Karat, eine Ikone der deutschen Musikgeschichte, hat über fünf Jahrzehnte hinweg Musikliebhaber begeistert. Die Band, gegründet vom Bassisten Henning Protzmann, hat zahlreiche Hits hervorgebracht, die bis heute unvergessen sind.
Die Anfänge von Karat
Karat wurde 1975 vom Bassisten Henning Protzmann gegründet, nachdem seine frühere Band Panta Rhei an Popularität verloren hatte. Gemeinsam mit Hans-Joachim Neumann (Gesang), Christian Steyer (Keyboard) und Konrad Burkert (Schlagzeug) formierte er die erste Besetzung. Steyer verließ die Band jedoch schon bald und wurde durch Ulrich Swillims ersetzt, der zuvor Pianist bei Panta Rhei gewesen war. Kurz darauf stieß Herbert Dreilich als Sänger und Gitarrist hinzu - damit war die Formation komplett.
Erfolge und Auszeichnungen
Bereits in den späten 1970ern und 1980ern feierte Karat große Erfolge. Mit zahlreichen Alben, eingängigen Melodien und poetischen Texten gewann die Band ein stetig wachsendes Publikum. Trotz häufiger Besetzungswechsel blieben die Charterfolge und Auszeichnungen nicht aus.
Der blaue Planet
Der größte Hit der Band ist „Der blaue Planet“, für den Karat eine Goldene Schallplatte erhielt. Kein späteres Lied konnte diesen Erfolg übertreffen.
Besetzungswechsel und Schicksalsschläge
2004 verstarb der langjährige Frontmann Herbert Dreilich. Sein Sohn Claus Lessow-Dreilich übernahm nach Absprache mit der Band den Gesangspart - seine Stimme ähnelt der seines Vaters stark. Der erste Auftritt in dieser neuen Besetzung wurde ein Erfolg. Kurz darauf kam es jedoch zu einem Rechtsstreit: Dreilichs Witwe versuchte die Nutzung des Namens „Karat“ einzuschränken, da Herbert Dreilich die Markenrechte ohne Wissen seiner Bandmitglieder hatte eintragen lassen. Während der Verhandlungen trat die Band unter dem Namen „K…!“ auf - eine Tour unter diesem Namen blieb hinter den Erwartungen zurück. Nach dem gewonnenen Rechtsstreit durfte die Band wieder als Karat auftreten.
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Karat live: Konzerte und Jubiläen
Vor mehreren hundert Eberswaldern und Fans aus dem Umland gab die Ostrockband Karat das verspätete Jubiläumskonzert zum 45. Geburtstag im Familiengarten open air. Die bunte Mischung aus neuen und bekannten Hits wurde teilweise stürmisch gefeiert. Begeisterung ernteten Titel wie "Ich liebe jede Stunde", "Albatros", "Schwanenkönig". Absolute Höhepunkte gegen Ende des zweistündigen Gigs waren "Der blaue Planet" und "Über sieben Brücken musst du gehen", die das stehende Publikum textsicher mitsangen.
Es mögen um die 600 Besucher im Rund gewesen sein, die Karat mit auf die musikalische Reise durch 47 Jahre Bandgeschichte nahm. Vor 17 Jahren hat Claudius Dreilich das Erbe seines 2004 gestorbenen Vaters und Bandgründers Herbert Dreilich angetreten. Es wurde ganz still, als er noch einmal an diesen größten Schicksalsschlag der Band erinnerte, und dass es der Wunsch der anderen Bandmitglieder und des Vaters war, dass er den Sängerpart übernehme: „Ich hatte so die Hosen voll.“ Dabei sei er immer schon dabei gewesen. Von Anfang an: „Große Gruppe Kindergarten, mit fünf Jahren.“
Karat ist sich in den fünf Jahrzehnten immer treu geblieben. Damals waren die Haare schon lang, heute sind sie es, bis auf die des Sängers, immer noch. „Albatros“, die Hymne von der Freiheit über den Meeren, die keine Grenzen kennt und eben keine Chancen im kommerziellen Dudelfunk hat, dem alles über drei Minuten zwanzig suspekt erscheint. Aber wenn Bernd Römer zu seinen schrägen Gitarrenriffs in die Saiten greift, wenn sich ein herzergreifendes Mundharmonikasolo ins Ohr windet, dann stehen doch schon die ersten bejahrten Fans in den Stuhlreihen auf und wiegen sich im Takt.
Das Durchschnittsalter des Konzertpublikums lässt an diesem Abend vermuten, dass ein Großteil auch die junge Karat-Band mit Henning Protzmann, Ed Swillms und eben Herbert Dreilich vielleicht noch im Haus der Jungen Talente seinerzeit erlebt hat und sie seitdem treu begleitet. Mitunter sieht man auch Mutter und Tochter mit den jeweiligen Gatten in trauter Harmonie wippend das Konzert genießen. Je mehr der legendären Titel erklingen, desto weniger Menschen hält es auf den Sitzen. Beim „Schwanenkönig“ werden nicht nur Feuerzeuge geschwenkt, sondern auch die Taschenlampen der Mobiltelefone, passend zum Titel scheint der Mond: „Hab den Mond mit der Hand berührt!“
Es wird eine abwechslungsreiche musikalische Reise durch die Bandgeschichte. Das Oevre ist ja reichhaltig, man kann aus dem Vollen schöpfen: „Gewitterregen“, „Mich zwingt keiner auf die Knie“, „Blumen aus Eis“, „Das Narrenschiff“, da ist vieles auch beklemmend aktuell. Je später der Abend, umso mitreißender der Musik. Ein unschlagbarer Höhepunkt: „Der blaue Planet“. Da gibt es kein Halten mehr, strömen die Fans nach vorn, sammeln sich vor der Bühne, die in blaues Licht getaucht wird. Gänsehaut. Keiner spricht es aus. Alle denken in die gleiche Richtung. Alle singen inbrünstig mit: „Fliegt morgen früh um halb drei nur ein Fluch und ein Schrei durch die Finsternis?“
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Und als alle ein wenig heruntergekommen sind, wird es noch einmal besinnlich und versöhnlich, und Claudius Dreilich erzählt von dem Wunsch nach DEM Lied, das natürlich zum Pflichtprogramm jedes Karat-Konzerts seit jeher gehört, und davon, dass nach dieser Ankündigung einst eine Zuschauerin rief „Alt wie ein Baum?!“ - befreiendes Gelächter. Natürlich schloss sich ein großes Chorsingen des bekannten deutschen Volksliedes „Über sieben Brücken musst du geh’n“ an. Claudius Dreilich begab sich dazu bis in die Zuschauerreihen und vergaß nicht, noch einmal auf die Urheberschaft hinzuweisen. Und es gab eine kleine Zugabenrunde mit „Weitergeh’n“ und dem „König der Welt“.
Im Juli fand in Wanfried ein Konzert von Karat statt, bei dem trotz Regenwetters beste Stimmung herrschte. Frontmann Claudius Dreilich sorgte mit seiner charismatischen Stimme für Gänsehaut. Das Publikum feierte im strömenden Regen mit Songs aus fünf Jahrzehnten. Die Band präsentierte Rockgemälde aus den 70ern („Auf den Meeren“), die Neue Deutsche Welle aus den 80ern und Reggae aus den 90ern. Auch eine ganz neue Ballade, eine Liebeserklärung von Martin Becker an seine Ehefrau, wurde vorgestellt. Claudius Dreilich ist sich der Bedeutung des Songs „Sieben Mal musst du die Aaaaaasche sein“ bewusst, der unzählige Male gecovert wurde.
Diskografie (Studioalben)
| Jahr | Albumtitel |
|---|---|
| 1978 | Karat |
| 1979 | Über sieben Brücken (DDR) / Albatros (BRD) |
| 1980 | Schwanenkönig |
| 1982 | Der blaue Planet |
| 1983 | Die sieben Wunder der Welt |
| 1987 | Fünfte Jahreszeit |
| 1990 | … im nächsten Frieden |
| 1991 | Karat (Self-Titled) |
| 1995 | Die geschenkte Stunde |
| 1997 | Balance |
| 2003 | Licht und Schatten |
| 2010 | Weitergeh’n |
| 2015 | Seelenschiffe |
| 2018 | Labyrinth |
| 2025 | Hohe Himmel |
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