Kofi Kingstons WWE-Karriere: Vom Korrekturleser zum Champion

Kofi Kingston war der WWE-Aufsteiger des Jahres: Kofimania beflügelte seine Karriere und führte ihn zum Champion-Titelgewinn bei Wrestlemania 35. Doch was danach geschah, lässt viele Fragen offen.

Der Aufstieg von Kofi Kingston

Der späte Aufstieg von Kofi Kingston zum WWE-Champion ging Fans und Kollegen ans Herz. Es war die große Feel-Good-Story des Wrestling-Jahres 2019: Nach jahrelanger harter Arbeit erringt Kofi Kingston bei Wrestlemania 35 die WWE Championship gegen Daniel Bryan. Ein fantastisches Match, das von der Geschichte, dem Talent und den Emotionen lebte.

Nach so vielen Jahren gönnten Fans und Kollegen dem als Musterprofi geltenden Kingston den späten Aufstieg einfach von Herzen, nachdem er sich so lange in insgesamt fast 1800 Matches für WWE aufgerieben hatte. Nach Mania ging ein Video viral, wie seine WWE-Weggefährten Montel Vontavious Porter und Shad Gaspard gemeinsam Tränen der Rührung vergossen, als Kingston vor 80.000 Fans im MetLife Stadium seine Karriere krönen durfte.

"Kofi-Mania" ist ein Beispiel dafür, wie ein abgesprochener Showsport entgegen allen Vorurteilen echte Emotion und Bedeutung auszulösen vermag. Mit herausragenden Vorstellungen weckte Kingston bei den Fans den Wunsch, ihn als Champ zu sehen, eine hörbare Euphoriewelle entstand und WWE warf den eigentlichen WrestleMania-Plan, Kevin Owens gegen Bryan antreten zu lassen, zu Kingstons Gunsten um.

Es war ein später Coup für den damals 38 und seit Samstag 40 Jahre alten Kingston - der später einen bitteren Nachgeschmack bekam. Trotzdem ist es eine historische Errungenschaft, die ihm nicht zu nehmen ist. Und zu der womöglich auch der weniger glamouröse Ex-Beruf beigetragen hat.

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Vom Büro zum Ring

Wahrscheinlich hat ihm sein früherer Job am Ende doch geholfen, so sehr der ehemalige WWE-Champion ihn gehasst hat. Kofi Kingston arbeitete für Staples, einen Einzelhandelskonzern für Bürobedarf, als Korrekturleser. “Sie hatten einen 900-Seiten-Katalog”, berichtete er im Frühjahr 2019 auf Nachfrage von SPORT1: “Meine Aufgabe war, ihn auf Rechtschreibfehler zu prüfen, auf die richtige Zeichensetzung zu achten, die Abstände zwischen Wörtern und Satzzeichen.”

Nicht völlig verwunderlich, dass er nach einer gewissen Zeit dachte: "Ich fühlte mich nicht erfüllt. Ich wollte mehr aus meinem Leben machen. Ich wollte meinen Traum verwirklichen." Kingston erfüllte sich den größten aller Träume im April 2019: Bei WrestleMania 35 errang er mit einem Sieg über Daniel Bryan erstmals den historisch bedeutsamsten Titel der Showkampf-Liga, als erster in Afrika geborener Wrestler.

Korrektur zu lesen, das ist ein Job für uneitle Charaktere, er erfordert Gründlichkeit und Geduld, einen großen Drang, die Dinge richtig zu erledigen, ohne gleich auf eine schnelle Belohnung zu hoffen. Auch wenn Kingston sich bei WWE ironischerweise als Mann für atemberaubende Flugeinlagen hervorgetan hat: Das Arbeitsethos und die Geduld des Korrekturlesers hat er sich dabei offensichtlich bewahrt - und seine Belohnung nach langem Warten schließlich doch bekommen, auf die größtmögliche und emotionalste Weise.

Wobei der Zufall dieser Geschichte etwas auf die Sprünge helfen musste. Schub durch The New Day Kofi Nahaje Sarkodie-Mensah, wie er eigentlich heißt, steht bereit seit 2006 unter WWE-Vertrag.

Karrierebeginn und Durchbruch

Nachdem der gebürtige Ghanaer und Absolvent des Boston College im Jahr zuvor sein Wrestling-Training aufgenommen hatte, dauerte es kein Jahr, bis WWE auf sein athletisches Talent aufmerksam geworden war. Kingston gewann das Publikum mit einem innovativen Spektakel-Stil schnell für sich, er schien dabei jedoch an Grenzen zu stoßen: Immer wieder zwar gewann er die Sekundärtitel der Liga, begeisterte bei Leitermatches und Royal Rumbles mit kreativen Einlagen - doch ins Zentrum der Shows, in die "Main Events" rückte er nie dauerhaft. Zwar half ihm die 2015 gegründete Formation The New Day wurde mit seinen Partnern und Freunden Xavier Woods und Big E, auch außerhalb des Rings als unterhaltsamer Charakter zu sich zu finden.

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Demnach erübrigen sich auf absehbare Zeit alle - ohnehin leisen - Spekulationen, dass Kingston oder einer seiner Kollegen eine neue Herausforderung bei der Konkurrenz-Liga AEW suchen könnten. Da WWE auch das Recht hat, Verträge bei Verletzungspausen und anderen Auszeiten einzufrieren und danach automatisch zu verlängern, könnten sie sogar noch über das Jahr 2024 hinaus an WWE gebunden bleiben. Kingston wird dann 43 sein, Woods und Big E 38.

Kingston machte den Deal auf dem Podcast seiner Gruppierung The New Day öffentlich, die Liga enthüllte den Rest der Nachricht bei der Sendung Backstage. Es könnte der größte Moment in seiner Karriere werden: In wenigen Tagen wird Kofi Kingston in einem World Title Match gegen Daniel Bryan antreten - und das auch noch bei der größten Show des Jahres, Wrestlemania 35!

Dabei sah es lange Zeit nicht mehr so aus, als ob der aus Ghana stammende Publikumsliebling noch einmal nach dem ganz großen Gold greifen kann. Der Weg bis dahin war lang, aber auch keineswegs unerfolgreich.

Titel und Erfolge

Hier eine Übersicht über Kingstons bemerkenswerte Titel und Erfolge:

TitelAnzahlPartner (wenn zutreffend)
WWE World Tag Team Championship1CM Punk
WWE Intercontinental Championship4
WWE Tag Team Championship2Evan Bourne & R-Truth
WWE United States Championship3

Das Ende der Regentschaft und die Folgen

Doch was kam danach? Müde Fehden und die ständig gleichen Promos und schließlich der Titelverlust in einem Squash-Match gegen Brock Lesnar. Hat WWE Kofimania rückblickend vor die Wand gefahren? Das Ende seiner Regentschaft jedoch sorgte für anhaltende Enttäuschung.

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Die Szenerie kam herüber wie eine klare Botschaft von WWE-Boss Vince McMahon, wen er für den eigentlichen Star hielt und sorgte auch für offene Kritik von Kollegen. Unter anderem drückten Kingstons WrestleMania-Gegner Bryan (mittlerweile auf dem Weg zu Konkurrent AEW) und Kingstons gerade selbst an der Schwelle zum Durchbruch stehender Partner Big E öffentlich ihre Enttäuschung aus. Kingston beklagte sich nicht, trug seine Demontage als Champion ebenso mit Fassung wie sein langes Warten zuvor.

Niemals im Lauf seiner Karriere fiel er durch öffentliche Beschwerden in eigener Sache auf, Position bezog er lieber bei größeren Anliegen wie seiner Unterstützung für die Black-Lives-Matter-Bewegung. "Wenn du ein Ziel wirklich erreichen willst, ist aufgeben keine Lösung", sagt er: "Ich habe immer an meinen Traum geglaubt. Zu gehen oder damit zu drohen, um etwas zu erreichen, ist nicht meine Strategie."

Verbundenheit spürt Kingston auch mit dem deutschen Publikum: “Ich liebe Deutschland, hier gibt es viele leidenschaftliche Fans und genau das treibt uns an”, sagt Kingston.