Claudius Dreilich: Ein Leben im Schatten und im Licht von Karat

Karat, die mit Songs wie „Über sieben Brücken“, „Der blaue Planet“ oder „Albatros“ Klassiker schufen, war die einzige Band im Osten, die schon vor dem Mauerfall goldene Schallplatten in der Bundesrepublik gewann. 2025 feiert die Berliner Kultband KARAT ihr 50-jähriges Jubiläum. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben.

Obwohl zu jeder Bandbiografie neben dem üblichen Auf und Ab auch einige Besetzungswechsel gehören, wollte man der Berliner Band Karat daraus einen Strick drehen. Ebenso wird gern betont, dass keines der jetzigen Karat-Mitglieder bei der Bandgründung dabei war. Doch wenn man das wirklich ganz genau auseinanderklamüsern will, müsste erwähnt werden, dass auch Ulrich „Ed“ Swillms, Karat-Keyboarder bis 1987 und Komponist vieler Band-Klassiker (und damit die Legende in dieser Band), schon einen Vorgänger hatte, nämlich den Musiker und Schauspieler Christian Steyer.

Vielleicht sollte man sich besser freuen, dass Karat alle Höhen und Tiefen überlebte, dass die Band nicht in die Bedeutungslosigkeit abdriftete, dass sie auch heute noch ihre Konzerte ausverkauft, neue Titel komponiert und neue Alben aufnimmt. Und dass sie jetzt ein rundes Jubiläum feiert: 50 Jahre Karat!

Die Anfänge von Karat

1975 in Ostberlin gegründet, ging es ziemlich schnell, bis Karat endgültig in die Riege der wichtigsten Bands der DDR aufstieg. Schnellstart in den 70ern: Im Kulturhaus «Otto Buchwitz» in Heidenau nahe Dresden wird am 22. Februar 1975 Musikgeschichte geschrieben: Bassist Henning Protzmann, Gitarrist Ulrich Pexa, Schlagzeuger Konrad Burkert, Keyboarder Ulrich «Ed» Swillms sowie die Sänger Hans-Joachim Neumann und Herbert Dreilich stehen das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Ihre Band heißt Karat.

War die allererste LP „Karat“ (1978) noch ein Achtungszeichen, wurde schon Album Nr. 2, „Über sieben Brücken“ (1979), zum Klassiker. Keyboarder Ed Swillms, Verfasser vieler Hits der Band, vertont den gleichnamigen Titelsong. Die Single schafft es in der DDR-Jahreshitparade auf Platz 2 - hinter «König der Welt», ebenfalls eine Ballade von Karat. Auch beim «Klassenfeind» westlich der Mauer kommt die Single «Über sieben Brücken musst du gehn» in die Läden.

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Der Titelsong stammte eigentlich vom Soundtrack eines gleichnamigen Fernsehfilms, und er bescherte nicht nur Karat, sondern auch Peter Maffay den bisher größten Hit. Maffay hatte nämlich die Nummer 1980 gecovert - erwähnte aber zumindest sporadisch, dass der Song eigentlich von Karat ist. Der Erfolg blieb fortan an der Seite der Karat-Musiker, und das Besondere war stets, dass die Band auch außerhalb der kleinen DDR Erfolge feierte - Karat ist die einzige Formation des Ostens, die bereits vor dem Mauerfall in Westdeutschland Goldene Schallplatten einheimste.

Als erste DDR-Band darf Karat ab 1979 alle Platten in Ost und West herausbringen. Sie werden millionenfach gekauft und sind eine wertvolle Devisen-Quelle für den sozialistischen Staat: 80 Prozent der Einnahmen durch Schallplatten und Konzerte im Westen flossen in die Staatskasse der DDR, wie Claudius Dreilich berichtet. 1982 wird das Album «Der blaue Planet» ein Riesenerfolg. Die Single «Jede Stunde / Falscher Glanz» erklimmt die Top Ten in der BRD.

Karat tritt in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auf, schafft es dort mit «Jede Stunde» auf den zweiten Platz. Auch bei «Wetten, dass..?» singen die DDR-Balladenkönige. Moderator Frank Elstner bezeichnet sie als «Diamant der Popgruppen der DDR».

Der lange Schatten der ersten Jahre

Als Karat 15 Jahre alt ist, verschwindet die DDR. Noch immer werden die Berliner als DDR-Band oder Ost-Band bezeichnet. Dreilich hat sich darüber schon viele Gedanken gemacht und ist zum Schluss gekommen: «Es lässt sich nicht wegreden. Ich empfinde es als Güte-Siegel.» Musik von Bands mit DDR-Wurzeln sei ein richtiges eigenes Genre geworden. Alle großen Karat-Hits entstanden vor dem Mauerfall.

Wenngleich sich der Erfolg der Achtziger ein Jahrzehnt später in dieser Dimension nicht wiederholen ließ, blieb Karat am Ball, und große Teile des Publikums blieb der Band treu. So füllte sie im Jahr 2000 zum 25-jährigen Bandjubiläum mühelos die Berliner Freilichtbühne Wuhlheide. Maffay kam vorbei, um „Sieben Brücken“ im Duett zu singen (was er bis heute aus diversen Anlässen immer mal wieder tut), doch die Sensation war perfekt, als der damals 30-jährige Claudius Dreilich die Bühne betrat, um den alten Karat-Song „Abendstimmung“ vorzutragen.

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Claudius Dreilich übernimmt das Erbe

Das Publikum und nicht zuletzt die Karat-Musiker waren verblüfft, denn Claudius ähnelte dem Sänger Herbert Dreilich, seinem Vater, sehr - sowohl optisch als auch stimmlich. Als dieser Ende 2004 einem Krebsleiden erlag, reifte die eigentlich naheliegende Idee unter den Karat-Musikern, dass Claudius Sänger der Band wird, die er schon seit frühesten Kindertagen kennt.

Dabei war Herbert Dreilichs Sohn ein echter Glücksfall, denn ihm war es von Anfang an zu wenig, nur ein Plagiat seines Vaters zu sein. Natürlich, es geht darum, dem Erbe gerecht zu werden, es möglich zu machen, dass die Fans die alten Hits live hören können. Aber es geht auch immer darum, dass die Band sich weiterentwickelt und eben nicht zur Oldie-Kapelle mutiert. So bringt sich der Spross auch als Komponist und Texter ein. Weitere Songs stammen von Martin Becker, der seit 1992 - immerhin auch schon 33 Jahre - Keyboarder bei Karat ist.

Beide zeichnen auch für die jüngste Produktion „Hohe Himmel“ für Kompositionen und Texte verantwortlich. Zweifelsohne profitiert das Werk auch von den Neuzugängen an Bass und Schlagzeug. Karat feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre Bandgeschichte. Die Musiker, die mit Songs wie „Über sieben Brücken“ und „Der blaue Planet“ deutsche Rockgeschichte geschrieben haben, veröffentlichen zu diesem Anlass das neue Album „Hohe Himmel“.

Krebstod und K…!: Nach dem Mauerfall gibt es auch für Karat eine Karriere-Delle, die Fans zieht es zur Westmusik. Aber bald kehren sie zurück. Doch im Oktober 1997 erleidet Sänger Herbert Dreilich bei einem Konzert einen Schlaganfall. Rund ein halbes Jahr später steht er wieder auf der Bühne, aber es bleiben ihm danach nur noch einige Jahre. Im März 2004 gibt das Karat-Management bekannt, dass Dreilich an Leberkrebs erkrankt ist. Am Ende des gleichen Jahres stirbt er - mit 62 Jahren.

„Das war der Wunsch meines Vaters Herbert Dreilich. und der gesamten Band“, erinnert sich der Rock-Sänger. Sohn fühlte sich endgültig in die Pflicht genommen. „Karat war für mich immer wie eine große Familie. Die Band ist zugleich ein Unternehmen, an dem Familien hängen, die Musiker, die Techniker und viele mehr.

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Natürlich war Claudius Dreilich klar, dass der Wechsel vom Manager-Posten zu Karat für ihn finanzielle Einbußen bedeutet. „Geld ist für mich nicht das Wichtigste.

Dass er damit überzeugen kann, bewies er beim Jubiläumskonzert der Band im Jahr 2000 in der Berliner Wuhlheide. Vater Herbert Dreilich war vom Sohn überzeugt: „Du bist die Rampensau, Du kannst das“, so die Erinnerung von Claudius Dreilich. „Ich hätte aber nie gedacht, dass ich es schaffe. als Nachfolger seines berühmten Vaters den Erfolg weiterführen konnte. verbreitete. Am 12. Dezember 2004 verstarb Herbert Dreilich im Alter von erst 62 Jahren.

Bis Dezember sind bundesweit knapp 60 Konzerte terminiert - unter anderem in der Hamburger Elbphilharmonie und der Dortmunder Westfalenhalle. Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erscheint das neue Album «Hohe Himmel». Dreilich beschreibt die Gemeinsamkeit der neuen Songs so: «Es geht einzig und alleine um den Menschen. Um die Schattenseiten und die Sonnenseiten.» Und es gilt weiterhin: «Wir arbeiten viel mit Metaphern und zynischen Andeutungen.

Einblick in Claudius Dreilichs Leben

Claudius Dreilich ist der Sohn der Karat-Legende Herbert Dreilich und wuchs in der DDR auf. Im Gespräch berichtet er von den Herausforderungen seiner Kindheit. Er erinnert sich daran, wie Lehrer ihn schikanierten, weil er West-Jeans trug - ein für viele selbstverständliches Kleidungsstück, das im DDR-Alltag Misstrauen und Ablehnung hervorrief.

Nach der Ausreise in den Westen erlebte Claudius Dreilich, was es bedeutet, in einer völlig anderen Welt anzukommen. Die vollen Supermarktregale, die schier endlose Auswahl - für ihn anfangs kaum zu begreifen. Er erzählt bei Oliver Dunk, wie er sich nicht traute, allein einkaufen zu gehen, weil ihn die Fülle der neuen Eindrücke überforderte.

Claudius Dreilich denkt gerne an seine Jugendzeit in Halle zurück. Er wäre lieber in der DDR geblieben. Mutter Uta Schnelle war anderer Ansicht. kalten Februar 1987 fand sich Claudius Dreilich schließlich in Saarbrücken wieder. „Da war für mich alles sehr ungewohnt. Ich hatte große Probleme mit den Menschen und dem anderen System.

Claudius Dreilich lernte Koch und Hotelkaufmann, „doch das war nichts für mich.“ Mit „mäßigen Schulnoten“ kam er in einem Praktiker-Baumarkt als Verkäufer unter. Einzelhandelskaufmann die Ausbildereignungsprüfung und saß schließlich im Prüfungsausschuss der IHK. hatte! Es begann ein kometenhafter Aufstieg. miesen Schulnoten und dem leicht gestörten Verhältnis zur kapitalistischen Überschuss- und Wegwerfgesellschaft wurde zur universell einsetzbaren „Geheimwaffe“ in dem schwedischen Konzern. „Ich war direkt der Zentrale in Schweden unterstellt“, erinnert er sich.

Russland, „dabei waren meine Sprachkenntnisse eher bescheiden“. Er war über fünf Jahre in Moskau, „das bedeutete viel Geld und soviel wie keine Freizeit. Woche waren selbstverständlich.“ Trost fand er bei der Russin Olga. Nach so langer Zeit in der von massiven Umbrüchen bewegten russischen Metropole „bekam ich das Angebot, sozusagen zur Erholung nach Österreich zu gehen. Dort habe ich dann zwei Ikea-Märkte neu strukturiert. Dann kam 2004 das Angebot, nach Shanghai zu gehen.

Ein Thema, das ihn immer begleitet hat, ist die Musik. Claudius Dreilich schildert, wie er zum Gitarrenspiel kam und welche Rolle die Karat-Musik schon in seiner Kindheit spielte. Die Gitarrengriffe schaute ich mir bei Herbert ab. Er spricht über die Herausforderungen, den Erfolg von Karat weiterzuführen, und darüber, wie sich die Band im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat.

Mit dem aktuellen Album „Hohe Himmel“ blickt Karat auf die eigene Geschichte, mit einem Sound, der an die Alben aus den 70er Jahren anschließt. Wdh. Wer die Kultband Karat hört, denkt - am wenigsten an Erkner. Ufer des Dämeritzsees. Karat-Frontmann Claudius Dreilich war vor drei Jahren nach Erkner gezogen.

Kultband Karat, die es seit 1975 gibt. Doch Starallüren hat er nicht. Er kommt im unauffällig weißen Skoda, erscheint mit Dreitages-Bart. Eben lässig, rockig, selbstbewusst - und immer nett. Dass er mal für sein aufbrausendes Wesen berüchtigt war, davon ist nichts zu spüren. Er hat keine Zeit, und nimmt sie sich doch für unser Gespräch. Und spricht offen über alle Fragen, sofern sie nicht sein Privatleben betreffen. außerhalb der Musik kennengelernt haben, gibt er preis. Schnelle.

Er erinnert sich noch gut an seine Kindheit: „Ich wuchs mit der Karat-Musik auf. Mein Vater war in der DDR ein Superstar. Für mich war das nicht immer gut. Zusammenhang mit meinem Vater klar wurde, interessierte sich niemand mehr für mich sondern nur noch für meinen Vater.

Nach Erkner hat ihn übrigens die Liebe zum Wasser gebracht. bin“, berichtet er. Die Gegend ist ja bei gestandenen Rockern beliebt. Kurzhals wohnt hier ebenfalls. „Wir treffen uns manchmal, aber noch öfters sehe ich seinen Sohn, der tolle Musik macht“, berichtet Claudius Dreilich. Rahnsdorf Kollegen der Puhdys, bei denen Herbert Dreilich 1968 für kurze Zeit eingestiegen war, bevor er später selbst mit Karat zum Star wurde.

Diese Erfahrung lässt Claudius Dreilich, heutiger Frontmann der Band Karat, bis heute nicht los. Als er als kleiner Junge abends im Bett lag und Karat-Gründungsmitglied Neumi Neumann mit einem Monsterkopf ins Kinderzimmer stürmte und ihn erschreckte.

„Es gab damals ganz viele Treffen bei uns zu Hause in Halle“, erinnert sich Claudius Dreilich im Interview mit Schlager Radio. „Es gab da eine große Party und ich hatte mein Kinderzimmer ganz oben unterm Dach. Ich musste früh ins Bett an diesem Abend. Da war ich natürlich nicht glücklich drüber und ich lag da im Bett so ein bisschen sauer. Plötzlich hörte ich das Knacksen der Treppe und ein Poltern als plötzlich dann die Tür aufsprang und ein großer gebastelter Monsterkopf in mein Zimmer rannte. Dieser lachte ganz laut und drehte sich wieder um.“

Der Kopf sei extra für Bühnenauftritte gebastelt worden-, für das Stück das Monster. Dreilich weiter: Das Ergebnis war, dass ich eine halbe Stunde Starr im Bett lag und meine Mutter stinksauer auf Neumi war. Ich habe ihm das dann auch Jahre lang etwas krumm genommen. Heute haben wir uns aber wieder lieb.

Die Entscheidung, in Zukunft getrennte Wege zu gehen, fällt wohl keinem Paar leicht; es wird umso schwerer, wenn einer der Partner in der Öffentlichkeit steht. Also haben Claudius Dreilich, 52, und seine Frau Belinda, 35, beschlossen, ihre Trennung selbst bekannt zu geben. So schmerzlich es für die beiden auch sein mag: Nach sieben Jahren ist ihre Beziehung an einem Punkt angekommen, an dem es nicht mehr weitergeht.

„Leider haben wir auf dem Weg, den wir gemeinsam gehen durften, unsere Liebe verloren“, so das Paar. Am „verflixten siebten Jahr“ sind schon viele Lieben zerbrochen. Der schlechte Ruf dieses Beziehungs-Jahrs kommt nicht von ungefähr: Die erste Verliebtheit ist längst abgeklungen und die Liebe im Alltag angekommen.

Nun entscheidet sich, wie kompatibel man tatsächlich ist; wie gut man es schafft, mit den täglichen Herausforderungen umzugehen und die Macken und Bedürfnisse des anderen zu akzeptieren. Das ist schon für Paare, die sich in demselben Kosmos bewegen, nicht einfach. Für Claudius und Belinda war es wohl noch komplizierter: er der charismatische Musiker, der auf der Bühne steht und oft unterwegs ist; sie die taffe Unternehmerin, die als Geschäftsführerin mehrerer Autohäuser große Verantwortung trägt - das ist keine einfache Mischung.

Schon in ihrem ersten Interview, das die beiden SuperIllu 2016 als Paar gaben, hatten sie erklärt, wie schwer es ihnen falle, so häufig getrennt zu sein. „Das ist, ehrlich gesagt, oftmals schon blöd. Manchmal wäre man einfach lieber zusammen“, gab Claudius damals offen zu. „Aber das war ja von Anfang an so. Der Karat-Frontmann hat im kleinen Kreis in Brandenburg seiner Belinda das Ja-Wort gegeben. Die Fotos, die Gäste, der Ring.

Zu all den typischen Alltags-Herausforderungen kam dann schließlich noch Corona hinzu: Wie für die meisten Menschen war die Pandemie sicher auch für das Paar keine leichte Zeit. Nicht für den Musiker, der nicht auftreten durfte. Und auch nicht für die Geschäftsfrau, die sich um die Zukunft des Unternehmens sorgte. Dabei hatte 2015 alles so romantisch begonnen: Claudius und Belinda lernten sich am Aufzug eines Hotels in Binz auf Rügen kennen. „Ich wusste damals nicht, wer er war“, verriet Belinda später.

Gleich am ersten Abend redeten sie stundenlang miteinander. „Schon da habe ich zu ihr gesagt: ‚Ich weiß nicht, wie es dir geht, was du daraus machen willst, aber wenn du dich für mich entscheidest, kann ich sagen: Das passt!‘“, erinnerte sich Claudius im Pärchen-Interview ans erste Treffen. Für beide war es wahre Liebe: „Das Gefühl, das ich bei Belinda von Anfang an hatte, habe ich vorher so nie erlebt“, sagte Claudius damals. Zwei Jahre später, im Dezember 2017, machten die beiden Nägel mit Köpfen.

Ihre Hochzeit war ein fröhliches Fest voller Liebe, nur mit Freunden und Familie. Was sie aneinander liebten? „Dass es so herrlich unkompliziert ist“, sagte Belinda. „Wenn wir zusammen sind, haben wir eine Menge Spaß!“ Und Claudius schwärmte: „Ihre offene, freundliche, direkte und herzliche Ausstrahlung. Am Ende hat es nicht gereicht.

Was letztlich für das Ehe-Aus verantwortlich war? Das wissen nur die beiden - und so soll es bleiben. So traurig ihre Trennung auch ist: Sie sind nicht das erste Paar, das sich im Laufe der Zeit gegenseitig verloren hat - und sie werden wohl auch nicht das letzte sein. Eines aber steht für Claudius und Belinda definitiv fest: „Wir sind nicht bereit, unsere Jahre, die wir gegangen sind, durch einen Scheidungskrieg klein zu machen.“ Sie haben sich sehr geliebt - also möchten sie sich auch in Zukunft gerade in die Augen schauen können.

„Über sieben Brücken musst Du gehen", "Der blaue Planet" und natürlich "Schwanenkönig" sind Klassiker der DDR-Rockgeschichte und untrennbar mit der Band Karat und dem Namen "Dreilich" verbunden. Herbert Dreilich, Sänger der Band, verstarb 2004 an einem Krebsleiden, sein Sohn Claudius Dreilich übernahm den Gesangspart und interpretierte die Songs seines Vaters.

Was Anfangs mit Skepsis betrachtet wurde, entwickelte sich zu einem vollen Erfolg. Claudius Dreilich spielt Gitarre und erstellt Kompositionen für die Band.

Längst hat es die Runde gemacht: Die Berliner Kultband KARAT feiert 2025 ihr 50jähriges Jubiläum. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken. Die meisten davon - seien wir doch ehrlich - sind dabei längst zu nostalgischen Coverbands ihrer selbst geworden.

KARAT sind einen anderen, ihren eigenen Weg gegangen: Dem der permanenten Suche, der ständigen Bewegung und Selbstbefragung. Es hat in diesem fünf Jahrzehnte währenden Prozess einige Brüche gegeben. Musiker, die jahrelang Kurs und Klang der Band maßgeblich prägten, machten Platz für neue Charaktere und neue Ideen. Eine permanente Frischzellenkur, ein ständiger Verjüngungsprozess. Die heute den 50. Bandgeburtstag feiern, kommen zum Teil aus anderen Generationen, bieten von ihrer Lebenserfahrung her ein breit gefächertes Spektrum. Und trotzdem, oder vielmehr: Gerade deshalb blieb die Idee dahinter immer jung.

Exemplarisch deutlich wird diese einzigartige Bandentwicklung als offenes Kreativsystem in der Position den Frontmanns: Die hatte Herbert Dreilich drei Jahrzehnte inne. Dabei wurden die größten Erfolge der Band gefeiert, er hat ihnen quasi ein Gesicht gegeben. Seit zwei Jahrzehnten steht sein Sohn an seiner Stelle. Er brachte die Skeptiker längst zum Schweigen und hat den Beweis angetreten, dass er seinem Vater nicht nur äußerlich ähnlich sieht, sondern auch dessen kreative Energie geerbt hat. Doch keineswegs ist Claudius Dreilich eine Kopie, sowohl mit seinem Gesang, als auch mit seinem Charisma und seiner dennoch nahbaren Extrovertiertheit avanciert er zu einer Künstlerpersönlichkeit. So kann er der Band heute genauso Motor sein, wie es sein Vater 30 Jahre lang war.

50 Jahre KARAT sind zuallererst die etlichen, großen Hits - inzwischen allesamt gestandene Klassiker. Aber sie passen wunderbar ins Hier und Jetzt, weil sie im eigentlichen Sinne zeitlos sind: Hier wird nicht die Asche des Feuers angebetet, sondern dessen Glut weitergetragen. 50 Jahre KARAT sind fünf Dekaden deutsch-deutsche Musikgeschichte. Gleich im ersten Jahrzehnt entstehen etliche Meilensteine, in der BRD ehrt man sie mit Goldenen Schallplatten, sie sind Gast bei „Wetten dass…“ und Peter Maffay feiert seinen bisher größten Hit mit dem Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du gehn“ - das alles war nicht nur höchst erfreulich, sondern eine Sensation - für eine Band aus dem Osten. Die zweite Dekade beginnt mit der Verleihung der Goldenen Europa (1986) und endet im längst wiedervereinten Deutschland mit dem bereits zehnten KARAT-Album „Die geschenkte Stunde“ (1995) - drei Jahre zuvor holen Gitarrist Bernd Römer und seine Kollegen den neuen Keyboarder Martin Becker in die Band.

Das dritte Jahrzehnt vereint Highlights wie einen Auftritt beim „Rockpalast“ und eine Tournee mit dem Filmorchester Babelsberg, aber es endet tragisch: Herbert Dreilich erliegt 2004 seinem Krebsleiden. Eine neue Ära beginnt mit der vierten Dekade, denn mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben KARAT den Glücksfall, dass die Band den schweren Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet hat. Und sie bleiben erfolgreich: Neben vielen eigenen Tourneen sind sie Teil der „Ostrock Klassik“-Konzerte, holen sich für eine Weihnachtstour ein A cappella-Frauenquintett dazu, kollaborieren mit den Kieler Philharmonikern und freuen sich über die Interpretationen ihrer Songs von (u.a.) Helene Fischer, Chris de Burgh und Max Raabe. Nicht zuletzt gibt es mal wieder eine Goldene Schallplatte (2010 für „Vierzehn Karat“) und fünf Jahre später die Goldene Henne.

Auch in der bisher letzten Dekade befinden sich KARAT auf der Überholspur, so wird mit Universal Music ein neuer Vertriebspartner für die neuen Alben gefunden und selbst eine Pandemie kann diese Band nicht stoppen: KARAT melden sich mit Auto- und Hotelzimmer- sowie ca. 40 Konzerten mit eingeschränkter Zuschauerzahl aus der Covid19-Versenkung zurück. Die fünfte Dekade steht ebenso für einen weiteren Besetzungswechsel: Daniel Bätge sowie Heiko Jung sind die Neuzugänge an Bass beziehungsweise Schlagzeug. Man kennt die gestandenen Musiker beispielsweise aus ihrer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Jan Josef Liefers oder Clueso. Nun sorgen sie mit Groove, Leidenschaft und musikalischem Können für ein neues Energielevel bei KARAT.

Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden KARAT fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern. Sie werden aber auch mit jedem Ton deutlich machen, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist und sie weiterhin nicht zur Oldiekapelle mutieren.