Das typische Grundschulhofgespräch seinerzeit drehte sich um Väter, die einen nach dem durch Karate Kid geweckten Wunsch, eine Kampfsportschule zu besuchen, in den Judokurs des kleinstädtischen Turnvereins schickten und um die martialischeren Qualitäten eines mit dem fetzigen Titel Karate Tiger bedachten Films.
Bruce Lee war ein Schlagwort, doch in einer durch die Mittelklasse bestimmten Gegend waren die Eltern zu bemüht um das Wohl ihrer Kinder, als daß man derart brutale Filme schon zu Gesicht hätte bekommen können. Als der hongkonger Produzent Ng See Yuen den durchaus als erfahrenen Profi zu bezeichnenden Corey Yuen in der Regie besetzte und beide mit Keith W. Strandberg das Drehbuch entwickelten hatten sie vermutlich auch eine derartige Zielgruppe angestrebt.
Der Glücksgriff bei dieser asiatisch-amerikanischen Co-Operation gelang dem Team mit dem jungen Belgier Jean-Claude van Damme, der in seiner antagonistischen Rolle frei nach Rocky IV den Russen Ivan Kraschinsky mimen sollte. Es mag Van-Damme-Fans mißfallen, daß ihr Idol hier nur als Nebenfigur Verwendung findet. Für die Mixtur ist dies jedoch unerläßlich.
Ein weiterer klarer Einfluß ist nunmal der ungemein erfolgreiche Karate Kid, was ja letztlich auch die Brücke zur jüngeren Generation schlug. Jason zieht dabei von Los Angeles nach Seattle, nachdem sein Vater (Timothy D. Baker) von düsteren Gestalten bedroht wurde, die seinen Dojo übernehmen wollten.
Die sehr passive Einstellung untermauert nochmals den Konflikt zwischen Vater und Sohn, bei dem Mr. In Seattle eingetroffen bleibt kein Auge trocken - oder besser kaum eine Schublade geschlossen. Scott (Kent Lipham), der dicke, verwöhnte Junge von nebenan wirft ein mürrisches Auge auf den Neuling, während der dem phäomelanin-armen Typ zuzuordnende Aushilfs-Michael Jackson R.J. (J.W. Fails) nach kurzer Hilfestellung die Gelegenheit zu einer Breakdance und Rap Performance nutzt.
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Nachdem Scott Gerüchte über Jason verbreitet hat, geraten er und R.J. ins Fadenkreuz der Seattle Sidekicks, was gleichwohl Jasons Flirt mit Kelly Reilly (Kathie Sileno) im Wege steht, deren Bruder Ian (Ron Pohnel) der örtliche Karate Champ und Dojo Leiter ist.
Zur Prügelei gezwungen kommt daheim wiederum der frustrierte Mr. Stilwell zum Zuge, der Jason seine Bruce Lee Verehrung untersagt. Sack und Pack in einem leerstehenden Haus untergebracht, kommt das Idol in Form eines Geistes (Kim Tai Chung) dem Teenie zur Hilfe und kann mit ein paar Ratschlägen das Training aufbessern, was Jason in Folge ermöglicht, sich positive Reputation zu verschaffen, Kraschinsky zu vermöbeln und damit gleichwohl seinen Vater zu rächen.
Allen Unkenrufen zum Trotze, Kim Tai Chung würde Bruce Lee überhaupt nicht ähnlich sehen, ergibt diese späte Bruceploitation sogar mehr Sinn als manch andere solche Machwerke, war Chung doch bereits in Mein letzter Kampf als Lee Double unterwegs.
Wie man sowas dann mit einem Sequel nochmal ausschlachten kann, wissen die beiden Yuens auch ganz gut, weshalb die Besetzung rückblickend ganz und gar nicht überrascht. Aus heutiger Sicht interessant ist die Mischung von typischer Hongkong Machart mit der amerikanischen Coming-of-Age-Komödie - einem freundlichen Synonym für pubertären Schwachfug.
Die asiatischen Einflüsse scheinen in Karate Tiger nämlich recht deutlich durch, sind lediglich limitiert durch die Fähigkeiten der westlichen Darsteller. Allen voran ist Kurt McKinney zwar durchaus sportlich, aber kein Meister der fernöstlichen Kampfkunst.
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Während er aber für die Liegestütze auf zwei Fingern an Drähten auf und nieder gezogen wurde, verlangte Corey Yuen von ihm für den gesprungenen Kick mit gefesseltem Fuß persönlichen Einsatz. So läuft das in Hongkong, wenn der Darsteller es nicht kann, dann plumpst er eben solange hin, bis er kann.
Seine Inspiration bezieht diese Kicktechnik übrigens aus Der Mann mit der Todeskralle. Auch Gestik und Mimik speziell im Endkampf sind Bruce Lee Trademarks, wie zum Beispiel das Ausziehen der Jacke und das Wischen durchs Gesicht.
Weitere Parallelen lassen sich zu Todesgrüße aus Shanghai finden, wo es einen Konflikt zwischen einer japanischen und einer chinesischen Kampfsport Schule gibt und wo Bruce Lee sich von der defensiven Einstellung seiner Schule löst, um sich zu wehren. Ein Syndikat gibt es ausserdem in Die Todeskralle schlägt wieder zu.
Schundvorwürfe lassen sich insgesamt damit leider nicht ausräumen. Die Figuren werden kaum bis überhaupt nicht entwickelt und würden Mr. Stillwell und Bruce Lee nicht auf den alleinigen Zweck von Karate als Verteidigung hinweisen, so wäre die Neigung zur Selbstjustiz für junge Heranwachsende kaum noch tauglich.
Auf die Idee, die Polizei zur Hilfe zu rufen kommt hier nämlich niemand. Hier gilt nur 'No retreat, no surrender!', wie R.J. in der englischen Fassung getreu dem Originaltitel anzufeuern weiß.
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Zahlreiche Filmfehler deuten ebenso darauf hin, wie wenig Mühe im vollendeten Werk steckt. Zum Schießen auch die kleinen Details am Rande, wie dem schnurrbärtigen Grimassenschneider im Hintergrund, als Jason im Dojo von seinem Vater zurecht gewiesen wird.
Die größte Frage bleibt wohl am Ende, seit wann Bruce Lee Karate unterrichtet. Die deutsche Synchronisation setzt insbesondere bei Scott und dem übersetzten Rap von R.J. der unfreiwilligen Komödie noch die Krone auf.
Damit verknüpfen sich Kindheitserinnerungen und das war für manch Zeitgenossen wohl auch mit der Einstieg in eine B-Film Leidenschaft. Während sich Amerikaner mit einem anderen Soundtrack und dem deutlich schlechteren Titelsong 'Stand on Your Own', gesungen von Joe Torono, abfinden mußten, durfte das deutsche Publikum sich von Beginn an der Hymne 'Hold on to the Vision' erfreuen, welche von Kevin Chalfant interpretiert wurde, der später zeitweilig auch für Journey und Alan Parsons gesungen hat.
Dieses Lied ist ein weiterer Kultfaktor von Karate Tiger, ist er doch eigentlich gar nicht mal so gut, vor allem im Vergleich mit den Songs von Stan Bush in den folgenden Van Damme Filmen. Über die Jahre des immer wieder Ansehens hat sich das Stück jedoch zu einem solchen Ohrwurm entwickelt, daß eine Tonträgerveröffentlichung schmerzlich vermißt wird.
Diese gibt es im Gegensatz zur US Version nämlich nicht. Nun, welch treue Gefolgschaft der Film auch heute noch hat, zeigt sich wohl darin, daß sich zwischenzeitlich Mitglieder eines Forums daran gemacht haben, eine Coverversion zu erstellen, die aufgrund der großen Nachfrage auf CD gepreßt werden mußte.
Natürlich darf man Karate Tiger auch nicht-mögen; immerhin dürfte es schwer sein, daß der Film bei dieser zeitbezogenen Gestaltung folgende Generationen noch fesseln kann - vermutlich dann die jüngeren unter ihnen.
Actionfans unter den Ablehnern sei dann aber ein Blick auf die folgenden Teile der Serie empfohlen, die der deutsche Vertrieb Ascot nach eigenem Gusto aus nicht untereinander zusammenhängenden Filmen erstellt hat. Diese sind dann auch weit weniger für ein junges Publikum geeignet. Darunter Filme anderer Reihen wie eben Kickboxer oder Best of the Best.
Auch die Produktionsfirma Seasonal bastelte nach dem Erfolg eine lose No Retreat, No Surrender Serie, die sich nur zum Teil mit dem deutschen Pendant deckt. Doch auch wer gerade den infantilen Trashfaktor schätzt, hat noch Hoffnung.
Warum solche Filme nicht mehr gedreht werden? Nun, die 80er sind vorbei, Zeiten ändern sich. Vielleicht würden wir uns sonst gar nicht an solchen Kleinoden erfreuen, die ein Refugium der behüteten Kindheit in der erwachsenen Welt bilden.
Ob andere später wohl nostalgisch auf die Power Rangers, Pokémon oder High School Musical zurückblicken?
Karate Tiger 3 - Der Kickboxer
Kickboxer wurde 1989 hierzulande als dritter Teil der Karate-Tiger-Serie vermarktet, deren ersten Teil mit Jean-Claude Van Damme in der Rolle des Bösewichts besetzt war. Eigentlich aber war Kickboxer der erste Teil eines eigenen Franchise, das insgesamt fünf Teile umfasste.
Nun also kommt mit Kickboxer - Die Vergeltung ein Remake des ersten Teils, der hierzulande Karate Tiger 3 - Der Kickboxer hieß. So weit, so unklar. Macht aber auch nichts, denn die Filme hatten jeweils ohnehin nicht viel miteinander zu tun.
Glücklicherweise sind auch die 80er endlich vorbei und man lädt Martial-Arts-Filme nicht mit plakativ-rassistischer Ideologie auf. Nichts anderes war Karate Tiger 3 - Der Kickboxer seinerzeit, indem er den guten Weißen gegen den bösen Asiaten auftreten ließ und ihn zum Übermenschen stilisierte.
Wenngleich das Grundgerüst in Kickboxer - Die Vergeltung nicht sonderlich anders ist, so vermeidet er dennoch die gesellschaftspolitische Aussage und beschränkt sich weitgehend auf die Kampfakte und eine eingebaute Beziehungskiste.
Dass Van Damme nun den “altersweisen” Mentor und nicht den hitzigen Prügler geben darf, steht ihm besser zu Gesicht als seine damalige Rolle - zumal er immer noch gut in Form zu sein scheint. Man muss den belgischen Haudrauf-Export nicht zwingend mögen, kann ihm aber attestieren, dass er im Alter zunehmend ein bisschen Selbstironie in seine Rollen einfließen lässt - und das hat auch Stallone und Schwarzenegger nicht geschadet.
An seiner Seite geben sich aktuelle und ehemalige Kampfchampions unterschiedlicher Martial-Arts-Stile die Klinke in die Hand und sorgen für ein möglichst authentisches Actiongelage. Tatsächlich wurden die Fights sorgsam choreografiert und von den Akteuren selbst ausgeführt.
Die Stuntmen sind hier ausnahmsweise die Darsteller selbst. Auch die Akkuranz bei den Kampfarten selbst ist bedeutend besser.
Und so ist, sorry liebe Fans des Originals, das Remake der bessere Film. Denn bei aller romantischen Verklärung für die Action-Heroen der Vergangenheit: Karate Tiger 3 - Der Kickboxer war inhaltlich schwach, schauspielerisch mies, nicht sonderlich gut getimt und, wie erwähnt, ideologisch höchst fragwürdig.
Jetzt sollte man von Kickboxer - Die Vergeltung kein filmisches Meisterwerk erwarten. Auch hier sind die Darsteller mehr Sportler als echte Akteure. Alain Moussi (Wolves - Die letzten ihrer Art), der sowohl im Kickboxing als auch im Jiu-Jitsu erfahren ist, war bisher hauptsächlich als Stuntdouble für Hugh Jackman, Travis Fimmel oder Jay Courtney unterwegs und schlägt sich als Protagonist wacker.
Ganz im Gegensatz zu Darren Shahlavi, dessen kurze Rolle von Bruder Eric ziemlich unsympathisch rüberkommt. Traurig indes, dass der ausgebildete Kämpfer und frühere Bodyguard von Patrick Stewart oder Bruce Willis Anfang 2015 an einer Herzattacke verstarb.
Dave Bautista, der zuletzt gezeigt hat, dass er tatsächlich schauspielern kann, bleibt etwas reduziert als Tong Po und Van Damme selbst scheint seine Einstellung von 1989 mittlerweile peinlich zu sein, wenn er weder Eric noch Kurt in den Kampf schicken möchte, sondern “nur” den ehrenvollen Trainer gibt.
Diese Ideologie steht ihm weitaus besser - ganz im Gegensatz zur peinlichen Heino-Gedächtnis-Sonnenbrille. Die Bösen sind hier übrigens nicht ganz so schwarz-weiß gemalt und eher bei den Kampfpromotern und der korrupten Polizei zu suchen.
Abgesehen vom Story-Hintergrund und den Darstellern bleibt bei Kickboxer - Die Vergeltung natürlich noch die Action. Während die ersten 30 Minuten nur vereinzelte Kampfszenen zu bieten haben, darf man bei Minute 29 einer durchaus eindrucksvollen und groß angelegten Sequenz auf den Straßen Thailands beiwohnen.
Die ist bisweilen balettartig choreografiert und kunstvoll inszeniert - sieht man mal von den sichtbar unechten Dickhäutern ab, auf denen sich die Jungs prügeln. Nicht ganz überzeugend geraten jene Momente, in denen sich die eigentlich bereits gut austrainierten Darsteller aufgrund ihrer Rolle selbst bremsen müssen.
Diesen Szenen sieht man an, dass sich der Unterlegene in sein Schicksal ergibt und praktisch nicht zur Wehr setzt. Viel besser dann beispielsweise Bewegungen und Abläufe während Kurts neuerlichen Besuchs in Pos Schule (ab 50’30).
Da hier auch unterschiedliche Kampfstile gezeigt werden, ist für Abwechslung und Spaß gesorgt. Auch die Trainingssequenzen zwischen Kurt und Durand geraten unterhaltsam - vor allem, weil Van Damme mehr als einmal wirklich witzig ist (selbst wenn er sich auf der Schubkarre hat doublen lassen).
Da lässt es sich auch verzeihen, dass die Liebesgeschichte völlig unterbelichtet und unerklärt bleibt. Die 18er Freigabe ist übrigens stark übertrieben.
Abgesehen von einem sichtbaren Korn eröffnet das Bild von Kickboxer - Die Vergeltung mit epischen Aufnahmen der fernöstlichen Szenerie und ist auch ansprechend scharf.Grade Nahaufnahmen stechen hier hervor.
Im Inneren der Kampfschule Pos allerdings verflachen die Kontraste drastisch und das Geschehen wirkt trübe und milchig.
Besser als das etwas unausgewogene Bild macht es der Ton von Kickboxer - Die Vergeltung: Vor allem der Filmscore wird über eine sehr breite Bühne transportiert, welche die fernöstlichen Klänge und die oft percussiven Elemente griffig im Heimkino platziert.
Die Dialoge fallen dagegen kaum ab und sind in beiden Sprachfassungen homogen eingebettet. Faustschläge, Fußtritte und andere Kampfhandlungen gelangen bisweilen wuchtig zum Zuschauer. Der bei Minute 32 einsetzende Regen klingt allerdings zunächst ziemlich künstlich.
Im sechseinhalbminütigen Behind the Scenes kommen die Darsteller und Produzenten ein wenig zu Wort und schilder, dass der Realismus an oberster Stelle stand und wie glücklich alle darüber sind, Jean-Claude van Damme mit an Bord bekommen zu haben.
Zeitgemäße Neuverfilmung eines 80er-Jahre-Prügelfilms, der vielleicht etwas zahm geworden ist, aber dafür ohne die fragwürdige sozialpolitische Einstellung auskommt. Die Actionszenen gehen in Ordnung, auch wenn fernöstliche Filme das meist besser machen.
Tonqualität (dt.
Überraschung! Wer bislang annahm, der Van-Damme-Streifen wären in Deutschland ungeschnitten, darf jetzt eines besseren belehrt werden. Denn obwohl die DF um über 3,5 Minuten länger als die holländische Verleihfassung ist, ist im Gewaltbereich 'n büschen was geschnitten worden!
Die holländische Version ist dort ungekürzt, hat dafür aber auch viele Handlungsstraffungen vorzuweisen. Dies - und weitere Auffälligkeiten, dazu unten mehr - legt die Vermutung nahe, das es zwei unterschiedliche Versionen gibt, die sich von vornherein unterscheiden, wobei die DF eventuell nur wenig nachentschärft wurde.
