In der Welt des Deutschrap spielen Begriffe wie "Ghetto" eine zentrale Rolle. Rapper wie Kurdo und 18 Karat nutzen diese Konzepte, um ihre Herkunft, ihre Erfahrungen und ihre Weltanschauung auszudrücken. Dabei geht es nicht nur um die reine Definition des Wortes, sondern auch um die damit verbundenen Konnotationen von sozialer Realität, Kriminalität und dem Kampf um Anerkennung.
Kurdo und das "Mamlakat Ghetto"
Kurdo, bekannt für seinen Straight Outta Emmertsgrund-Stil, liefert mit Tracks wie "11ta Stock Sound 2" Streetrap vom Feinsten. Dabei verkörpert er eine bestimmte Ghettoattitüde. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist "Mamlakat Ghetto". "Mamlakat" stammt aus dem Kurdischen und bedeutet so viel wie "Heimat" oder "Herkunft". Somit bedeutet "Mamlakat Ghetto" sinngemäß "Heimat Ghetto" bzw.
Der Track wurde von Kurdos langjährigem Producer Zinobeatz in Zusammenarbeit mit Tengobeatz produziert. Ähnlich wie Veysel in "TGV" rockt Kurdo einen Klassiker unter den Trainingsjacken. Seine Daunenjacke ist von der Snipes Eigenmarke und nennt sich Detachable Puffer. Weiter geht es mit der weißen Nike Kappe. Es ist eine H86 Cap mit Metal Swoosh, die auch von Raf Camora in "Risiko" ft. Bonez MC trägt. Während Kurdo in Emmertsgrund an der Wand lehnt, flext er genau wie Samra in "Für euch alle" ft. Bushido und Capital Bra oder Veysel in "Fuego" die Nike Re-Issue Woven Trainingsjacke.
18 Karat: Gangster-Romantik hinter Gittern
Rapper 18 Karat, bürgerlich Ivo V., sorgte mit seiner Hochzeit im Gefängnis für Aufsehen. Er verbüßt eine Haftstrafe wegen Drogenhandels. Seine Verlobte Maya trug ein MEGA-Brautkleid mit langer Schleppe und einem auffälligen Diadem. Die Trauung fand hinter Gittern statt, mit Blumen, Kuchen und Kaffee, aber ohne Sekt. 18 Karat trug einen geilen, schwarz-goldenen Anzug, den Maya besorgt hatte.
Ivo V. kassierte im Dezember 2022 eine empfindliche Gefängnisstrafe - sechs Jahre und drei Monate wegen Drogenschmuggels aus Amsterdam! Dabei hatte er sich im Prozess einsichtig gezeigt und Besserung beteuert. Am Ende seiner Rede, die sein Anwalt Detlev Binder (56, Bielefeld) verlas, hieß es: „Nach diesem Verfahren möchte ich alles anders machen! Ich möchte meine Verlobte heiraten und für meine Familie da sein. Das ist mein größter Wunsch.“
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Kriminalität und Drogen im Deutschrap
Die Darstellung des eigenen kriminellen Verhaltens ist ein zentrales Element im Gangsta-Rap. Hierbei dominiert der Schmuggel und Verkauf von Drogen. Eine untergeordnete Rolle spielen Gewalt- und Eigentumsdelikte. Die Aussage von Gangsta-Rappern, über Hafterfahrung zu verfügen, im Besitz scharfer Waffen und Mitglied einer kriminellen Gruppe zu sein, ist auch als Warnung an andere zu verstehen und bestärkt die eigene Reputation.
Das Thema „Drogen/ Drogenhandel“ im deutschsprachigen Rap erweist sich als äußerst vielschichtig und komplex. Aussagen über das Dealen aber auch den Konsum von Drogen finden sich bei zahlreichen Rappern. Thematisiert werden sowohl legale Drogen wie Alkohol, Tabak und Glücksspiel/ Sportwetten, aber v.a. auch illegalisierte Drogen (Cannabis, Kokain, Crack, Amphetamine, Ecstasy, Opiate usw.) und der Konsum verschreibungspflichtiger Medikamente (z.B. Codein, Benzodiazepin).
Im Kontext der Darstellung der Polizei spielen Drogen vor allem im Kontext des vorgeblichen illegalen Handels mit Cannabis und Kokain eine Rolle. Andere illegale wie legale Drogen und verschreibungspflichtige Medikamente finden häufig Erwähnung jedoch seltener im Kontext des illegalen Drogenhandels. Der angebliche Drogenschmuggel und -handel findet länderübergreifend und im großen Umfang statt.
Die Gelegenheit zum Drogendealen läge „literally just around the corner“. Im Einklang mit kriminologischen Drucktheorien erklärt die Autorin weiter, dass in Ermangelung legitimer Möglichkeiten einer ökonomisch und sozial erfolgreichen Lebensführung sich der Drogenhandel als „one of the most viable ‚job‘ options in the face of limited employment opportunities“ darstelle.
Der Ort als Spiegel der sozialen Realität
Der Ort spielt sowohl im Kontext der Authentizität, psychischer Probleme als auch in Bezug zur Polizei eine wichtige Rolle. Viele der benannten Örtlichkeiten - unabhängig davon, ob es sich hier um konkrete oder unspezifische Orte handelt - verweisen auf eine soziale Desorganisation. Die benannten Orte werden oftmals charakterisiert als strukturschwache, segregierte Wohnorte und Kriminalitätsbrennpunkte.
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Zugleich verweist diese Charakterisierung des Ortes auf Herkunft des lyrischen Ichs, das seinen sozialen Nahraum als ‚gefährlichen Ort‘ kennzeichnet. Dies bestärkt wiederum die Authentizität der Rap-Persona zumal, wenn ein konkreter Ort benannt wird. Auffällig ist auch ein Zusammenhang zwischen der Darstellung des Ortes und einer geschilderten psychischen Belastung. Der Ort steht hier stellvertretend für eine empfundene Perspektivlosigkeit.
Die soziale Lage an sich und der polizeiliche Verfolgungsdruck verursachen eine psychische Belastung. Auffällig ist, dass klassische Bildungsbiographien keinen Raum in der Selbstdarstellung der Straßenrapper finden. Stattdessen werden Schilderungen verbreitet, nach denen sich der Rapper aus eigener Kraft und gegen zahlreiche Widerstände (gegen Polizei, Gesellschaft, andere Rapper usw.) aus seiner als prekär empfundenen Lage befreit hat.
Luxus und Frauenbild
Als Beleg für den erfolgreichen Ausbruch aus der sozialen Randständigkeit dienen Luxusgüter und materielle Statussymbole. Die Darstellung ist stereotyp und Frauen werden zumeist auf ihr Aussehen und ihre Sexualität reduziert. Frauen werden regelmäßig als willige, häufig untreue und berechnende Sexualpartnerinnen dargestellt.
Die Darstellung der Frau als allzeit verfügbares Sexualobjekt unterstreicht die ...
| Droge | Anzahl der Nennungen (ca.) |
|---|---|
| Cannabis | 4.500 |
| Kokain | 1.700 |
| Verschreibungspflichtige Medikamente | Viele Nennungen |
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