschließen, der für Aufsehen sorgte: Für 42.000 Euro erwarb Händlerin Susanne Steiger ein Reliquienkreuz. Es ist die teuerste Rarität, die jemals bei "Bares für Rares" über den Tisch gegangen ist. Da war sogar der sonst so erzählfreudige Moderator Horst Lichter sprachlos.

Ein kleines, aber feines Schmuckstück, das die Studentin Stefanie und ihre Mutter Cosima aus Rülzheim verkaufen wollten: Ein Reliquien-Kreuz von vor 1700, besetzt mit 40 Karat Diamanten und Holzsplittern des Kreuzes Jesu. Expertin Heide Rezepa-Zabel erklärte, dass es ein pontifikales Brustkreuz von Papst Clemens IX. war. "Das entsprach dem Kauf einer kleinen Kirche!"

Am vergangenen Mittwoch wurde für ein Reliquienkreuz der höchste Preis aller Zeiten bei "Bares für Rares" erzielt.

Die Expertise und der Gänsehautmoment

Jurastudentin Stephanie Huber und ihre Mutter, Krankenschwester Cosima Birk, sorgten in der Sonderausgabe „Bares für Rares“ im Schweriner Schloss für DEN Gänsehautmoment der Sendung. Sie präsentierten Moderator Horst Lichter und Kunsthistorikerin Heide Rezepa-Zabel einen mit Diamanten besetzten Kreuzanhänger.

Expertin Rezepa-Zabel erklärte, es handele sich um eine Pektorale, so bezeichnet man das Brustkreuz geistlicher Würdenträger, das um den Hals getragen wird. Das Kreuz hat neben den Diamanten, die schon 40 Karat haben, ein Fenster aus Bergkristall und dahinter sind Holzsplitter zu erkennen.

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Rezepa-Zabel datierte das Kreuz auf das 17. Jahrhundert - und dann der Knaller: „Hinten im Kreuz ist ein unversehrtes Siegel, das die Schlüssel des Apostel Petrus trägt … und das Symbol des Papstes. Das Siegel weist auf die Kongregation des Papstes Clemens IX. hin - es versichert, dass es sich hier um echte Holzstücke aus dem Kreuz Jesu Christi handelt.“ Eine echte Reliquie!

Der Italiener Giulio Rospigliosi war als Clemens IX. von 1667 bis 1669 Papst der katholischen Kirche - und bestätigte den Holzsplittern die Echtheit.

Es ging ein Raunen durch die Menge, Horst Lichter entgegnete fassungslos: „Heide, das ist ja eine Weltsensation! Das macht mich jetzt sehr, sehr ehrfürchtig. Sowas habe ich noch nie in meinem Leben sehen dürfen. Das ist ja wie ,Der Jäger des verlorenen Schatzes‘, aber mal in echt.“

Als Rezepa-Zabel dann noch das Kreuz zwischen 60 000 und 80 000 Euro taxierte, krallten sich Studentin Stephanie und Mutter Cosima erstmal am Tisch fest, um nicht gleich umzufallen.

Cosmia erzählte, dass die Tante ihrer Mutter es von einer alten Dame vermacht bekommen habe. Als Dank dafür, dass sie sie immer sonntags in die Kirche begleitete. Lichter schmunzelte: „Leute, bringt eure Omas öfter in die Kirche“ - und drückte den Kreuz-Besitzerinnen die Händlerkarte in die Hand.

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Der Handel und die Reaktion der Händler

Und natürlich sorgte das heilige Kreuz, das laut Expertise möglicherweise einem vermögenden Bischof gehörte, für staunende Händlergesichter. Händler Waldi zahlte Studentin Stephanie 80 Euro nur dafür, dass sie es mitgebracht hatte. Ernste Bieter waren Schmuckhändlerin Susanne Steiger und Antiquitätenhändler Wolfgang Pauritsch.

Der Österreicher stieg gleich mit 10 000 Euro ein, doch am Ende machte Susanne den Deal. Für 42 000 Euro wechselte die christliche Reliquie den Besitzer. Händler Waldi umarmte die sichtlich gerührte Susanne, sie sagte: „Das ist das, wonach ein Händler sein Leben lang sucht. Die Nadel im Heuhaufen. Mir fehlen wirklich die Worte.“

Händlerin Susanne Steiger war nach dem Kauf sprachlos."Das ist ein Stück, wo einem als Händler einfach das Herz aufgeht, wo man sein Leben nach sucht. Das ist quasi die Nadel im Heuhaufen. Die habe ich heute Abend hier gefunden."

Sie schätzte den Wert des Kreuzes sogar auf bis zu 80.000 Euro. Moderator Horst Lichter war sprachlos: "Ihr erlebt mich das erste Mal relativ ruhig, weil das macht mich jetzt doch sehr ehrfürchtig. Ich bin ziemlich geplättet. So was habe ich noch nie in meinem Leben sehen dürfen."

Am Ende ging es für knapp über die Hälfte über den Händlertisch und machte Susanne Steiger richtig glücklich. "Für einen Händler ist es eine besondere Situation und einzigartig, solch ein Objekt überhaupt zu sehen und in Händen halten zu können", sagte sie gegenüber FOCUS Online. "Ich war ergriffen von der Geschichte. Das hat mich sehr berührt. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals selbst in den Besitz eines solchen Schatzes kommen könnte."

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Besondere Bedeutung misst sie da nicht unbedingt den Diamanten bei: "Das Kreuz kaufen zu dürfen, empfinde ich als großes Glück und bin dankbar über den Besitz. Das Papst-Siegel macht das Kreuz so außergewöhnlich und einzigartig, die Diamanten sind in diesem Fall fast nebensächlich."

Über einen Weiterverkauf denkt die Händlerin vorerst nicht nach, obwohl sich schon einige Interessenten gemeldet haben.

Rechtliche Bedenken und Kritik

Danach wurden Stimmen laut, dass das Stück für eine wesentlich höhere Summe verkauft hätte werden können. Ein Rechtsanwalt hält den Verkauf jedoch für ungültig. Dies berichtet das Nachrichtenportal "Der Westen".

Rechtsanwalt Friedemann Ungerer stütze sich in seiner Begründung auf den Paragraf 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Der Rechtsanwalt hält den Verkauf also für "rechtswidrig". Die Verkäuferin sei offensichtlich unerfahren gewesen. "Ich habe die Sendung auch gesehen und fand das unerhört", sagt er.

Der Preis von 42.000 Euro sei jedoch nicht gerechtfertigt, wie Antiquitäten-Experten gegenüber der "Bild"-Zeitung bestätigt haben sollen. "Sollte die Pektorale tatsächlich echt sein, kann der Wert ins Unermessliche steigen. Zum reinen Materialwert kommt der ideelle Wert der Reliquie. Für besondere Stücke geben Sammler Mondpreise aus. Hunderttausende Euro", sagt eine Händlerin aus Bayern. Die Expertenschätzung in der Trödel-Show lautete 60.000 bis 80.000 Euro. Auch Fans von "Bares für Rares" warfen der Sendung Betrug vor.

Dem "Westen" sagten sie:"Wie alle Verkäufer, so wurden auch die Verkäuferinnen des Brillantkreuzes von der 'Bares für Rares'-Redaktion im Vorfeld und während der Aufzeichnung immer wieder daran erinnert, dass sie sich jederzeit gegen einen Verkauf entscheiden können.

Herangezogen wurde dazu § 138 (2) BGB, darin wird ein Rechtsgeschäft für nichtig erklärt, „durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen […] eines anderen sich oder einen Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zur Leistung stehen“.

Genau auf diese Unerfahrenheit berufen sich verschiedene Jurist*innen, schließlich seien Frau Huber und ihre Mutter nicht ausreichend mit der Materie vertraut gewesen. Dennoch wurde ihnen bereits in der Expertise von Frau Rezepa-Zabel eine weitaus höhere Summe in Aussicht gestellt. Unabhängige Gutachter*innen und Expert*innen schätzen den Wert der Reliquie sogar noch höher, das Artefakt hätte womöglich für über 100.000 Euro verkauft werden können.

Nichtsdestotrotz wurde das Geschäft nicht noch ein Mal aufgerollt, von Seiten der Familie Huber gab es keinen Versuch, das Kreuz zurückzuverlangen und es anderweitig für einen höheren Preis zum Verkauf zu bringen.

Die Zukunft des Reliquienkreuzes

An einen Sammler oder eine Sammlerin weiterverkaufen möchte Steiger allerdings erstmal nicht. Sie plant, die Reliquie als Leihgabe einem Museum zu überreichen, um es in angemessenem Kontext der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Keine Rolle bei der Versteigerung spielte, dass der Handel mit Reliquien nach den Regeln der katholischen Kirche eigentlich gar nicht erlaubt ist. In Kanon 1190 des kirchlichen Gesetzesbuches (CIC) heißt es, "es ist verboten, heilige Reliquien zu verkaufen." Besonders "bedeutende Reliquien" und solche, "die beim Volk große Verehrung erfahren" dürfen ohne Erlaubnis des Apostolischen Stuhls "auf keine Weise gültig veräußert oder für immer an einen anderen Ort übertragen" werden.

Aspekt Details
Objekt Reliquienkreuz mit 40 Karat Diamanten und Holzsplittern des Kreuzes Jesu
Echtheit Bestätigt durch ein Siegel von Papst Clemens IX. (1667-1669)
Verkäufer Stephanie Huber und Cosima Birk
Käufer Susanne Steiger
Preis 42.000 Euro
Expertenschätzung 60.000 - 80.000 Euro
Rechtliche Bedenken Möglicher Verstoß gegen § 138 BGB (Sittenwidrigkeit)
Zukunftspläne von Steiger Leihgabe an ein Museum