Sagi Muki, ein zweimaliger Europameister im Judo (2015 und 2018) aus Israel, ist eine prominente Figur in der Welt des Judo. Seine Karriere ist geprägt von sportlichen Erfolgen, aber auch von den politischen Spannungen, die den israelischen Sport oft begleiten.
Die Anfänge und der Aufstieg
Die Erfolgsgeschichte des israelischen Judos begann bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona. Damals gewannen Yael Arad Silber und Oren Smadja Bronze. Es waren die ersten Medaillen für den jüdischen Staat. Diese Erfolge, kombiniert mit der Einwanderung zahlreicher Judo-Meister aus der ehemaligen Sowjetunion, trugen dazu bei, eine nationale Begeisterung für den Sport zu entfachen.
»Was wir in dem Bereich geleistet haben, ist erstaunlich«, erklärt Horn. Als Geburtsstunde des israelischen Judos gelten die Olympischen Sommerspiele in Barcelona 1992. Tatsächlich hat sich das kleine Land zu einer international anerkannten Nation in der eher friedlich gesinnten japanischen Kampfkunst entwickelt.
So fand 2018 zum ersten Mal die Judo-europameisterschaft in Israel statt. Die Veranstaltung in Tel Aviv war mit über 4000 Zuschauern gut besucht. »Solche Zahlen kennt selbst das Mutterland dieser Kampfkunst kaum«, sagte der japanische Judofunktionär Yashi Kobayashi am selben Ort während des zum ersten Mal im jüdischen Staat ausgetragenen Grand-Slam-Turniers im Februar.
Der Weltmeistertitel 2019 in Tokio
TOKIO (inn) - Der israelische Judoka Sagi Muki (27) hat am Mittwoch die Goldmedaille bei den Judo-Weltmeisterschaften im japanischen Tokio gewonnen. Der zweifache Europameister besiegte den Belgier Matthias Casse im Finale der Klasse bis 81 Kilogramm. Muki ist damit der erste männliche Judo-Weltmeister aus Israel.
Lesen Sie auch: Die inspirierende Geschichte von Sagi Muki
Unterdessen zeigte sich Premier Benjamin Netanjahu in einem Videotelefonat mit Muki erfreut über dessen gutes Abschneiden. »Sie haben Israel viel Ehre gebracht«, lobte er Muki. Israel sei eine »Judo-Supermacht«, sagte Netanjahu, der den Judoka zu einem Besuch in sein Büro einlud.
Politische Herausforderungen und Boykottversuche
Die sportlichen Erfolge Israels führen manchmal aber auch zu unangenehmen Situationen mit einigen arabischen und muslimischen Athleten, deren Länder den jüdischen Staat grundsätzlich boykottieren oder mit ihm in einem politischen Streit stehen. Diese Sportler werden oft gezwungen, eine Verletzung vorzutäuschen, um nicht antreten zu müssen.
Israelis sind mit dem Szenario vertraut: Ein israelischer Sportler erreicht die entscheidende Phase eines internationalen Wettkampfs und steht kurz davor, auf einen Gegner zu treffen, dessen Land keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält. Manchmal erscheint der andere Athlet einfach nicht zum Wettkampf, was dem Israeli automatisch zum Sieg verhilft. In anderen Fällen verliert der andere Sportler vorher absichtlich oder täuscht eine Verletzung vor, um bloß nicht gegen den Gegner aus dem jüdischen Staat antreten zu müssen.
Für die meisten Schlagzeilen sorgten international jedoch die Vorfälle im Judo. Sowohl der Iran als auch Israel sind in dieser Sportart Schwergewichte - sportliche Aufeinandertreffen sind unvermeidbar.
Ein bedeutender Schritt war 2018 die Entscheidung der IJF, den Grand Slam in Abu Dhabi auszusetzen, weil im Vorjahr bei der Veranstaltung israelische Judoka nicht unter ihrer Landesflagge hatten antreten dürfen und ihnen auch die Nationalhymne verweigert worden war. Die Organisatoren lenkten ein. Erstmals erklang in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Hymne Israels, nachdem Sagi Muki in der Klasse bis 81 Kilogramm gewonnen hatte.
Lesen Sie auch: Was ist der Unterschied?
Der Judoka war bereits im Oktober 2018 Teil eines historischen Moments geworden: Nach seinem Goldgewinn in Abu Dhabi erklang erstmals die israelische Nationalhymne in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Der Fall Saeid Mollaei
Der Iraner Saeid Mollaei wollte sich dem nicht beugen. Als einer der weltbesten Judokas, der stets gute Beziehungen zu seinen israelischen Kollegen pflegte - besonders zu Sagi Muki, dem ersten israelischen Weltmeister -, musste er aus seiner Heimat fliehen. Er erhielt Asyl in Deutschland und tritt mittlerweile für die Mongolei an.
Für Spekulationen sorgte zudem das vorzeitige Ausscheiden des Iraners Saeid Mollaei. Der Chef der Israelischen Judovereinigung, Mosche Fonti, meldete sich am Donnerstag mit der Information zu Wort, dass iranische Kräfte kurz vor dem Halbfinal-Duell des Sportlers sowohl in dessen Haus im Iran, als auch in der Judo-Arena aufgetaucht seien. Sie sollen Mollaei vor einem möglichen Finalduell gegen den Israeli Muki gewarnt haben. »Ich weiß nicht, was da passiert ist, klar ist aber, dass er am Ende verloren hat«, sagte Fonti. Damit deutete er an, Mollaei könnte absichtlich ausgeschieden sein, um einem Aufeinandertreffen mit Muki im Finale aus dem Weg zu gehen.
Bei der WM 2019 in Tokio sah es wieder so aus, als würden sich der Israeli Muki und der Iraner Mollaei im Finale gegenüberstehen. Danach entschied sich Mollaei, nicht in den Iran zurückzukehren. Er reiste nach Deutschland, wo ihm einige Wochen später Asyl gewährt wurde.
Muki und Mollaei trafen sich später in China, wo der Iraner den Israeli als »meinen besten Freund« bezeichnete. Der Vorsitzende des israelischen Judoverbands, Ponte, nennt Mollaei wegen seiner Haltung einen »Helden«.
Lesen Sie auch: Exploring Precht's Philosophy
Das Engagement gegen Boykotte
Auch Moshe Ponte, seit acht Jahren Vorsitzender des israelischen Judo-Verbands, kämpft gegen den Boykott israelischer Athleten. »Wir weisen den Judo-Weltverband IJF immer wieder darauf hin, dass es sich um unsportliches Verhalten handelt«, sagt Ponte der DW. Wenn israelische Athleten boykottiert würden, sei das »eine Peinlichkeit« für das internationale Judo.
Als Parlamentarier gründete der ehemalige Judoka eine Task Force, die sich mit Boykotten gegen israelische Athleten befasst. Zu ihr gehört auch Alan Dershowitz, einer der bekanntesten Strafverteidiger der USA. Wann immer ein israelischer Athlet boykottiert wird, legt die Task Force formell Beschwerde bei den Sponsoren des Turniers ein.
Mukis Blick auf seine Gegner
Auf seinen israelischen Gegner angesprochen, antwortet er sehr pragmatisch: »Es sind alles Menschen, egal aus welcher Nation. Der Sportler steht im Vordergrund und da ist es normal, fair miteinander umzugehen. Auf der Matte sind wir Gegner, danach wieder Freunde.«
Die Bedeutung des Judo in Israel
Doch während die israelische Kampfkunst mittlerweile die ganze Welt erobert, hat sich Judo in den vergangenen 30 Jahren zum Nationalsport des jüdischen Staates entwickelt. »Was wir in dem Bereich geleistet haben, ist erstaunlich«, erklärt Horn.
»Zwar sind Fußball und Basketball noch immer die populärsten Sportarten, doch mittlerweile wollen die meisten Kinder Judo lernen«, erklärt der Kampfkunsttrainer.
Von den neun olympischen Medaillen, die israelische Sportler bisher gewannen, gingen fünf auf das Konto von Judokas. Das erste olympische Edelmetall des Landes überhaupt sicherte sich bei den Spielen 1992 in Barcelona die Judoka Yael Arad, die damals Silber holte.
Das Training und die Philosophie
»Judo ist eine sehr vielseitige Kampfkunst mit unterschiedlichen Übungen«, sagt Horn, Schoa-Überlebender und Leiter des Seniorentrainings, der im selben Gebäude wohnt und die Sportart seit Jahren lehrt.
Für den pensionierten Polizeibeamten, der Senioren in Bat Jam unterrichtet, ist die Philosophie des »sanften Weges« keine Macht, die eine Person einschränken oder einer anderen aufgrund seiner Größe Vorteile verschaffen sollte, sondern die bequemste Bewegung für den menschlichen Körper. »Überhaupt ist Kampfkunst die höchste Ebene des menschlichen Selbstausdrucks«, erklärt Horn.
